7. Etappe: Děčín-Riesa

Donnerstag, 18. Juni. Die 119 Kilometer nach Riesa waren heute durch viel Wind aus Nordwest geprägt. Im Tagesverlauf verdüsterte sich der Himmel. Es blieb aber trocken.

Wir hatten länger geschlafen und sind erst gegen 8 Uhr zum Frühstück gegangen. Viertelzehn saßen wir bei Sonnenschein im Sattel und hielten uns bis über die Grenze auf der rechten Seite der Elbe. Steil aufragende Berge und Felsen prägen die Landschaft schon bei Usti, aber natürlich auch in der Sächsischen Schweiz.

Bald hinter der Grenze gerieten wir in ein Seitental und kamen vom Elberadweg ab. Wir beschlossen, das Ganze als Abkürzung zu sehen, um eine Elbschleife weniger zu fahren. Wir mussten ziemlich klettern, was in der Sächsischen Schweiz natürlich nicht verwunderlich ist. In Rathen kamen wir wieder auf die alte Route um bald nach Bad Schandau wegen Sperrung des Elberadwegs wieder in die Berge geschickt zu werden, durch das lange Straßenstädtchen Wehlen. Wir kämpften und die steilen Anstiege hoch, mussten ein kurzes Stück schieben und setzten für den Rest des Tages die Tour ganz brav an der Elbe fort.

Bis Dresden hatten wir schon mit dem Wind zu kämpfen. Am Blauen Wunder war mein Handy-Akku alle. An der Frauenkirche machten wir in einem Lokal bei Pasta Rast, später als sonst. In Meißen waren die Weinberge toll anzuschauen. Der Radweg führte direkt an Winzer-Parzellen vorbei. Der Himmel hatte sich weiter verdüstert, aber es regnete nicht. Etwas vom Wind abgekämpft kamen wir gegen 18 Uhr in Riesa an. Die Hotelsuche klappte nicht auf Anhieb, da einige Etablissements bereits nicht mehr in Betrieb waren. Schließlich quartierten wir uns im Wettiner Hof ein. Die verdiente Regenerationspause. Als Bilder vom Tag bleiben die herrlichen Stadtansichten vom Elbufer aus: besonders Dresden und Meißen. Viel Zeit gekostet haben die Ausflüge in die Berge. Aber wir wollen ja auch ein bisschen Sport machen. Das passt dann schon. Und: Schön ist Sachsen.

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6. Etappe: Prag – Děčín

Mittwoch, 17. Juni. Bis nach Děčín waren es heute 137 Kilometer. Unterwegs hatte sich das Smartphone abgeschaltet, weil der Akku alle war. Komoot hat wie wild nach der Strecke gesucht und mehr Strom verbraucht als sonst. Um nicht aus dem Rhythmus zu kommen, hab ich das Mobile bis zum nächsten Stopp ausgelassen, sodass Komoot nicht alles tracken konnte.

Beim Frühstück waren wir heute die einzigen. Wir saßen im geschlossenen Innenhof des Hotels in einem überdachten Wintergarten. Plötzlich tröpfelte Regen auf’s Dach. Das war aber auch das einzige Wasser, das wir heute von oben sahen. Zunächst begann der Tag bedeckt, die Sonne kam aber immer mehr zur Geltung, sodass wir die letzten Abschnitte nach Usti und Děčín ordentlich ins Schwitzen kamen.

In Prag hatten wir nach dem Start um halbneun viel Zeit verloren, um aus der Stadt hinaus zu finden. Nüscht beschildert. Für die Fahrradrouten gibt es ansonsten kleine, gelbe rechteckige Schilder, die die Nummer des Radwegs und den nächsten größeren Ort verraten. In Prag verließen uns aber diese Helferlein und auch die Wegweiser für die Autos halfen nicht. In Troja funktionierte mein Navi wieder, sodass wir schnell auf passable Radwege an der Moldau fanden.

