SR20-8 Avignon – Ginasservis

Ich hätte mir in Valence oder Avignon Zeit nehmen müssen, um zwei neue Schläuche zu kaufen. In Chambéry habe ich noch Läden recherchiert, die aber entweder geschlossen hatten oder erst am Nachmittag öffneten. Dann habe ich das mit den Schläuchen erst einmal wieder vergessen. – Nicht gut.

In der Nähe der Uni hatte ich mein Quartier.
In Avignon hätte ich beim Vélo-Händler noch zwei Ersatzschläuche kaufen müssen.

Ich hatte wegen der Corona-Infektionslage umgeplant und Aix-en-Provence und La Ciotat ausgelassen. Die ursprüngliche Idee war, möglichst bald ans Mittelmeer zu fahren und dann die Küste entlang bis nach Genua weiter zu kurbeln. Stattdessen bin ich heute nach Osten aufgebrochen. Pertuis kam mir noch zu nah vor mit 74 Kilometern. Also buchte ich mir weiter im Osten im Luberon ein Zimmer (Ginasservis). Die Route führte mich über kleine Ortschaften und Pertuis an die Durance. Die Landschaft ist von Bewässerungskanälen durchzogen. Es wird viel Obst, Gemüse und Wein angebaut. Die Feigen wachsen einem am Straßenrand in den Mund. Überall sind Olivenbäume zu sehen. Bei 33 Grad im Schatten hatte ich wieder viel trinken müssen. Es gab sehr steile und kurvenreiche Passagen. Hinter Pertuis aber hielt Komoot mir links von der Durance eine bergige Schotterpiste bereit, die nur für Mountainbikes geeignet ist. Da fiel mir ein, dass ich keine Schlauchreserve mehr habe.

Die Durance hinter Pertuis.
Luberon
Vor Pertuis musste ich bei über 30 Grad eine Weintraubenpause einlegen.
Cadenet im Hintergrund, von meinen Weintrauben aus gesehen.

Über eine Brücke kam ich wieder auf die andere Seite der Durance, das Ziel nicht mehr weit. Plötzlich stand ich vor einem gut gesicherten Doppelzaun. Das Navi hatte die Idee, diese Straße weiter zu fahren. Warum? – Ich versuchte, das Areal großräumig zu umfahren, was mir nicht gelang. Ich stand nach einigen Kilometern durch die reizvolle Berg-Landschaft des Luberon wieder am Zaun. Am Eingang zu der Anlage fragte ich nach meiner Herberge. Aber die hatten keine Lust auf das Thema und meinten, ich müsste den Weg wieder zurück. Also eine Sackgasse. Ich fuhr zurück auf die Hauptstraße und versuchte es in der anderen Richtung.

Kakteen säumten ebenfalls meinen Weg im Luberon.
Ein Teil der Route an der Durance war für mein Gravelbike fasst unpassierbar: steinig, steil, enge Kurven. Da muss es meinem Vorderrad den Garaus gemacht haben.
Bergsteiger am Luberon, im Tal der Durance. Durch die Dämmerung ist das Bild verwackelt.
Vor mir hat auf der wilden Piste jemand seine Kette geschrottet.
Durance: Rechts an den Luberon-Felsen ging mein Weg entlang.
Kurz vor dem Ziel, Ginasservis, ein Zaun. Was nun?

Da es dämmerig wurde, baute ich mein Vorderlicht an den Lenker, tauschte die Sonnenbrille gegen die normale und klärte noch einmal die Entfernung bis zur Herberge: ca. 9 Kilometer. Bis 22:30 Uhr Check-in, also kein Problem. Da merkte ich, dass die Luft im Vorderreifen nachgelassen hatte. Ich pumpte auf und fuhr ein Stück – wieder platt. Dann ging mein Vorderlicht aus – Akku alle. Rechts von mir der endlose Zaun der Forschungsanlagen: ITER-Zentrum von Cadarache mit dem Slogan „unlimited engergy“. Großartig. Bei mir gingen die Lichter aus, ich hatte einen Platten und Mitten in der provençalischen Pampa überall Zäune. Zum Glück war es bis zum nächsten Ort nicht weit. Ich schlingerte bis zur Auberge de la table ronde in Vinon sur Verdon und bat die Wirtin, mir ein Taxi zu rufen. Sie blätterte eine Weile in ihren Unterlagen und fand nichts. Ihr Mann blätterte eine Weile in den Unterlagen – und fand nichts. Dann hatte er eine Nummer auf seinem Smartphone herausgesucht. Ich tippte sie ab und rief an: Anrufbeantworter. Dann rief ich in meiner Herberge an und fragte, ob mich jemand abholen kann. Das war dann kein Problem. Der Inhaber kam nach ein paar Minuten mit einem kleinen Transporter, sodass wir das Rad auch mitnehmen konnten. Er meinte, die nächste Stadt mit Pneus zum Verkauf sei Manosque, ca. 25 Kilometer entfernt. Die Bergerie Provençale hat nicht nur einen Hotelbetrieb, sondern auch ein Restaurant, in dem noch Gäste waren. Die Wirtin, ich denke es ist ein Familienbetrieb, ich hatte wohl die Tochter am Telefon, die Wirtin nötigte mich, doch erst einmal das Bier, dass ich haben wollte, zu trinken und erst später mein Zeugs auf’s Zimmer zu schaffen. So tat ich denn auch. – Ein etwas wilder Tag mit glücklichem Ende.

