SR21-11 Orvieto-Orte

Heute wollte ich es mal etwas ruhiger angehen. Es sind nur noch 140 Kilometer bis nach Rom. Das kann man an einem Tag fahren. Aber die vergangenen Tage waren hart und das Klima drückt auf die Leistung. Also teile ich mir die Zielgerade auf zwei Tage auf, dachte ich. Außerdem hatte ich um 13 Uhr noch eine Webkonferenz. Ein Grund mehr. Ich verwendete die Zeit am Vormittag für die Routenplanung und die Hotelsuche, für E-Mails und sonstigen Orga-Kram wie zusätzliche Internet-Bandbreite für mein Smartphone. Im Vertrag habe ich schon 10 GB pro Monat enthalten. Die gegen aber zur Neige.

Mein Rad hat in einer vernachlässigten Kapelle übernachtet.

Da ich im Internet auf meiner Strecke Schwierigkeiten hatte, Angebote für Unterkünfte zu finden, beschloss ich eine Option für „Agritourismo“ ins Navi einzugeben, die weiter entfernt lag und es ansonsten darauf ankommen zu lassen und am Ort zu fragen.

Noch ein letzter Blick auf Orvieto – der Fels da am Horizont.
In den Orten gibt es immer Schilder mit Hinweisen, wie die Polizei zu erreichen ist, in der Regel die Carrabinieri, hier auch die Finanzpolizei. Die Polizeistationen sind auch oft ausgeschildert.

Ich brach kurz nach 14 Uhr auf, die Sonne hatte ihren Zenit bereits überschritten. Nach 25 Kilometern musste ich schon eine längere Trinkpause einlegen. Es waren wohl mindestens 35 Grad, manche Anzeigen in den Orten standen auf 38. Dabei kam nun auch noch Gegenwind auf, der mich noch schneller austrocknete und Kräfte kostete. Nach 35 Kilometern verließen mich die Kräfte und ich musste etwas essen und wieder trinken. Das Frühstück war optimal – mit echtem Müsli (großer Haferflockenanteil, keine Cornflakes). Vielleicht war es aber nicht gut, gestern Abend nichts mehr zu essen. Nach getaner Arbeit habe ich oft keinen Hunger mehr. Für die Regeneration ist das offensichtlich nicht optimal. Ich muss mal wieder in einer Taverne einkehren und was richtiges Futtern. Bei einer längeren Radtour muss man sich über solche Sachen Gedanken machen.

Das Oktoberfest ist ein Exportschlager.

Ich wollte heute zumindest noch eine Kletterpassage hinter mich bringen, bevor ich Ausschau nach einem Bett halte. Die kam bald nach meiner Essenspause und hatte es in sich. Die Anstiege waren teilweise so steil, dass ich schieben musste – so wie mit Burkhard in der Sächsischen Schweiz, als der Elberadweg bei Bad Schandau gesperrt war. Ich musste immer wieder Pausen einlegen, die Tagestemperaturen dürften ihren Höhepunkt erreicht haben. Ich nutze die Pausen, um Fotos zu machen. Die Berge hatte ich mir bei der Planung angeschaut, aber keine sinnvollen Alternativen gesehen. Das, was mürbe macht, sind nicht die Höhenmeter, sondern die steilen Anstiege und ein Auf- und Ab. Wenn man sich kontinuierlich die Berge hocharbeiten kann mit bis zu 10 oder auch einmal 14 Prozent Steigung, dann lässt es sich im eigenen Rhythmus immer noch gut fahren. Aber bei 20 oder 35 Prozent ähnelt es eher dem Treppensteigen. Geduldig arbeitete ich mich also voran.

Wein, Oliven, Besitzer
Dort hinauf muss ich mich noch schnaufen.
Kakteen säumten seinen Weg…
… und Oliven
Das Tal wird zu eng für mich, deshalb muss ich über die Berge: Unten verlaufen die Bahntrasse und die Autobahn nach Rom.

Im Tal angekommen, war schon wieder Abend. Vor mir tauchte der Ort „Orte“ auf, genau wie Orvieto eine Felsenstadt, nur kleiner, also eine Gemeinde, keine Stadt. Ich sah auf der Karte zwei Unterkünfte und beschloss, direkt oben zu fragen. Außerdem war ich neugierig auf das Innere der Stadt. Das Rad also wieder schieben. Oben angekommen kurvte ich in den Gassen umher und fand nichts. An der Piazza della Libertà fragte ich den Wirt einer größeren Bar. „Iglese?“, fragte er und suchte jemanden, der Englisch sprach. Unter den Gästen fand sich aber niemand so recht. Ein junges Paar sprach etwas Englisch, wir wechselten aber ins Französische, da sie aus Frankreich kamen. Ich wollte wissen, ob sie im Ort übernachten, damit ich da nach einem Zimmer fragen konnte. Das war aber nicht der Fall. Ein Bekannter vom Wirt führte mich dann zu der Pension, die ich im Internet gesehen hatte. Alles war verschlossen, in den Fenstern kein Licht. Ich klingelte, nichts rühre sich. „Chiuso“, sagte ich. Dann führte er mich zu einer weiteren Möglichkeit – Bed & Breakfast. Dort, wo sonst eine Klingel ist, war ein flaches Stück weißes Plaste mit Andeutungen von Tasten. Wir drücken da drauf. – Nichts. Ich öffnete ein kleines Gitter und ging die Treppe hoch zur Haustür. Das gleiche Stück Plaste, die selbe Prozedur. – Nichts. Oben war aus einem beleuchteten Fenster ein laufender Fernseher zu hören. Der ältere Mann, der mich begleitete und mich an die Figur des „Michael“ aus einem irischen Film erinnert, dessen Name mir gerade nicht einfällt, der öffnete die Tür, die nur angelehnt war, nachdem er laut geklopft hatte. Er schaltete seine Smartphone-Taschenlampe an, fand den Lichtschalter und machte Licht. Wir sahen einen Vorraum mit Tisch und Stühlen und weiteren Möbelteilen. Wir hatten aber beide das Gefühl, hier etwas weit vorgedrungen zu sein und es bei dem Versuch uns bemerkbar zu machen, belassen sollten.

