SR21-19 Reutte-Leutkirch (Schluss)

Wenn man an der Grenze von Österreich nach Deutschland mit dem Rad unterwegs ist, wie ich heute, dann kann man sich fragen, ob man schon drüben ist – oder nicht. Wenn man eine elektrifizierte Bahnlinie sieht, ist man noch in Österreicht. So habe ich mich heute orientiert, denn einen Grenzstein oder Schilder gibt es nicht.

Ich war heute für Regen gerüstet, was auch nötig war. Bis zum frühen Nachmittag kam immer wieder die Sonne durch, aber die Luft war kalt und der Gegenwind kräftig. Ich hatte gleich am Morgen mein langes Trikot angezogen und später, als auf dem Weg nach Kempten die ersten Regentropfen fielen, auch die Regenjacke. In Füssen schaute ich mir den Lechfall an und fuhr weiter zum Weißensee. Die Radwege waren sowohl am Lechfall als auch am Weißensee ganz gut bevölkert. Danach wurde es weniger.

In Kempten kehrte ich in einer Bäckerei zur Rast ein. Ich wollte zum Abschluss der Tour noch bis Memmingen kommen, doch die Suche nach einem Zimmer verlief enttäuschend. Ich plante deshalb kurzfristig um und fuhr nach Leutkirch. Bald setzte kräftiger Regen ein. Meine Schuhe waren in kurzer Zeit durchgeweicht. Am Quartier in Leutkirch hatte noch der Werdich geöffnet, ein Ulmer Schuhhändler. Die Schuhe waren schnell gekauft, ich behielt sich gleich im Laden an. Mein Rad konnte die Dusche gut gebrauchen. Mit Servietten habe ich es noch grob geputzt, damit ich mich in Stuttgart wieder sehen lassen kann.

Morgen soll sich das Wetter weiter verschlechtern. Das Tief Nick kommt mit noch mehr Regen. – Das Bahnticket nach Stuttgart habe ich schon besorgt. Nun ist Zeit, Bilanz dieser langen Sommerradtour zu ziehen. Ich bin drei Tage mehr gefahren als im vergangenen Jahr, habe aber auch zwei statt nur einen Ruhetag gehabt. Höhepunkte waren für mich die Alpenpässe und Rom. Dort habe ich mir am meisten Zeit genommen zum Schauen. Das Timmelsjoch war eine besondere Anstrengung, aber auch Glück, dass das Wetter so gehalten hat, dass ich am Pass verweilen und die Bergwelt genießen konnte. Physisch war die Bergtour durch die Toskana bei 39 Grad im Schatten die Grenze. Und dafür war die Radtour auch da, um Grenzen herauszufinden. Wieviel ich insgesamt gefahren bin, habe ich nicht zusammengerechnet. Mach ich sicher noch, ist jetzt aber nicht so entscheidend.

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SR21-18 Sölden-Fernpass-Reutte

Von Sölden nach Imst brauchte ich gut zwei Stunden. Ich startete bei etwa 13 Grad, der Himmel war bedeckt. Ich brauchte meine Regenjacke als Windstopper, um das Tal hinunter zu fahren. Ich hoffte, dass der Wetterbericht sich bewahrheiten würde und am Mittag die Sonne durchkam. So kam es dann auch. Ich besorgte mir etwas Proviant, zog meine Jacke aus und fuhr nach Nassereith. Dort geht es hinauf zum Fernpass. Ich trocknete meine Wäsche, die von gestern Abend noch etwas klamm war.

Die Passstraße ist teilweise für Radfahrer gesperrt. Der Fernpass gehört zu den am meisten befahrenen Pässen in den Alpen. Ich folgte der Komoot-Routenplanung auf einen Kiesweg, der für Radler und Wanderer ausgeschildert war. Der Weg verengte sich weiter oben zu einem Single-Trail. Ich musste viel schieben. Aber der Weg zum Pass war nicht weit. Er führte am Fernsteinsee und Schloss Fernstein vorbei und kommt an den Raststätten auf Passhöhe heraus. Von da ab fuhr ich wieder ein Stück auf der Fernpassstraße.

