SR20-14 Pavia – Lecco (Comer See)

Ich schob mein Rad heute morgen durch den Wochenmarkt in Pavia und sammelte einen Dorn auf. Mit dem Vorderrad. Schon wieder ein Platter. Ich schob es auf die Piazza della Vittoria und wechselte den Schlauch. Beim Aufpumpen merkte ich, dass das nicht viel bringt. Ich habe den Schlauch beim Einbauen wohl wieder kaputtgemacht. Ich packte alles wieder zusammen und schob das Rad weiter zur nächstgelegenen Werkstatt. In der kleinen Ladenwerkstatt war ziemlicher Andrang, ich hatte gerade eine Lücke erwischt. Der Schlauch war schnell gewechselt, zwei Ersatzschläuche gekauft, einen Helm dazu.

Fahrradreparatur in Pavia
Ein Dorn organischen Ursprungs war die Ursache für den Platten.

Gegen 11 Uhr verließ ich Pavia Richtung Norden. Ich kam bald auf einen schönen Radweg entlang eines Kanals, der mich bei Gegenwind bis nach Mailand führte. Ein paar Kilometer vor der Metropole sprach mich ein älterer Rennradfahrer an, wo ich denn hinwolle. Mit Englisch hatte er es nicht so, deshalb verstummte das Gespräch bald. Er gab mir aber in Fahrradsprache zu verstehen, dass er mich ziehen wolle. Da Kollege Jens mich in die Zeichensprache eingeweiht hat, ordnete ich mich hinter dem Italiener ein und fuhr in seinem Windschatten nach Mailand hinein. In der Stadt verabschiedeten wir uns irgendwo und ich ließ mich vom Navi zum Dom navigieren. Die Sonne war inzwischen herausgekommen. Auf dem Weg heraus aus der City sah ich viele Leute draußen in einem Lokal mit Mittagstisch sitzen. Dort rastete ich und fuhr weiter über Monza nach Lecco an den Comer See.

Mailänder Dom

Ich hatte es nicht eilig, da heute nur eine kürzere Stecke geplant war. Mir war zudem klar, das die Großstadt mit den vielen Ampeln Zeit brauchen würde. – Unterwegs fotografierte ich viel. Dafür musste ich immer mein iPad aus der Radtasche holen, was etwas Umstand bedeutet. Das Smartphone hatte schon wieder keinen Saft mehr und bei den Fotos war ich mir nicht sicher, ob die wirklich gespeichert werden. In der Abendsonne kam ich in Lecco an und checkte in einer Villa mit Seeblick ein. Christina, die Hausherrin, hatte sich überlegt, mir das schönste Zimmer zu geben, zum gleichen Preis. Es seien weiter keine Gäste da. Die großzügige Villa, eingerichtet mit alten Möbeln, passt zu der großartigen Landschaft.

Für morgen habe ich die halbe Strecke für den Splügenpass geplant, die ersten 1.000 Höhenmeter bis Campodolcino. Mir fehlt die Erfahrung, den 30 Kilometer langen Anstieg in einem Stück zu fahren. Außerdem habe ich um 19 Uhr noch eine Webkonferenz und ich will zeitlich nicht in die Bredouille geraten. Dann wird das Wetter auch etwas besser im Verlauf der Woche. Das kommt mir ebenfalls zupass. Mein Schnupfen ist leider noch nicht weg.

Fazit: 96 Kilometer, einmal mitten durch Mailand zum Comer See. Die Alpen haben mich wieder. Im Vergleich zu Genua ist Mailand eine Erholung mit dem Rad. Bis vielleicht auf das alte Kopfsteinpflaster.

Comer See mit Abfluss
Zimmer mit Seeblick
Das schönste Zimmer der Villa
Abendliche Handwäsche
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SR20-13 Genua – Pavia

Ich hätte schon um sechs in Pavia sein können. Aber auf den letzten Kilometern verhedderte ich mich noch in Baustellen und Sackgassen. So ist das manchmal auf Radtouren.

Pavia: der Ponte Coperta mit Dom im Hintergrund

Nach dem Ruhetag gestern bin ich heute für meine Verhältnisse früh aufgebrochen. Mir schwante schon, dass die Berge Zeit kosten würden. Deshalb war es gut, etwas Puffer einzuplanen. Ich war froh, nach einigen Kilometern Genua hinter mir lassen zu können. Der Großstadtverkehr war anstrengend, viel Lärm, Hochstraßen, Tunnel, wenige Radwege, alles sehr verbaut und grau vom vielen Verkehr. Für die schönen Seiten muss man sich sicher mehr Zeit nehmen, als ich sie mitgebracht hatte.

A propos Zeit. Es ist natürlich immer die Frage, wie viel Zeit man sich nimmt. Diese Art des Reisens erfordert immer den Blick auf die Uhr, auf das Datum und Faktoren, die Zeit brauchen. Der Weg ist zwar auch ein Ziel, aber nicht alles. Natürlich steht für mich die Bewegung im Vordergrund. Das Durchqueren von Landschaften mit dem Rad, in der Hitze, auch mal mit Wetter-Unbill, das ist für mich Sommer. Es braucht aber für mich auch ein Fernziel, das zieht: das Meer zum Beispiel, die Ostsee, das Mittelmeer. Und es ist der Reiz, aus eigener Kraft hin- und zurückzukommen. So gesehen ist es auch wiederum ein langsames, entschleunigtes Reisen. Ich kann täglich die sich verändernde Landschaft beobachten, die Vegetation, übernachte in vielen verschiedenen Städten und bekomme dadurch ein Gefühl für Europa. Wie schnell ist man doch in den Alpen, im Mittelmeerraum, in Tschechien und Polen, selbst mit dem Rad.