Ich ging mit „Michel“ zurück zur Bar, wo wir inzwischen immer wieder unseren Ausgangspunkt für neue Versuche hatten. Wir trafen auf einen Mann, der uns erklärte, warum unser letzter Versuch gescheitert war. Es sei wohl jemand gestorben und der Gästebetrieb deshalb eingestellt worden. So viel konnte ich verstehen. Inzwischen war der halbe Ort mit Recherchen beschäftigt, mich unterzubringen. Aber jetzt fiel den Herren auch nichts mehr ein und ich sagte, dass ich mit „unten“ etwas suchen wolle, bedankte mich und rollte die Felsenstadt wieder hinab. Ich hatte oben Schwierigkeiten mit der Navigation beim iPad – entweder mit dem Internetempfang oder, was ich vermute, war ich in den engen Gassen zu oft im GPS-Schatten. Wie dem auch sei, ich steuerte, wie ursprünglich geplant, einen „Agritourismo“ an, also einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Restaurant und Betten, ganz nach an der Autobahn und nur ein paar hundert Meter von Orte entfernt.

Weg nach „Orte“
Gar nicht so einfach, beim Sonnenuntergang den Eingang zum Ort zu finden…
… ah, da ist der Eingang – also Rad tragen
Wo sind nur die Herbergen? Die Leute in Orte sind sehr hilfsbereit.

Der Chef verstand kein Englisch und organisierte eine junge Frau vom Personal, die aber auch nur ein paar Worte sprach. Da der Kontext immer klar ist, bekommt man es dann trotzdem ganz gut hin. Für 60 Euro bekam ich ein fürstliches Zimmer, inklusive Frühstück. Der Chef führte mich über das Gelände und meinte, ich solle mein Rad mit in die „Camera“ nehmen. So viel verstand ich dann wieder. – Mit anderen Worten: Für die nächste Italienreise muss ich auf alle Fälle mehr Italienisch lernen als die paar Brocken, mit denen ich mich durchmogele. Man lernt natürlich auch immer dazu, zum Beispiel wie sich der rohe („crudo“) vom Kochschinken unterscheidet, ob man eine Tüte im Laden haben will oder nicht („No sacchetto“) und wenn man beim Frühstück nach der „nummero di camera“ gefragt wird, dann fällt mir als erstes auch nicht Nikon D780 ein, sondern ich sage brav die Zahlen (heute: „tre – due – tre“). Und „vorrei un caffè americano“ ist mein zweiter Vorname. Das ist eine Möglichkeit, einen Kaffee zu bekommen, der etwas größer ist. Es ist in der Regel ein doppelter Espresso oder man bekommt noch heißes Wasser zum Verdünnen dazu. „Un acqua grande frizzante“ muss ich auch öfters bestellen. Und das gute ist, dass das nicht die Welt kostet. In Lecco war ich in einem Lokal mit Stoffservietten speisen. Die 1,5 Liter Wasserflasche gab’s für 2 Euro. In Deutschland musste ein Gesetz her, dass das Wasser nicht teurer sein darf als das billigste alkoholische Getränk.

Morgen also Rom.

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SR21-10 Rigutino-Orvieto

Heute musste ich das erste Mal das Rad schieben. In Montepulciano verließen mich bei 39 Grad die Kräfte. Und ganz am Ende des Tages, zur Felsenstadt Orvieto hoch, war es einfach zu steil.

Montepulciano hätte vielleicht nicht sein müssen. Aber wenn man schon einmal in der Toscana ist und der Umweg sich in Grenzen hält: Ich dachte, kann man ja mal mitnehmen, wenn die geplante Tagesroute nur 95 Kilometer beträgt. Ich hatte unterwegs zwar Trinkpausen gemacht. Aber die Bergarbeit und die Hitze forderten ihren Tribut. 500 Meter vor Montepulciano musste ich schieben. Es geht zwar bergauf, aber nicht so steil, dass ich unter anderen Umständen nicht hätte fahren können. Aber ich war dehydriert und kraftlos. Ich musste an einer Pizzeria rasten und trinken. Dann schaute ich mir das historische Zentrum an. Einige Leute schleppten Wein in ihre Autos. In einem Park aß ich einen Croissant und mein restliches Brot, trank Wasser und Apfelsinenbrause und legte mich auf eine Bank. Ich hörte mich manchmal schnarchen. Zwei ältere Männer kamen und bauten vor mir einen Tisch mit vier Stühlen auf und fingen an Backgammon oder so etwas in der Richtung zu spielen.

Am Ortseingang von Montepulciano wird gleich klar, worum es geht: Die schönen Flaschen sind aber leider alle schon leergesoffen.
Rechts am Tor steht in Montepulciano eine Weinhändlerin und lädt zur Probe ein: Passt gerade nicht.
Montepulciano: Steine mit Bedeutung
Montepulciano: Hier kehre ich mal ein, wenn ich nicht mit dem Rad da bin.