Bei Rez überquerten wir die Moldau und mussten uns aus dem Tal auf ein Hochplateau arbeiten. Ein Traktor scheuchte uns den Berg hinauf und bog dann glücklicherweise auf ein Feld ab. Das Plateau ließ sich energiesparend fahren, es flachte zur Moldau hin gleichmäßig ab. Wir sparten uns dadurch eine Flussschleife und kürzten die Strecke ab. In Nová Ves u Nelahozevsi wiederholen wir die Strategie der Abkürzung, verpassten aber auch den Zusammenfluss von Moldau und Labe (Elbe) in Melnik. Halbeins kehrten wir in Roudnice zum Mittagessen ein. Wir gönnten uns nur eine Stunde Pause, was auch reichte.

Bis nach Usti nad Labem kletterten wir noch einen Berg hinauf, der kein Ende zu nehmen schien. Hinter jeder Kurve ging es nur noch steiler nach oben. Ein Schild verriet 12 Prozent Steigung, wobei sich das nicht so gleichmäßig verteilte. Mit den Bergen hatten wir ja inzwischen Erfahrungen gesammelt und waren gut motiviert hinaufgekommen. Halbfünf erreichten wir Usti und legten eine Verpflegungspause ein: Cola, Sprite und Kuchen mit Waldbeeren. Auch die vom Frühstück noch als Proviant mitgeführten Bananen waren schnell aufgefuttert. Auf dem Weg über die Labe-Brücke sprang mir die Kette vom vorderen kleinen Ritzel. Ich fädelte sie mit dem Mantelheber wieder ein. Der Sound der Kette hatte sich von Quietschen (nach dem Regen an der Donau) nach der gestrigen Ölung heute zu einem fetten Schmatzen verändert. Sie hat viel Dreck von der Straße aufgenommen.

Während in Tschechien bis jetzt gute Radwege Mangelware waren, wurden wir ab Usti für die letzte Tagesetappe mit einer glatt asphaltierten Rennstrecke entlang des Flusses belohnt. In Děčín, unserem Zielort für heute, kehrten wir gegen halbsieben im Kronenhotel ein. Es ist auf Radtourer eingestellt.

Übrigens sind wir in den vergangenen beiden Tagen kaum Radfahrern begegnet, die wie wir mit Gepäck über’s Land ziehen. Während die Tschechen oft mit modernen Rennrädern oder ähnlichen Radsportmitteln und Funktionskleidung unterwegs sind, gibt es jedoch kaum Fernreisende. Das wird sich in den Ferien sicher noch ändern.

Fotografiert habe ich heute nur einen Bunker an der Elbe vor Děčín. Wir sind die Tagestour ziemlich durchgezogen und ich fotografiere nicht mehr beim Fahren. Ich hasse es ja auch, wenn sich der Bildschirm abschaltet beim Navigieren und man die sechsstellige PIN eingegeben muss, um wieder etwas zu sehen. Komoot läuft halt nicht rund. Hatte ich ja schon gesagt. Mit Burkhards Straßenkarte verlieren wir das Ziel nicht aus den Augen.

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5. Etappe: Pilsen-Prag

Dienstag, 16. Juni. Der Tag war etwas lang geworden. Viertelneun sind wir in Pilsen aufgebrochen und waren erst halbacht im Hotel in Prag. Deshalb heute nur kurz die Komoot-Daten und ein paar Fotos. Morgen dann mehr.

Burkhard hat auf seinem Tacho 136 Kilometer. Wir sind einen Bergrücken mehr als nötig gefahren und insgesamt viele Höhenmeter. Die Südwest-Schleife war ein Navigationsfehler. Aber das kann passieren. Bei den Komoot-Daten ist auch noch der Weg vom Bahnhof gestern nach Pilsen mit dabei.