Im Apennin war es erwartungsgemäß ein schwieriges Vorankommen. Ich musste das Rad immer wieder schieben, da die Anstiege zu steil waren. Halbeins etwa erreichte ich den Passo della Bocchetta, 772 Meter hoch. Ich war nassgeschwitzt und trocknete mich an der Sonne. Unterwegs war mir der Schweiß schon über die Stirn fasst in die Augen getropft. Ich tupfte mit der Serviette vom Frühstücksbüffet die salzige Brühe ab. Auf irgendeiner Etappe floss mir der Schweiß mal ins Auge – ein brennender Schmerz.

Vom Pass aus sah ich das letzte Mal für dieses Jahr das Mittelmeer. Das Grau des Wassers ließ sich vom Horizont kaum unterscheiden. Nur die Fahrspur eines großen Schiffes und das Blinken eines anderen Schiffes verieten das Meer. Plötzlich kam ein Radtourer aus Deutschland angeschoben. Er war in Marburg gestartet, hatte die Alpen über den Reschenpass gequert und war über Rom nach Sizilien gefahren. Von dort war er gestern mit der Fähre in Genua angekommen, um die Heimreise anzutreten. Er wollte heute auch nach Pavia und dann über den Splügenpass. Auf 1.000 Meter hat er schon eine Unterkunft. Ich überlege, ob ich das auch mache.

Am Anfang der Bergtour ist mir noch ein italienischer Radtourenfahrer begegnet. Vielleicht hat er ein anderes Ziel oder war langsamer. Auf dem Pass habe ich ihn jedenfalls nicht gesehen, obwohl ich ja eine Pause gemacht hatte. Ich verabschiedete mich von dem Marburger und meinte, wir würden uns sicher wieder treffen. Erst in Tortona machte ich eine Pause. Im Grunde genommen war alles nach dem Bocchetta-Pass eine Rennstrecke, bis vielleicht auf zwei, drei Ausnahmen. Nach der Abfahrt ging es auf größeren, gut ausgebauten Straßen mit breitem Seitenstreifen weiter. Das Gelände flachte langsam bis Pavia ab, sodass ich in höheren Gängen gut durchziehen konnte. Wenn da nicht hinter der Po-Brücke eine dämliche Route über kiesige Sandwege gewesen wäre. Ich kam dann in zwei Dörfern zwar wieder auf gute Radwege. Aber eine kleine Nebenstraße, die mich ans Ziel bringen sollte, war gesperrt. Auch mit Alternativstrecken war nicht viel zu machen. Das Navi zeigte zwar einen Weg an, aber nicht den Zaun, der die Weiterfahrt blockierte. Ich fuhr also wieder zurück bis zu einem Dorf und folgte einem Schild nach Pavia. Hinter einer Kurve lag dann plötzlich überraschend die Altstadt in der Abendsonne vor mir, mit der schönen Ponte Coperto. Es war kurz vor sieben.

Der Ponte Coperta bietet einen vorzüglichen Weg in die Stadt Pavia.

Mein Smartphone lässt mich immer mehr im Stich, was auf einer Reise besonders ungünstig ist, z. B. für Absprachen mit den Unterkünften. Fotos finden sich in der Galerie nicht wieder – oder nur manchmal. Oder es gibt keine Vorschau mehr. WhatsApp hat ja schon das Ende des internen Speichers verkündet, aber ich kann die mehr als reichliche Speichererweiterung nicht zuweisen. Die Apps starten langsam. Während der Fahrt heute war plötzlich der Akku alle. Irgendwas muss irrsinnig Strom gezogen haben. Fotos lassen sich in die Dropbox nicht mehr hochladen. In Pavia habe ich dann mit dem iPad fotografiert. Das Tablet ist für schnelle Fotos unterwegs natürlich ungeeignet. – Was tun mit dem Handy? Ich werde jetzt wegen der Tour am Sailfish OS nicht viel herumbasteln.

Fazit: 126 Kilometer, 1051 Meter Anstieg, eine anstrengende Bergetappe durch den Appenin mit dem letzten Blick ans Mittelmeer aus 772 Metern Höhe und eine sehr schöne alte Stadt in der Lombardei zum Betrachten und Übernachten. Ich habe mir bis Tortona einen leichten Sonnenbrand geholt: Erwischt hat es die kahlen Stellen an meinem Kopf. Ich habe mich zu spät eingecremt. Mit 26 Grad war es heute am 1. September in der Po-Ebene noch hochsommerlich warm. Die leichten Halsschmerzen von den Klimaanlagen in den letzten Hotelzimmern sind noch nicht ganz weg. Normalerweise schwitzt sich das auf der Tour aus.

Der Fluss in Pavia heißt Ticino.
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SR20-12 Savona – Genua

Im Hotel wurden heute morgen alle einzeln bedient. Entsprechend lang war die Schlange. 1,50 Meter Abstand war damit auch passé. Der Abstand zwischen der Serviererin und denen, die gerade bestellten, war drei Meter. Dafür hat sie die Bestellungen mit Mundschutznuscheln und Englisch gut verstanden. Die Aufzüge waren so blöd programmiert, dass sie die Eingaben nicht prioritär sondern immer das nächstbeste abarbeiteten. So kam ich natürlich nicht mehr in den 6. Stock zurück und benutzte das Treppenhaus. Oben angekommen, ab und zu den Mundschutz gelüftet, schnauf, kam ich nicht ins Zimmer hinein. Also wieder nach ganz unten zur Rezeption, Schlüssel entsperren lassen. Und wieder ganz hoch.

Ich habe aus Versehen eine abgelaufene Zweit-Kreditkarte mitgenommen und musste den Kreditrahmen für meine Erstkarte mit meinem eigenen Internet erst einmal erhöhen. Dann rief das Hotel in Genua an, das ich gebucht hatte. Es sei geschlossen, sie würden mich aber ebenfalls in der Altstadt in ein Vier-Sterne-Hotel upgraden, bräuchten aber meine E-Mail-Adresse. – Na gut, wenn’s sein muss. Vier Sterne klingt gut für 39 Euro. Dann noch schnell die E-Mail mit der neuen Adresse konfirmiert. – Bis man so loskommt. Zum Glück habe ich ja heute einen Badetag zur Erholung eingeplant, bevor es in die Berge geht, und muss nur die rund 50 Kilometer rüber nach Genua.