Die halbstündige Pause hatte mich erfrischt. Ich fuhr weiter durch einen Kurort auf meine ursprüngliche Route. Diese führte mich bald auf einen staubigen Kiesweg, den ich bei der nächsten Gelegenheit wieder verließ. Plötzlich fing meine Scheibenbremse vorne an laut zu singen. Ein heller, kreischender Ton. – Sie wird sich schon wieder beruhigen, dachte ich. Ich war durch den Umweg über Montepulciano zeitlich etwas in Verzug geraten und wollte schnelle Straßen fahren. Eine Bergetappe stand mir noch bevor, das hatte ich im Höhenprofil bei der Planung noch vor Augen. Mit weiterer Apfelsinenbrause kam ich gut voran, doch die Abfahrt war ein Graus. Ein übler Schotterweg führte mich halsbrecherisch steil wieder ins Tal, an wenigen Gehöften vorbei. Auf einer geraden Passage sah ich plötzlich eine Frau mit einem halben Dutzend Hunde und ebenso vielen Katzen beim Abendspaziergang. Sie schaute mich an, rief „Oh Mio!“, legte ihre Hände auf die Wangen und versuchte die Hunde zu beruhigen. In dieser Gegend kommt wahrscheinlich sonst nach Sonnenuntergang niemand vorbei. Die Hunde waren friedlich, die Katzen wunderten sich.

Wasserstelle an einem Schwimmbad – leider extrem selten
Die Landschaft um Montepulciano

Der Schotterweg war teilweise so steil, dass ich beim Bremsen etwas ins Rutschen kam. Beim Rütteln und Schütteln durch die Schlaglöcher und das Gestein war es ziemlich anstrengend, dabei voll in die Bremsen zu gehen. Der Lenker vibrierte und ich hoffte, das das Material sonst keinen Schaden nimmt. Schließlich kam ich wieder auf eine asphaltierte Straße, wo mich die Finanzpolizei überholte. Ich hatte heute nur Carabinieri gesehen, die Geschwindigkeitskontrollen machten.

Ich war versucht, die Brücke trotzdem zu fahren, hab dann aber doch die Umleitung genommen. Es gab im Zaun ein Loch, aber nicht für Radfahrer geeignet.
Rast mit meinem ersten Eis in Italien
Der Weg mag nach Rom führen, ist aber nur für das Mountainbike geeignet.

Orvieto erreichte ich kurz nach neun. Meine Lichter am Rad waren ein paar Kilometer vorher ausgegangen. Oder sagen wir so: Wann sich das Rücklicht verabschiedet hat, weiß ich nicht. Das Licht vorne wirft immer auch genug für das Navi ab. Das führt mich aber auch durch dynamische Leuchtdioden, die zeigen, ob ich richtig bin und wo ich abbiegen muss. So kurz vor dem Ziel wollte ich die Powerbank nicht extra herausholen. Ich schob das Rad in die Felsenstadt hoch und suchte das Hotel. Gruppen von Leuten waren unterwegs, Restaurants hatten geöffnet. Dann merkte ich, dass mich das Navi zwar in das Centro Storico geführt hatte, aber nicht zum Hotel, das unten im Tal lag. Ich hatte in Rigutino etwas Probleme mit dem Internet. Wahrscheinlich ist das Update mit der Hoteladresse verloren gegangen. Ich rief im Hotel an und sagte Bescheid, das ich noch komme und wollte sichergehen, das es in der angegebenen Straße liegt. Ich schaute mir den Weg auf dem iPad an und war in wenigen Minuten da. Es ging ja steil bergab.

Abendliches Treiben in der Altstadt von Orvieto

Alles in allem war das heute ein ungeplant wilder Tag. Ich hätte mich bescheiden sollen.

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SR21-09 Prato-Arezzo-Rigutino

Heute musste ich in Florenz dreimal den Schlauch vom Vorderrad wechseln. Ich kam deshalb erst am Nachmittag wirklich ins Fahren und war halbelf im Hotel in Rigutino, südlich von Arezzo. Ich hatte vorher gefragt, wann der letzte Check-in ist. Antwort: „Kommen Sie, wann Sie wollen.“ So etwas höre ich ja immer gerne.

Ich bin wegen des Orga-Krams mal wieder spät losgekommen. Ich hatte die Hotelbuchung auf heute morgen verschoben, weil ich bei den Angeboten gestern unentschlossen war. Es gab praktisch nichts bezahlbares an der Strecke nach Süden, die ich fahren wollte. Ab Montag sieht es schon wieder anders aus, da das Geschäft ja wochenweise funktioniert – für die, die früher buchen und länger bleiben, also die normalen Urlauber. Ich hatte Glück und fand tatsächlich ein billiges Zimmer in einem Vier-Sterne-Hotel, was mir schon etwas unwahrscheinlich vorkam. Aber man kann ja auch mal Glück haben.

Wer viel Glück hat, muss auch Pech haben, damit es in der eschatologischen Bilanz wieder stimmt. Beim Aufbruch überraschte mich Prato mit einem chinesischen Viertel, das ich hier nicht erwartet hätte. In den engen Straßen mit den vielen Läden herrschte geschäftiges Treiben. Händler brachten mit Sackkarren Waren, Kunden liefen kreuz und quer umher für Wochenendeinkäufe.

Ups, da habe ich mir etwas aufgepiekst.
Florenz
Fahrradreparatur mit Kneipenanschluss für die Kaltgetränke
Das wird so nichts mit dem Flicken.
Florenzer Lokal mit Kühldüsen

Am Standrand von Florenz piekte ich mir mit dem Vorderreifen einen Dorn auf, ein Gummi-Teil mit Stachel. Wer verliert so etwas?, dachte ich. Das Ding musste ich ja nun herausziehen. Es zischte kurz, dann: nichts. Ich fuhr weiter. Kurz vor dem Stadtzentrum gab der Reifen auf. Ich wechselte den Schlauch. Mit dem Abziehen des Reifens hatte ich schon etwas Mühe. Ihn aber wieder aufzuziehen war ein ziemliches Gezerre. Das Aufpumpen war auch nicht viel besser. Beim Abdrehen meines Pumpengewindes drehte sich das Innenteil des Prestaventils mit heraus und die Luft war wieder raus. Ich drehte also das Innenventil wieder rein, so fest es mit den Fingern ging. Eine Zange habe ich nicht dabei. Das Aufpumpen funktionierte. Ich verbrauchte in der Mittagshitze meinen Trinkproviant und fuhr weiter. An der nächsten Brücke war das Rad wieder platt. Ich schob bis zur nächsten Eisdiele und trank erst einmal wieder Wasser aus dem Kühlschrank. Die Temperaturen stiegen bis zum Nachmittag auf 39 Grad.