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4. Etappe: weg von der Donau

Montag, 15. Juni. Wir mussten uns bei dem heftigen Regen entscheiden und sind kurzerhand mit dem Zug ins tschechische Pilsen gefahren. Das Regenband, das der Wetterbericht zeigte, strömte weiter Richtung Wien und würde uns somit erhalten bleiben. Im Osten sollte in den nächsten Tagen die Sonne scheinen, sodass wir uns die Elbe als Radwandertour aussuchten. Burkhard schlug vor, nur bis Pilsen zu fahren und von dort über Prag weiter an die Elbe. Gesagt – getan. Wir fuhren im Regen die 10 Kilometer von Donaustauf nach Regensburg zum Bahnhof. Die schnelle Verbindung nach Pilsen war noch gesperrt, sodass wir mit den Regionalzügen über Weiden und Cheb (Eger) eine nördliche Schleife nach Pilsen nahmen. Von der Grenze war nichts zu spüren.

Wir stiegen ca. 20 Kilometer vor Pilsen in Plešnice aus, um die Beine noch etwas zu bewegen. Die kleine Tour tat nach der Zugfahrt ganz gut. In Pilsen nahm Burkhard an der Skvrňanská 36 einen fiesen Bordstein zu hart. Sein Hinterrad war in Sekundenbruchteilen platt – mit zwei ansehnlichen Löchern im Schlauch, wahrscheinlich von der Felge. Wir wechselten den Schlauch und fuhren bei heiterem Wetter in unsere Unterkunft, dem Hotel Victoria. Zwei junge Angestellte an der Rezeption verstanden Englisch. Die Räder konnten wir in einer Art Vortragssaal abstellen.

Zu Fuß machten wir uns bald auf den Weg in die Altstadt, um sie etwas zu erkunden. Viele junge Leute saßen in den Straßenlokalen. Schick renovierte Jugendstil-Cafés und Häuser machen zusammen mit den Kneipen und den Studierenden den Flair der Stadt aus. Wir aßen ganz traditionell Gulasch und Knödel, der aber im Gegensatz zu früher, als ich Ende der 1980er-Jahre in der Tschechoslowakei mit dem Rad unterwegs war, mit einigen kleinen Scheiben Peperoni den für meinen Geschmack richtigen Piff bekam. Mit je zwei Bier zahlten wir zusammen 21 Euro und waren’s zufrieden für heute.

Ein Denkmal mit Beflaggung erinnert an die Befreiung Pilsens durch die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg.

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3. Etappe: Ingolstadt-Donaustauf

In der Nacht hatte es kräftige Gewitter gegeben. Am Morgen, beim Aufwachen, war es da: dieses vertraute Geräusch von Dauerregen. Kurz nach 7 Uhr waren wir die ersten Gäste am Frühstücksbüffet. Das Hotel wollte wissen, wann wir frühstücken, um die Gäste wegen der Corona-Kontakteinschränkungen zu entzerren. Alles war einzeln eingepackt: jedes Brötchen in einem Tütchen, Marmelade im Glastöpfchen mit Deckelchen, zwei Käsescheibchen auf einem Teller in Zellophan eingehüllt, das gleiche mit dem Schinken usw.

Die Räder hatten wir unter einem kleinen Dach im Hof des Hotels neben vielen anderen Rädern an Ständern zur Übernachtung angeschlossen. Nach dem Frühstück half mir Burkhard den Schlauch zu flicken. Ich hatte kein Flickzeug dabei, nur einen Ersatzschlauch. Der Regen hatte etwas nachgelassen. Trotz noch schmerzender rechter Hand war es ein gutes Gefühl, wieder losrollen zu können. Es tröpfelte kaum merklich – von Regen konnte keine Rede mehr sein. Geschwind fuhren wir an die Donau und folgten den Wegmarkierungen. Bis zum Kloster Weltenburg hatten wir viel asphaltiere Radwege, kleinere Landstraßen, aber auch Kiespiste auf dem Donau-Damm mit Pfützen und ein paar wenige schlechtere Wege durch den Wald. Immer wieder waren Hopfenfelder zu sehen, wenn uns die Strecke von der Donau ab durch schöne Dörfer führte, in denen kein Mensch auf der Straße war. Die Sonntagsruhe kam uns für die Tour zupass, da uns auch kaum Autos auf den Nebenstraßen begegneten.