Kanal an der Durance, zwischen Pertuis und Manosque

Fazit: Ca. 115 Kilometer, teilweise schweres Gelände und Rettung kurz vor dem Ziel. Was lernt mich der Plattfuß?: Ich muss mich mehr um meine Ausrüstung kümmern und zur Not auch mal einen Tag Pause einlegen. Und die Routenplanung muss genauer werden. Mal schauen, wie ich es morgen mache.

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SR20-07 Valence – Avignon

Vom Genfersee bis in die Provence führen Radfernwege, auf denen ich mich auch in großen Teilen bewegt habe. Heute war es die „ViaRhôna„, die gut ausgeschildert ist. Die Wegbeschaffenheit ist recht unterschiedlich, meist aber guter Asphalt. Die Nebenstraßen sind deutlich schlechter als in Savoyen. Bei der ViaRhôna nervten mich die vielen engen Kurven und Schranken, die Autos vom Befahren abhalten. Man passt zwar genau mit den beiden Radtaschen durch, muss aber trotzdem die Geschwindigkeit anpassen. – Luxusprobleme.

Wieder ein heißer Tag, dafür gut ausgeschildert.

Die ersten 73 Kilometer liefen so là là. Ich hatte irgendwie nicht die volle Kraft, bekam schon nach 50 Kilometern Hunger und musste in Viviers eine Mittagspause einlegen. Zum Frühstück („Le Box“) gab es auch nur Plastikessen: zwei kleine eingeschweißte Madeleines, einen Zwieback (warum?), ein Mikrogläschen Erdbeermarmelade, ein Ministückchen Butter, einen Mini-Naturjoghurt und ein Becherchenchen Apfelmus. Obwohl ich das 6,90-Euro-Corona-Frühstück mit Brot und Käse von gestern aufbesserte, war ich etwas kraftlos unterwegs. In Viviers rastete ich bei einer Bäckerei, ließ mir Quiche Lorraine und Getränke geben und erledigte E-Mails. Das Hotel in Avignon wollte von mir Fotos von meinem Ausweis und der Kreditkarte, um für meine spätere Ankunft nach dem Check-in Tür-Code und Tresor-Code für den Schlüssel zu schicken. (Tresor = coffre, habe ich dabei gelernt.) Die Fotos kamen nicht an, da die Booking.com-App Bilder nicht anzeigt. Irgendwo in der Wildnis war noch ein Telefonat nötig und meiner Übernachtung stand nichts mehr im Wege. Ich hätte den Check-in nur ohne Mittagspause erreicht, dafür war aber heute nicht der Tag.

Rhône-Brücke
… und noch eine
An der Rhône bei Montélimar: Auf der linken Seite des Flusses befindet sich das Département Drôme, rechts die Ardèche.
Kernkraftwerk Cruas bei Montélimar

Auf den offiziellen Radwegen waren wieder einige Ferntourer unterwegs. Ein junger Franzose fragte mich bei Montélimar, ob das der Weg nach Valance sei, was ich bejahte. Er war der erste, der mich fragte, woher ich käme. – Die Auenwälder boten in der Nachmittagshitze kühlen Schatten, waren aber nicht sehr verbreitet. Meistens fuhr ich unter freiem Himmel und leerte meine Wasservorräte schneller als mir lieb war. Die ViaRôna ist so angelegt, dass es praktisch keine Ortsdurchfahrten gibt. Bei meiner Komootplanung hätte ich etwas genauer hinschauen sollen. Bei 31 Grad im Schatten bei einem leichten Wind trocket man in der Provence halt schneller aus und braucht mehr Wasserstellen. Am Abend fuhr ich von einer Umgehungsstraße nach Caderousse hinein. Der Ort ist von einer dicken Mauer umgeben und ich musste erst einmal eine Lücke finden, um bei einer Pizzabäckerei Getränke zu besorgen. Ich war wieder ausgetrocket.