Pontesieve

Ich steuerte zwei Radläden an, um Schläuche zu kaufen, aber am Samstag war nichts zu machen. In einer Seitengasse mit einer Kneipe mit Außenlautsprecher wechselte ich wieder den Schlauch. Ich flickte den mit dem Dorn. Um das Loch zu finden, schüttete ich Wasser aus einer Trinkflasche auf den Schlauch und verteilte das Wasser mit den Händen. Es war Ruck Zuck verdunstet. Ich fand das Loch und flickte es. Allerdings war die Stelle ungünstig geriffelt und ich war nicht sicher, ob der Flicken hält. Ich pumpte auf. Die Musik der Kneipe gefiel mir ganz gut. Ich holte mir eine Cola, die dringend nötig war und fuhr Richtung Sehenswürdigkeiten, um noch etwas von Florenz mitzunehmen. Der Reifen war schon vor der ersten Brücke wieder platt.

An einer Bar, die nicht mehr in 1A-Lage war und bessere Getränkepreise verhieß, wechselte ich das dritte Mal den Schlauch und griff dafür in meine Reserve. Den Mantel hatte ich inzwischen weichgeknetet, sodass er sich besser Auf- und Abziehen ließ. Meine von den Reparaturen schwarzen Hände wusch ich mit dem heißen Wasser aus meinen Trinkflaschen. Da die Flaschen schwarz sind, heizen sie sich in der Sonne gut auf. Beim Fahren kommt nicht so viel Sonne an sie heran. Aber beim Parken des Rades hatte ich schönes Warmwasser produziert. Ich war dankbar für den Wassernachschub aus dem Kühlschrank der Bar für 1,20 Euro die kleine Flasche.

Der dritte Versuch, das Vorderrad zu reparieren, fruchtete. Es war aber auch klar, dass ich bei den noch 100 zu fahrenden Kilometern in die Dunkelheit kommen würde. Darauf war ich vorbereitet mit Licht und Powerbank. Das Navi hat immer noch genug Reserven und verbraucht Dank Flüssigkristallanzeige nicht viel. – In Pontassieve verproviantierte ich mich beim COOP mit Getränken, aß Weintrauben und eine Banane, um für die restliche Strecke genug Kraft zu haben. Weitere Trinkpausen an Bars waren nötig und ich behielt immer einen halben Liter Wasser als Reserve. Ein Viertelmond ging auf, der mir die Strecke in der beginnenden Nacht etwas erleuchtete. Phasenweise war es auf den einsameren Gehöften und im Wald stockdunkel. Hunde bellten mir hinterher. In den Büschen raschelte es und das Getier machte so allerlei Geräusche. Nachts zu fahren ist schon etwas speziell. Heute aber fand ich die nachlassende Hitze angenehm.

Kurz vor dem Ziel noch eine letzte Trinkpause.

Südlich von Arezzo hatte ich bei zwei direkt hintereinander verlaufenden Kreisverkehren mit einer Menge an abführenden Straßen, darunter auch ein Abzweig zur Autobahn, etwas Schwierigkeiten, die richtige Straße zu finden. Das wäre mir auch bei Sonnenschein so gegangen. Klebrig vom Schweiß und Dreck des Tages kam ich im Hotel an.

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SR21-08 Bologna-Prato

Mein Rad ist total verdreckt. An den Tankstellen gibt es kein Wasser. Sonst könnte ich mich am Eimer mit Schwamm mal kurz bedienen. Man gibt die Autos in die Waschanlage. – Kurz was in der Tanke zum Trinken zu holen is auch nich. Dafür gibt es meist eine Bar in Nachbarschaft zur Tanke, aber nicht immer.

Gasse in Bologna, in der Nähe meines Hotels

Das Hotel bot kein Frühstück an. Also bin ich heute morgen erst einmal in die City, um mir die Stadt anzusehen. Das Hotel lag auch schon zentral am Bahnhof, sodass ich nur ein paar Gassen fahren musste, um mitten im Geschehen zu sein. Mit dem Frühstück hatte ich eine Entscheidungsneurose: hier zu chic mit Stoffservietten, da zu laut, weil an einer vierspurigen Straße und so weiter. Ich fuhr auf meiner Route raus aus der Stadt und kaufte mir eine Melone, die ich auf einer Bank verspeiste. Müsli mit viel Haferflocken hätten mich interessiert, aber das gab’s gestern Abend im Supermarkt auch schon nicht. Mein Super-Gel für die Berge hatte ein kleines Leck und musste deshalb auch weg. Ich habe es etliche Berge mit umhergefahren. Jetzt hat es mal seine Bestimmung gefunden. Ein paar Kekse noch als Nachtisch, dann fuhr ich Richtung Berge.

An der Basilika San Petronio ist ein Freilichtkino aufgebaut
Die beiden schiefen Türme Garisenda und Asinelli finde ich etwas besorgniserregend.
Laden in der Nähe der schiefen Türme.

Als Radwege wies Komoot Privatstraßen aus, die Firmen gehörten. Ich konnte nicht alle nehmen und beschloss, mich wieder etwas unabhängiger von der geplanten Route zu machen und die besseren Straßen zu nehmen. Am Navi kann ich gut erkennen, ob ich trotzdem auf Kurs bleibe. Die ersten 70 Kilometer fuhr ich in praller Sonne und machte früher Mittagspause als sonst: Weintrauben vom Supermarkt als Zuckerlieferant und Brot. Frisch gestärkt kletterte ich bis auf 1.000 Meter hoch, immer wieder mit Trinkpausen. Die Kletteretappen verliefen glücklicherweise im kühlen, schattigen Wald. Es ging hoch und wieder runter und wieder hoch. Dafür war der Blick auf Prato ein Traum. Theoretisch müsste auch Florenz zu sehen sein. Leider hat mein Smartphone keines der Fotos gespeichert. Der Speicher war mal wieder vollgelaufen, obwohl ich in den vergangenen Tagen immer wieder Videos und Bilder gelöscht habe. – Halb so wild. Ich bin in der Toscana angekommen.