Gegen 12 Uhr kamen wir im Kloster Weltenburg an. Wir kauften zwei Tickets für das Schiff in das rund sechs Kilometer entfernte Kelheim. Wir sparten uns dadurch schlechte, steile Wege über die Kalksteinfelsen. Die 100 Höhenmeter bereiten uns zwar keine Kopfschmerzen, aber Radtourer, denen wir am Kloster begegnet waren, hielten die Strecke mit unseren Rädern für ungeeignet. Also eher etwas für ein gutes Mountainbike. Im Kloster-Biergarten genehmigten wir uns eine Kartoffelsuppe, die etwas klein ausfiel, und natürlich das hausgemachte Hefeweizen – alkoholfrei, versteht sich. Der Rest der Speisekarte bestand aus Fleisch und Wurst und war nichts für unsere weiteren Radtourpläne.

Als wir wieder aufbrachen, setzte ein stärkerer Regen ein. Nebelschwaden hingen in den weißen Felsen an der Donau. Wir froren etwas. Im Schiff aßen wir unsere Brötchen, die wir uns im Altstadthotel in Ingolstadt noch schmieren durften. Währenddessen tönte das Erzählband aus den Lautsprechern. Die englische Stimme erzählte etwas von Piraten, die eine Höhle am Ufer genutzt hätten. Die deutsche Stimme wusste, dass sie schon in der Steinzeit bewohnt war, kannte aber keine Piraten.

In Kehlheim setzten wir bei Regen unsere Tour fort. Burkhards Schutzblech hält hinten deutlich mehr Dreck ab als mein Schmutzfänger. Da die Kieswege meist aus hellem Kalkstein gemacht sind und der Schlamm gräulich-weiß ist, waren meine Radtaschen, meine Schuhe, Beine, Strümpfe und große Teile des Rades entsprechend bespritzt. Der Regen ließ wieder nach und 10 Kilometer vor Regensburg kam sogar die Sonne durch. Gegen halbvier erreichten wir die Altstadt und machten am Dom an einer Eisdiele eine Pause. Ich esse das Eis normalerweise aus einer Tütchenwaffel. Die zwei Eiskugeln hatten aber irgendwie den Halt verloren und ich musste sie mit der linken Hand auffangen. Schleifspuren auf meinem Trikot und der Hose konnte ich noch schnell wegfingern und -lecken. Burkhard ging es ähnlich, was auf ein systemisches Problem der Eisdiele schließen lässt. Nachdem wir uns die klebrigen Hände gewaschen hatten, fuhren wir weiter nach Donaustauf, unserem heutigen Etappenziel.

Zwischen Kehlheim und Regensburg gab es schon einige Rennstrecken: gut asphaltierte breite Radwege. Auch nach Donaustauf ließ sich noch einmal ordentlich durchziehen, wobei ich bei Burkhard im Windschatten fuhr und das leichte, schnelle Vorankommen genoss. In Donaustauf quartierten wir uns um fünf Uhr für 99 Euro mit Frühstück in Forsters Posthotel ein, Fahrradabstellplatz und Upgrade auf ein Comfort-Zimmer inklusive. Ich hatte etwas Muskelkater und nahm von meinen Magnesium-Brausetabletten.

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2. Etappe: Neu-Ulm-Neuburg

Der zweite Tag der Donauradtour war etwas mühsam. Bis Donauwörth bin ich ganz gut vorangekommen – bei hochsommerlichen Temperaturen. Dann hatte ich einen Platten. Dazu später mehr.