Die Abfahrt nach Lermoos war ein Traum: Die Sonne aus Südwest setzte das Bergmassiv der Zugspitze mit den Wolken herrlich in Szene. Ich hielt immer wieder um zu fotografieren. Als ich gegen 18 Uhr in Reutte ankam, war die Sonne hinter den Bergen verschwunden. Es wurde wieder kälter. Ich beschloss einzukehren und morgen über Füssen Richtung Ulm weiterzufahren. Das Wetter soll schlechter werden. Meine Sommerradtour neigt sich dem Ende entgegen.

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SR21-17 Rabenstein-Timmelsjoch-Sölden

Der Tag begann bewölkt. Bei 13 Grad brach ich mit meinem langen Trikot und Regenjacke auf. Ich musste zuerst wieder auf die Passstraße, die vielleicht 100 Meter höher lag. Die Regenjacke packte ich schnell wieder ein, ich war an der Kreuzung warm, war aber doch noch etwas schwerfällig unterwegs. So ganz frisch bin ich nicht mehr, seit Bologna ohne Ruhetag unterwegs. Ich traf andere Radfahrer und wir plauderten in den Pausen. Niemand war dabei, der am Radmarathon am Samstag teilnehmen wollte. Mit zwei jungen Männern, die Tourengepäck wie ich dabei hatten, fuhr ich zum Pass hoch. Wir trafen uns auf dem Weg nach oben immer wieder und hatten das gleiche Interesse: Fotos in dieser herrlichen Landschaft machen und Verschnaufpausen einlegen. Sie sind gestern über den Jaufenpass gefahren und wollten bis Sölden kommen. Ziel ist Garmisch, wo das Auto steht.

Am letzten Abschnitt der Südrampe setzte leichter Regen ein. Am vorletzten Tunnel hörte er auf und man konnte im Rückblick sehen, wie der Regen lokal begrenzt wie ein Duschvorhang auf die Passstraße fiel. Dahinter war die schneebedeckte, vergletscherte Texelgruppe zu sehen. Auf dem Pass schien die Sonne und wegen des nur leichten Windes hielten wir es länger aus, machten die obligatorischen Selfies, gingen zum Passkreuz hoch und genossen die grandiose Aussicht. Ich verabschiedete mich von den anderen beiden Radtourern und machte mich auf den Weg ins Tal. Scharfer, kalter Wind kam mir entgegen, während Schafe in aller Ruhe in 2.400 Metern Höhe weideten.

Das Timmelsjoch wird überall mit 2.509 Metern Höhe ausgeschildert. Es sind wahrscheinlich etwas weniger als 2.500 Meter. Auf Wikipedia gibt es zu den verschiedenen Angaben eine Übersicht: https://de.wikipedia.org/wiki/Timmelsjoch. Mir soll es egal sein. Ich bin froh, die mühsame Passage geschafft zu haben mit den vielen Eindrücken der herrlichen Bergwelt.

Ich habe am Timmelsjoch mehr Zeit verbracht als gedacht und bin deshalb heute schon in Sölden eingekehrt. Das Wetter verschlechterte sich am späten Nachmittag, es war kalt und regnete leicht. Im Tal wurde es schon dämmerig. Ich nutzte den Hotel-Pool, um die Muskeln von den Strapazen des Tages zu entspannen. Morgen soll das Wetter wieder besser sein.

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SR21-16 Bozen-Rabenstein (Corvara)

In der Nacht hatte es Gewitter gegeben. Die Luft war kalt und feucht. Deshalb sind meine Sachen, die ich gewaschen hatte, über Nacht nicht trocken geworden. Im Kolpinghaus in Bozen, in dem ich untergekommen war, gab es sehr gutes Frühstück. Gute Voraussetzungen also für eine Bergetappe. Als ich aufbrach schien die Sonne und hatte die Straßen bereits getrocknet und nur ein paar Pfützen zurückgelassen.

