Tag 18: Rewal-Zinnowitz (Ende der Reise)

 

Grenze zwischen Swinemünde und Ahlbeck. Tschüss Polen!

Nach 97 Kilometer Radfahren in der Abenddämmerung einfach nur im Meer liegen, kein Mensch sonst mehr im Wasser. Rückenschwimmen nach Herzenslust, ohne Gegenverkehr wie sonst im Schwimmbad. Barfuß zurück ins Hotel. – So endete meine Polenradtour.

Nach einer Stunde Fahrt an der Küste entlang führte mich der Weg durch den Nationalpark Wolin. Ich verzichtete auf die Mittagspause und aß in Swinemünde nur ein Eis, querte die Grenze und fuhr durch die schönen Usedomer Seebäder Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin. Mein Hinterrad hielt bis zum Endpunkt meiner Reise, Zinnowitz, durch. 1.850 Kilometer Radtour liegen seit dem 19. August hinter mir. Ich hatte sehr viel Glück mit dem Wetter. Von Polen bin ich positiv überrascht. Ich hatte keine rechte Vorstellung von dem Land. Übernachtungen zu finden war überall kein Problem und ein freundlicher Empfang war immer garantiert. Viele gute Radwege und herrliche weite Landschaften, schöne Städte und vor allem die Ostseeküste haben mir sehr gut gefallen. Mein Portmonee wurde mir hinterhergetragen, wenn ich es im Laden vergessen hatte. Auch wenn ich in meiner Zerstreutheit mal vergessen hatte bei Einkäufen im Supermarkt mein Fahrrad abzuschließen, war das kein Problem.

Auf den Straßen haben mich die Autofahrer rücksichtsvoll behandelt, wenn man ein paar Situationen heute auf der Bundesstraße nach Swinemünde mal außer acht lässt. Die Sprachbarrieren waren durch Wohlwollen immer schnell überbrückt. Polen ist sehr auf den inländischen Tourismus ausgelegt. Aber irgendwie verständigt man sich immer. Dank des günstigen Wechselkurses konnte ich eine Art Wellness-Urlaub machen und auf Zelt, Isomatte und Schlafsack verzeichten. Übernachtungen zwischen 25 und 35 Euro waren immer zu finden. Und Spaghetti mit den üblichen Beinamen für 4,50 Euro nach einer Tagestour im Restaurant auch mehr als bezahlbar.

Fehler bei meiner Planung: Ich habe zu spät einen Platz im IC für das Rad gebucht. Aber so ist das, wenn man flexibel bleiben will und nicht weiß, was einen bei einer solchen Tour erwartet. Die Tickets sind bei der Bahn immer gerade eben ausgebucht. Deshalb weiche ich nun auf den Nahverkehr aus. Das bedeutet für die 900 Kilometer zurück nach Stuttgart zwei Reisetage, die ich durch einen Zwischenstopp bei meinen Eltern verbinde.

Bei dieser Art von Reise stand die Bewegung im Vordergrund. Drei Ruhetage in drei Wochen mögen nicht viel sein, aber Besichtigungen in den Städten oder faul am Stand zu liegen stand auch nicht im Vordergrund. Anlass waren die Feierlichkeiten in Bialystok und die Idee, daraus einen Urlaub mit dem Rad zu machen, war eine der besten Einfälle der vergangenen Jahre. Mein Hintern hat in der ersten Woche gelitten, das stimmt, inklusive taube Zehen vom Treten in die Pedalen und Kribbeln in den Fingern von den Vibrationen, die sich von den Wegen auf den Lenker übertragen. Aber nach der ersten Woche habe ich mein Hinterteil eingesessen. Bisschen Kribbeln und Muskelkater ist immer. Doch: Ich fühle mich fit wie Turnschuh.

Tschüss Polen.

In Kopenhagen war ich noch nicht.

Fähre in Swinemünde auf die Insel Usedom.

Sandskulptur mit Damen

Strand von Zinnowitz, Endstation meiner Reise. Und ab ins Wasser (19 Grad, Luft 20).

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Tag 17: Rügenwalde-Rewal

Ein paar Worte zu Pferden und zum Essen (mal wieder). Auf den Wegen durch Schlesien, Großpolen, Masowien, Podlachien und Ermland-Masuren habe ich kaum Pferde gesehen. Die Zahl der Rinder auf den Weiden nahm während der Reise zu, aber Pferde? Nix. – An der Ostseeküste trifft man doch in und wieder ein paar Exemplare und auf den Wegen sind Pferdeäpfel zu umfahren. Das hat sicher mit dem Tourismus an der Küste zu tun. Ab und zu gibt es Streichelzoos. Vielleicht gibt es auch etwas „Pferdesport“, aber sicher nicht so intensiv wie in Norddeutschland. – Worüber man beim Radfahren alles so nachdenkt…