Da im Hotel kein Frühstück angeboten wurde, kehrte ich beim Bäcker am Marktplatz ein. Der Mohnzopf wurde zu meinem Hauptantriebsmittel für die Tagesstrecke. In der Mittagspause war noch genug übrig. Gegen 10 Uhr startete ich und holte in einer Fahrradreparaturwerkstatt noch einen Ersatzschlauch.

Bedingt durch das Wochenende waren viele Radtourer an der Donau unterwegs. Irgendwie hatte ich den Anschluss nach Thalfingen verpasst. Überhaupt ist der Donau-Radweg streckenweise nur dürftig beschildert. An einer Brücke bei Günzburg gab es ein handgemachtes Schild für eine scharfe Rechtsbiegung. Wahrscheinlich, weil im nächsten Ort immer lauter verwirrte Radler umhergeisterten. Man kann sich aber insgesamt schon an den nächsten Orten orientieren, die, unabhängig vom Donau-Radweg, immer ganz gut beschildert sind.

Vor Lauingen war ich bei der Unterquerung einer Brücke gestürzt. Die Wegbiegung nach links war zu eng für die Geschwindigkeit, die ich hatte. Mein Vorderrad hatte zudem zu wenig Luft, sodass ich erst ins Schwimmen geriet und das Rad dann blockierte. Wenn der Weg steil hinauf geht, wird das Vorderrad sowieso stärker belastet. Eine Wasserflasche war ins Gebüsch geschleudert worden und am linken Oberschenkel gab’s eine kleine Läsion. Sonst war nichts passiert. Zum Glück war auch sonst kein Verkehr. Ich pumpte das Rad wieder auf und fuhr weiter Richtung Mittagspause in Dilligen, das ich gegen 13 Uhr erreichte.

Nach Donauwörth konnte ich ganz gut durchziehen. Hier waren mehr asphaltierte Wege zu fahren, auch größere Abschnitte auf kleinen, wenig befahrenen Landstraßen. In der heißen Nachmittagssonne musste ich öfters zur Trinkflasche greifen. In Donauwörth kam ich zunächst am großen Firmengelände von Airbus Helicopters vorbei, was mir noch vom vergangenen Jahr vertraut war und erreichte dann die deutlich kleinere idyllische Altstadt. Die Schattenplätze waren zumeist schon vergeben. Ich aß ein Eis, um die Energie für den Rest der Tour zu tanken. Hinter Donauwörth wurde das Gelände deutlich hügeliger und es waren einige fiese Anstiege zu bewältigen. Ich musste wieder Luft aufpumpen, wieder das Vorderrad.

In Bertoldsheim kehrte ich um 18 Uhr im Schlossgasthof ein, um Salz zu mir zu nehmen und zu trinken. Ich war schon wieder ziemlich ausgetrocknet. Wenn Wasser den Durst nicht mehr löscht, fehlt Salz. Ich aß eine Brätspätzlesuppe, trank viel und machte mich wieder auf den Weg. Kurz vor Neuburg ließ die Luft immer weiter nach, sodass ich entschied, die letzten 27 Kilometer nach Ingolstadt mit dem Zug zu fahren. Burkhard war schon längst im Altstadthotel, unserem Treffpunkt, angekommen. Rückblickend wäre ich wahrscheinlich genauso schnell gewesen, wenn ich den Schlauch gewechselt hätte und weitergefahren wäre.

Die Zugtickets waren schnell gekauft (2,75 Euro für BahnComfort nach Ingolstadt Hauptbahnhof und 2,75 Euro Fahrradkurzstrecke Bayern). Der Zug hatte aber Verspätung wegen eines Polizeieinsatzes. In Ingolstadt musste ich dann nochmal umsteigen zum Nordbahnhof. Gegen 22 Uhr war ich im Hotel. Da merkte ich, dass meine rechte Hand schmerzte. Beim Sturz hatte ich mich eigentlich links abgestützt. Wie wichtig doch so ein Daumen ist: Wäsche auswringen, Tür aufziehen und Zähneputzen waren etwas schwierig. In der Nacht krachten die Gewitter ganz ordentlich. Irgendwann ließ der Schmerz nach.

