Dritte Etappe: Ingolstadt-München

Heute bin ich erst spät aufgebrochen und trödelte etwas. Der Tag begann sehr sonnig. Zuerst kaufte ich einen USB-Adapter für die verschiedenen Anschlüsse (C, Mini und Mikro), um meine Powerbank aufladen zu können. Dann besorgte ich eine zweite Wasserflasche für’s Rad. Die notwendigen Läden waren in der Nähe des Hotels gelegen, sodass ich mich erst nach der Einkaufstour ausbuchte und in die City von Ingolstadt aufbrach. Da schlug die Uhr vom Liebfrauenmünster auch schon 12 Uhr.

Bin ich zufällig durchgefahren: Das Kreuztor ist das Wahrzeichen von Ingolstadt.

Ich fotografierte unterwegs viel und telefonierte. Die Wege führten mal näher an die Ilm heran, mal weiter weg. Eine Auenlandschaft mit Wäldern und Wiesen und Hopfenanbau. Auf einem Acker war die Kartoffelernte im Gange. – A Propos Hopfen. Die Preise für das Hefeweizen auf dem Lande sind schon faszinierend: 2,90 Euro in der Schlossgaststätte Bertoldsheim an der Donau. In Stuttgart sind dafür auch mal 4,50 Euro fällig.

Pfaffenhofen bot sich für die Mittagspause an, aber ich hatte noch keinen Hunger und machte nur Fotos von lustig bemalten Häusern. Ich rastete erst kurz nach drei Uhr in Hohenkammer. Ich musste mein Handy für die Navigation wieder aufladen. Ein Café in einem Supermarkt hatte keine Steckdosen. Eine Pizzeria hatte bereits geschlossen, aber eine Bäckerei mit Café hatte geöffnet und auch genug Steckdosen. Inzwischen war der Himmel zugezogen. Im Süden bauten sich Gewitterwolken auf.

An diesem Regenbogenhaus in Pfaffenhofen kam ich noch rechtzeitig zum Fotoshooting.

Über Unterschleißheim führten Schnellradwege nach München, schön asphaltierte Rennstrecken entlang der Ausfallstraßen. Im Olympiapark war mein Handy-Akku fast alle. Die gut 40 Prozent Ladung in der Bäckerei hatten nicht bis zum Ziel ausgereicht. Ich stöpselte die Powerbank an, die noch Strom hatte. Vom Olypiastadion tönte ein Konzert. Ein Rocker brüllte zu einem mächtigen Klangteppich aus E-Gitarren und Schlagzeugen, während Rikscha-Fahrer im Park umherkurvten. Die armen Gäste mussten sich dazu lästiges Geplärre aus mitgeführten Lautspechern anhören.

Begeistert war ich von den Radstraßen. Das sind genau die Rad-Highways, die in Stuttgart fehlen. Ganz normale Radwege fehlen natürlich auch. Kurz vor sieben Uhr erreichte ich mein Hotel in Laim. Nach dem Duschen ging ich zum Aldi um die Ecke, um drei leere Plastikflaschen abzugeben und Nachschub zu besorgen. Da rief mich mein Bruder an. Als ich fertig war, war der Laden zu. 20 Uhr. – Ich fuhr zum Hauptbahnhof, zum Marienplatz geht es wegen Bauarbeiten gerade nicht. Lidl zu. Rewe zu. Müller zu. In der ganzen City kein Spätverkauf. Die haben in München offenbar andere Ladenöffnungszeiten. Ich schlenderte etwas durch die Straßen und aß einen Döner. Immer noch mit meinen leeren Flaschen bewaffnet. Ich kam mir wie ein Flaschensammler vor, mit T-Shirt und Schlabberturnhose. Ein alkoholfreies Hefeweizen habe ich nicht bekommen, aber ein Frisör gegenüber von einem gut besuchten Puff hatte noch geöffnet und zahlreich Kundschaft.

Radstraße in München
Nachtleben im Bahnhofsviertel in München. Zwei Straßen weiter ist tote Hose.

Zurück im Hauptbahnhof fand ich einen Edeka. Auch da gab es kein alkoholfreies Hefeweizen, dafür wurde ich meine Flaschen los. Von außen sieht man den Bahnhof nicht, zumindest nicht vom Bahnhofsplatz. Es ist ein dunkles Gebäude mit ein paar Bauschildern. Eine große Baustelle, die sich offensichtlich auch nach den Ladenschlusszeiten richten muss. Hier bewegt sich kein Bagger mehr, kein Schild ist beleuchtet. Kaum zu glauben, dass irgendwelche Reisenden unterwegs sind. Innen ist dagegen alles normal, es herrscht Betriebssamkeit im abendlichen Neonlicht.

Ich bin nicht sicher, ob ich hier wirklich regelkonform eingekauft habe.

Fazit für heute: Sehr gut ausgebaute Radwege bis nach München hinein, eine schöne Landschaft entlang der Ilm. Und etwas Muskelkater.

Veröffentlicht unter Radtour, Reisetagebuch, Sommerradtour 2019 | Hinterlasse einen Kommentar

Zweite Etappe: Neu-Ulm-Ingolstadt

137 Kilometer :: 6:50 Stunden :: 1.170 Höhenmeter

Mit den beiden großen Gepäcktaschen führe ich 10,2 Kilo Gepäck mit. Es kommen noch zwei kleine Plastikwasserflaschen dazu. Also plus ein Kilo. Ich habe nämlich meine zweite Rad-Wasserflasche, die in die Halterung am Rahmen passt, nicht dabei. Ich muss sie irgendwo liegen lassen haben. Zweites Manko: Mein Mikro-USB-Ladekabel für die Powerbank hat es auch nicht ins Reisegepäck geschafft – oder ich habe es aus Versehen abgeworfen. Dumm auch, dass man die Powerbank mit Mikro-USB aufladen muss, während das Mobiltelefon Mini oder jedenfalls was anderes haben will. Da ich das Handy als Navi nutze, brauche ich nach ein paar Stunden Strom, wenn der Akku zur Neige geht. Mit anderen Worten: Ich muss das Handy in der Mittagspause aufladen, was Zeit kostet. Und morgen in Ingolstadt mal einkaufen.