Es gab auf der Strecke wieder einige Fahrrad- und Fußgängertunnel. Einer war gesperrt. Ich weiß nicht mehr, ob ich mehr Auto- oder mehr Fahrradtunnel gefahren bin. Die gehören hier einfach zur Landschaft dazu. Man kann das Rücklicht gleich anlassen. Nach ein paar kleinen Buchten und vielen kleinen Badestränden kam ich in das Großstadtverkehrsgewirr. Die Straßen wurden schlechter, es gab Stau an Baustellen und Radwege waren nur noch teilweise vorhanden. Ich kaufte etwas zu essen und machte eine längere Mittagspause am Meer. Ich könnte stundenlang dem Meer bei der Arbeit zuschauen, wie sich die Wellen an den groben Steinen im Hafen brechen und sich die Farben im Spiel des Lichts verändern.

Genua zieht sich 35 Kilometer am Meer entlang. Die Ausbreitungsmöglichkeiten in die Berge sind begrenzt, hatte ich gestern noch gelesen. – Das Hotel liegt tatsächlich mitten in der Altstadt. Am Eingang gibt es eine elektronische Gesichtskontrolle, ob man seinen Mundschutz aufhat. Das habe ich gestern bei Conad, einem großen Supermarkt, auch gesehen. Dort starrte man kurz in die Kamera, sah sein eigenes Bild auf dem Display und es piepte grün, Eingang frei.

Als ich meine Badehose auspackte, fing es zu regnen an. Ich packte trotzdem die Badesachen ein. Regen schadet nicht, dachte ich. Als dann Gewittergrollen und Blitze dazukamen, packte ich die Sachen wieder aus und warf mir meine Regenjacke um. Ich gab am Empfang den Bestellzettel für’s Frühstück ab und lief im Regen durch die engen, dunklen Altstadtgassen. Ich wollte zum Porto Antico, doch der Regen wurde stärker. Meine Schuhe waren durchgeweicht. Ich besorgte Grana Padano, Pesto, Brot und Bier und schlappte in meinen nassen Schuhen zurück ins Hotel, Gesichtskontrolle und dann erst einmal Dusche. Für die nächsten Tage Tourplanung im Bett und morgen früh aufstehen. Ich muss morgen den Heimweg antreten und über den Apennin. Die Route sollte nicht über 700 Höhenmeter gehen, aber die Anstiege, die Komoot ausweist, machen mir noch etwas Kopfzerbrechen. Mehr als 15 Prozent sind mit meinem Gepäck und meinem Eigengewicht unrealistisch. 25 Prozent, 33 Prozent? Ich will ja nicht Bergsteigen. Also ist an der Routenplanung noch etwas Arbeit nötig. Außerdem: Wetterbericht, Wind, Unterkunft buchen… Das übliche.

Fazit: Ein Tag zum Durchschnaufen und Ausrollen (48 Kilometer).

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SR20-11 Ventimiglia – Savona

In der Nacht hatte es weiter geregnet, Donnergrollen war zu hören. Doch heute gab es den ganzen Tag Sonne pur. Ich hatte eigentlich mit weiteren Schauern gerechnet. Der Wind war deutlich aufgefrischt und kam aus südlichen Richtungen. Das Meer hatte kräftigen Wellengang. Es waren kaum Boote draußen. Die Badenden wagten sich ebenfalls kaum ins Wasser.

Mittelmeer in Ventimiglia

Mit dem Rückenwind sauste ich die ersten 20, 30 Kilometer an der Riviera entlang, durch Sanremo, San Stefano, San Lorenzo. Der außerordentlich gut ausgebaute Radweg, eine Rennstrecke, führte an den Bahnhöfen entlang, sodass ich die Namen der Orte sehen konnte, durch die ich fuhr. Wenn man nicht auf größeren Straßen unterwegs ist, fehlen einem oft die Ortsnamen. Mit außerordentlich gut ausgebaut meine ich die Rad- und Fußgängertunnel, die in der Mittagshitze eine willkommene Abkühlung darstellen. In einigen plätschert an den Wänden Wasser herunter. Der Streckenabschnitt war auch deshalb sehr gut zu fahren, weil man ihn sich nicht mit den Autos teilen musste. Lediglich die Sonntagsausflügler, Badegäste und Sonntagsrennfahrer musste man mit entsprechender Voraussicht begegnen.

Rad- und Fußgängertunnel machen die Etappe zwischen Ventimiglia und San Lorenzo zur Rennstrecke

Ich kam immer wieder dicht am Meer vorbei. Ich spürte die Gischt im Gesicht und die Brille beschlug mit einem mineralischem Film. Hinter den kleinen Hafenstädten ging es auf den Küstenstraßen bergauf. An den felsigen Steilküsten brachen sich die Wellen. Dann folgte immer eine angenehme Abfahrt bis an die Häfen und Strände. Das wiederholte sich bis Savona. Von weiter oben hatte ich immer eine gute Sicht auf die Buchten und Häfen. Ich hielt immer mal inne, um Fotos zu machen. Im Meer wechselten sich Flächen von Azurblau bis Tiefblau ab.

Riesiger Blütenstand einer Agave

Ich ernährte mich von Eis und Weintrauben. Obwohl es nur bis 28 Grad warm wurde, war ich etwas müde. Ich hatte in der Gewitternacht nicht so gut geschlafen und legte deshalb zwei, drei Pausen auf der Strecke ein. Ich fand immer wieder Brunnen. An der letzten Wasserstelle hab ich wohl meinen Helm liegenlassen. Ich hatte nicht den Ehrgeiz zurückzufahren, zumal das Teil ein Billigfehlkauf war. In Genua oder Mailand werde ich mir einen neuen besorgen.