Makarony ist im Polnischen ein Oberbegriff für Nudeln. Es gibt einen wahrscheinlich spezifisch polnischen Restauranttyp, die Kebab-Pizzeria, in der es weder Türken noch Italiener gibt. Es wird der klassische Döner angeboten – allerdings ohne Zwiebeln, scharfen Knoblauchsoßen oder Chili, also alles, was ich mag. Drehspieße mit Lammfleisch habe ich nicht gesehen, es wird wohl Schweine- oder Rindfleisch sein. Das Ganze kann man auch auf der Pizza haben. Ansonsten ist die Pizza in allen möglichen bekannten Varianten zu bekommen. Alles für meine Radfahrerbedürfnisse zu fett. Ich halte mich in den Kebab-Pizzerien an die Tomatensuppe, mal mit, mal ohne Nudeln. Und die Makarony. Die Spaghetti waren immer gut. Aber heute gab’s keine, als ich in einem Örtchen an der Ostsee viertelfünf „Mittagspause“ machte. Also Hamburger mit einer koffeinhaltigen dunklen Brause.

Ich war erst um elf losgekommen und die 85 Kilometer bis zur Mittagspause durchgefahren. Kurz nach dem Start bekam ich eine Regendusche ab. Der Rest des Tages verlief zunehmend sonnig. Dank der unerwartet guten Wege war ich eine Stunde früher als gedacht nach 117 Kilometern in Rewal, einem kleinen Badeort am Meer. Der größte Teil der Strecke verlief in Küstennähe oder direkt in Strandnähe. Ich fuhr durch viele Badeorte, die durch die Nachsaison gut bevölkert waren. Überall wurden schlechte Klamotten angeboten, mal an kleinen Stränden, mal in großen Zelten. Es gab jede Menge Souvenirs, geräucherten Fisch und Fischrestaurants und auch vornehmere Schmuckläden, die nicht nur Bernstein im Angebot hatten. Am besten war die frische Luft, die mich vom Meer her wieder anschob. Auf den Radwegen waren jede Menge langsame Ausflügler unterwegs, die in Zeitlupe die Pedale drehten, mit dem Lenker herumschlingerten, den Kopf im Himmel. Immer wieder gaben die Kiefernwälder den Blick auf die Ostsee frei.

Mein Hinterrad läuft nicht mehr ganz rund, was mich nicht überrascht. Es muss nur noch die 95 Kilometer bis Zinnowitz durchhalten. Die Recherche der Rückfahrt hat mich heute den halben Vormittag gekostet. Die Direktverbindung mit dem IC von Stralsund nach Stuttgart wurde mir nicht angeboten, wenn ich den Einstieg Zinnowitz wählte. Nach einer Weile hatte ich die richtigen Stellschrauben raus, die man wählen musste. Beides getrennt zu buchen, kostet nämlich zwanzig Euro mehr. Als ich den Kauf abschließen wollte, gab es diese Meldung: „Das gewünschte Angebot ist soeben nicht mehr verfügbar. Leider sind alle Fahrradstellplätze ausgebucht.“ Da hatte mir jemand den letzten Platz vor den Augen weggeschnappt. Alles andere als diese Direktverbindung bedeutet mehr umzusteigen und: Ich muss das Fahrradticket getrennt vom Bahnticket buchen. Immerhin gibt es ICEs, die jetzt auch Räder mitnehmen.

Erst, wenn ich das Scheinchen für’s Rad habe, kann ich den Zug buchen, denn umgekehrt kann es sein, dass ich wieder keine Reservierung bekomme. Und online funktioniert das nur teilweise. Also muss ich zum Schalter. Ich habe hier aber gerade keinen da. Im Nahverkehr ist alles einfacher, Fahrradmitnahme muss nicht gebucht werden. Man muss nur schauen, ob man mitkommt. Aber nach Stuttgart brauche ich dafür dann zwei Tage. – Tja, mal sehen. Jeder Tag kennt seine eigene Sorge.

Beim Sonnenuntergang war ich am Meer.

Bahnübergang in Rügenwalde. Das sagt die App: „Schwere Radtour, gute Kondition nötig. Stellenweise wirst Du Dein Rad eventuell tragen müssen.“ So viel Kondition war heute nicht nötig, alles flach.

Typische Briefkästen, aber nicht so häufig zu sehen. In der Regel wird ans Haus ausgetragen.

Leuchtturm bei Rewal.

Hafen von Mrzeżyno

 

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Tag 16: Leba-Rügenwalde (Darlowo)

Eine Radpanne hatte mich heute aufgehalten. Aber dazu später.