Die wenigen Brunnen, die ich in der Drôme, der Ardèche und jetzt im Département Vaucluse gesehen habe, führten kein Wasser. Am Radfernweg auch keine Wasserstellen. Man muss deshalb Pausen einplanen und gezielt in die Orte hineinfahren. Mit meinen zwei Standardflaschen in den Haltern am Rahmen kam ich immer nicht so weit. Für die weitere Tour werde ich in den Radtaschen noch Vorräte mitführen.

Abenddämmerung an der Rhône in Avignon

Als ich Avignon erreichte, war die Dämmerung schon weit fortgeschritten. Dafür bot sich ein stimmungsvoller Anblick: Die dunkelblaue Rhône, ein orangefarbener Saum am Horizont von den letzten Sonnenstrahlen und die Lichter der Stadt. Überall saßen die Leute in den Lokalen, es gab Musik und Lichtinstallationen auf verschiedenen Plätzen. Bei einer dieser psychedelischen Licht- und Musikaktion blieb ich stehen und ließ die Szenerie auf mich wirken. Die Musik beruhigte ungemein und war genauso psychedelisch wie die Lichtprojektionen an eine Kirche und ein Haus: bunte, schnell wechselnde Farben, Kaskaden von funkelnden Mustern und Formen. Festivalstimmung.

Licht- und Musikperformance im abendlichen Avignon. Das Video liefere ich noch nach.

Fazit: 156 Kilometer (bisschen viel bei der Hitze), flache Flusslandschaft und ein wunderbares Ziel – Avignon. 7 Tage von Stuttgart nach Avignon – passt. Durch die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes muss ich mal schauen, wie ich weiterfahre. Bouches-du-Rhônes mit Marseille steht auf der Schwarzen Liste, hätte ich auch nur gestreift. La Ciotat muss ich umplanen. Und was macht jetzt überhaupt Sinn? – Jeder Tag hat seine eigene Sorge…

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SR20-06 Chambéry-Valence

Ich musste heute morgen nochmal den Schlauch vom Vorderrad wechseln. Der Ersatzschlauch, gekauft in Neu-Ulm bei der Donau-Radtour, hatte ein Loch. Vielleicht habe ich das beim Einbauen selbst verursacht. Das Frühstück sollte auf dem „chapon fin“ serviert werden, so ein Zettel an der Eingangstür. Das Lokal der Herberge im Erdgeschoss war geschlossen. Keiner da, um zu fragen. Da es Kaffee im Zimmer gab beschloss ich, in der Altstadt zu frühstücken. Ich kehrte in einer Bäckerei ein, aus deren Backstube es ganz herrlich duftete. Da mir die Berge bevorstanden, frühstückte ich einen ziemlich großen Keks mit Nutellafüllung, für die schnell verfügbare Energie, einen Croissant, weil ich in Frankreich bin und ein Baguettebrötchen mit Schafskäse. Ich glaube, es war dann schon nach 11 Uhr, als ich schließlich aufbrach.

Ich arbeitete mich bei moderater Steigung langsam in den Berg hinein. Mal blieb ich auf der Landstraße Richtung Grenoble im Tal, mal führte mich die Route auf gut asphaltierte Nebenstraßen weiter oben. Auf der linken Seite, also im Westen, ragten die Berge bis auf 2.000 Meter auf. Viele Baumgruppen schimmerten in einem frischen Grün. Von bräunlichen Spätsommerfarben oder von abgestorbenen Bäumen, die unter Trockenheit leiden, wie das im Südschwarzwald der Fall war, war hier nichts zu sehen. Höher als 700 Meter musste ich nicht klettern und hielt immer wieder inne, um zu schauen und Fotos zu machen.