Der Tag begann sonnig, aber mit Gegenwind aus Nordost, der mich etwas nervte. Mein Lieblingsschild an der Donau warnte vor „kopflosen Kanufahrern“. Auf dem dreieckigen Schild mit breitem roten Rad war ein Männlein zu sehen, dessen Kopf in einem Kanu steckte, dass er mit beiden Händen über sich trug. Die Wege an der Donau waren schön, sind aber keine Rennstrecken. Der Belag bestand in der Regel aus weißem Kalkstein-Kies. An der Donau sind bis nach Ingolstadt keine Wege durchgängig zu fahren, sei es, weil es die Auenlandschaft mit den verzweigten Donauarmen es nicht zulässt, sei es, weil größere Umwege zu nehmen wären, die ich mir sparen wollte.

Über Günzburg, vorbei am Atomkraftwerk Grundremmingen, Gundelfingen und Dillingen erreichte ich am Mittag Höchstädt, wo ich bei der Bäckereikette Ihl einkehrte, um mein Handy zu laden und Erdbeerkuchen zu essen. Das mit dem Kuchen in der Radlerpause habe ich von Kollege Jens. Die Kohlehydrate stehen für die weitere Radtour dann schnell zur Verfügung. Wirkt. – Zwischendurch war es etwas kühl geworden, aber die Wolken hatten sich zum Glück wieder verzogen. Leider gab die Steckdose nicht genug Strom her, jedenfalls dauerte es gefühlt eine Ewigkeit, bis ich mal 70 Prozent geladen hatte.

In Donauwörth haben sie Hubschrauber im Kreisverkehr. Grund: Hier ist Airbus Helicopters angesiedelt. Ich hatte mich schon gewundert, warum es in der Gegend ständig größere Flughäfen gibt. Strauß hat mit seiner Industriepolitik Bayern bis heute nachhaltig geprägt. Großindustrie plus Konservatismus. – Und so fährt man durch idyllische Städtchen und Dörfer, in denen es nach Mist stinkt, während sich Airbus-Helicopter und Bundeswehr-Kampfbomber am Himmel abwechseln. Airbus Helicopters wirkt beeindruckend modern und groß. Das Türschild verrät, dass auch die Bundeswehr in der Firma ihren Platz hat. Sehr praktisch. Man nennt es den militärisch-industriellen Komplex.

Nach Neuburg führten die gut asphaltierten Wege über ein paar steilere Anstiege. Am Ortseingang gab es einen schönen Blick auf das Schloss. Ich wollte ein Foto machen, was auch klappte. Aber Komoot machte wegen des niedrigen Akkustandes schluss und ich musste die Tagesetappe vorzeitig speichern. Am Schloss gab es eine kleine Pizzeria mit Steckdose, sodass ich für das letzte Stück das Handy nochmal laden konnte. Ich trank eine Apfelsinenbrause und fuhr die letzten 20 Kilometer in der untergehenden Sonne nach Ingolstadt. Mein linkes Bein zwickt etwas. Fühlt sich an wie eine Mischung aus Krampf und blauer Fleck. Das Abendessen: 1,25 alte Brötchen, 120 Gramm Schwarzwälder Landjäger (gut für die Elektrolyte) und eine Cola (gut für den Zuckerhaushalt).

Veröffentlicht unter Radtour, Reisetagebuch, Sommerradtour 2019 | Hinterlasse einen Kommentar

Erste Etappe: Stuttgart-Geislingen-Neu-Ulm

Das wurde ja auch Zeit. Nachdem das Regenband jetzt durch ist, hab ich mich mal auf Tour begeben. Ich wollte ja schon am Samstag starten. Egal. Man kann es auch nicht erzwingen. Die Sonne scheint wieder. Der Sommer ist zurückgekehrt.

Ich bin erst am Nachmittag losgekommen. Es war noch so viel zu erledigen. Abwasch. Gelber Sack. Post. Die nächsten beiden Unterkünfte buchen. Etwas Tour-Recherche betreiben. Betten beziehen für die Gäste, die während meiner Abwesenheit die Wohnung nutzen. E-Mails checken… Gegen 15 Uhr brach ich schließlich auf.

Im Prinzip kenne ich die Strecke schon. Da ich am Samstag einen Amnesty-Termin in München habe war klar, das ich Richtung Osten aufbreche, bevor es dann nach Norden geht. 100 Kilometer sind für eine Tagesetappe genau das richtige, zumindest bei Tourstart. Also Ulm, bzw. Neu-Ulm. Die Komoot-App will mich immer zuerst ganz böse über den Frauenkopf schicken und dann über Kirchheim und Laichingen auf die Alb. Das wären sicher nochmal 500 Höhenmeter mehr geworden. Nichts gegen diese Strecke. Gerne bei Gelegenheit mal. Man kommt dann über den Blautopf nach Ulm rein. – Für heute reichte mir das Neckartal und das Filstal und der Albaufstieg hinter Geislingen, der vergleichsweise harmlos ist. Ein Schild verrät, dass der Aufstieg 1825 gebaut wurde, also eine Verkehrstrasse. Der Zug muss dann wohl später dazu gekommen sein. Durch dieses Nadelöhr müssen sich auch die ICEs zwängen und sind dann genauso schnell in Ulm wie der Nahverkehr.

Nach 50 Kilometern habe ich in der Regel den ersten Hunger. So auch heute. In Göppingen genehmigte ich mir auf dem Marktplatz ein Eis und schob noch einen Hafersonstwaskörnerriegel nach. Für die Alb. Am Göppinger Mineralbrunnen füllte ich Wasser nach und brach schnell wieder auf. Denn um 21 Uhr schließt regelmäßig die Rezeption im Donauhotel in Neu-Ulm. – Positiv sind mir auf der Strecke die Ortseingangsschilder an den Radwegen aufgefallen. Man weiß ja sonst nicht, welcher Ort es ist, wenn man nicht auf der Straße unterwegs ist. Das Städtchen Süßen hat ein solches zum Beispiel, auch Kuchen und Geislingen. Schmal und grün mit einem Städtepiktogramm. Passt.