Im Handbuch für lange Fahrradtouren steht, dass man Regentage erst von ihrem Ende her beurteilen soll. So war ich denn auch ganz zuversichtlich, als ich am späten Vormittag in Leba aufbrach und ein leichter Regen einsetzte. Da dies bei der Wettervorhersage nicht vorkam, beschloss ich zügig weiterzufahren. Denn was es eigentlich nicht gibt, würde bald von selbst wieder verschwinden, so meine Theorie. Der leichte Nordost blies mich, im Hinterrad immer noch eine Speiche weniger, über die gut asphaltierten Straßen meinem Ziel Rügenwalde (Darlowo) entgegen. Außerdem war es nicht kalt und nach zwei Stunden bestätigte sich meine Annahme. Es hörte auf zu regnen und die Sonne zeigte sich immer öfter. Die Landschaft auf meinem Weg muss deutlich mehr Regen gesehen haben, denn auf den Straßen flossen Rinnsale und ich jonglierte um große Pfützen herum. Am Abend, in meiner Unterkunft, legte ich das Geld zum Trocknen aus, dass sich in meiner Lenkertasche ganz vorne im ersten Fach befunden hatte. Sonst war alles in bester Ordnung.

Auf halber Strecke hörte ich eine Sirene. Ich wähnte hinter mir einen Krankenwagen oder die Polente. Ich hielt an und schob mein Rad rechts ins Gras. Ein Militärkonvoi kam angerauscht, an der Spitze und am Ende jeweils mit einem Geländewagen, Blaulicht und Martinshorn. Dazwischen vier Transporter mit Panzern, ziemlich flache Dinger. Vielleicht heißen die auch anders, also nicht Panzer. Möglicherweise hat die Nato wieder ein Herbstmanöver, wer weiß. In einem Dorf vor Danzig wurde am Sonntag ein Flakgeschütz durch die Gegend gefahren.

In Zaleskie, einem Dorf 30 Kilometer vor meinem Ziel, rief mir plötzlich eine Frau vom linken Straßenrand zu. Ich stoppte, drehte um und sagte auf Englisch, dass ich des Polnischen nicht mächtig bin. Maschena, so hieß sie, machte mir klar, dass sie Hilfe bei einer Reifenpanne brauchte. Sie war mit ihrer Schwester Barbara unterwegs. Ihr Rad hatte sie schon aufgebockt. Aus dem Vorderreifen zog ich eine Reißzwecke. Ich holte mein Werkzeug aus den Tiefen meiner Radtasche. Maschena hatte auch alles mögliche dabei, vor allem aber einen neuen passenden Schlauch. Der war mit der üblichen Fummelei recht fix gewechselt. Doch das Ventil passte weder zu meiner Luftpumpe noch zu meiner CO2-Kartusche. Barbara sprach mit zwei älteren Frauen, die noch in einer Schule zu tun hatten, vor der sich die Szene abspielte. Die organisierten im Ort zwei passende Luftpumpen, die uns von einem Mädchen gereicht wurden. Unterdessen unterhielt ich mich etwas mit Maschena. Sie käme aus Breslau, ihre Schwester aus einem kleineren Ort, den ich noch nicht gehört hatte. Sie waren auf dem Weg nach Ustka (Stolpmünde), ein Ostseebad, nur ein paar Radminuten vom Ort des Geschehens entfernt.

Mit einer Tretpumpe blies ich das Vorderrad auf. Ich erklärte, dass ich noch ein Foto für mein Reisetagebuch brauche und überreichte Maschena die dazugehörige Internetadresse. Das Mädchen mit den Pumpen wurde wieder fortgeschickt. Wir verabschiedeten uns und ich erreichte, dank des Rückenwindes, Rügenwalde nach 109 Kilometern in einer unglaublich guten Zeit (Schnitt: 20,4). Da konnte ich mich noch in eine Telefonkonferenz einwählen.

Der Regentag ist dreifach zu loben: Wegen der nur kurzen Nassphase, wegen des famosen Rückenwindes und wegen der guten Tat.

Sonnenbrille – schützt auch vor Regen

Maschena (links), das Mädchen mit den Luftpumpen und Barbara – nach Reparatur alle in guter Stimmung.

Ich trage heute ausnahmsweise blau. In der Schule durften wir uns dann noch die Hände waschen.

Tor zum Marktplatz Rügenwalde (Darlowo). Dahinter befindet sich mein Quartier.

 

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Ruhetag in Leba

Der Verdacht hat sich bei Tageslicht bestätigt: Eine Speiche vom Hinterrad ist gebrochen. Einen Fahrradladen gibt es in Leba nicht. Rower Leba (Fahrrad Leba) ist der größte Verleih, repariert aber nichts. Ich beschloss deshalb, mit einer Speiche weniger weiterzufahren und bei der Streckenplanung mehr Detailarbeit zu leisten, d. h. möglichst nur asphaltierte Wege zu wählen.

Den Nachmittag und frühen Abend verbrachte ich am Meer. Nach einem längeren Spaziergang war ich etwas verschwitzt, holte meine Badehose vom 800 Meter entfernten Hotel und ging ins Wasser. Ich spielte mit den Wellen – oder die Wellen mit mir. Ziel war es nicht umzufallen. Mal schwamm ich mit den Wellenbergen mit, mal stellte ich mich den sich brechenden Wellen frontal entgegen, während die Dämmerung hereinbrach.