Frischer Fisch: gut, wenn man eine Bratpfanne dabei hat
Interessante Bierpreise in Borgo Marina (Imperia): 0,33 ist klar, 0,66 konsequent – der Mengenrabatt prima
Yachthafen Imperia

Als ich um sieben im Hotel in Savona ankam, zogen von den Bergen her Gewitterwolken auf. Ich war froh, nicht bis Genua geplant zu haben. Gewitter und Regen blieben aber aus. Ich werde morgen einen Badetag einlegen, um etwas Kräfte für die Rückfahrt zu sammeln.

Azur-Radweg: schön, aber nur 200 Meter lang

Fazit: 114 Kilometer mit Rückenwind an der itailenischen Riviera. Den ganzen Tag am Meer, der weite Blick zum Horizont und zu den nahen Inseln. Ich habe noch das Rauschen der Wellen im Ohr.

Brunnen am Strand von Alassio
Brunnen bei Noli oder Spotorno: trotzdem musste ich am Abend weiter nachfüllen, es war doch recht warm heute
Gutes Frühstück gab’s während der Tour noch in keinem Hotel. Der Kaffee in Fréjus war super (Ibis), man konnte ihn am Automaten nach belieben ziehen. Das mit dem Klappgitter und dem Toast war heute etwas mühsam. Ich musste nach Röstung das Teil mühsam herauskratzen.

Bei der Komoot-Aufzeichnung fehlt das Stück am Anfang von Ventimiglia bis Ospedaletti. Das Navi hatte sich immer abgeschaltet.

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SR20-10 Fréjus-Ventimiglia

Es ist heute etwas später geworden. Mir war nicht klar, dass ich genau dann durch Nizza fahre, wenn die Tour de France ins Etappenziel läuft. Witzig. Ich bin dann in die Dunkelheit gekommen und war erst halbzehn im Hotel in Ventimiglia. Verspätungsfaktoren neben der Tour de France: viel fotografiert, Gewitterregen mit zwei Pausen und in Monaco am Abend im Straßengewirr noch etwas verheddert. Ich dachte ich kürze weiter unten an der Küste etwas ab. Aber in Monte Carlo hatten sie einen Club am Wasser – kein Durchkommen.

In meinem Hotel in Fréjus haben auch Tour-Leute übernachtet.
Die Tour in Nizza: passt farblich zu meinem Rad.

Von vorne. Der Tag in Fréjus begann wolkenverhangen, aber es kam immer wieder die Sonne durch. Ich hielt immer wieder, um die wechselnden Ausblicke auf Buchten, Inseln, Häfen und Berge auf mich wirken zu lassen und Fotos zu machen. Ab und zu arbeitete ich mich eine Küstenstraße weiter hinauf, dann ging es in Serpentinen wieder ans Wasser. Komoot wollte mich weiter im Landesinneren über die Berge schicken, was den Weg auch abkürzt. Die Küstenstraßen waren heute zudem weniger befahren, da wir im Rückreisewochenende sind. Die französischen Ferien gehen zu Ende. Außerdem sind auch weniger ausländische Gäste an der Côte d’Azur. Ich hatte erst ab dem späteren Nachmittag mehr Verkehr an der Küste.

Mittelmeerküste zwischen Fréjus und Cannes

In Antibes wollte ich Pasta essen. Hunger. Der Wirt wies mich darauf hin, dass er um 14 Uhr schließt. Es war schon kurz nach drei. Ich kehrte am Bahnhof in einer Boulangerie mit überdachter Außenterrasse ein. Das war wegen des heftigen Gewitterregens, der eingesetzt hatte, auch nötig. Kurz vor Nizza musste ich eine weitere Pause einlegen. Wieder eine Boulangerie. Wieder aß ich etwas, um die Zeit sinnvoll zu nutzen und für die abendliche Tour gerüstet zu sein. Auf der Pissaladière (Zwiebelkuchen) hatten sich noch zwei Sardellen gezeigt, was für meinen Salzaushalt ideal war.

Ein Stück Pissaladière vertreibt Gewitter.

In Nizza war eine Brücke gesperrt. Ich folgte einem anderen Radfahrer und fand einen Weg. Dann wurde mir klar, dass hier die Tour-de-France-Fahrer erwartet werden. Ich wusste, dass sie in Nizza starten, war mir aber über den Tag nicht mehr sicher. Außerdem war mir nicht klar, dass sie im Kreis waren und abends wieder am gleichen Ort sind. Völlig sinnfrei. – Die Zieletappe ging am Flughafen vorbei, der ja sehr dicht am Stadtzentrum gelegen ist. Als ein Sprecher durchgab, wie viele Kilometer das Peloton noch entfernt ist, beschloss ich doch noch zu warten und in der Zwischenzeit mein Hinterrad aufzupumpen. „12 Kilometer, 10 Kilometer, noch 8 Kilometer, die Spannung steigt“, sagte der Sprecher. Links und rechts der Absperrungen standen die Fans und klatschten, als die ersten vorbeisausten. Ich versuchte Fotos und Videos zu machen.

Kurz vor dem Zieleinlauf habe ich auf die Tour gewartet und mein Rad aufgepumpt.
Medien bei der Tour: alle sind da.
Nizza mit Absperrungen für die Zieleinfahrt der Tour de France

Als ich wieder aufbrach, begann es zu regnen. Ich musste trotzdem noch ein paar Fotos machen, was kaum gelang, da alles schon sehr nass war, einschließlich das Smartfon. Da es noch recht warm war, machte mir der Regen nichts aus. Bis Monaco war ich wieder trocken. Erst in dem Fürstentum setzte wieder Regen ein. Die Dämmerung ging in die Nacht über. Monaco und Monte Carlo sind schon eine Welt für sich. Irrsinnig noble Hotels, dann aber auch scheußliche Bettenburgen, riesige Hochhäuser. Überall Kräne, es wird gebaut und weiter in Beton investiert.