Auf der Alb war es etwas kühler. Ich überlegte, mir etwas Langärmliges anzuziehen, verzichtete aber aus Zeitgründen darauf. Die Strecke nach Ulm zieht sich dann doch etwas, es gibt noch ein paar fiese, aber kurze Anstiege. Ich rief schließlich das Hotel an, dass ich später eintreffen werde. Der Rezeptionist belehrte mich, dass ausdrücklich 21 Uhr im Internet steht. Also gab ich etwas mehr Muskel auf die Pedalen. In Lehr brachte ich noch schnell mein Licht am Lenker an, als ich bei meinen Wochenendgästen meinen Hausschlüssel noch schnell in den Briefkasten einwarf.

Nach Ulm saust es sich entlang der B 10, und was da noch so ist, recht fix hinunter. Um 21:12 Uhr konnte ich den Rezeptionisten von seinem Dienst erlösen. Er schloss mir noch eine Garage für das Rad auf und war auch ansonsten recht guter Laune.

Veröffentlicht unter Radtour, Reisetagebuch, Sommerradtour 2019 | Hinterlasse einen Kommentar

Sommerradtour 2019: neuer Plan

Urlaub – endlich. Jetzt wird es Zeit für die Sommerradtour. Doch die erste Etappe zum Schwimmbadfest nach Wachenheim (133 Kilometer) fällt schon einmal ins Wasser. Die Wetterlage ist instabil, es regnet. Ich packe deshalb die Badehose ein und nehme das Auto. Am Sonntag werde ich nach Wetterbericht entscheiden.

Die ursprünglich geplante Südroute (Wachenheim, Strasbourg, Basel, Konstanz, München) ist gestrichen. Ich muss auf alle Fälle am 24. August zu einer Sitzung in München sein und etwa eine Woche später in Halle. Dann soll es über die Saalemündung, Kyritz an der Knatter an die Müritz und weiter an die Ostsee gehen. Mal schauen.

Das Rad bleibt am Wochenende erst einmal geputzt zu Hause.
Veröffentlicht unter Radtour, Reisetagebuch, Sommerradtour 2019 | Hinterlasse einen Kommentar

Sechste und letzte Etappe: Trient-Verona

107 Kilometer, 770 Höhenmeter, 5:39 Stunden (netto)

Bei 32 Grad im Schatten erreichten wir heute Abend gegen 18 Uhr Verona. Die Tourist Information hatte gerade noch geöffnet, sodass wir schnell noch eine Unterkunft für zwei Nächte fanden. Das Einchecken in der Via Caserma Ospital Vecchio war etwas holprig, da wir kaum Italienisch und die Wirtin kaum Deutsch oder Englisch sprach. Unser Zimmer wurde noch gerichtet. Nach einer kurzen Wartezeit sprangen wir unter die ersehnte Dusche.

Hier im Trentino und in Venetien ist schon Hochsommer. Wir sind jetzt schon tagelang durch den Wein gefahren. Heute sahen wir Bewässerungsanlagen, manchmal an System von schwarzen Schläuchen, die die direkt die Weinstöcke mit Wasser versorgen oder die klassische Beregnungsanlage von oben mit einem Verteiler, der rhythmisch den Wasserstrahl abbremst und so die Nah-Fernverteilung gewährleistet. Fitz, fitz, fitz… Auf dem Radfernweg im Etschtal gab es kaum Schatten. Wir fuhren bei sengender Hitze. Heiße Luft stieg vom Asphalt auf. Kurz vor dem Örtchen Sabbionara rasteten wir. Es war weit und breit die einzige Raststelle mit Bank und Tisch, die im Schatten lag. Wir entschieden, nach Verona durchzufahren. Das Tal wurde enger. Die Etsch zwängte sich zwischen den Bergen hindurch, floss am nakten Felsen vorbei, der senkrecht einige hundert Meter in die Höhe ragte. In Volargne gab es eine Wasserstelle, die wieder gut besucht war. Wir tranken und füllten unsere Vorräte auf.

Das Schild begleitet uns seit zwei Tagen: Die Agrokultur-Radroute.

Die Route führte uns an einem Bewässerungskanal entlang durch Vororte von Verona. In den Gärten und Plantagen am Kanal waren Feigen- und Pfirsichbäume zu sehen. „Wir müssen hier später im Jahr nochmal vorbeikommen“, sagte ich zu Burkhard. Dank des Sonntags war der Stadtverkehr von Verona recht zahm. Ich hatte mein ganzes Wasser aufgebraucht und hatte schon wieder Durst. In einem Café an der Tourist Information tranken wir noch etwas, bevor wir das Quartier aufsuchten.

Als die Glocken acht Uhr schlugen, flanierten wir durch die Altstadt. Warme, weiche Sommerluft umspülte uns. Die Hitze des Tages klang leicht ab. Vor dem Theater langen riesige Teile zweier Bühnenbilder herum: Aida und womöglich „Die Päpstin“, jedenfalls etwas christlich-religiöses. In der Fußgängerzone lag ein Mensch auf dem Boden und wurde von Leuten erstversorgt. Wir kehrten in ein italienisches Restaurant ein und bestellten Pizza. Die Amerikaner waren in der Mehrheit, zumindest, was die Gesprächslautstärke bei Tisch angeht. Wir vertilgten alle drei Pizza. „Tutto va bene“, bestätigten wir der Bedienung auf Nachfrage. Halbzehn schleppten wir uns müde in die Unterkunft. Auf dem Platz vor dem Theater schossen Leute blaue Lichter mit Propeller in die Höhe. Die Dinger fielen wieder zu Boden und wurden von den Eigentümern aufgefangen oder jedenfalls nach der Landung gefunden. An einem Springbrunnen auf der Piazza Cittadella schlafen betrunkene Penner. Eine Frau liegt im Gras.