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1. Etappe: Stuttgart-Neu-Ulm

Der Frühsommer ist eine dankbare Zeit für die erste längere Radtour. Mitte Juni ist es lange hell und die Temperaturen steigen auf angenehme Werte. Die Corona-Lockerungen machen Übernachtungen wieder möglich. Der Plan ist, an der Donau bis nach Wien oder Bratislava zu fahren. Treffpunkt ist am 13. Juni Ingolstadt – wir sind dieses Mal zu zweit. Die Rückfahrt wollen wir mit dem Zug zu Sommerbeginn am 21. Juni in Wien antreten.

Da ich in Stuttgart wohne habe ich heute das gute Wetter und den Brückentag genutzt, um den nächsten Weg an die Donau anzutreten: Ulm. Während es gestern an Fronleichnam noch kühl und regnerisch war, setzt der Sommer genau zum richtigen Zeitpunkt für mich ein.

Ich bin, wie oft, später losgekommen als geplant. Da waren noch ein paar wichtige E-Mails, die Gelben Säcke mussten raus und den Biomüll wollte ich nach meiner Wiederkehr auch nicht mehr in der Küche antreffen. Dann waren noch ein paar Sachen zu packen, das Rad aufzupumpen – und noch ein kurzer Blick auf die Streckenplanung und den Wetterbericht. Vor allem aber habe ich noch meine Bewässerungsanlage für die drei Tomatenpflanzen, die Yukka-Palme, den Lavendel und ein Korbblütengewächs (den Namen habe ich vergessen) in Betrieb genommen. Ach ja, der Abwasch noch und die Sonnencrème. Naja, am Ende bin ich erst Vierteldrei aufgebrochen. Letzter Check-in im Donau-Hotel in Neu-Ulm: 21 Uhr. – Passt.

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Stuttgart-Heilbronn: Sonnenuntergang am Neckar

Pfingstmontag, 1. Juni. Es ist wahrscheinlich der bisher wärmste Tag im Jahr. Zumindest ist es lange hell und auch am Abend noch deutlich über 20 Grad. Ideal also zum Radfahren. Ich hatte mir für heute die Strecke von Stuttgart aus flussabwärts am Neckar vorgenommen. Genau das richtige, wenn man wochenlang nur am Computer gesessen hat und nicht gleich in die Berge will. Bisher war ich nach der Arbeit am Neckar immer nur bis Remseck gefahren, meist auf der linken Seite hin und auf der anderen zurück über Canstatt, über die Brücke am Leuze-Bad und durch den Schlossgarten wieder zurück. Heute wollte ich einen neuen Teil erkunden. Heilbronn bietet sich als Ziel an, besser noch Bad Wimpfen, da man mit der Regionalbahn flugs wieder nach Hause fahren kann.

Ich war erst kurz nach 17 Uhr gestartet – bis man so loskommt etc. Im Schlossgarten waren erwartungsgemäß alle möglichen Sorten von Ausflüglern unterwegs, Sportler, aber vor allem viele Familien mit kleinen Kindern. Ich hielt mich dann auf der linken Neckarseite, um die Spielplätze und Biergärten, die sich auf der Canstatt-Seite bis zum Max-Eyth-See hinziehen, zu meiden und schneller voranzukommen. Das hatte sich bewährt.

Ich schätze an dieser Strecke besonders den Blick auf die Weinberge, die Steillagen die am Neckar in der Abendsonne besonders intensiv leuchten, die Kalksteinterrassen und Besenwirtschaften. Aber auch die Wege sind sehr gut ausgebaut und ausgeschildert. Ich hatte das Smartphone mit Komoot als Navi deshalb auch in der Tasche gelassen. Bei einer kurzen Trinkpause in Marbach entschied ich, den Neckar zu verlassen und den 11 Kilometer kürzeren Weg durch das Bottwartal zu nehmen. Dieser Abschnitt nach Heilbronn überraschte mich durch sehr gute Radwege. Ich hatte mit Straßenabschnitten und Schotterpisten gerechnet. Lediglich ab Ilsfeld sind Kieswege zu fahren, die mein Rad wieder haben einstauben lassen. Dafür waren die Wege noch recht schnell zu fahren. Die typisch württembergische hügelige Landschaft mit Burgen und Weinbergen machte auch diese für heute letzte Etappe zum Genuss.