Ich fuhr zunächst ins nahegelegene Meran. Der Schnellradweg war von vielen Urlaubern bevölkert, Familien mit kleinen Kindern, Paare mit Hundeanhänger, auch viele ältere Leute. Die meisten, auch junge Leute, waren mit Strom unterwegs und fuhren aus den Bergen heraus, also in der mir entgegengesetzten Richtung.

In Meeran machte ich Mittagspause und trocknete meine Wäsche, aß Eis, verproviantierte mich für die Berge mit süßen Snacks und trödelte etwas herum. Am frühen Nachmittag brach ich ins Passeiertal auf. Auch hier wird, wie weiter unten an der Etsch, viel Obst angebaut, vor allem Äpfel. In der Gegend ist man auf Radtourismus eingestellt, von der Beschilderung angefangen, den Radwegen bis hin zu Übernachtungsmöglichkeiten.

Die Passstraße beginnt in St. Leonhard (San Leonardo). Auf einem Schild sind die Öffnungszeiten vermerkt und ob der Pass überhaupt geöffnet hat. Alternativ kann man sich im Ort noch entscheiden, ob man den Jauferpass nimmt (2.094 Meter) oder doch das höhere Timmelsjoch.

Seit ein paar Tagen war immer wieder ein auffrischender Wind aus nördlichen Richtungen zu spüren. So auch heute im Passeiertal. Auf der Passstraße wurde es im Schatten der Berge und aufgrund der Höhe immer kälter. Die Steigungen hinter Moos in Passeier forderten von mir alle Kräfte. Ich musste Pausen einlegen. Nach Rabenstein musste ich sechs Kehren wieder runter, höchste Zeit bei dem Wind meine neue Regenjacke einzuweihen. Die letzten paar hundert Meter zum Gasthof Traunsberg hoch konnte ich nicht mehr fahren. Ich war unterzuckert und musste noch einen süßen Riegel vertilgen. Vielleicht waren die Anstiege auch ungeeignet.

Im Gasthof gab es dann auch gleich Abendessen, ein ausgezeichnetes Viergänge-Menü – genau das richtige, wenn man ausgehungert den Berg hochgekommen ist. Vorspeise: Vitello Tonnato, dann eine Kartoffelcrèmesuppe mit Trüffelöl, als Hauptgang ein Schnitzel mit Pilzrahmsoße und Reis und zum Dessert ein regionales Eis aus dem Vinschgau mit Früchten. „Wir unterstützen die lokalen Produzenten“, erklärte die Wirtin zum Eis. Während sie servierte, wirbelte ihr Mann in der Küche. Ich bediente mich vor allem auch noch am leckeren Brot, das am Büffet hergerichtet war. Das Essen und die heiße Dusche taten gut, ich spüre nichts mehr von den Halsschmerzen. Manchmal kann man beginnende Erkältungen bei Radtouren ausschwitzen. Mal schauen, wie es sich morgen früh anfühlt.

Ich plane für morgen bis Imst zu kommen. Das wäre ein guter Ausgangspunkt für den nächsten Alpenpass nach Deutschland rüber.

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SR21-15 Riva del Garda-Bozen

Der Tag begann mit einem traumhaften Frühstück, mit Sonnenschein, unter Palmen und Bananenstauden am Pool der Villa Moretti. Das Anwesen liegt nördlich von Riva del Garda. Ich musste gestern Abend noch den Berg hoch, aber nicht weit. Das Frühstücksbüffet ließ keine Wünsche offen, man durfte aber nur einmal zugreifen, da nach jedem Gast wieder alles Mögliche desinfiziert wurde.

Ich war immer noch nicht baden, aber heute Vormittag war es mir dafür auch noch zu früh. Die Badestände in Riva waren bereits stark bevölkert und auch die Windsurfer waren schon unterwegs. Für die Badezone war nicht viel Platz. Die Boien, die die Grenze für die Schwimmer markierten, waren recht nah am Ufer. Meine Vorstellung vom Schwimmen, sich im See treiben zu lassen und mal rauszuschwimmen, traf das nicht. Ich bin auch eher ein Abendschwimmer. Abends kann man es besser genießen, wenn die Mühe der Tagesarbeit hinter einem liegt und nach der Abkühlung keine Strecke mehr zu fahren ist.