Theater in Verona
Verona
Springbrunnen an der Piazza Citadella (Verona)
Straße in Verona
In einem Gewerbegebiet vor Verona reihen sich die Marmor-Firmen aneinander.
Etsch vor Verona
Wasserstelle
Weinfass am Wegesrand. Der Lavendel duftet bereits intensiv.
Veroneser Vorort Bussolengo
Diese Blüten riechen intensiv süß. Wahrscheinlich Jasmin.

Bilanz

6 Etappen, 490 Kilometer, 5350 Meter Anstieg (GPSies), 5080 Meter Anstieg (Komoot)

GPX-Dateien zum Download:

Veröffentlicht unter Murnau-Verona, Radtour, Reisetagebuch | Hinterlasse einen Kommentar

Fünfte Etappe: Bozen-Trient

72 Kilometer, 670 Höhenmeter, 3:49 Stunden (netto)

In der Fußgängerzone zu übernachten ist so eine Sache. Es ist zwar alles schön zentral gelegen, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, Bank und so weiter. Beim Einschlafen hat man dann aber auch die Partys im Ohr, die noch so am Gange sind. Und früh am Morgen die Kehrmaschinen oder die Müllabfuhr. – Aufgrund der hinreichend großen Bettschwere konnte ich aber bald einschlafen und bekam das eine oder andere Gejohle nur im Halbschlaf mit, wo bei mir zuverlässig die Traumakkomodation greift. D. h. ich integriere äußere Reize dann in den gerade laufenden Traum.

Ausrüstung Teil II: Zum Rad an sich hatte ich ja gestern geschrieben. Für Radtouren nutze ich wasserdichte Radtaschen, die hinten am Gepäckträger angebracht werden. Die haben bisher immer gute Dienste verrichtet. Mit einem Griff sind die befestigt. Eine Schließvorrichtung mit Feder verhindert, dass sie sich lösen können. Sicherheitshalber habe ich noch drei Spanngurte dabei, falls ich mal eine Pizza auf dem Gepäckträger zusätzlich befestigen muss. Oder ähnliches Transportgut. In die Taschen kommt das Hauptgepäck: Unterwäsche zum Wechseln, Funktionskleidung (drei Funktionsshirts, Strümpfe, eine leichte Wanderhose für den Stadtbummel oder bei Regen, eine Trainingshose zum Radfahren, falls es kalt wird, zwei kurze Radhosen, eine Regenjacke), Sonnencrème, Bahntickets, eine zusätzliche Kreditkarte, falls die Mafia meine Hauptkarte missbraucht (wie in den USA geschehen), Laptop, Netzteile für den Laptop und das Mobilfunkgerät, eine Powerbank, einen Lenkerhalter für das Mobilfunkgerät, Waschzeug und etwas Proviant (Tiroler Kaminwurz, möglichst scharf, für die Elektrolyte und ein Brötchen oder etwas in der Richtung). Die Lenkertasche habe ich mir das erste Mal eingespart, dafür habe ich eine Oberrohrtasche für Taschentücher, ein kleines Schweizer Messer und die Powerbank, falls ich mit dem Mobilfunkgerät navigiere und der Strom alle ist. In der Satteltasche befindet sich ein Werkzeugset, eine Lampe, die ich bei Bedarf am Lenker anbringe, ein Kugelschreiber und ein Schlüsselbund.

Meine Lieblingsfunktionskleidung wasche ich nach der Tagestour in der Unterkunft immer. So habe ich seit neuestem ein Trikot mit drei kleinen Taschen auf dem Rücken im Lendenbereich. Da kommen das Portmonnaie, ein Taschentuch und das Mobilfunkgerät hinein. Sehr praktisch, deshalb nutze ich es täglich auf der Tour. Unterwegs lässt sich schnell mal fotografieren. Das geht inzwischen mit einer Hand ganz gut. Es war mir zwar auch mal entglitten, aber es hat den Sturz vom fahrenden Rad ohne Schaden überlebt. Bisher hält der Akku locker den Tag durch, obwohl ich mit der App Komoot die Tour tracke und ständig Fotos mache. – Was noch? Ausgehkleidung, ein zweites Paar Schuhe, Schlafanzug oder etwas in der Richtung brauche ich nicht. Natürlich noch den Helm. Ich habe vor zwei Tagen festgestellt, dass mein Kopf größer geworden ist. Ich habe den Helm um ein paar Stufen nachgestellt, sodass er wieder passte. Heute musste ich erneut etwas nachstellen, damit er nicht drückte. – Soviel also noch zur Ausrüstung, die ich so mit mir umherfahre.

Aus Bozen heraus führte uns der Weg durch Tunnels, vermutlich eine ehemalige Bahnstrecke.

Als wir heute morgen um kurz vor halb zehn in Bozen aufbrachen, war es bedeckt und recht warm. Es ging zunächst bergauf, ca. 200 Höhenmeter auf 460 Meter. Die Vegetation bot Schutz vor der Sonne, die bald intensiver wurde. Wir entfernten uns etwas vom Tal der Etsch. Nach den riesigen Apfelplantagen nahm die Vielfalt des Anbaus zu, vor allem Kirschen und schließlich immer mehr Wein waren zu sehen. In Kaltern an der Weinstraße waren große Keltereien und Weingüter zu sehen. Wir fuhren steil bergab, meist auf der mäßig befahrenen Straße, vorbei am Kalterer See hinauf nach Tramin. Der Ort hat dem Gewürztraminer den Namen gegeben. Der Wein wird hier in der Gegend oft über zwei 30 bis 45 Grad in den Himmel ragende Holzbalken gezogen, sodass sich ein mannshohes Blätterdach ergibt, unter dem das schmale Spezialgerät hindurchfahren kann.

In Tramin machten wir halb zwölf Station, um uns beim Eurospar für das Mittagessen zu verproviantieren. Der Ort, der in die Berge hineingebaut wurde, besticht durch malerische Gassen und Weinlokale. Wir verweilten jedoch nur kurz und trafen bald nach Tramin, nach größeren Fabrikanlagen von Würth, wieder auf die Etsch. Ab hier war der Etschtalradweg bis Trient gut ausgeschildert. Den größten Teil der Strecke fuhren wir auf der Deichkrone, die sich meist schnurstracks gerade aus durch die Landschaft zog, während links und rechts des ruhiger werdenden Flusses die Kalksteinberge schroff emporragten und für eine großartige Kulisse sorgten.