Weinberg in Bad Cannstatt, erst beim Abendtraining am 3. Juni fotografiert.

In Heilbronn war noch viel Volks am Neckar unterwegs. Durch die gut ausgebauten Radwege war ich schnell am Bahnhof und hatte keine Eile, den IRE um 21.12 Uhr zu bekommen. Ticketpreise bis zum Hauptbahnhof nach Stuttgart (bwtarif): 4,95 Euro für mich (BahnCard 50) und 5,50 Euro für’s Rad.

Zur Komoot-App auf meinem Smartphone mit Sailfish-OS muss ich an anderer Stelle ausführlicher schreiben. Mich würde interessieren, wie sich die Genauigkeit beim Tracking im Unterschied z. B. zu Garmin-Geräten darstellt. Am Anfang ist bei meinen Daten heute ganz klar ein Aussetzer zu erkennen.

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13. Etappe: Boltenhagen-Schwerin (Ende)

Für die Rückfahrt mit der Bahn habe ich Schwerin ausgewählt. Die Fernverbindungen für die Fahrradstellplätze sind seit Monaten ausgebucht. Deshalb bin ich also auf den Nahverkehr angewiesen. Mit nur vier Umstiegen in Wittenberge, Magdeburg, Leipzig und Nürnberg kann ich morgen Stuttgart erreichen.

Meine letzte Etappe, rund 50 Kilometer, besteht also im „Ausrollen“ – keine sportliche Aufgabe mehr. Den Vormittag verbrachte ich im Gutshaus in Redewisch und am Strand in Boltenhagen. Ich spazierte in der Parkanlage am Gutshaus herum und genoss den Blick über die Weideflächen, die von üppigen Bäumen begrenzt waren. Am Strand war es kühl und windig, aber die Sonne kam immer wieder zum Vorschein. Halbeins brach ich Richtung Schwerin auf.

In Klütz ließ ich mir Zeit für das ehemalige Bothmersche Mausoleum und das Uwe-Johnson-Literaturhaus. Auch in Gevesmühlen schaute ich mir die Stadt an. Um vier Uhr war ich in der Landeshauptstadt angekommen. Nachdem ich am Rande der Altstadt mein Quartier bezogen hatte, machte einen längeren Spaziergang zum Schloss, aß Glasnudelsuppe und gebratene Nudeln und kaufte schließlich noch etwas Proviant für die Rückfahrt ein.

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12. Etappe: Rostock-Boltenhagen

Heute kam der Wetterumschwung – von Hochsommer auf Herbst. Am Vormittag kam noch immer wieder die Sonne durch. Ich brach kurz vor zehn in der Magdeburger Altstadt auf, fuhr an der Uni vorbei zum Hafen und von dort aus über Lütten Klein und Rostock-Lichtenhagen nach Warnemünde. Ich kam am Hotel Neptun auf die Strandpromenade. Es war windig. Ich folgte dem Ostseeküstenradweg. In Heiligendamm schaute ich mir das Grand Hotel an. Ein Badeort für die ganz Reichen, und mit Bahnhof.

Die Wege waren bis Kühlungsborn und Rerik noch stark bevölkert, wie immer am Sonntagmittag. Es sind zum einen die Sonntagsausflügler, zum anderen haben sich sicher einige Badegäste heute auf’s Rad geschwungen, weil das Wetter für den Strand zu schlecht ist. Fernradtourer sind an der Küste auch nicht zu knapp unterwegs, allein und in Gruppen. Eine Vierergruppe in Liegerädern hat mir gut gefallen.