Angeketteter Schlagbaum einer Privatstraße. Drunter durch? – Zu tief. Drüber hinweg? Nee…
Im Vorbeifahren fotografiert.
Mittagspause mit gelbem Weizenbrot und Frischkäse. Warum der gelbe Weizen bei uns nicht mehr angebaut wird, weiß ich nicht. Gelb ist jedenfalls gesund.
Straßenszene von einem Berg mit Blick auf…
… den Lago di Suviana

Ich hatte mit Carlo vom Hotel einen Deal, dass ich auch noch später kommen kann. Check-in war normalerweise bis 18 Uhr. Bei der Bergetappe und den Temperaturen wollte ich nicht hetzen. Halbacht war ich am Ziel, nach einer steilen Abfahrt. Ich muss mir morgen bei Tageslicht mal meine Bremsbeläge vorne anschauen. Ich glaube, die sind durch. Man sieht es, wenn die Bremsscheibe schwarz wird.

Die Landschaft hat sich hinterm Berg spürbar verändert. In der Toscana blüht der Oleander, alles ist Kleinteiliger, keine großen Felder, stattdessen Olivenhaine. Jetzt noch kurz schauen, wohin ich morgen fahre…

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SR21-07 Cremona-Bologna

Die Temperaturen steigen. Heute waren es am Nachmittag 35 Grad im Schatten. Von Sizilien kommen Nachrichten von einem Temperaturrekord von 48,8 Grad. Ich hatte trotzdem eine längere Tour geplant, da es keine Berge gibt und die Straßen gut sind. Nach 161 Kilometern kam ich um halbacht an meiner Unterkunft in Bologna an. Bologna auch deshalb, da es von hier einen guten Weg über den Apennin in die Toscana gibt, zumindest ist das Höhenprofil besser als von Reggio Emilia.

Der Fluss „Po“ bei Cremona.
Tomatenfeld
Hier wird wohl der Parmigiano-Reggiano hergestellt, was die Plakate vermuten lassen. Parma, Modena, Bologna – in der Region gibt es viel international erfolgreiche Agroindustrie.
In solchen Läden landen die Köstlichkeiten der Region.

Am Nachmittag kam etwas Wind aus östlichen Richtungen auf. Der trocknete mich noch mehr aus. Ich legte vielleicht nicht mehr Trinkpausen ein als sonst, trank aber deutlich mehr. Wenn ich das Bier hier noch schaffe, was ich mir vorgenommen habe, werden es rund 9 Liter für heute sein. Im Prinzip ist der menschliche Körper hervorragend für die Langstrecke gemacht. Er kann am ganzen Körper schwitzen und so die Temperatur regeln. Beim Radfahren kommt der Fahrtwind dazu, sodass eine normale Hochsommerhitze kein Problem ist. Aber da muss man natürlich immer schauen, was einem gut tut und was nicht.

Das ist leider mein einziges Bild von Parma.
Mittagspause in Reggio Emilia
Mit dem Fanta- und Weintraubenantrieb kam ich heute ans Ziel.

Für morgen sind in Bologna 37 Grad angesagt, mit weiter steigender Tendenz. Am Montag sollten es 40 Grad werden. Aber ich fahre ja weiter. Allerdings ist Prato, wo ich morgen hinwill, mit 38 Grad auch etwas heftiger. Also mal schauen und die Lage weiter im Blick behalten.

Lidl bekommt einen Punktabzug, da es keinen Kühlschrank mit Softdrinks gibt. Mineralwasser mit Mineralien habe ich auch noch nicht gefunden (vor allem Kalzium und Magnesium im Verhältnis von 3:1).

Letzter Kreisverkehr vor Bologna
Wer sich gefragt hat, wo die Eis-Universität ihren Sitz hat: es ist Bologna.
Siesta in Reggio Emilia
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SR21-06 Ruhetag in Cremona

Nach 675 Kilometern, auf halber Strecke nach Rom, habe ich einen Ruhetag eingelegt. Cremona schien mir dafür ganz gut zu sein. Zum einen ist die Stadt groß genug, dass ich Fahrradzubehör einkaufen kann. Zum anderen eignet sich die Altstadt zum Flanieren ganz hervorragend.

Piazza Lodi mit Stradivari-Denkmal, wie auf vielen Plätzen in Cremona

Den ersten Fahrradladen hab ich gar nicht gefunden. An dieser Adresse war schlicht nichts mehr. Bei der zweiten Adresse hatte der Chef ein Schild hängen, dass wegen Urlaubs geschlossen sei. Ich fuhr schließlich zum Decathlon: kein einziger Reifen in meiner Größe. Immerhin habe ich den letzten Schlauch bekommen und eine gescheite Handluftpumpe. Meine alte Pumpe hat sich als untauglich erwiesen.

„Vom 4. bis 21. August geschlossen“: Die Übernachtungspreise am Mittelmeer und die Ferien der Ladenbesitzer sprechen dafür, das nächste Mal wieder später aufzubrechen.
Hurra, ein Fachgeschäft, das geöffnet und meinen lang ersehnten Reifen hat…
… ein Faltreifen, sodass die nächste Panne fernab von größeren Städten, kommen kann. Der Verschleiß vom Hinterrad macht mir ja etwas Sorgen.
Jetzt kann ich auch wieder Luft aufpumpen: „La pompa“ hat ein Innengewinde für das Presta-Ventil, kann bis 6 Bar – 5 ist aber bei mir das Maximum, sonst fliegt mir der Reifen um die Ohren.