Bei Les Echelles ging es durch einen Tunnel steil hinunter ins Departement de l’Isère. Ich hatte noch weitere Bergarbeit vor mir. Auf dem 588 Meter hohen Sattel musste ich mich mit Sonnencrème einreiben. Die Wolken hatten sich verzogen, ich hatte weniger Schatten und die Strahlung unseres Zentralgestirns hatte zugenommen. Bei Voreppe erreichte ich die Isère, die ich bin kurz vor dem Ziel nicht mehr verließ. Auf dem sehr gut ausgebauten Radweg waren alle möglichen Radler unterwegs. Meine Wasservorräte gingen zu Ende. Es gab zwar eine Radtourenraststätte, aber keine Brunnen und keine Ortsdurchfahrten. Bald führte mich die Route hinauf auf kleine Nebenstraßen oder asphaltierte Wirtschaftswege, von denen ich tief ins Tal der Isère schauen konnte, Canyon würden es die Amerikaner wohl nennen. Ich kam durch etliche Walnussbaumplantagen, mal bewässert, mal nicht bewässert. Die Grenobler Walnüsse haben wohl eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Stand irgendwo auf einem Schild. – Ich trank das letzte Wasser und überlegte, an einer Nuss-Bewässerungsanlage meine Flaschen zu füllen oder auf den entlegenen Gehöften Bauern zu suchen. Bei La Sône fand ich schließlich einen Brunnen.

Nach etlichen Stunden kam ich gegen 18 Uhr wieder in eine Ortschaft mit Läden: Bourg-de-Péage. Ich war bei den Hinweisschildern etwas irritiert und fragte mich, ob ich jetzt mit dem Rad auch Péage zahlen muss… Ich hatte keine Mittagspause gemacht, nur einen Müsli-Riegel unterwegs gegessen. Ich war hungrig, verproviantierte mich und aß schnell ein Brötchen. Die restlichen 20 Kilometer fuhr ich mit Rückenwind und immer sanft bergab nach Valence. Die Dame im Hotel bot mir ein größeres Bett ohne Aufpreis (57,90 Euro), das Rad konnte ich in der Tiefgarage einschließen, aber das mit der Frühstücksbox habe ich nicht verstanden (sie Mundschutz und Schnellsprecherin – ich Mundschutz und Leisesprecher). Ich wollte immer das Formular, dass sie mir gab, ausfüllen. Am Ende hab ich die Box direkt mitbekommen. Das Zimmer ist herrlich groß und hat auch einen Kühlschrank. So bin ich für morgen früh gleich ausgerüstet. Ich will nach Avignon. Das ist noch ein Stück weiter als heute, dafür aber alles flach.

Fazit: 136 Kilometer, 1130 Höhenmeter Aufstieg, 1300 Meter Abstieg. Einsame Gegenden, eine türkisblaue Isère, die sich in einem Canyon durch die Berglandschaft schlängelt. Wer diese Tour machen will: genug Wasser mitnehmen oder vielleicht am besten in Voreppe zu Mittag einkehren.

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SR20-5 Genf-Chambéry

Sonntags fährt es sich in der Regel immer sehr gut, zumindest ist am Vormittag kaum Verkehr auf den Straßen. So auch heute. Der Tag begann kühl bei 21 Grad, ich hatte es nicht eilig. Nach Chambéry, der Tagesetappe, sind es knapp unter 100 Kilometer. Da hinter Chambéry die Infrastruktur erst einmal recht dünn aussieht habe ich beschlossen, früher Station zu machen. Ich trödelte deshalb auch etwas und hielt oft wegen der schönen Landschaft an und machte Fotos.

Die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich war völlig unscheinbar. Im Vorbeifahren sah ich rechts einen aufgeklappten Schlagbaum. Das war es auf dieser Nebenstraße zwischen Soral und Viry. Fortan bewegte ich mich in Savoyen. Zu dieser Alpen-Landschaft gehört auch der Mont Blanc. Auf meiner Route hatte ich zwar auch ganz ordentlich zu klettern, aber alles moderat. Ich traf bei Seyssel wieder auf die Rhône, deren Ausfluss aus dem Genfersee mir noch vor Augen war. Im Ort gab es am Rathaus einen Platz mit Kriegerdenkmal (1. Weltkrieg), eine Wasserstelle und Schatten von alten Ahornbäumen. Ich beschloss eine Mittagspause einzulegen und Proviantreste zu essen. Ich traf auf zwei deutsche Fernradtourer, die ich unterwegs überholt hatte. Sie waren muffelig und grüßten auch dieses Mal nicht. An den Seen in der Schweiz waren hin und wieder Radler zu sehen, die mit Gepäck wie ich offensichtlich weitere Strecken fuhren. Das Straßenbild war aber vor allem durch Sportlerinnen und Sportler geprägt, die am Ort oder in der Region unterwegs waren – auffällig viele Frauen. Heute kamen noch die Sonntagsfahrer dazu.