Hinter Riva ging es gleich den Berg hinauf Richtung Rovereto. Letzte Blicke in den Süden, auf den See, Fotos natürlich, dann fuhr ich nach Trient, um eine Pause am Domplatz einzulegen. Ein großer Brunnen mit frischem, kalten Wasser war ein beliebter Anziehungspunkt. Es war wieder warm geworden, aber der Himmel zog sich immer mal wieder zu und bei meiner zweiten Rast, ca. 25 Kilometer vor Bozen, fing es an zu tröpfeln.

Die Strecke führt an der Etsch (Adige) entlang und ist für Radfahrer sehr gut ausgebaut. Meist radelt man auf einem asphaltierten Deichweg entlang. Es gibt Raststätten für Radler, die auch gut besucht werden und immer wieder Bänke und Wasserstellen. Heute, am Sonntag, waren auch viele Rennradfahrer unterwegs, die ihre Trainingseinheiten absolvierten, darunter viele Frauen. Radtourer sah ich auch immer wieder, was mir sonst auf meinen Wegen selten der Fall war. Auch den von Limone habe ich wieder gesehen.

Leider habe ich Halsschmerzen und musste eine Ibuprofen einwerfen. Ich beschäftige mich nun mit den Bergetappen und schaue mir Wetterberichte an. Draußen ist gerade ein kräftiges Gewitter im Gange. Morgen soll es aber schön werden. Ich will bis Rabenstein (1.410 Meter), einem Ortsteil von Moos in Passeier, kommen und am Dienstag dann über das Timmelsjoch.

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SR21-14 Verona-Riva del Garda

Die Stadt war voller Touristen. Schon gestern Abend war der Platz vor der Arena in Verona stark bevölkert. Wie in Rom so auch hier: Zwei Soldaten mit Maschinengewehren von der Esercito Italiano, dem italienischen Heer bewachten den Platz. Auf dem Geländewagen steht ESERCITO und irgendwo habe ich auch die Internetadresse gesehen, die zur Esercito-Seite vom Verteidigungsministerium führt: http://www.esercito.difesa.it.

Verona hat Charme und scheint ein Pilgerort für Verliebte zu sein. Vor der Casa di Giulietta stand bereits kurz nach 10 Uhr eine lange Schlange und wartete auf Einlass. Alles sehr romantisch. In der Nähe fand ich vor allem meinen Sportartikelgeschäft, in dem ich mir eine Regenjacke kaufte, um für die Berge gerüstet zu sein. Es kann in den nächsten Tagen Gewitterschauer geben. In den Bergen kann das Wetter ohnehin schnell umschlagen. Und auch wenn es nicht regnet, kann es sehr windig werden. Da hilft die Jacke ebenso.

An einer Radwerkstatt füllte ich mit einer Standpumpe Luft in meine Reifen nach. Die Druckanzeige kam mir etwas merkwürdig vor: Vorne hatte ich schon 5 Atmosphären, hinten lag der Wert bei 7. Bei 5 ist bei mir eigentlich Schluss. Ich füllte trotzdem etwas nach und ließ mich vom Gefühl und dem Augenschein meiner Reifen leiten. Ich musste natürlich in Verona auch immer Fotos machen. – Mit anderen Worten: Ich vertrödelte etwas Zeit in der schönen Stadt.

Das Navi führte mich auf einen Radweg zum Gardasee. Mittags wurde es wieder sehr heiß. Ich hatte mir die Westseite des Sees ausgewählt, damit ich mit dem Licht am Nachmittag und Abend auf den See schaue und die schöneren Fotos bekomme. Zwischen Desenzano del Garda und Salò ging es auch mal querfeldein in die Berge, um die Landzungen, die in den See reichen, abzukürzen. Ich machte in Fasano Pause, um Eis zu essen und zu verschnaufen. Ab hier wurde der See nach Norden hin immer schmaler, das andere Ufer war besser zu sehen. Ich musste mein Rücklicht anschalten und durch viele Tunnels fahren. Der Autoverkehr war lebhaft, was vor allem in den Tunnels nervt. In Limone wich ich von der Straße ab und folgte dem Navi.