Bei den Besorgungen erkundete ich die Altstadt mit ihren vielen Gassen, dem Museo del Violino, den vielen Stradivari-Denkmälern und Geigengeschäften und machte auf der Piazza Lodi Mittagspause. Dann bezog ich Quartier, um Siesta zu halten. Mein Hotel befindet sich in der Nähe des Doms, an der Piazza della Pace. Nun bleibt für heute noch Zeit, etwas Tourplanung zu machen, Wetterberichte zu lesen und die Faszien auf den Tag morgen vorzubereiten.

Violinen-Museum…
… eine Violine und
Violinenwerkzeug vom Meister selbst.

Ich habe noch nie so durstige Tauben gesehen. Am späten Nachmittag hatte es 33 Grad im Schatten. Kein Grund das Bild zu kippen – werde ich WordPress mal sagen.

Nebenstraße in der Altstadt: So leer war es fast überall am Nachmittag. Erst am Abend kehrt wieder etwas Leben ein. Von Tourismus ist aber nicht viel zu sehen. Es gibt im August nur noch zwei Konzerte, was man so lesen konnte, aber es sind ja auch Ferien.
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SR21-06 Sennazzaro-Cremona

Ich musste heute kurzfristig umplanen. In Genua und auch sonst in der Nähe gibt es praktisch keine bezahlbaren Zimmer mehr. Hochsaison. Vor einigen Wochen hatte ich mich natürlich informiert. Aber es gibt offensichtlich zu viele Kurzentschlossene. Es hatte eine Weile gedauert, meinen schönen Plan zu verwerfen und umzudenken. Ich nehme jetzt den „Weg durch die Mitte“ über die Toscana. Deshalb bin ich heute in Cremona rausgekommen.

In Pavia war ich bei „meiner Radwerkstatt“ vom vergangenen Jahr pünktlich zehn nach 12 Uhr, dem Beginn der dreistündigen Mittagspause. Hab ich im Internet zwar gesehen, aber ich hatte gehofft, dass die Daten nicht mehr aktuell sind.
Ponte Coperto in Pavia: Über den Fluss bin ich gestern in der anderen Richtung gefahren, der Tessin.
Musste ich in der Altstadt von Pavia einfach fotografieren: Signore mit den Lederradtaschen von vor dem Kriege. Leider saufen die Bilder mit der Smartphone-Kamera in dunkleren Bereichen immer ab und es gibt Artefakte. Aber es sind wirklich braune Ledertaschen, wahrscheinlich vom englischen Picknick-Ausstatter.

Die Landschaft hier in der Po-Ebene ist unspektakulär. Die Komoot-Route wollte mich immer im Zick-Zack durch die Landschaft führen. Ich habe aber die gerade Straße bevorzugt, zumal ich schon Zeit durch die Umstellung der Reise verloren hatte und nicht zu spät im Quartier sein wollte. In der Mittagspause buchte ich mir ein Hotel. Eine Signora rief an und meine, dass das Hotel geschlossen sei, sie aber eine Alternativadresse sendet. Die Info kam dann später am Abend per WhatsApp, als ich mit der Albergo Visconti schon eine Alternative hatte. Wahrscheinlich war meine Internetverbindung zwischendurch nicht gut. – Das Angebot ist verlockend: Ein Upgrade auf vier Sterne. Ich wollte ja sowieso einen Ruhetag einlegen und mal Materialpflege betreiben. Denn beim Radhändler war ich ja immer noch nicht, obwohl ich das schon seit Tagen auf dem Zettel habe. Und meine Badehose habe ich vergessen…

Wasser gibt es in der Ebene genug, aber keinen Druck. Türmchen wie dieser helfen ab.
Scotti war ein berühmter Reis-Unternehmer und wird am Firmenstandort geehrt.

Ich bin also doch nicht am Mittelmeer. Vorerst. Nach Rom komme ich auch so. Weiter im Süden waren noch Zimmer an der Küste zu bekommen. So hoffe ich, das mich die Rückreise zumindest zum Teil am Meer entlang führt.

War abends noch kurz beim Lidl: Der Tiefkühler sieht hier etwas anders aus als bei uns. Deshalb geht man ja auf Reisen (unter anderem): um zu sehen, was man auch anders machen kann.
Dom in Cremona mit Baptisterium (rechts).
Cremona weiß, was Radfahrer wollen: Als ich halbsechs an dem Wasserhahn vorbeikam, hatte es 32 Grad im Schatten.
Stradivari vor seinem Haus

Ich habe heute etwas Probleme mit dem Synchronisieren zwischen Wahoo-App auf dem iPad, dem Navi und Komoot und Strava – warum auch immer. Die Komoot-Radtour von heute liefere ich an dieser Stelle noch nach. Die 3,5 Kilometer vom Stadtzentrum in Cremona bis zum Hotel hat „er“ brav verarbeitet. Das, was man nicht braucht…

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SR21-05 Lecco-Sannazzaro de‘ Burgondi

Die Temperaturen steigen. Am Abend waren es in Sannazzaro noch um die 30 Grad. So muss der Hochsommer sein. – Cristina wartete heute morgen in der Villa Puccini mit dem üblichen Frühstück auf, das sie komplett am Tisch serviert. Man speist in einem klassizistisch eingerichteten Salon mit Kronleuchter, Plüschsesseln, Kamin und Marmorbüsten. Die Balkontüren stehen offen mit Blick zum See und in die Berge. Stilvoller geht es nicht. Punktabzug gibt es an der Szenerie nur durch mich selbst: Ich habe praktisch nur Funktionskleidung dabei.

Villa Puccini (ganz links)
Blick vom Frühstückssalon
Meine Cerealien hab ich schon gegessen.
Der Hund gehört zum Haus, ein älterer Herr.