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Tag 15: Danzig-Leba

Die letzten Kilometer nach Leba: unwegsames Gelände, ungeeignet für Radfahrer.

Der Weg in das Seebad Leba war hart erkämpft. Dabei waren 112 Kilometer von den 127 sehr gut zu fahren. Bei Sonne und blauem Himmel fuhr ich über Sopot und Gdynia die Küste hoch bis ganz nach Norden. Ich hatte mich für den längeren und schöneren Weg am Meer entschieden. Ich kam an kleinen Bootshäften vorbei. Im Wasser schaukelten die Jollen, während mein Blick über die schwarze Ostsee schweifte. Der leichte Wind aus Nordost kam mir zu Hilfe, als ich bei Wladyslawowo nach Westen abbog. Auf einem herrlich asphaltierten Radfernweg surrte ich mit dem Wind im Rücken wie ein Aufziehmännchen durch die Landschaft. Ein gutes Stück des Wegs führte mich schließlich durch die Küstenwälder, in denen manchmal das Rauschen der Brandung zu hören war.

Radeln im Schatten der Dünen, die Brandung im Ohr.

Nach einer kurzen Trinkpause gegen halbacht in einem kleinen Ort mit Saison-Fastfoodrestaurants wähnte ich mich noch pünktlich im Hotel einzuchecken. Ich hatte 19-20 Uhr als Ankunftszeit angegeben. Ich wechselte die Sonnenbrille gegen die für ohne Sonne und trat in die Pedalen. Hinter einer Wegbiegung lag ein riesiger Berg Kalk. Ich dachte an Kalk, weil der Megahaufen so hell war. Bei näherem Hinsehen war es weißer, feiner Sand. Erste Ausläufer der berühmten Wanderdünen von Leba. – Im Schatten der Dünen arbeitete ich mich weiter in den Wald vor, Leba in greifbarer Nähe. Der Weg wurde immer wilder, schmaler, ich blieb immer wieder im Sand stecken. Dann lagen Bäume quer über dem Pfad. Ich musste das Rad immer wieder schieben und über Hindernisse tragen. Vor allem machten die vielen Baumwurzeln das Fahren zu einer holprigen Angelegenheit. Der Helm schützte mich vor Geäst von oben, das mir immer mal wieder entgegenpeitschte. Inzwischen war es dunkel geworden.

Blick auf die Ostsee bei Puck, nördlich von Gdynia.

Da klimperte es plötzlich am Hinterrad. Das klang verdächtig nach einem Speichenbruch. Es konnte auch ein Zweig sein, der sich verfangen hatte und das Rad zum Singen brachte. Ich hielt an, konnte aber bei dem restlichen Tageslicht nichts erkennen. Das rhythmische Klimpern, während ich fuhr, nahm ab und wieder zu. Dann stand ich plötzlich an einem See mit einem Steg. Der See war wegen des hohen Schilfes in seiner Größe nicht auszumachen. Ich schaute auf das Navi und kehrte um, bis ich nach 20 Metern den richtigen Pfad wieder fand. Die Tour über Stock und Stein ging weiter, mal durch Morast, dann über steile Huckel, um querliegende Bäume zu umfahren. Ich musste etwas in Schwung bleiben, damit das Licht, vom Nabendynamo gespeist, mir die jeweils nächsten Meter des Weges offenbarte. Als ich endlich die ersten Häuser von Leba erreichte, war ich erleichtert und das Klimpern in meinem Hinterrad war weg. Mit einer halben Stunde Verspätung erreichte ich mein Quartier.

Hafen von Gdynia.

Die Schüler habe ich heute nicht vor die Kamera bekommen. Als ich kapierte, dass heute der erste Schultag ist (eigentlich der 1. September, aber da war ja noch Wochenende), war es schon zu spät mit den Motiven. In Gdynia standen sie an Bushaltestellen oder stiegen gerade aus Bussen aus. Sie kamen sie offensichtlich gerade aus der Schule, denn es war Mittagszeit. Die Jungen steckten in Anzügen, dunkelblau oder schwarz, mit weißem Hemd. Die Mädchen trugen dunkelblaue oder schwarze Hosen oder Röcke und weiße Oberteile.

Bei mir ist morgen Ruhetag, Zeit zur Regeneration. Am Meer.

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Tag 14: Elbing-Marienburg-Danzig

Die Ostsee, endlich. Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man nach so langer Reise, staubigen Wegen, weiten Landschaften und Großstädten am Ende einer schmalen Kopfsteinpflasterstraße dann plötzlich das Meer sieht. 