Limone macht Werbung mit Limonen, bzw. Zitronen. Dabei stammt der Name des Ortes wohl ursprünglich vom römischen Limes. Limonen sind natürlich sympathischer als eine Grenze und diese Art von Identitätswechsel fällt leicht. Ich zwängte mich mit den anderen Touristen durch die engen Gassen. Ich kam auf einen schmalen Weg Richtung Norden, der steil auf und ab ging. Er mündete in einen mit Holzplanken belegten Brückenweg, der von außen an den Berg angeflanscht war, sodass man nicht mit den Autos in die Tunnels fahren musste. Dafür hatte man aber viele Fußgänger, die Selfies machten oder auf den See schauten, nur nicht auf Radfahrer. Ich kam langsam voran, aber das machte nichts. Zum einen genoss ich ebenfalls die Aussicht, machte Fotos und lag auch noch gut in der Zeit.

Am Ende des phänomenalen Limone-Wegs kam man bei einem Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs heraus. Ein Geländer war so gebaut, dass man als Fußgänger durch eine schmale Schleuse auf die Straße kam. Als Radfahrer kam man da nicht durch. Das gleiche Problem erkannte ein junger Radtourer, der mehr Gepäck dabei hatte als ich. Wir sprachen kurz Englisch, dann wechselte ich auf Deutsch, als ich merkte, dass das besser passt. Er wollte oberhalb von Riva del Garda an einem See sein Nachtlager aufschlagen. Mit dem Zelt ist er natürlich unabhängig und spart sich die Übernachtungskosten. „Dafür fehlt mir das Geld“, meinte er. Er kam vom Lago Maggiore und hielt sich bei seiner Tour an die Seen der Alpenregion.

Ich kehrte oberhalb von Riva in der Villa Moretti ein, ein tolles Haus mit Swimming Pool und einem herrlichen Garten mit Palmen. Die Praktikantin, eine dünne junge Frau, erklärte mir das Haus auf Deutsch – solange die Chefin noch im Garten beschäftigt war. Sie meinte, ich solle sie verbessern, was ich auch brav tat. Sie erklärte den Self Service. „Wie heißt das auf Deutsch?“ – „Selbstbedienung.“ – „Ah, Selbst-bedie-nung.“ Und so weiter. Sehr nett.

Aus Rabenstein, einem Ortsteil von Moos in Passeier, hatte sich der Wirt gemeldet. Es habe eine Überschneidung bei der Buchung gegeben und deshalb sei das Zimmer schon vergeben. Er könne mir aber ein Zimmer im Erdgeschoss ohne Balkon anbieten – zur Halbpension. Ich griff zu, zumal ich über ein Abendessen vor dem Aufstieg zum Timmelsjoch dankbar bin und mich nicht unterwegs irgendwo verproviantieren muss. Rabenstein liegt schon auf rund 1.400 Metern Höhe und es ist mir ganz recht, wenn es am nächsten Tag nur noch 1.000 Meter bis zur Passhöhe sind. Das lässt sich am Vormittag ganz gut machen. Theoretisch, denn ich kenne das Timmelsjoch ja noch nicht.

Morgen will ich erst einmal nach Bozen.

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SR21-13 Bologna-Verona

Richtung Timmelsjoch geht es durch Südtirol. In Bozen muss ich mir das Wetter genauer anschauen. Es gibt eine schöne Fernradstrecke an der Etsch entlang. Verona ist ein guter Ausgangspunkt, um von Süden die Tour zu machen. Komoot gab mir eine Route von Bologna nach Verona aus, die 162 Kilometer lang ist. Das wirkt etwas weit, man kann es in der Po-Ebene aber gut an einem Tag fahren. Ich brach kurz nach 10 Uhr auf.