Monaco
Monaco
Flughafen in Nizza

Ich musste die Berge wieder hoch und runter, erreichte aber bald die italienische Grenze. Lustig, dass der erste Ort in Italien Latte heißt. Ganz klar, dass ich hier noch nicht Station mache, sondern eins weiter, in Ventimiglia, dass ich nach einigen Tunneln erreichte. Im Ort war noch Leben auf den Straßen, ein Supermarkt war geöffnet. Als ich die Serpentinen in den Ort hinunterfuhr tat es bei 40-50 km/h einen ziemlichen Schlag – ein Schlagloch, schmal und quer, aber tief Mitten auf der Straße. Das Rad scheint’s verkraftet zu haben. Ich schaue es mir bei Tageslicht an. Der Rezeptionist im Hotel sprach Deutsch und zeigte mir gleich den Fahrradkeller.

Monte Carlo

Fazit: 126 Kilometer, 981 Meter Anstieg, 1045 Meter Abstieg. Trotz des Regens war die Côte d’Azur Azur. Ich habe mich an den Steilküsten, den Palmen, Villen und Promenaden satt gesehen. Ein Traum. Mein Favorit: Nizza. Nicht wegen der Tour de France, aber das war auch speziell heute.

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SR20-09 Ginasservis – Fréjus

Ich hätte den Tag auch gut in meinem abgedunkelten Zimmer verschlafen können. Raus in die provençalische Hitze? Den ganzen Tag Radfahren? – Ach nö. So war meine Stimmung. Aber den Ruhetag hatte ich ja gestern schon. Mir war klar, dass ich, sobald ich auf dem Rad ein paar Kilometer gefahren bin, wieder ganz drin bin und mir nicht vorstellen kann, dass es jemals anders sein würde.

Nach ein paar Telefonaten und der Verabschiedung von der Wirtin brach ich relativ spät auf. Ich hinterließ wegen der Hilfe bei der Rad-Panne noch einen Obolus. Es war halbzwölf geworden. Aber dadurch, dass die Entfernung nach Fréjus überschaubar ist und es ans Mittelmeer ja bergab geht, machte ich mir keine weiteren Gedanken.

Luberon

Die Trockenheit im Luberon ist in dieser Jahreszeit normal, aber es ist wohl noch trockener als sonst. Bei unserem Ausflug nach Saint-Maximin machte mich Monsieur (der Wirt der Bergerie) auf die vertrocketen Felder aufmerksam. Die Sonnenblumen waren deutlich kleiner als in den bewässerten Flächen an der Durance. Und sie waren ziemlich braun. Überall stehen Schilder, die auf die Waldbrandgefahr hinweisen. Schäden an den Bäumen habe ich nicht wahrgenommen. Ich kam durch Eichenwälder, die ich gar nicht erwartet hätte. Die Region ist ansonsten durch Nadelgehölze, Kiefern und Pinien, geprägt. Und natürlich durch Feigen- und Olivenbäume.

Geschichte I in Régusse (ein Brunnen mit Trinkwasser) und…
Geschichte II in Apt: Es gibt in der Gegend immer wieder Hinweise auf die Résistance. Die Bildkomposition lässt zu wünschen übrig. Ich habe aber bei dem Gegenlicht nüscht gesehen.

Ich hatte bei 30 Grad einige Höhenmeter zu fahren, aber bei Aups ging es immer stärker bergab. In Lorgues machte ich eine Melonenpause. In dieser Gegend gibt es viele Obst- und Gemüsestände direkt von Produzenten an der Straße, wobei die Melonen wohl auch importiert werden. Wassermelonenfelder habe ich jedenfalls nicht gesehen. Noble Weingüter sind mir aufgefallen: ein Château wechselte das nächste ab. Verkostung natürlich und Weinhandlungen, um das zahlungskräftige Publikum von der Côte d’Azur zu bedienen, aber auch für normale Leute.

Lorgues
Weingut I
Weingut II

In Fréjus entschied ich mich nicht zuerst ins Hotel zu fahren, sondern gleich runter ans Meer zu rollen. Die Strecke Stuttgart-Côte d’Azur ist damit geschafft. Ein gutes Gefühl. Das Wasser war im ersten Moment eine schöne Abkühlung. Dann merkte ich nach einer Weile, dass es doch ziemlich warm und etwas verdreckt ist. Der Strand in Hafennähe war noch ganz gut besucht. Zwei Boote zogen fallschirmartige Teile mit jeweils zwei Leuten im Gehänge durch die Bucht.

Sieht aus wie ein Gebäude in Mali und ist Übungsgelände für’s Militär
Am Strand in Fréjus, in der Nähe des alten römischen Hafens.
Das Wetter wird schlechter, aber es wird wohl vor allem die Schweiz und Norditalien mit viel Regen treffen. Vermutlich komme ich mit ein paar Schauern davon.
Zweisprachige Ortsschilder sind hier üblich.

Auf dem Weg in mein Hotel besorgte ich Proviant für’s Abendessen. Als ich gerade zahlte, kam eine Frau herein und fragte lautstark mit tiefer Stimme nach „Päng!“. Antwort der Kassiererin, die auf ein Regal gleich rechts am Eingang zeigte: „Da ist doch Päng!“. Das Provençalische ist schon sehr lustig.

Fazit: 109 Kilometer (ohne den Umweg an den Strand wären es 95 gewesen); 990 Meter Anstieg, 1.427 Meter Abstieg. Der Luberon hat wunderschöne einsame Gegenden, bei denen man sich Gedanken um Wasservorräte und Reparaturzeug machen muss. Heute kam ich durch eine Landschaft mit mehr Infrastruktur, aber auch mehr Verkehr, je näher es an die Küste ging.

Corona-Hinweisschild in Lorgues
Der Wein vertrocknet hier.
Muss noch rausfinden, wie dieses haushohe Zuckerrohrschilf wirklich heißt. Es wächst hier überall an den Straßenrändern.
Nach einer Melonenpause kommt man wieder gut den Berg hinauf.
Gibt’s also nicht nur in Belgien – ich hab’s aber bei der Melone belassen.
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SR20-08: Ruhetag im Luberon

Heute morgen merkte ich die Anstrengungen der vergangenen Tage. Die viele Bewegung, die ungewohnte Hitze, Muskelkater, 964 Kilometer seit Stuttgart… Ich hatte nach dem Platten gestern schon beschlossen, heute eine Pause einzulegen und mich in Ruhe um die Reparatur zu kümmern. Ich hatte mich erst für 9 Uhr zum Frühstück angemeldet. Ich war auf der Terrasse der Bergerie Provençale der einzige Gast. Die anderen hatten schon das Weite gesucht.