Der Tag begann in Elblag sonnig. Für die Tour nach Danzig hatte ich keine direkte Strecke gewählt, sondern einen Weg über Marienburg (Malborg), das Zentrum des Deutschen Ordens und Sitz des „Hochmeisters“. Die Landschaft war flach wie Flunder und die Wege gut asphaltiert, sodass ich mit einem Schnitt von gut 20 Kilometer pro Stunde in Marienburg ankam. So schnell war ich bisher noch nie. Die Sonne schien wieder kräftiger, bestes Fahrradwetter. 

In den Masuren sah ich, wie in den Dörfern die Leute in ihren Gärten Kartoffeln ernteten. Auch auf den Feldern wurden Kartoffeln eingeholt, große LKW-Ladungen auf dem Weg zur Kartoffelsortiermaschine. Im Straßenverkauf sah ich heute ein Angebot: 15 Kilo Kartoffeln für 15 Zloty (3,57 Euro). Cooler Preis. 

Die letzten Kilometer nach Danzig waren recht mühsam. Fies sind die Betonplattenwege mit den Querrillen. Da wird man ordentlich durchgeschüttelt. Ähnlich übel sind die hier verbreiteten sechseckigen Pflastersteine. Oder Nebenstraßen, die mit Schlaglöchern übersät sind und überall notdürftig ausgebessert sind. Man fährt dann Slalom. Was alles toppt: Kies-Sandpisten mit festem Untergrund und regelmäßigen Querrillen, wie sie Kettenfahrzeuge hinterlassen. Das ganze Rad vibriert irre und das Kribbeln in den Händen klingt lange nach. Der Weg nach Danzig führte durch Sumpfgebiete mit üppiger Vegetation. Nach den großen Betonplattenwegen folgten schmale Wege mit Betonsteinen, die regelmäßig angeordnete Löcher hatten, aus denen das Gras wuchs. Diese Dinger ließen sich noch ganz gut fahren, aber die Wege waren teilweise ganz ordentlich zugewachsen, Brennesseln ragten weit hinein, auch mal eine Weide. Ich kam dann an einer Stelle raus, an der es kein Ortseingangsschild gab. Dafür wurde ich mit alten, mit rotem Backstein gemauerten Befestigungsanlagen belohnt, die in der Abendsonne leuchteten.

Ich fuhr an der Altstadt mit ihren Kirchtürmen, den Hochhäusern, den Kränen im Hafen und dem Hauptbahnhof vorbei, um Viertelacht nach 102 Kilometer Tagesetappe mein Hotel am Ostseestrand zu erreichen. 

Im Waschsalon, nur drei Kilometer entfernt, ist mir ein Paar gleich behilflich, vermutlich die Besitzer. Schnell ist der richtige Waschgang und der richtige Trockner gefunden. Die Dame spricht Englisch. Dank gutem WLAN lädt mein Handy in einer rasanten Geschwindigkeit Fotos in meine Nextcloud hoch. 

Mein Zimmer liegt auf der Meerseite, dritte Etage. Die Brandung rauscht. Der Halbmond steht tief am Himmel, im Osten. Wunderbar. 

Marienburg wird, wie viele Städte in Polen, videoüberwacht. Wohl nur die City, denke ich.

Zu diesem Bier wird eine Legende erzählt, an einer Hauswand, passend zur Stadt.

Ein Mädchen probiert die Touri-Dusche gegen die Hitze an der Burganlage. Heiß ist es heute nicht, macht aber Spaß.

Am Ufer der Weichsel legte ich eine Mittagspause ein.

Was wollte der Künstler uns damit sagen?

Die haben nach der letzten Party im Dorf schlapp gemacht.

In Zaprasza hat jemand Humor.

Und hier ist die Zeit stehengeblieben. Für das Bild bin ich nochmal zurückgefahren. Schöner alter Mercedes aus Stuttgart.

In dem Sümpfen vor Danzig war meine Stimmung auf dem Nullpunkt angekommen.

Danzig.

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Tag 13: Heilsberg-Elbing

Pünktlich um 10 blies der Türmer – oder wer auch immer – und leitete damit den Einkaufssamstag in Heilsberg ein. Zumindest machten da die meisten Läden auf und ich griff bei der Unterwäsche zu. Bis zum Waschsalon sind es nämlich noch 200 Kilometer zu fahren. Der Schnupfen, den ich seit Bialystok hatte, verschwand heute ganz. Die Sonne zeigte sich wieder von der besten Seite. Ich habe rausgefunden, dass das Schnupfenrisiko ab unter 24 Grad stark ansteigt. Es gibt den Fahrtschnupfen, der verschwindet, wenn man wieder zum Stehen kommt. Dann gibt es den Verkühlungsschnupfen, je nach Windsituation schon ab 22 Grad, vor allem wenn es am Abend oder späten Nachmittag schnell abkühlt. – Wie gesagt, mit steigenden Temperaturen war heute wieder alles in Butter.