Gasse in Tramin

Der Etschtalradweg ist ein Radfernweg par Excellence. Hier tummelten sich heute vor allem auch die Rennfahrer. An einer Raststelle mit Bänken und Schatten bietenden Bäumen legten wir unsere Mittagspause ein. Burkhard und ich legten uns ins Gras, um Siesta zu halten, während Norbert auf „unserer“ Bank Gäste empfing und sich unterhielt. Ich blickte in den Himmel und suchte Wolken, am besten Schönwetterhaufenwolken, aber es war nur etwas diesig, die Sonne schien milchig. Ein heißer Frühsommertag. Ich döste vor mich hin, während die Ameisen auf mir herumkrabbelten und durch gelegentliche Bisse versuchten zu klären, ob ich zu verwerten wäre. Gegen 14 Uhr brachen wir wieder auf und zogen gleichmäßig in unserer Dreierformation gen Trient, das wir um halb vier bei 34 Grad im Schatten erreichten. Die Tourismusinformation war schnell gefunden. Wir folgten der Empfehlung, uns im Hotel Venezia am Domplatz einzuquartieren. Das Zimmer hat vier Betten. Mit 100 Euro liegen wir mit dem Preis deutlich günstiger als in Bozen.

Nach dem Duschen beschlossen wir, die Cattedrale die San Vigilio zu besichtigen, etwas zu trinken und durch die Stadt zu flanieren. Wir kehrten direkt am Dom in einem Lokal ein. Hier in der Region wird deutlich weniger Deutsch gesprochen. Mit ein paar Brocken Italienisch oder Englisch kommt man aber weiter. Das von uns so geliebte alkoholfreie (und isotonische) Hefeweizen bekamen wir nicht, dafür ein Heinecken „0.0“, allerdings nur in der kleinen Flasche. Nach dem Stadtrundgang kehrten wir in einem Lokal ein, das ebenfalls am Domplatz lag. Die Lasagne war aus. Die Spaghetti Pomodori, die Burkhard und ich bestellten, wurden nach einer Weile nur mit Gabel und ohne Parmesan geliefert, die Gnocchis, die Nobert haben wollte, gar nicht. Die Spaghetti waren so überschaubar, dass wir sie als Vorspeise verbuchten und im Ristorante Antica in der Via San Marco einen neuen Versuch wagten. Das Essen war denn auch vorzüglich. Mein erstes Hirsch-Carpaccio.

Radfernweg auf dem Deich an der Etsch

Trient hat mit den alten Palazzi, den opulenten Portalen und Fresken einen besonderen Charme. Warum nur haben die Cafés und Restaurants am Domplatz Lautsprecher aufgestellt und die ganze Zeit Techno am Laufen? Es scheint für das Viertel auch nur eine CD zu geben, die immer nach dem ersten Titel wieder von vorne anfängt. Wer braucht das?

Veröffentlicht unter Murnau-Verona, Radtour, Reisetagebuch | Hinterlasse einen Kommentar

Vierte Etappe: Laas-Meran-Bozen

76 Kilometer, 990 Höhenmeter (bergab), 3:37 Stunden (netto)

Ein paar Anmerkungen zur Ausrüstung. Ich bin ja froh, dass mich Kollege Jens beraten hat. Sonst hätte ich wohl ein Tourenrad gekauft, mit geradem Lenker und 20 Kilogramm Gewicht. Stattdessen waren wir zusammen beim Fachhändler und ich bin zwei, drei Gravelbikes Probe gefahren. Gravel heißt „Kies“, das heißt es handelt sich um ein leichtes Rennrad mit stärkerer Bereifung, um auch schlechtere Wege zu fahren. Ich wollte ein Gravelbike der Firma Cube haben. Das war aber leider ausverkauft. Burkhard hat bei Stevens zugeschlagen. Nun wollte ich nicht ausgerechnet das gleiche kaufen. Beim Händler gefiel mir sofort das Scott Speedster Gravel 20. Ich hatte gleich das Gefühl, richtig gut Kraft auf die Straße bringen zu können. Der Sattel war schnell angepasst und mit der kleinsten M-Rahmengröße bin ich gut bedient, was die Geometrie angeht. Und die Farbe, ein leuchtendes kräftiges Gelb, entspricht meinem Sichtbarkeitskonzept. Signalfarben sind gerade in der Dämmerung von Vorteil. Meine Radtaschen sind gelb, der Helm ebenso.

Das Rad wiegt in der Grundausstattung nur zehn Kilogramm, acht weniger als mein 22 Jahre altes Raleigh. Die Gabel besteht aus Carbon, der Rest des Rahmens ist Aluminium. Die Steifigkeit des Rads und die Scheibenbremsen machen richtig Spaß, auch schnellere Abfahrten fühlen sich sicher an. Und der Rennlenker ist der Traum: Es gibt vier verschiedene Griff-Möglichkeiten. Ich fahre auf flacheren Strecken und am Berge meist mit einem seitlichen Griff unterhalb der Hörnchen, wenn ich die Bremsen nicht sofort brauche. Das Rad lässt sich so sicher lenken und am Berg lässt sich mit etwas Zug mehr Kraft auf die Pedalen übertragen. Der Griff an die Hörnchen ist im Stadtverkehr und bei leichten Abfahrten ideal, weil die Bremsen griffbereit sind und sich schnell schalten lässt. Den Griff unten in den gebogenen Teil des Lenkers habe ich immer öfters benutzt, vor allem nach steileren Abfahrten. Ich habe einen größeren Hebel und habe beim Lenken eine bessere Feinjustierung. Die Zeigefinger liegen auf den Bremshebeln. Außerdem bietet der Köper weniger Luftwiderstand, da der Kopf weiter nach vorne gebeugt ist. In diesen drei Positionen liegen die Hände in einer natürlichen Position zum Körper, was beim flachen Auflegen auf den horizontalen Teil des Lenkers nicht der Fall ist. Letztere Position dient aber ab und zu der Abwechslung und erlaubt eine aufrechtere Körperhaltung, um den Rücken zu strecken oder mehr von der Landschaft wahrzunehmen. Zu guter Letzt bietet das Lenkerband idealen Halt und lässt selbst bei heißen Tagen wie diesen, an denen der Schweiß in Strömen fließt, nichts ins Rutschen kommen. Auch nach dem Auftragen von Sonnencrème lässt der Lenker nichts zu Wünschen übrig.