Für die Tagesetappe habe ich mir heute nicht viel vorgenommen, um mich vor dem Apenin morgen noch etwas zu entspannen. Außerdem suchte ich ja noch einen Fahrradhändler. Der Weg nach Mailand war mir weitestgehend vertraut. Ich fuhr an der Hauptstraße entlang über Merate, um dem Fluss Adda auszuweichen. Am Ufer war ein Radweg überschwemmt. Das Navi verstand bis Vimercate nicht so recht, was ich wollte, bekam aber „die Kurve“. Monza tangierte ich kurz, dann ging es schnurstracks nach Mailand hinein. Alle Radläden, die ich sah, hatten geschlossen. Vielleicht ist es an Montagen so wie bei uns mit den Frisören, wer weiß. Überhaupt kamen mir viele kleine Orte arg still vor für einen Wochentag. Einige Läden und Lokale haben die Corona-Krise vielleicht nicht überlebt.

Dieser Weg säuft gründlich ab: Da hilft nur noch der Rückzug. Die Feuerwehr ist vor uns mit einem Geländewagen durchgefahren und wieder umgekehrt, hat aber nichts weiter gesagt.
Ich mag die Kanal-Radwege in Mailand.
Der Mailänder Dom mal von hinten.

Im Süden ist man schnell wieder aus Mailand heraus im Grünen und fährt etliche Kilometer hervorragend asphaltierte Radwege an einem Kanal entlang. Vor Pavia bog ich ab Richtung Sannazzaro. Durch die Mittagshitze war ich inzwischen etwas ausgetrocknet und meine Wasservorräte gingen zur Neige. Ich brauchte auch etwas Salziges, damit der Körper das Wasser aufnimmt. Gegen 16 Uhr rastete ich in Bereguardo, nicht weit vom Ticino. Die Gegend ist flach und von vielen kleinen Kanälen und Schleusen durchzogen. Das Wasser auf den Reisfeldern steht knöcheltief, mindestens. Die Flüsse aus den Alpen machen diese Art von Landwirtschaft seit Jahrhunderten möglich.

Reisfeld in der Gegend um Pavia: Das Foto ist noch nicht gut, man sieht das Wasser nicht. Hole ich morgen, wenn möglich, nach.
Rad-Rennstrecke von Mailand nach Pavia

Neben der Raffinerie ist in Sannazzaro von weitem bereits der Apennin sichtbar. Man hat weiter westlich einen Gipfel als den letzten dieses Gebirges definiert. Danach sind es wieder die Alpen. – Das Hotel kam mir merkwürdig still vor, keine Gäste zu sehen, kein Licht an der Rezeption. Die Rezeptionistin erklärte, dass wegen der Ferien das Hotelrestaurant geschlossen habe. Sie schien das einzige Personal zu sein. Für das Rad hatte sie einen abschließbaren Raum, den ich gerne annahm. Da der Carrefour noch geöffnet hatte, verproviantierte ich mich heute für das Abendessen im Einzelhandel und sparsamer als die vergangenen Tage. Die Schweiz hat ganz ordentlich auf die Reisekasse geschlagen.

Und wieder Wasser: Ein Kanal kurz vor Sannazzaro.
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SR21-04 Sufers-Lecco

Das war der Tag der Gegensätze, aber das war ja auch klar. Am Morgen frohlockte ich beim Frühstück ob des guten Wetters: Sonnenschein am Hinterrheinsee schien die Sonne. Als ich meine Sachen packte, schüttete es schon wieder. Ich schaute mir das Regenradar an und war beruhigt: Ein runder Wasserfleck über Splügen, der sich in Auflösung befand. Als ich Richtung Pass aufbrach waren die Straßen noch nass, aber der Regen hatte aufgehört. Ich entschied mich deshalb, mein neues langes, warmes Oberteil anzuziehen und die Regenjacke in der Radtasche griffbereit zu halten. Temperatur auf der Passhöhe: ca. 8 Grad.

Von Splügen geht es die Serpentinen hoch

Nach dem Frühstück fuhren sich die Serpentinen recht geschmeidig. Ich legte ein paar Trink- und Fotopausen ein und war in zwei Stunden oben. Radtourer waren nicht zu sehen, nur ein paar Rennradler ohne Gepäck und zwei Mountainbiker mit Strom. Oben hielt ich es nicht lange aus. Der Wind wehte heftig, sodass ich mir schnell die Regenjacke anzog, was ich für die Abfahrt ohnehin vorhatte. Unterwegs hatte ich schon Gelegenheit, das Bergpanorama zu genießen, sodass ich nicht viel verpasste.

Selfie auf der Passhöhe muss ja immer sein. Viel Andrang gab es heute nicht. Ich schaue wohl auch etwas angestrengt wegen des Windes und der Kälte.
Auf italienischer Seite kommt bald der Lago di Montespluga

Auf halber Strecke ins Tal dachte ich: Komplett irre, hier hochzufahren. Man hat auf der italienischen Seite des Passes einen weiten Blick ins Tal, und das kam mir krass tief vor, obwohl ich ja schon rund 1.000 Meter abgestiegen war. In Chiavenna, wo der Aufstieg beginnt, war es 25 Grad. Ich hielt an meinem Lieblingsbrunnen am Rande der Stadt und zog mich für den Hochsommer um.

Blick zurück: Da bin ich letztes Jahr hochgeklettert. Bergab kommt mir das etwas verrückt vor. Aber wenn man im Berg klettert, wirkt es nicht so steil.

Das Navi führte mich am Comer See durch ein Feuchtgebiet, das sonst sicher trockener ist, aber nicht bei dem Regen der vergangenen Wochen. Durch matschige Pfützen sammelte ich ordentlich Dreck ein. Es war windig, ideal für die Windsurfer, die auf dem Weg unterwegs waren. Mein Weg führte mich an Badenden vorbei, durch Fußgängerzonen mit Trödelmarkt und viele Tunnels. Am Ortseingang von Lecco, meinem Ziel, hatte ich einen Platten – wieder hinten.