Komoot will mich immer auf Radwege führen, die in Italien aber oft auch staubige Schotterpisten sind. So auch heute. Ich hatte deshalb am Vormittag etwas Huddeleien, bis ich auf einer Straße nach Ferrara dank der Straßenschilder eine Fernorientierung hatte. Bei Komoot habe ich extra schon die Kategorie „Rennrad“ für die Streckenplanung gewählt, also eigentlich bevorzugt die asphaltierten Wege. Das funktioniert aber nicht so ganz.

Ich wollte Ferrara sehen, deshalb die Route über den Nordosten, statt im Westen über Modena, wo ich ja schon war. Das Wahoo-Navi ist bei der Nahorientierung gut, nicht bei der Fernorientierung. Deshalb sehe ich die geplante Route nicht mehr unbedingt, wenn ich unterwegs frei entscheide. Zur Not habe ich immer noch das iPad zur Orientierung dabei, was ich auch nutze. Eine Straßenkarte würde es natürlich auch tun – und ist manchmal auch besser, weil schneller.

Durch Ferrara war ich schneller durch als gedacht. Eigentlich wollte ich rasten und ein Eis essen. Aber ich war plötzlich aus dem Stadtzentrum heraus und bin dann weitergezogen. Hinter einer Brücke über den „Po“ bog ich auf eine schmale, gut asphaltierte Deichstraße auf der linken Flussseite ein, der ich bestimmt zwei Stunden in der Mittagshitze gefolgt bin. Es waren heute teilweise wieder über 30 Grad im Schatten. Die Deichstraße war eine richtige Rennstrecke, ich traf ein paar wenige Radtourer, denen ich bisher sonst kaum begegnet bin. Mein Wasservorrat ging zur Neige, aber ich wollte auch nicht rechts in die hinter dem Deich liegenden Ortschaften abbiegen, um Zeit zu sparen. Schließlich gab es eine Wasserstelle für Wohnmobile, wo ich mich verproviantieren konnte. Ich verstehe nicht, warum man auf dieser grandiosen Strecke nicht mehr macht für die Radfahrer. An der Etsch ist das toll gelöst. Dort gibt es sogar Raststätten für Radler, wie an der Autobahn. Und die Strecke an der Etsch ist tatsächlich eine Art Radautobahn.

Bis Verona musste ich an Restaurants und Bars noch drei Trinkpausen einlegen, war aber schon kurz nach 18 Uhr in der Stadt. Dank der zwei Ruhetage konnte ich heute wieder gut durchstarten. Dank meiner Abkürzungen über Straßen, statt langsamer Komoot-Radwege, waren es am Ende nur 153 Kilometer. Ich konnte den lauen Sommerabend genießen und an der Arena flanieren.

Das Hotel am oberen Ende des Gardasees ist schon gebucht. Am See will ich mal ins Wasser hüpfen. Ich hatte sowohl bei Verona, als auch beim Gardasee Glück und schnell noch ein Schnäppchen gemacht – nicht billig, aber alles noch im Rahmen.

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SR21-12 Rom-Bologna mit dem Zug

Ich habe kein bezahlbares Hotel an meiner Route zurück nach Norden gefunden: nicht in Civitaveccia, Grosseto, Viterbo, Terni und so weiter. Ich wollte auch nicht die gleiche Strecke wieder zurückfahren. Was tun? Ich habe heute morgen kurzerhand entschieden, mit dem Zug nach Bologna zurückzufahren und von da aus meine Tour fortzusetzen. Dadurch bin ich zeitlich auch nicht mehr in der Bredouille und kann in Ruhe das Timmelsjoch machen.

Ich nutzte den Vormittag noch, um in Rom herumzukurven: Schildkrötenbrunnen, Campo dei Fiori, Pantheon und nochmal am Forum vorbei. Mein Zug ging 12:40 Uhr, ein moderner IC, der nur wenig gebucht wurde. Das Ticket war am Automaten schnell gebucht. Die Anzahl der Fahrräder und Hunde konnte man im Buchungsvorgang einstellen. Mit einem QR-Code von meinem Ticket kam ich auf’s Gleis. Im Zug konnte ich die nächsten Tage planen und mir schon einmal eine Unterkunft am Gardasee sichern. Hurra, ich habe noch ein Zimmer ergattert! Für Südtirol wird das auch noch spannend.