ac03df322ca2100d72e85e12b36d82728c55f2eb0d5707cbbdfebb0c0bb2135a

Auf der heutigen Etappe von Laas nach Bozen machte sich wieder ein rhythmisches Schleifgeräusch bemerkbar. Die mutmaßliche Ursache, ein Minietikett aus Plastik an der hinteren Scheibe der Scheibenbremse, schied nach Entfernung aus. Auf dem Schildchen war nur vermerkt, dass man mit den Pfoten die Scheiben nicht anpacken soll, da die Dinger natürlich heiß werden können. Das Schleifgeräusch blieb. Die Kette und der Kettenwerfer schieden auch aus, da das Geräusch blieb, als ich die Kette nicht bewegte. Es lässt sich nun eingrenzen auf die vordere Scheibenbremse. Ich vermute, dass die Bremsbeläge so dicht an der Scheibe angebracht sind, dass sie ab und zu schleifen. Durch kräftiges Bremsen stellt sich das lästige Geräusch in der Regel ein. Muss ich mal weiter beobachten und bei der nächsten Inspektion besprechen.

Haushohe Paletten für die Apfelernte im Etschtal: Beobachtung heute am Wegesrand.

Wir waren heute zeitiger dran und brachen vom Gasthof Sonne im Marmordorf Laas schon halb zehn auf. An der Etsch ging es im Wesentlichen bis Bozen, unserem Tagesziel, gemächlich bergab. Bei etwas Gegenwind war trotzdem einige Arbeit zu verrichten. Wir begegneten viel Gegenverkehr, Rennfahrer, die gerade vom Giro d’Italia zu kommen schienen, und viele Mountainbiker, mit und ohne E. Kurz nach zwölf kamen wir in die City von Meran und verproviantierten uns für eine Mittagspause in einem Park an der Etsch. Eine Altstadtapotheke zeigte 31 Grad im Schatten. So fühlte es sich auch an. Bozen erreichten wir dank der zügigen Etappe schon um halb drei. Die verschlungenen Wege in die Stadt erforderten etwas Zeit. Norbert fragte bei Kolpings, ob noch Zimmer frei wären. Was nicht der Fall war. Den Tipp, nämlich das Hotel Figl, nahmen wir dankbar an. Für 171 Euro bekamen wir ein Appartement. Das Frühstück kostet dieses Mal extra, was ja auch nicht ungewöhnlich ist. Man kann allerdings billig und teuer frühstücken. Über die Folgen der jeweiligen Wahl müssen wir uns noch aufklären lassen.

Die Etsch in Naturns: offenbar schon schiffbar.

Ich bin begeistert vom mittelalterlichen Radkeller, der schmalen Gasse dahin und vom blühenden Oleander am Haus. Das Appartement ist liebevoll eingerichtet, die neue Einrichtung harmoniert mit dem alten Gemäuer. Uns überzeugen mal wieder die südtiroler Tischlerarbeiten.

Veröffentlicht unter Murnau-Verona, Radtour, Reisetagebuch | Hinterlasse einen Kommentar

Dritte Etappe: Pfunds-Laas

68 Kilometer, 960 Höhenmeter, 4:19 Stunden (netto)

Höhenmeter sind nicht gleich Höhenmeter, ich merke es in meinen Beinen. Der intensive steile Aufstieg auf den Reschenpass forderte deutlich mehr Kräfte als das kontinuierlich ansteigende Inntal. Gestern haben wir 300 Höhenmeter mehr gemacht, sind 30 Kilometer weiter gefahren und trotz der Querfeldein-Tour durch den Wald fühle ich mich heute stärker beansprucht. Die Beine sind schwerer. Nach dem Essen in die dritte Etage des Gasthofs auf das Zimmer ging es nicht mehr so leichtfüßig. Aber das ist normal.

Der Reschenpass liegt im Dreiländereck Österreich, Schweiz und Italien. Die Grenzübertritte haben wir teilweise gar nicht bemerkt. Es fehlten die üblichen hoheitlichen Zeichen auf den Wander- und Radwegen, auf der Kuhweide. Heute jedoch kamen wir an zwei Grenzstationen vorbei. Die wirkten wie aus einer anderen Zeit, als der Schmuggel noch blühte und Passkontrollen an der Tagesordnung waren. Ganz so weit weg sind wir nicht davon, dass wieder Passkontrollen eingeführt werden. Und aus der Schweiz bringen die Steuerhinterzieher ja seit Jahren tonnenweise Gold über die Grenze.

Wiesen hinter Pfunds

In unserer Radlerpension in Pfunds trafen wir uns wieder um halb neun zum Frühstück. Die Wirtin gab uns Tüten, damit wir uns noch Brötchen mit auf den Weg nehmen. Wovon wir aber keinen Gebrauch machten. „Ja wollen’s nicht noch welche mitnam?“ Halb zehn saßen wir in den Satteln und fuhren durch ein weites Tal mit herrlichen Wiesen, ein grüner Teppich mit gelben, blauen, weißen und roten Blüten soweit das Auge reicht. Kleine Brücken führten über Bäche, die kalt und schnell ins Tal plätscherten. Auf Halbhöhenlage standen überall kleine und größere Hütten aus dunkel wettergegerbtem Holz wie Wächter über der Szenerie, während in der Ferne die schneebedeckten Gipfel majestätisch das Ziel vorgaben.