Schlauchwechsel: Das Bild ist etwas verschoben, weil die Software für die Smartphone-Kamera so langsam ist. Deshalb habe ich auch viele Bilder von Händen und Hosentaschen. 🙁

Ich fragte die Wirtin nach einem Bus nach Manosque, um mich um Schläuche für’s Rad zu kümmern. Sie meinte, dass die Busverbindungen schlecht seien und ihr Mann mich mitnehmen würde. Er kam dann auch und sagte, dass es in Saint-Maximin einen Fahrradladen gäbe, der Scott-Räder handle. Wir fuhren gleich los, ca. 25 Kilometer eine Tour. Er machte das nur für mich und hatte nicht etwa noch anderes zu erledigen. Von wegen „mitnehmen“. Der Händler meinte, bis heute Abend sei das Rad repariert. Das war natürlich nicht nötig, denn ich hatte ja für den Schlauchwechsel alles da. Das Ventil schien mir etwas kurz zu sein, aber das Rad ließ sich gut aufpumpen.

Nach einer Mittagspause kümmerte ich mich um die weitere Tourplanung. Ich entschied mich, wie ursprünglich geplant, morgen nach Fréjus zu fahren. Das Mittelmeer ist das Fernziel schlechthin für die Tour, wobei jeder Tag bisher seine besonderen Reize hatte. Es heißt auch wieder die aktuellen Reisewarnungen zu lesen. Lässt mich Italien noch rein? Mal schauen.

Feigen am Wegesrand: Einige sind schon reif.

Im Restaurant der Bergerie gönnte ich mir ein Menü mit Fromage als Abgang. Herrlich.

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SR20-8 Avignon – Ginasservis

Ich hätte mir in Valence oder Avignon Zeit nehmen müssen, um zwei neue Schläuche zu kaufen. In Chambéry habe ich noch Läden recherchiert, die aber entweder geschlossen hatten oder erst am Nachmittag öffneten. Dann habe ich das mit den Schläuchen erst einmal wieder vergessen. – Nicht gut.

In der Nähe der Uni hatte ich mein Quartier.
In Avignon hätte ich beim Vélo-Händler noch zwei Ersatzschläuche kaufen müssen.

Ich hatte wegen der Corona-Infektionslage umgeplant und Aix-en-Provence und La Ciotat ausgelassen. Die ursprüngliche Idee war, möglichst bald ans Mittelmeer zu fahren und dann die Küste entlang bis nach Genua weiter zu kurbeln. Stattdessen bin ich heute nach Osten aufgebrochen. Pertuis kam mir noch zu nah vor mit 74 Kilometern. Also buchte ich mir weiter im Osten im Luberon ein Zimmer (Ginasservis). Die Route führte mich über kleine Ortschaften und Pertuis an die Durance. Die Landschaft ist von Bewässerungskanälen durchzogen. Es wird viel Obst, Gemüse und Wein angebaut. Die Feigen wachsen einem am Straßenrand in den Mund. Überall sind Olivenbäume zu sehen. Bei 33 Grad im Schatten hatte ich wieder viel trinken müssen. Es gab sehr steile und kurvenreiche Passagen. Hinter Pertuis aber hielt Komoot mir links von der Durance eine bergige Schotterpiste bereit, die nur für Mountainbikes geeignet ist. Da fiel mir ein, dass ich keine Schlauchreserve mehr habe.

Die Durance hinter Pertuis.
Luberon
Vor Pertuis musste ich bei über 30 Grad eine Weintraubenpause einlegen.
Cadenet im Hintergrund, von meinen Weintrauben aus gesehen.

Über eine Brücke kam ich wieder auf die andere Seite der Durance, das Ziel nicht mehr weit. Plötzlich stand ich vor einem gut gesicherten Doppelzaun. Das Navi hatte die Idee, diese Straße weiter zu fahren. Warum? – Ich versuchte, das Areal großräumig zu umfahren, was mir nicht gelang. Ich stand nach einigen Kilometern durch die reizvolle Berg-Landschaft des Luberon wieder am Zaun. Am Eingang zu der Anlage fragte ich nach meiner Herberge. Aber die hatten keine Lust auf das Thema und meinten, ich müsste den Weg wieder zurück. Also eine Sackgasse. Ich fuhr zurück auf die Hauptstraße und versuchte es in der anderen Richtung.

Kakteen säumten ebenfalls meinen Weg im Luberon.
Ein Teil der Route an der Durance war für mein Gravelbike fasst unpassierbar: steinig, steil, enge Kurven. Da muss es meinem Vorderrad den Garaus gemacht haben.
Bergsteiger am Luberon, im Tal der Durance. Durch die Dämmerung ist das Bild verwackelt.
Vor mir hat auf der wilden Piste jemand seine Kette geschrottet.
Durance: Rechts an den Luberon-Felsen ging mein Weg entlang.
Kurz vor dem Ziel, Ginasservis, ein Zaun. Was nun?