Comer See: Die Windsurfer hatten heute ihren Spaß.
Das ist mehr als nur eine Pfütze. Lösung: Man wartet, bis jemand kommt und durchfährt und schaut, ob es außer nassen Füßen Widrigkeiten gibt.
In der Pause kam ein Pferd zu mir und wollte von meinem schweizer Dinkelbrötchen naschen. Die Reiterin sagte etwas von „Signore… mangare…“ und lenkte das Pferd Richtung große Pfütze.

Ich rief in der Villa Puccini an, in der ich mich einquartiert hatte, dass es später wird. Zudem musste ich meinem Navi noch die Adresse beibringen. In Sufers hatte es die Route nicht geladen. Deshalb hatte ich eine andere genommen, die über Lecco führt, aber nicht die Villa im Programm hatte. Das Sychronisieren funktionierte mit dem Handy-WLAN auch nicht, deshalb fuhr ich mit iPad zum Ziel. Es war schon Viertel nach acht. Vielleicht habe ich unterwegs auch ein paar Fotos zu viel gemacht. Fest steht, dass ich morgen zum Fahrradhändler muss. Der neue Reifen ist jetzt fällig.

Jarvo fragte, ob ich Hilfe brauchte: Er pumpte mir das Hinterrad auf, da meine Luftpumpe Mist ist. Sehr freundlich. – Ich fragte, ob ich ein Foto für meinen Blog machen darf und gab ihm die Internetadresse.
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SR21-03 Triesen-Sufers

Ich hatte eine Matratze vom Typ Hängematte. Deshalb schlief ich nicht so gut und wälzte mich in dem Einzelbett hin und her. Erfreulicherweise hielt sich das Wetter bis Thusis ganz gut, die Sonne kam durch. Ich erkannte die Wasserstellen vom vergangenen Jahr wieder. Daran erinnere ich mich gut, da ich öfters mal leergefahren war und dringend trinken musste. Der Weg führte mich wieder um Chur herum, an einem Schießgelände des Schweizer Militärs und dann auf einen schönen Höhenweg am Rhein entlang – mit Blick in die Schluchten, die sich der Fluss gegraben hat.

So begann der Tag: Blick vom Hotel in Liechtenstein.
Hotelfrühstück: Kühlschrank als Schublade – merke ich mir für zu Hause. Dazu die Morgenlektüre: „Mein Vaterland“.

Vor Thusis hatte ich mit dem aufkommenden Wind zu kämpfen. Mir ging der Wetterbericht durch den Kopf und ich hoffte, dass sich die Lage nicht verschlechterte. In Thusis, am Beginn der Via Mala, dem Aufstieg zum Splügenpass, setzte starker Regen ein. Ich machte Rast in einem Lokal. Es schüttete so, dass es auf der Terrasse unter den Schirmen auch ungemütlich wurde. Ich überlegte, ob ich im Ort schon ein Quartier suchen sollte. In einer Regenpause schaute ich mir den Himmel an und fuhr los. Ich wollte noch Höhenmeter machen. Schließlich waren es bis Sufers nur noch 22 Kilometer.

Möhrchenfeld bei Chur

Es wurde dunkler und fing leicht an zu regnen. Ich schaltete mein Rücklicht an, damit ich vor allem in den Tunnels besser zu sehen war. Der Regen wurde heftiger. Ein Gasthaus machte Werbung mit einem Zimmer für nur 47 Schweizer Franken. Der Grill dampfte und ich wurde fast schwach. Nur noch ca. 8 Kilometer bis zum Ziel in Sufers. Dafür lagen vor mir aber noch noch etliche Höhenmeter. Nach einer ersten Etappe mit Serpentinen musste ich süße Früchteriegel essen. Ich war schon wieder leergefahren und zittrig. Es kamen zwei Brücken, unter denen ich Trinkpausen einlegte und Regenschutz hatte. Trotzdem war alles nass und die Regenjacke klebte mir kalt auf den Armen. Das Navi ist zum Glück wasserdicht. Ich fuhr schnell weiter um warm zu bleiben. Solange man warm ist, macht der Regen nichts.

Die letzten drei, vier Kilometer waren schnell genommen. Inzwischen waren die Straßen so nass, dass mir Bäche entgegenkamen, die ins Tal wollten. Meine Schuhe wurden beim Hindurchfahren geduscht. Das Wasser fand bei den Laufschuhen leichtes Spiel. Mein Regenschutz für den Helm hielt aber dicht. Im Hotel mit Seeblick in Sufers (1.400 Meter Höhe) fand ich noch ein Einzelzimmer. Ich hatte es am Morgen noch gesehen, konnte es aber unterwegs nicht buchen, da der Internetzugang zu schlecht war (3G). Also Glück gehabt. Im Zimmer musste ich auch mein Portmonnaie und die Geldscheine zum Trocknen auslegen, nicht nur die Regenjacke und die Funktionskleidung, die ich jeden Tag wasche. Die Schuhe haben ihren Platz auf der Heizung gefunden.

Morgen sollte das Wetter wieder besser sein. Ich füllte am Abend noch das umfangreiche elektronische Formular aus, das die italienischen Behörden für die Einreise haben wollen. Nur noch rund 750 Höhenmeter bis zum Pass. Dann bin ich endlich im Süden.

Stärkung im Café Marchesa bei Chur
Der Rhein in seinem Canyon
Solche Tränken sind besonders bei Hitze goldwert.
Der Hinweis, dass der Pass geöffnet hat, ist auch immer sehr hilfreich.
Im Tunnel kann es tierisch laut werden, vor allem bei grobem Belag.
Andeer, letzter Ort vor Sufers
Regen, Dunkelheit, Gewitter – alles, was man in den Bergen nicht haben möchte.
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