Zunächst hatten wir einige Steigungen bis zu einer Bundesstraße zu fahren, um dann eine längere Abfahrt schon auf schweizer Seite zu genießen. Das Tal wurde enger. Links und rechts ragten schroff die Felsen in die Höhe. Kleine Wasserfälle waren zu sehen und viel Schutt und Geröll, Ergebnis der natürlichen oder vom Menschen mitverursachten Erosion. Nach einer Kehre wurde es auf der sonnenabgewandten Seite des Tals richtig kalt. Die Kälte schien vom reißenden Inn aufzusteigen. Nach einer Baustelle erreichten wir die Grenzkontrollen Österreich-Schweiz in Martina. Die Beamten ließen den Verkehrsstrom auf einer Fahrspur passieren, so auch unsere Dreiergruppe mit dem Radl. Wir querten links über eine Brücke den Inn und hielten kurz inne für eine Trickpause und für Fotos. Geduldig widmeten wir uns nun dem Aufstieg zum Reschenpass.

Es hatte sich in den Tagen, seit wir unterwegs sind, eine gewisse Formation des Fahrens zu dritt ergeben. Meistens führt Burkhard unseren kleinen Trupp an, während ich den Abschluss bilde. So auch bei dieser Bergetappe. Ich hatte das Gefühl, dass wir ein gutes Tempo gefunden hatten, das für alle machbar war. Wir hatten 13 Kehren und 400 Höhenmeter bis zur Norbertshöhe bei Nauders zu bewältigen. Unterwegs, bei Kehre 10, schloss sich uns ein kleiner Trupp mit einem kleinen Jungen an, der von seiner Mutter, vermutlich, etwas geschoben wurde. Der Junge redete die ganze Zeit wie ein Wasserfall, was mich irgendwie störte. Die Frau, von der ich denke, dass es die Mutter war, antwortete auf Fragen und gab Anweisungen. Vor der letzten Kehre ließen wir die Redegruppe an uns vorbei.

Auf etwa 1.000 Metern Höhe der Grenzübergang Österreich-Schweiz in Martina: Bis zur Norbertshöhe kommen 400 Meter dazu.
Aufstieg zum Reschenpass: Während uns die Autos überholten, überholten die Motorradfahrer die Autos.

Nach kurzer Rast fuhren wir hinunter nach Nauders, um den letzten Teil des Aufstiegs zum Reschenpass zu nehmen. Der Gegenwind, dem wir begegneten, war buchstäblich atemberaubend. Zumindest waren wir von der vielbefahrenen Passstraße herunter und konnten gut ausgebaute Radwege nehmen. Die Grenzstation zu Italien war verlassen und etwas verkommen. Die letzten Höhenmeter nach Reschen waren schnell genommen. Uns begegneten Horden von Mountainbikern. Drei Stunden nach dem Aufbruch in Pfunds hatten wir dieses wichtige Tagesetappe erreicht. Wir wurden vom Blick auf den Reschensee und das Gebirgspanorama belohnt und rasteten am See.

Wir hatten genug Zeit, sodass wir uns ein Nickerchen gönnten, bevor wir uns an die Abfahrt machten. Beregnungsanlagen auf einem Feld waren so eingestellt, dass die Radfahrer unweigerlich duschen mussten. Die Abkühlung tat uns gut. Hinter der Staumauer des Reschensees ging es rasant bergab. Wir passierten schöne Dörfer mit verwinkelten Gassen und rasteten erst wieder in Glurn, dem ursprünglichen Tagesziel. Da es erst halb vier war beschlossen wir, noch weiter zu fahren. Das Tal der Etsch, die am Reschenpass entspringt, öffnete sich immer weiter. Große Plantagen mit Apfelbäumen prägten die Landschaft. Schließlich kehrten wir in einem Gasthof im „Marmordorf“ Laas ein: 36 Euro im Doppelzimmer und 51 Euro für das Einzelzimmer. Ein kleiner Rundgang durch das Dorf bestätigte den Namen „Marmordorf“: Brunnen aus Marmor, Marmorblöcke auf den Grundstücken und Höfen, Plastiken aus Marmor von bekannten oder unbekannten Künstlern am Wegesrand – und die Wege selbst gepflastert aus Marmorsteinen. Selbst die Tisch-Kartenhalterung im Lokal unseres Gasthofs: Marmor.

Blick auf Nauders: hier beginnt der letzte Teil der Etappe zum Reschenpass

Von den Sommerspaghetti, die ich vertilgt haben, erhoffe ich mir prächtige Regeneration meiner Kohlehydratspeicher. Die waren heute nämlich ganz gut beansprucht. Aber auch so waren die Sommerspaghetti einfach wunderbar. „Vergelt’s Gott“, sagte die Kellnerin zum Trinkgeld. Hatte ich auch schon länger nicht mehr gehört.

Der Bergbach findet seinen Weg auch über die Radroute.
Der berühmte Blick auf den Reschensee.
Mittagspause in Reschen
Gasthof Sonne in Laas: Unser Quartier für heute. Man beachte auch den Marmorbrunnen.
Beschriftete Plastiken sind nicht so meins: Aber hier ein weiteres Beispiel für die Marmorkunst in Laas. Diese Skulptur ist Teil eines internationalen Kunstprojekts zum Thema Freiheit: www.pillars-of-freedom.com
Veröffentlicht unter Murnau-Verona, Radtour, Reisetagebuch, Sonstiges | Hinterlasse einen Kommentar

Zweite Etappe: Seefeld-Pfunds

100 Kilometer, 1270 Höhenmeter, 5:47 Stunden (netto)

Eine gute Kaffeeversorgung ist für den Start in den Tag für mich entscheidend. Im Hotel Garni Dietrich war das Frühstück inklusive (für 50 Euro pro Person) und ausreichend Kaffee vorhanden. Auch das Buffet für Radler gut geeignet. Dreiviertelzehn starteten wir bei Sonnenschein und 14 Grad unsere Tagesetappe, von der wir noch nicht wussten, dass wir am Ende mehr als geplant fahren und in Pfunds rauskommen würden.

Abfahrt von Seefeld nach Telfs. Leider sieht man auf dem Foto nicht, weil steil es bergab geht.