Bis 17 Kilometer vor Elbing (polnisch Elblag – sprich Elblongk) bin ich durchgefahren. Bei der vielen Landschaft brauchte es eine Weile, bis mir ein Rastplatz gefiel. Eine Bank reichte. Kurz vor sieben war ich am Hotel und mitten im Elbinger Brotfest. Tagesbilanz: 97 Kilometer.

Hier spielt nun eine Band, während viel Volk unterwegs ist, um an den Ständen Bier und Leckereien zu holen. Auf der anderen Seite des Flusses Elblag ist der Rummel noch voll zu Gange. Die Buden und Stände sind in mehreren Straßen aufgebaut. Es gibt die unterschiedlichsten Brotsorten, die feilgeboten werden. Und da ist es wieder, das gute alte Fettbrot, Schweineschmalz, gesalzen, belegt mit längsgeschnittenen Gurkenscheibchen. Das Fett ist etwas aus der Mode gekommen und hat auch keinen so guten Ruf mehr.

Es gibt beim Brotfest sicher genauso viele Wurststände wie Brotstände. Buden mit Süßigkeiten dürfen nicht fehlen, dann gibt es Bier aus allen Himmelsrichtungen, Kunstgewerbliches und auch Tand und Tinnef. Die Menschenmassen schieben sich an den Buden vorbei, während die Band den Takt vorgibt. – Ich kehre unterdessen noch bei der Chinafrau ein, die den notwendigen Teller gebratene Nudeln serviert, nicht ohne eine polnische Note, einem Häuflein Krautsalat mit einem Hauch Karottenraspel.

Noch ein Wort zum polnischen Fernsehen. Es gibt die üblichen Formate, Nachrichtensendungen, Unterhaltungssendungen, Wissensmagazine, Spielfilme und Seifenopern. Vieles ist importiert nach dem Schema „Polen sucht den Superstar“. Seichte Filme werden mit Seitengezupfe unterlegt, um die Komik zu unterstreichen, wie bei uns. Die Nachrichtensprecherinnen haben die übliche die Mimik und Gestik drauf. Es gibt gute eigene Produktionen zu historischen Themen. Woran ich mich aber nicht gewöhnen kann, sind die schlecht synchronisierten Spielfilme. Während Tony Curtis, Jack Lemmon und Marilyn Monroe die Handlung vorantreiben, spricht eine polnische Stimme alle Rollen. Der Originalton ist im Hintergrund noch zu hören. Das irgendwie umzuschalten auf Untertitel oder nur Originalton ist mir noch nicht gelungen.

Morgen Danzig.

Elbing am Abend.

Idyllischer Weg, ich vermute eine alte Bahntrasse.

Futtersilos, eine Lagerhalle und Säcke mit irgendwas, vielleicht Dünger.

Verlockende Beeren, sehen größer aus, als sie sind.

Ein Bauer versucht sich in Flurbereinigung.

Bibliothek am Wegesrand.

 

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Tag 12: Angerburg-Heilsberg

Am frühen Morgen hatte es geregnet. Doch als ich in Angerburg aufbrach, kam die Sonne durch. Der Tag blieb jedoch überwiegend wolkenverhangen. Ein paar Regentropfen am frühen Nachmittag nutzte ich für eine Mittagspause in einem Bushäuschen auf dem Weg nach Bartenstein (Bartoszyce). Der Gegenwind pustete mich ganz gut durch. Ich machte nicht alle Schlenker des Green Velo durch die Landschaft mit, sondern kürzte nach Bartenstein etwas ab. Schon um fünf war es dämmrig, bedingt durch die dunkle Wolkendecke. Die Autos machten ihre Lichter an. Die Pausen fielen heute wegen des Windes und der fehlenden Sonne kurz aus. Am Abend ließ der Wind nach. Pünktlich um sieben war ich in Heilsberg (Lidzbark Warminski), 102 Kilometer auf dem Tacho. Von meinem Zimmer im Hotelik Kopernik habe ich die mittelalterliche Innenstadtkulisse direkt vor der Nase, die Bischofsburg und die Kirche St. Peter und Paul.

Der Rezeptionist im Hotel spricht Deutsch. Ich habe schon seit Bialystok kein Deutsch mehr gesprochen. Er meinte auf meine Bemerkung hin, dass er gut Deutsch spricht, er wohne in Danzig, das sei ja eine internationale Stadt. Auch im Restaurant Starówka ist man auf internationale Gäste gut eingestellt. Es gibt eine englischsprachige Karte, die die Speisen und Getränke zugleich in deutscher Übersetzung präsentiert. 2016 war das Lokal im Gault Millau verzeichnet. Ich war froh, noch etwas warmes zu essen zu finden. In der Innenstadt waren nämlich die Bürgersteige bereits hochgeklappt, als ich mich kurz nach acht auf die Futtersuche machte.

Die Feriensaison geht in Polen zu Ende.

Der Tag begann in Angerburg…

…und endete in Heilsberg (Blick auf St. Peter und Paul).