Halbzwei erreichte ich Rerik. Ich fuhr zum Hafen, um Mittagspause zu machen. Ich kaufte mir drei Kugeln Eis und setzte mich auf eine Bank. Über der Ostsee bauten sich schwarze Regenwolken auf. Ich überlegte, die Schauer in einem italienischen Restaurant abzuwarten und bestellte Weizen und Bruschetta. Es regnete aber nicht. Ich fror, zog ein langärmliges Oberteil an und fuhr weiter.

Der Wind kam heute irgendwie aus allen Richtungen. Ich fuhr hauptsächlich nach Westen, nach Rerik ein Stück Südwesten bis Wismar mit Rückenwind, das letzte Stück nach Boltenhagen in Richtung Nordwesten mit Gegenwind. In dem hügeligen Gelände ging mir die Kraft aus. Ich musste den vorletzten Müsli-Riegel verspeisen. Drei Kugeln Eis und etwas Bruschetta waren wohl zu wenig Energie bei dem Wind. Das Wetter hatte sich weiter verschlechtert. Aber ich hatte Glück. Bis auf ein paar Regentropfen kam ich trocken am Ziel an: Das Gutshaus Redewisch bei Boltenhagen.

Das Gutshaus ist 2001 als Hotel und Restaurant eröffnet worden. Die ehemaligen Besitzer; Lueders, hatten das Anwesen nach der Wende von der Treuhand zurück bekommen. Ursprünglich gehörten noch 500 Hektar Land dazu. Das Gut war 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet worden. Das Gutshaus diente zunächst als Flüchtlingslager, dann als FDGB-Heim und später als Kinderferienlager des Wohnungsbaukombinats (WBK) Erfurt. Da komme ich ins Spiel. Ich habe nämlich als Kind und Jugendlicher hier schon einen Teil der Sommerferien verbracht.

Im großen Saal befindet sich heute das Restaurant. In der Speisekarte ist die Geschichte nachzulesen. Ich habe sie hier im Blog geringfügig korrigiert. In dem Saal gab es zum Ende des Ferienlagers Disko. Es war ja auch voll die Diskozeit. Die Jungs kämmten sich ständig die Haare und steckten den Kamm in die rechte hintere Hosentasche. Ich beobachtete das und musste erst lernen, wie es geht. Der Weg zum Strand war damals mit anderthalb Kilometern noch lästiger als heute, weil wir ihn immer zu Fuß gingen. Auf halber Strecke gab es einen Dorfladen, in dem wir uns mit Keksen und Brause verproviantierten. Aber wir verbrachten nicht nur Zeit am Strand, in der Nähe der Steilküste, wir nutzten auch das Anwesen, um auf einer großen Wiese Fußball zu spielen. Der Lederball fiel immer mal in dichtes Gebüsch, in dem ein Gewässer stand oder floss. Und Mücken plagten uns. Es gab noch mehr Insekten als heute.

Im Haupthaus wohnten wir nicht. Wir waren in Baracken untergebracht und schliefen in Doppelstockbetten. Ich weiß nicht mehr, ob jedes Zimmer einen Studenten als Ferienbetreuer hatte oder die Gruppen anders aufgeteilt waren. Die sorgten jedenfalls dafür, dass wir die Betten ordentlich machten und informierten uns über das Programm. Vor der Ferienlagerzeit müssen wir auch mal mit den Eltern Urlaub gemacht haben. Da war es wohl noch ein FDGB-Urlaubsplatz. Ich erinnere mich jedenfalls an das große Treppenhaus mit der geschwungenen Treppe und einen Saal, der mit grauem, weichen Linoleum ausgelegt war. Es gab einen Fernseher und irgendwelche Spiele.

Ich muss mal sehen, wie es morgen weitergeht. Meine Zeit läuft ab. Und das Wetter ist instabil.

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