Der IC fuhr über Terni und Spoleto nach Falconara Marittima – mit Blick auf Ancona – und weiter die Küste hoch bis Rimini. So hatte ich noch einen Eindruck von der Adria.

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SR21-12 Ruhetag in Rom

Seit den 1990er-Jahren war ich immer mal wieder in Rom, aber mit dem Rad hat es einen ganz eigenen Charme. Mein Hotel ist ganz in der Nähe der Pyramide und dem Friedhof für Evangelische und andere Ungläubige. Ich wollte mal wieder bei Antonio Gramsci vorbeischauen, aber der Friedhof ist bis zum 22. August geschlossen.

Eingang zum Friedhof für Evangelische und andere Ungläubige

Ich habe dann zwei Ersatzschläuche und eine Badehose gekauft, falls ich doch nochmal ans Meer oder einen See komme. Irgendwie ist mir meine Regenjacke abhanden gekommen, ist mir seit gestern aufgefallen. Ich kann mir nicht erklären, wie das passieren konnte. – Einen vernünftigen Ersatz habe ich noch nicht gefunden.

Caracalla-Thermen – eine irrsinnig große Badeanstalt

Im Navi hatte ich die Nationalbibliothek eingegeben. Sie liegt im Viertel der Uni Sapienza, nicht weit vom Bahnhof entfernt. Sie ist umzingelt von Ministerien und auch genauso bewacht. Es gibt Schlagbäume und eine Wache. Der Wachmann schickte mich wieder fort. Die Bibliothek sei geschlossen. Ob ich fotografieren dürfte?, fragte ich mehr aus Reflex und Höflichkeit. Das darf man nicht fragen, sondern man muss es tun. Es war natürlich alles verboten. Schon die Tatsache, dass ich da war, war zu viel. Insofern hab ich das nicht ganz ernst genommen.

Ich habe mich weiter treiben lassen und kam im weitläufigen Park der Villa Borghese heraus, den ich noch nicht kannte. Am Quirinalspalast habe ich mich gefragt, wo denn nun der Präsident hockt. Verschiedene Paläste und Nebengebäude mit Fahnen und wichtigen Wachen. Es scheint aber der Nebeneingang gegenüber vom Obelisken der Entscheidende zu sein. Wenn man den Quirinal runterfährt, kommt man bei der Schreibmaschine raus. An der Piazza Navona kaufte ich zwei Postkarten und Briefmarken und auf dem Weg zum Hotel noch Weintrauben. Ich wollte etwas auszuruhen telefonieren.

Am Abend brach ich zum Kapitol auf, um auf dem Piazzale Caffarelli den Sonnenuntergang mit Blick auf die Kuppeln der Stadt zu genießen. Ich hatte meine normale Brille vergessen und musste in der Dämmerung mit Sonnenbrille zurück ins Hotel. Ich fuhr noch bei der Piazza Navona vorbei, machte ein Porträt von meinem Rad am Vierströme-Brunnen und badete in den Gassen Richtung Vatikan im Getümmel des beginnenden Nachtlebens. In diesem Viertel haben viele Kneipen und Restaurants geöffnet. Sie ziehen die Leute an wie Motten das Licht.

Um beim Papst vorbeizufahren, war es mir schon zu dunkel. Ich schwamm im abendlichen Verkehr am Tiber entlang mit den Autos, Bussen und Elektrorollern mit in Richtung Quartier. Keine knatternden Vespas mehr. Die Luft ist besser geworden. Ein Tag Rom reicht gerade, um wieder Tuchfühlung aufzunehmen, nicht, um tiefer einzutauchen. Rom hat als Ziel gezogen. Die Motivation für die Rückreise fällt mir etwas schwerer. Die Alpenlandschaft zieht, aber am geplanten Timmelsjoch ist der 40. Ötztaler Radmarathon für den 29. August geplant. Mal schauen, ob ich es bis zum 28. schaffe, den Pass zu nehmen.