Bartenstein

Auch in den Dörfern zwischen den Städten…

…ist Backsteingotik zu sehen.

Sumpflandschaft vor Heilsberg

Blick auf die Burganlage in Heilsberg – zu später Stunde bläst der Türmer von St. Peter und Paul zur guten Nacht (kein Witz)

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Tag 11: Żerdziny-Angerburg (Green Velo)

Tag der schönen Wege. Ich war zuerst skeptisch, dass 60 Kilometer auf unbefestigten Wegen verlaufen sollten. So jedenfalls die Planung, die sich aus dem Green-Velo-Verlauf ergibt. Ich habe deshalb vorsichtshalber ein Stück des Wegs nach Goldap über die Landstraße abgekürzt. Danach bin ich wieder dem Routenverlauf gefolgt und war positiv überrascht. Die Sand-Kies-Wege waren meist sehr gut und schnell zu fahren und führten kaum durch Orte. Auch Autos waren kaum anzutreffen, dafür aber einige polnische Radtourer. – Woher ich das weiß, dass es polnische waren? Zum einen an der Begrüßung „Dzien dobry – Tach auch“ – und an Fragen, die ich natürlich nicht verstand. Streckenweise kam mir der Weg wie eine alte Bahntrasse vor – mal führte er über einen Damm, dann waren bahnstationsähnliche Häuser am Wegesrand zu sehen – und immer rechts schnurstracks durch die Landschaft.

Im letzten Haus Polens vor der russisch-litauischen Grenze habe ich übernachtet.

Links ist Russland (Oblast Kaliningrad), rechts ist Litauen. An der Säule laufen die Grenzen zusammen, auf dem Sockel durch Linien markiert.

Bevor ich mich auf die Tour begab, suchte ich den Grenzstein am Dreiländereck auf. Die angrenzenden Regionen haben sich mit Unterstützung der EU zusammengetan und die Ecke touristisch erschlossen (Green Velo). Eine Säule mit breitem Sockel macht den Verlauf der Grenzen, die an dem Punkt zusammentreffen, deutlich. Die Grenzen sind mit Linien markiert, die man gedanklich dann in die Landschaft verlängern kann. Zäune machen deutlich, dass es um eine EU-Außengrenze geht. Es wird natürlich davor gewarnt, mal auf die russische Seite zu spazieren. Und an Überwachungskameras fehlt es auch nicht. Wie angenehm war es doch, dann mal kurz auf die litauische Seite zu fahren.

Auf dem Wege ein Viadukt.

Auf dem Weg nach Goldap machte ich bei einem „ABC“-Lebensmittelladen halt, um Proviant aufzunehmen, vor allem Wasser. Am Lädchen gab es hübsch hergerichtete Sitzmöglichkeiten, Tische und Bänke. An einem überdachten Tisch saßen ältere Herren beim Bier. Es war kurz nach zwölf. Alkohlkonsum ist in Polen in der Öffentlichkeit nicht erlaubt, wird aber offensichtlich locker gehandhabt.

Brücke in Goldap am Green Velo.

Das Zentrum von Goldap ist, wie Augustów und Suwalken, um einen rechteckig angelegten Park gestaltet. Die Häuser, die an den Park grenzen, beherbergen Läden, Restaurants oder Hotels. Abends war zum Beispiel in Augustów dann auch noch Leben auf der Straße, was in der dünn besiedelten Region sonst zu fortgeschrittener Stunde nicht der Fall ist, wenn selbst die Hunde schlafen. In Goldap machte ich um zwei Uhr Mittagspause, vertilgte auf einer Bank im zentralen Park des Städtchens meine restliche Pizza, trocknete meine Handwäsche, die nach der Nacht noch feucht war (Radlerhose, Radlershirt, gelbneonleuchtende Socken) und machte ein Nickerchen.

Durch stille Landschaften, meist Weideland und Wälder, erreichte ich nach 96 Kilometern um halbsieben planmäßig Angerburg (Węgorzewo). Jetzt bin ich an der Masurischen Seenplatte angekommen. Morgen früh soll es regnen. Die Wettervorhersagen der vergangenen Tage waren für die Region unterschiedlich. Donnerstag und Freitag sollten Regentage werden, dann nur Freitag, jetzt soll der Regen auf den Freitagmorgen begrenzt bleiben. Bisher hatte ich mit dem Wetter Glück. So, wie es aussieht, kann ich morgen planmäßig weiter nach Gorowo Ilawiecki.

Angerburg

Niecierpek gruczołowaty (Drüsiges Springkraut), hat Ariane herausgefunden.

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Tag 10: Augustów-Żerdziny (Dreiländereck, Green Velo)

Im Dunkeln im Wald an der russischen Grenze umherzukurven, das war schon etwas beklemmend. Der Reiseführer macht Mut, dass auch ein versehentlicher Grenzübertritt zu mehrjährigen Haftstrafen führen kann. Dank Navi und Green-Velo-Schildern war ich mir zwar zu keiner Zeit unsicher, aber das mulmige Gefühl hing wohl mit der beginnenden Nacht und den alten Bildern von Ostgrenze zusammen. Doch der Tag von vorne.