Da es dämmerig wurde, baute ich mein Vorderlicht an den Lenker, tauschte die Sonnenbrille gegen die normale und klärte noch einmal die Entfernung bis zur Herberge: ca. 9 Kilometer. Bis 22:30 Uhr Check-in, also kein Problem. Da merkte ich, dass die Luft im Vorderreifen nachgelassen hatte. Ich pumpte auf und fuhr ein Stück – wieder platt. Dann ging mein Vorderlicht aus – Akku alle. Rechts von mir der endlose Zaun der Forschungsanlagen: ITER-Zentrum von Cadarache mit dem Slogan „unlimited engergy“. Großartig. Bei mir gingen die Lichter aus, ich hatte einen Platten und Mitten in der provençalischen Pampa überall Zäune. Zum Glück war es bis zum nächsten Ort nicht weit. Ich schlingerte bis zur Auberge de la table ronde in Vinon sur Verdon und bat die Wirtin, mir ein Taxi zu rufen. Sie blätterte eine Weile in ihren Unterlagen und fand nichts. Ihr Mann blätterte eine Weile in den Unterlagen – und fand nichts. Dann hatte er eine Nummer auf seinem Smartphone herausgesucht. Ich tippte sie ab und rief an: Anrufbeantworter. Dann rief ich in meiner Herberge an und fragte, ob mich jemand abholen kann. Das war dann kein Problem. Der Inhaber kam nach ein paar Minuten mit einem kleinen Transporter, sodass wir das Rad auch mitnehmen konnten. Er meinte, die nächste Stadt mit Pneus zum Verkauf sei Manosque, ca. 25 Kilometer entfernt. Die Bergerie Provençale hat nicht nur einen Hotelbetrieb, sondern auch ein Restaurant, in dem noch Gäste waren. Die Wirtin, ich denke es ist ein Familienbetrieb, ich hatte wohl die Tochter am Telefon, die Wirtin nötigte mich, doch erst einmal das Bier, dass ich haben wollte, zu trinken und erst später mein Zeugs auf’s Zimmer zu schaffen. So tat ich denn auch. – Ein etwas wilder Tag mit glücklichem Ende.

Kanal an der Durance, zwischen Pertuis und Manosque

Fazit: Ca. 115 Kilometer, teilweise schweres Gelände und Rettung kurz vor dem Ziel. Was lernt mich der Plattfuß?: Ich muss mich mehr um meine Ausrüstung kümmern und zur Not auch mal einen Tag Pause einlegen. Und die Routenplanung muss genauer werden. Mal schauen, wie ich es morgen mache.

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SR20-07 Valence – Avignon

Vom Genfersee bis in die Provence führen Radfernwege, auf denen ich mich auch in großen Teilen bewegt habe. Heute war es die „ViaRhôna„, die gut ausgeschildert ist. Die Wegbeschaffenheit ist recht unterschiedlich, meist aber guter Asphalt. Die Nebenstraßen sind deutlich schlechter als in Savoyen. Bei der ViaRhôna nervten mich die vielen engen Kurven und Schranken, die Autos vom Befahren abhalten. Man passt zwar genau mit den beiden Radtaschen durch, muss aber trotzdem die Geschwindigkeit anpassen. – Luxusprobleme.

Wieder ein heißer Tag, dafür gut ausgeschildert.

Die ersten 73 Kilometer liefen so là là. Ich hatte irgendwie nicht die volle Kraft, bekam schon nach 50 Kilometern Hunger und musste in Viviers eine Mittagspause einlegen. Zum Frühstück („Le Box“) gab es auch nur Plastikessen: zwei kleine eingeschweißte Madeleines, einen Zwieback (warum?), ein Mikrogläschen Erdbeermarmelade, ein Ministückchen Butter, einen Mini-Naturjoghurt und ein Becherchenchen Apfelmus. Obwohl ich das 6,90-Euro-Corona-Frühstück mit Brot und Käse von gestern aufbesserte, war ich etwas kraftlos unterwegs. In Viviers rastete ich bei einer Bäckerei, ließ mir Quiche Lorraine und Getränke geben und erledigte E-Mails. Das Hotel in Avignon wollte von mir Fotos von meinem Ausweis und der Kreditkarte, um für meine spätere Ankunft nach dem Check-in Tür-Code und Tresor-Code für den Schlüssel zu schicken. (Tresor = coffre, habe ich dabei gelernt.) Die Fotos kamen nicht an, da die Booking.com-App Bilder nicht anzeigt. Irgendwo in der Wildnis war noch ein Telefonat nötig und meiner Übernachtung stand nichts mehr im Wege. Ich hätte den Check-in nur ohne Mittagspause erreicht, dafür war aber heute nicht der Tag.

Rhône-Brücke
… und noch eine
An der Rhône bei Montélimar: Auf der linken Seite des Flusses befindet sich das Département Drôme, rechts die Ardèche.
Kernkraftwerk Cruas bei Montélimar

Auf den offiziellen Radwegen waren wieder einige Ferntourer unterwegs. Ein junger Franzose fragte mich bei Montélimar, ob das der Weg nach Valance sei, was ich bejahte. Er war der erste, der mich fragte, woher ich käme. – Die Auenwälder boten in der Nachmittagshitze kühlen Schatten, waren aber nicht sehr verbreitet. Meistens fuhr ich unter freiem Himmel und leerte meine Wasservorräte schneller als mir lieb war. Die ViaRôna ist so angelegt, dass es praktisch keine Ortsdurchfahrten gibt. Bei meiner Komootplanung hätte ich etwas genauer hinschauen sollen. Bei 31 Grad im Schatten bei einem leichten Wind trocket man in der Provence halt schneller aus und braucht mehr Wasserstellen. Am Abend fuhr ich von einer Umgehungsstraße nach Caderousse hinein. Der Ort ist von einer dicken Mauer umgeben und ich musste erst einmal eine Lücke finden, um bei einer Pizzabäckerei Getränke zu besorgen. Ich war wieder ausgetrocket.

Die wenigen Brunnen, die ich in der Drôme, der Ardèche und jetzt im Département Vaucluse gesehen habe, führten kein Wasser. Am Radfernweg auch keine Wasserstellen. Man muss deshalb Pausen einplanen und gezielt in die Orte hineinfahren. Mit meinen zwei Standardflaschen in den Haltern am Rahmen kam ich immer nicht so weit. Für die weitere Tour werde ich in den Radtaschen noch Vorräte mitführen.