Der Speicher von meinem Webhosting-Paket ist vollgelaufen. Deshalb heute nur ein paar wenige Fotos.

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SR21-12 Orte-Rom

Von meiner Herberge, dem Agriturismo del Gelsomino, habe ich ein biglietto bekommen, eine Notiz auf der Visitenkarte, dass ich der Bar Pefe frühstücken kann. Beim Kaffee und dem obligatorischen Croissant hatte ich einen schönen Blick auf Orte. Interessant ist eine mittelalterliche Bibliothek in Verwaltung der Gemeinde. Ich hatte die Türschilder gestern Abend gesehen. Aber dafür war keine Zeit mehr.

Blick auf Orte (rechts im Hintergrund) beim Frühstück

Ich hatte mir noch fix ein Hotel am Aventin in Rom gebucht, für zwei Tage, gab die Adresse in Komoot ein und synchronisierte die Route mit meinem Navi. Ich war wieder entschlossen von der Route abzuweichen, um die bessere Straße nach Rom zu nehmen und die staubigen Schotterpisten zu meiden. In Rignano Flaminio machte ich Mittagspause. Ich war schon wieder etwas dehydriert, auch wenn es heute mit etwas über 30 Grad nicht mehr so heiß war.

Mittagspause mit Wasser-Melone
Kurz, bevor ich einschlief, sah die Welt so aus…
Als ich wieder aufwachte, sah sie so aus.

Die Bergarbeit hatte ich bis zum Mittag getan. Ab Rignano Flaminio ging es hinab nach Rom. Das Ortseingangsschild hatte ich um 17 Uhr erreicht. Ich fuhr über die Piazza del Popolo gemächlich ins Zentrum und genoss die Abendstimmung. Nach 12 Tagen war ich endlich am Ziel und konnte jetzt die Früchte der ganzen Strapazen genießen. Vor allem die vergangenen Tage waren etwas mühsam. Aber nun ist es geschafft und es ist Zeit, etwas zu verschnaufen.

Bergmassiv kurz vor Rom in Richtung Osten
Am Tiber
Dutzende Lkw warteten mit dem Schulbuchverkauf auf.
Piazza del Popolo
Frisches kaltes Wasser an der Piazza del Popolo – köstlich. Mit 30 Grad hat sich der Sommer heute aber wieder auf normal eingependelt.

Am Forum Romanum war nichts mehr los. Am Kolosseum gab es eine große Baustelle und viele Absperrungen. Überall standen Militärposten mit großeren Geländewagen und Maschinengewehren. Ich beschloss, über die Rennbahn, wo auch die FAO ist, ins Hotel zu fahren und den Stadtbummel morgen fortzusetzen.

Wenn man im Anschluss an die Piazza del Popolo dem Straßenverlauf Richtung Zentrum folgt, kommt man bei der „Schreibmaschine“ raus.
Tote Hose am Forum Romanum: Keine Ahnung, warum gerade geschlossen ist.
Neben den Militärposten sind auch die Carrabinieri präsent.
Blick vom Tiber auf das Stadtzentrum hinter der Rennbahn: In der Mitte sieht man im Hintergrund die jüdische Synagoge.
Im Viertel hinter dieser römischen Wasserleitung habe ich mein Hotelzimmer. Mit dem Rad bin ich in ein paar Minuten am Forum oder an der Piazza Navona.
Abendstimmung am Forum mit Blick Richtung Schreibmaschine.
Das Wasser ist im Hotel auch herrlich kalt.

Morgen muss ich mir Gedanken machen, welche Strecke ich nach Hause nehme. Wetterbericht, Waldbrände, Hotelpreise, Corona-Bestimmungen, Fahrradersatzteile – etwas Vorbereitungsarbeit wartet noch auf mich. Durch den Umweg über Cremona und Bologna bin ich zwei Tage verspätet.

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