Marina von Augustów

Bei der Streckenplanung galt es zu entscheiden, den direkten Weg über Suwalken (Suwalki) nach Norden zu nehmen oder den Green Velo mit einem Umweg durch die Naturparks im Osten. Ich entschied mich, die Wildnis aufzusuchen und meldete meinem Quartiergeber, dass es bei den 131 Kilometern 20 Uhr werden könne.

Bei heiterem Himmel passierte ich die Marina von Augustów und fuhr eine ganze Weile an den Seen entlang Richtung Osten durch dichte Wälder, die von Kiefern dominiert wurden. Bis auf ein paar wenige Beerensammler waren kaum Menschen anzutreffen. Die sandige Schotterpiste fuhr sich zunächst gut, später nur mäßig gut, sodass ich langsamer wurde. An einigen Stellen blühe das Heidekraut. Unterwegs fand ich noch eine Karte von der Region Suwalken, die ich gerne einsteckte. Die Sonne schaffte es nur wenig über 20 Grad.

Sandpisten führten durch dichte Wälder

Da ich unterwegs viel fotografierte, musste ich mein Handy-Akku schon vor Suwalken an die Powerbank anschließen. Da es kräftemäßig ganz gut voranging beschloss ich, die Mittagspause ausfallen zu lassen und erst in Suwalken zu rasten. So fuhr ich dann gut 80 Kilometer durch und hielt in dem Städtchen gegen 17 Uhr an einer Pizzaria. Ich suchte mir eine Ecke mit Steckdose, um das Handy aufzuladen und bestellte eine „populäre“ Pizza. Zwei Drittel davon hatte ich geschafft, den Rest ließ ich mir einpacken. Den Rest der Strecke fuhr ich also mit Pizzaschachtel auf dem Gepäckträger.

Die Landschaft veränderte sich nördlich von Suwalken recht schnell. Eine schöne sehr hügelige Weidelandschaft tat sich auf. Ich hatte einige Höhenmeter zu bewältigen, zum Schluss musste ich sogar noch aus dem Sattel und die Pizza im Magen quälte mich etwas. Dafür wurde ich von einem märchenhaft schönen Ausblick belohnt. In den Tälern begannen sich Nebelbänke zu bilden. Bläulich schimmerte der Tau auf den sattgrünen Wiesen. Am Horizont war ein Radom zur Überwachung des Funkverkehrs zu sehen. Vielleicht war es aber auch nur ein Futtersilo. Das mit dem Radom gefällt mir aber besser.

Feld auf dem Weg nach Suwalken: Was wird hier nur angebaut?

Je dunkler es wurde, desto unwirklicher erschien mir die Landschaft. Ich zog ein langärmliges Shirt über, wechselte die Sonnenbrille gegen die normale aus und fuhr in die Dunkelheit. An einigen Stellen haben die Bauern größere Findlinge und kleinere Brocken von den Weiden und Feldern gesammelt und aufgetürmt oder Steinnester gebildet. In Schutzgebieten liegt alles noch so herum wie nach der Eiszeit. Die Wiesen mit großen Steinen übersät, teilweise überwachsen, sodass sie in dieser huckeligen-buckeligen Welt auch noch alles im Kleinformat nachbilden, was im Großen die Landschaft ausmacht.

Die Hunde waren heute freundlich zu mir. Ein schwarzer Dorfmischling begrüßte mich zu später Stunde erst bellend, wedelte dann mit dem Schwanz und scharwänzelte um mein Rad herum, während sein Kumpel auf Abstand blieb. In der Dunkelheit hatten die wenigsten Hunde allerdings noch Lust großartig zu bellen. Ich fuhr durch Sumpfgebiete. Da kreischten ein paar Vögel und ich hatte das Gefühl, dass sie mir folgten. Dann huschte mal eine Katze über den Weg, links und rechts in den Wäldern seltsame Geräusche. Oder doch nur mein Rad und das Knarren meiner Pizzaschachtel? Ich hörte auf, die Pedalen zu treten und lauschte. Richtig, nur die Pizzaschachtel. In einem Dorf flogen Fledermäuse an mir vorbei. Ich hörte die Flügelschläge und nahm die Schatten war. Da bemerkte ich zwei rote Lichtsignale, wahrscheinlich von einer Bahnlinie. Nach ein paar wenigen Kilometern kam ich in meinem Quartier in Zerdziny an, wo mich die Gastgeberin gleich begrüßte. Sie kam über die Terrasse und hatte mein Licht gesehen. Es ist das letzte Haus vor der Grenze, direkt am Dreiländereck. Bei Tageslicht muss man rüberschauen können.

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