Abenddämmerung an der Rhône in Avignon

Als ich Avignon erreichte, war die Dämmerung schon weit fortgeschritten. Dafür bot sich ein stimmungsvoller Anblick: Die dunkelblaue Rhône, ein orangefarbener Saum am Horizont von den letzten Sonnenstrahlen und die Lichter der Stadt. Überall saßen die Leute in den Lokalen, es gab Musik und Lichtinstallationen auf verschiedenen Plätzen. Bei einer dieser psychedelischen Licht- und Musikaktion blieb ich stehen und ließ die Szenerie auf mich wirken. Die Musik beruhigte ungemein und war genauso psychedelisch wie die Lichtprojektionen an eine Kirche und ein Haus: bunte, schnell wechselnde Farben, Kaskaden von funkelnden Mustern und Formen. Festivalstimmung.

Licht- und Musikperformance im abendlichen Avignon. Das Video liefere ich noch nach.

Fazit: 156 Kilometer (bisschen viel bei der Hitze), flache Flusslandschaft und ein wunderbares Ziel – Avignon. 7 Tage von Stuttgart nach Avignon – passt. Durch die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes muss ich mal schauen, wie ich weiterfahre. Bouches-du-Rhônes mit Marseille steht auf der Schwarzen Liste, hätte ich auch nur gestreift. La Ciotat muss ich umplanen. Und was macht jetzt überhaupt Sinn? – Jeder Tag hat seine eigene Sorge…

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SR20-06 Chambéry-Valence

Ich musste heute morgen nochmal den Schlauch vom Vorderrad wechseln. Der Ersatzschlauch, gekauft in Neu-Ulm bei der Donau-Radtour, hatte ein Loch. Vielleicht habe ich das beim Einbauen selbst verursacht. Das Frühstück sollte auf dem „chapon fin“ serviert werden, so ein Zettel an der Eingangstür. Das Lokal der Herberge im Erdgeschoss war geschlossen. Keiner da, um zu fragen. Da es Kaffee im Zimmer gab beschloss ich, in der Altstadt zu frühstücken. Ich kehrte in einer Bäckerei ein, aus deren Backstube es ganz herrlich duftete. Da mir die Berge bevorstanden, frühstückte ich einen ziemlich großen Keks mit Nutellafüllung, für die schnell verfügbare Energie, einen Croissant, weil ich in Frankreich bin und ein Baguettebrötchen mit Schafskäse. Ich glaube, es war dann schon nach 11 Uhr, als ich schließlich aufbrach.

Ich arbeitete mich bei moderater Steigung langsam in den Berg hinein. Mal blieb ich auf der Landstraße Richtung Grenoble im Tal, mal führte mich die Route auf gut asphaltierte Nebenstraßen weiter oben. Auf der linken Seite, also im Westen, ragten die Berge bis auf 2.000 Meter auf. Viele Baumgruppen schimmerten in einem frischen Grün. Von bräunlichen Spätsommerfarben oder von abgestorbenen Bäumen, die unter Trockenheit leiden, wie das im Südschwarzwald der Fall war, war hier nichts zu sehen. Höher als 700 Meter musste ich nicht klettern und hielt immer wieder inne, um zu schauen und Fotos zu machen.

Bei Les Echelles ging es durch einen Tunnel steil hinunter ins Departement de l’Isère. Ich hatte noch weitere Bergarbeit vor mir. Auf dem 588 Meter hohen Sattel musste ich mich mit Sonnencrème einreiben. Die Wolken hatten sich verzogen, ich hatte weniger Schatten und die Strahlung unseres Zentralgestirns hatte zugenommen. Bei Voreppe erreichte ich die Isère, die ich bin kurz vor dem Ziel nicht mehr verließ. Auf dem sehr gut ausgebauten Radweg waren alle möglichen Radler unterwegs. Meine Wasservorräte gingen zu Ende. Es gab zwar eine Radtourenraststätte, aber keine Brunnen und keine Ortsdurchfahrten. Bald führte mich die Route hinauf auf kleine Nebenstraßen oder asphaltierte Wirtschaftswege, von denen ich tief ins Tal der Isère schauen konnte, Canyon würden es die Amerikaner wohl nennen. Ich kam durch etliche Walnussbaumplantagen, mal bewässert, mal nicht bewässert. Die Grenobler Walnüsse haben wohl eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Stand irgendwo auf einem Schild. – Ich trank das letzte Wasser und überlegte, an einer Nuss-Bewässerungsanlage meine Flaschen zu füllen oder auf den entlegenen Gehöften Bauern zu suchen. Bei La Sône fand ich schließlich einen Brunnen.

Nach etlichen Stunden kam ich gegen 18 Uhr wieder in eine Ortschaft mit Läden: Bourg-de-Péage. Ich war bei den Hinweisschildern etwas irritiert und fragte mich, ob ich jetzt mit dem Rad auch Péage zahlen muss… Ich hatte keine Mittagspause gemacht, nur einen Müsli-Riegel unterwegs gegessen. Ich war hungrig, verproviantierte mich und aß schnell ein Brötchen. Die restlichen 20 Kilometer fuhr ich mit Rückenwind und immer sanft bergab nach Valence. Die Dame im Hotel bot mir ein größeres Bett ohne Aufpreis (57,90 Euro), das Rad konnte ich in der Tiefgarage einschließen, aber das mit der Frühstücksbox habe ich nicht verstanden (sie Mundschutz und Schnellsprecherin – ich Mundschutz und Leisesprecher). Ich wollte immer das Formular, dass sie mir gab, ausfüllen. Am Ende hab ich die Box direkt mitbekommen. Das Zimmer ist herrlich groß und hat auch einen Kühlschrank. So bin ich für morgen früh gleich ausgerüstet. Ich will nach Avignon. Das ist noch ein Stück weiter als heute, dafür aber alles flach.

Fazit: 136 Kilometer, 1130 Höhenmeter Aufstieg, 1300 Meter Abstieg. Einsame Gegenden, eine türkisblaue Isère, die sich in einem Canyon durch die Berglandschaft schlängelt. Wer diese Tour machen will: genug Wasser mitnehmen oder vielleicht am besten in Voreppe zu Mittag einkehren.

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