Zweite Etappe: Seefeld-Pfunds

100 Kilometer, 1270 Höhenmeter, 5:47 Stunden (netto)

Eine gute Kaffeeversorgung ist für den Start in den Tag für mich entscheidend. Im Hotel Garni Dietrich war das Frühstück inklusive (für 50 Euro pro Person) und ausreichend Kaffee vorhanden. Auch das Buffet für Radler gut geeignet. Dreiviertelzehn starteten wir bei Sonnenschein und 14 Grad unsere Tagesetappe, von der wir noch nicht wussten, dass wir am Ende mehr als geplant fahren und in Pfunds rauskommen würden.

Abfahrt von Seefeld nach Telfs. Leider sieht man auf dem Foto nicht, weil steil es bergab geht.

Nach einigen Höhenmetern genossen wir eine atemberaubende Aussicht auf das Inntal und eine Abfahrt in Serpentinen von rund 600 Höhenmetern. Norbert wusste von überhitzten Reifen zu berichten, die durch Felgenbremsen entstehen, wenn man sie auf steilen langen Abfahrten zu lange benutzt. Die Reifen können dann platzen.

Blick auf das Inntal
Stift Stems

In Telfs überquerten wir den Inn. Das Hochwasser war nicht zu übersehen. Deshalb waren auch Teile des Inntalradwegs weiter oberhalb gesperrt. Die gut ausgebauten und meist auch gut ausgeschilderten Wege führten uns vorbei am Stift Stems, in dem alle bekannten österreichischen Skifahrer ausgebildet werden bis nach Roppen. In dem Örtchen legten wir nach 40 Kilometern eine Mittagspause ein. Wir hatten Glück, denn der örtliche Tante-Emma-Lebensmittelladen an der Kirche war gerade dabei zu schließen (12:30 Uhr). Die österreichischen Ladenschlusszeiten und die Mittagspausen in den kleineren Orten hatten wir noch nicht so recht auf dem Schirm. Wir schlüpften also noch flugs in den Laden. Der Kassierer bediente uns noch bereitwillig.

Roppen

Bald nach Roppen war der Inntalradweg gesperrt. Unterwegs hatten wir schon die Feuerwehr an verschiedenen Stellen gesehen, die mit dem Abpumpen von überschwemmten Straßen in Unterführungen zu tun hatte. Die Steu von den Bäumen auf den Radwegen ließen auf stürmische Gewitter hindeuten, die vor uns das Hochwasser verursacht hatten. An einem Bahnübergang sollte die Ausweichstrecke in Serpentinen an einem Berg entlang führen. Norbert fragte nach eine Alternativstrecke. Die Antwort der Ortskundigen: Nehmen Sie den Weg entlang der Gleise. Das ging ein, zwei Kilometer gut. Dann mussten wir die Räder über durch einen schmalen Waldweg über den Berg zerren. Der Regen hatte den Weg aufgeweicht, das holprige Wurzelwerk war feucht und rutschig. Die Passage durch den Wald war nach einer Stunde des Schiebens aber auch getan und wir erreichten bei Mils wieder festen Radlerboden.

Landeck, das Tagesziel, erreichten wir gegen halbvier. Wir entschieden kurzerhand, nach Lage der Kräfte, weiter bis nach Pfunds zu fahren, um den Weg bis zum Reschenpass zu verkürzen. Das Gelände stieg kontinuierlich an. Nördlich von Prutz erreichten wir die Reschenstraße. Im Sonnenschein kehrten wir im Lokal „Bacchusstube“ ein, um den Durst zu Löschen und frisch gestärkt in die letzte Etappe des Tages zu gehen.

Inn-Hochwasser bei Landeck

In Richtung Pfunds hingen die Wolken in den Bergen. Es wurde dunkler. Regentropfen prickelten auf der Haut. Kurz vor Pfunds gerieten wir in eine Schauer. Bei den ersten Häusern des Ortes stellten wir uns kurz unter den Vorsprung eines Wohnhauses, um die Schauer abzuwarten. Schon nach zwei Minuten zogen wir weiter Richtung Ortsmitte. Burkard nahm an einer Weggabelung das Schild zur Radlerpension Plangger wahr, die in 50 Meter Entfernung schnell gefunden war. Wir kamen für 36 Euro (Einzelzimmer) und 32 Euro (Doppelzimmer) unter, inklusive Wäscheservice. Nach einem guten Abendessen im Restaurant „Zum Hirschen“ (sehr viel günstiger als in Seefeld) sahen wir unsere Wäsche schon aufgehängt in der Trockenkammer wieder. Ein spezielles Metallgestell nahm die nassen Schuhe der Gäste auf. Alles gut durchdacht in dieser Pension.

Dieser Beitrag wurde unter Murnau-Verona, Radtour, Reisetagebuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.