Nach einigen Höhenmetern genossen wir eine atemberaubende Aussicht auf das Inntal und eine Abfahrt in Serpentinen von rund 600 Höhenmetern. Norbert wusste von überhitzten Reifen zu berichten, die durch Felgenbremsen entstehen, wenn man sie auf steilen langen Abfahrten zu lange benutzt. Die Reifen können dann platzen.

Blick auf das Inntal
Stift Stems

In Telfs überquerten wir den Inn. Das Hochwasser war nicht zu übersehen. Deshalb waren auch Teile des Inntalradwegs weiter oberhalb gesperrt. Die gut ausgebauten und meist auch gut ausgeschilderten Wege führten uns vorbei am Stift Stems, in dem alle bekannten österreichischen Skifahrer ausgebildet werden bis nach Roppen. In dem Örtchen legten wir nach 40 Kilometern eine Mittagspause ein. Wir hatten Glück, denn der örtliche Tante-Emma-Lebensmittelladen an der Kirche war gerade dabei zu schließen (12:30 Uhr). Die österreichischen Ladenschlusszeiten und die Mittagspausen in den kleineren Orten hatten wir noch nicht so recht auf dem Schirm. Wir schlüpften also noch flugs in den Laden. Der Kassierer bediente uns noch bereitwillig.

Roppen

Bald nach Roppen war der Inntalradweg gesperrt. Unterwegs hatten wir schon die Feuerwehr an verschiedenen Stellen gesehen, die mit dem Abpumpen von überschwemmten Straßen in Unterführungen zu tun hatte. Die Steu von den Bäumen auf den Radwegen ließen auf stürmische Gewitter hindeuten, die vor uns das Hochwasser verursacht hatten. An einem Bahnübergang sollte die Ausweichstrecke in Serpentinen an einem Berg entlang führen. Norbert fragte nach eine Alternativstrecke. Die Antwort der Ortskundigen: Nehmen Sie den Weg entlang der Gleise. Das ging ein, zwei Kilometer gut. Dann mussten wir die Räder über durch einen schmalen Waldweg über den Berg zerren. Der Regen hatte den Weg aufgeweicht, das holprige Wurzelwerk war feucht und rutschig. Die Passage durch den Wald war nach einer Stunde des Schiebens aber auch getan und wir erreichten bei Mils wieder festen Radlerboden.

Landeck, das Tagesziel, erreichten wir gegen halbvier. Wir entschieden kurzerhand, nach Lage der Kräfte, weiter bis nach Pfunds zu fahren, um den Weg bis zum Reschenpass zu verkürzen. Das Gelände stieg kontinuierlich an. Nördlich von Prutz erreichten wir die Reschenstraße. Im Sonnenschein kehrten wir im Lokal „Bacchusstube“ ein, um den Durst zu Löschen und frisch gestärkt in die letzte Etappe des Tages zu gehen.

Inn-Hochwasser bei Landeck

In Richtung Pfunds hingen die Wolken in den Bergen. Es wurde dunkler. Regentropfen prickelten auf der Haut. Kurz vor Pfunds gerieten wir in eine Schauer. Bei den ersten Häusern des Ortes stellten wir uns kurz unter den Vorsprung eines Wohnhauses, um die Schauer abzuwarten. Schon nach zwei Minuten zogen wir weiter Richtung Ortsmitte. Burkard nahm an einer Weggabelung das Schild zur Radlerpension Plangger wahr, die in 50 Meter Entfernung schnell gefunden war. Wir kamen für 36 Euro (Einzelzimmer) und 32 Euro (Doppelzimmer) unter, inklusive Wäscheservice. Nach einem guten Abendessen im Restaurant „Zum Hirschen“ (sehr viel günstiger als in Seefeld) sahen wir unsere Wäsche schon aufgehängt in der Trockenkammer wieder. Ein spezielles Metallgestell nahm die nassen Schuhe der Gäste auf. Alles gut durchdacht in dieser Pension.

Veröffentlicht unter Murnau-Verona, Radtour, Reisetagebuch | Hinterlasse einen Kommentar

Radtour von Murnau nach Verona: erste Etappe Seefeld

70 Kilometer, 1020 Höhenmeter, Fahrtzeit: 4:15 Stunden (netto)

Die Idee: Eine Woche nach Pfingsten eine Tour durch die Alpen zum Gardasee. So Burkhard am Telefon. Der Startpunkt war schnell gefunden. Neben Burkhard ist noch Norbert mit von der Partie.

Die Tour war für mich der Anlass, ein neues Rad zu kaufen. Mein 22 Jahre altes Bike ist nur noch mit Mühe und Not durch die letzte Reparatur gekommen. Dank Jens bin ich gut beraten worden, was die Anschaffung angeht. Mein neues Gravelbike habe ich vor drei Wochen gekauft und konnte es noch auf 250 Kilometer testen, inklusive Kieswege und Berge.

Die Anreise mit der Bahn verlief Pfingstmontag reibungslos. Heute morgen starteten wir um halbzehn in Murnau. Sehr schöne Wege entlang der Loisach, die viel Wasser führte. Die sanfte Steigung bis Garmisch war sehr angenehm zu fahren, während der Weg nach Mittenwald schon deutlich mehr Kräfte erforderte.

Nach einer Mittagspause in Mittenwald, mit herrlichem Blick auf das Karwendelgebirge, führte uns der Weg durch Weiden. Die Kühe liefen über und auf dem Radweg, aber Mensch und Tier kamen völlig stressfrei miteinander aus. Die österreichische Grenze war unsichtbar. Die Kiespiste durch den Wald führte bald so steil bergan, dass wir auf einer kurzen Strecke die Räder schieben mussten.

Blick auf das Karwendelgebirge in Mittenwald

Gegen 16 Uhr erreichten wir Seefeld. Der Ort besteht praktisch nur aus Hotels, Pensionen und Restaurants. Wir kamen im Hotel Garni Dietrich unter, vermittelt über die Tourist Information. Der erste Tag ist geschafft.

Hinten im Bild: Burkhard und Norbert, während ich die lässigen Kühe am Wegesrand noch fotografiere.
Veröffentlicht unter Murnau-Verona, Radtour, Reisetagebuch | Hinterlasse einen Kommentar