Bis zum Lac du Bourget hatte ich in der prallen Sonne in recht hügeligem Gelände noch gut zu schwitzen. Hier und da sah man in den Gärten Palmen und sogar Bananenstauden und große Kakteen. Eigentlich ist das Departement Haute-Savoie Wintersportgebiet. Aber offensichtlich halten sich auch mediterrane Gewächse. – Schöne Vorboten auf die Provence. Am Lac folgte ich über weite Strecken der Uferstraße auf der linken Seeseite nach Süden. Das Wasser war in Ufernähe sehr flach und schimmerte grün. Einige Leute badeten. Links ragten Kalkfelsen schroff auf, sodass die Bahnlinie neben der Straße teilweise durch Tunnels geführt wird. Auf der gegenüberliegenden Seeseite ragt ebenfalls ein Berg steil auf, eine toll Alpenkulisse. Dahinter fließt die Rhône, von der ich mich wieder entfernte.

Weiter unten am Lac du Bourget kamen einige Badeorte, die stark frequentiert waren. Am Sonntag haben viele die freie Zeit genutzt und sind ins Wasser gesprungen. Chambéry liegt einige Kilometer südlich vom See. Ein komfortabler Radweg führte mich in die 60.000 Einwohner zählende Stadt, die auch Verwaltungssitz von Savoyen ist. Für 47 Euro habe ich ein Zimmer im Hotel Santal bekommen, direkt in der Altstadt.

Vor der Dusche habe ich noch den Schlauch von meinem Vorderrad gewechselt. Ich musste heute zweimal Luft aufpumpen. Das ist der Schlauch, den Burkhard in Ingolstadt geflickt hat. Er ließ offenbar wieder nach. Für morgen will ich gerüstet sein, denn nach Valence sind es über 130 Kilometer. Und Berge hat’s auch genug.

Ich schaute mir die Stadt noch etwas an und verlor eine meiner Masken. In der Altstadt ist Maskenpflicht. Ich holte dann im Hotel Ersatz und wollte etwas im Lokal um die Ecke essen. Da ignorierten sie mich aber. Mit meinen Fahrradklamotten sehe ich wohl nicht aus wie ein Gast. Am Pizzawagen hatten gerade ein Dutzend Jugendliche bestellt, sodass die Dame am Schalter meinte, dass es anderthalb Stunden dauere. Ich zischte nur eine Cola und ging zu einem lokalen Burger, bei dem die Schlange nachgelassen hatte. Ich ließ mir alles einpacken, um im Zimmer das Finale zu schauen. Da die Bayern die Champions League gewonnen haben, wird es draußen heute erfreulich ruhig bleiben.

Fazit: 98 Kilometer, 980 Höhenmeter, herrliche Savoyer Alpenlandschaft mit fantastischer Kulisse am Lac du Bourget. Ich bin jetzt schon südlicher als Lyon. Morgen will ich Valence erreichen, das nördliche Tor zur Provence.

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SR20-4 Gorgier-Genf

Ich finde das Schweizer Französisch sympathisch. Statt quatre-vingt-dix (vier mal zwanzig plus zehn) sagt man hier einfach nonante (neuzig). Das leuchtet mir unmittelbar ein und hätte mir in der Schule einiges an Kopfzerbrechen erspart.

Heute lief das Rad viel leichter als gestern, obwohl ich mehr Höhenmeter zu fahren hatte. Es war deutlich kühler, bis 27 Grad, und es ging kaum Wind. Die Straßen waren wie leergefegt: Wochenende. In Gorgier gaben die Alphörner ein Morgenkonzert. Auf den ersten Kilometern gab es eine kleine Regenschauer, sonst hielt sich das Wetter gut. Am Nachmittag kam die Sonne immer stärker zum Vorschein. Zwischen dem Neuenburger See und dem Genfersee (Lac Léman, wie man hier sagt) lag die Klettertour, praktisch noch in der kühleren Tageshälfte. Die Abfahrt in den Großraum Lausanne war rasant. Die Straßen ließen das schnelle Fahren zu. Das hat mir bei den ersten Tagen oft gefehlt. Entweder ließen es die Wege nicht zu, die Kurven waren zu eng oder der Belag zu schlecht. Oder es gab Bremser, an denen ich nicht vorbei konnte. Heute konnte ich also die am Berg gespeicherte Energie mal voll wieder ausfahren und war recht bald am Genfersee. Ich besorgte bei Aldi Suisse Proviant (den Pferdeschinken ließ ich aus, obwohl ich schon neugierig war) und rastete in Morges am Hafen auf einer schattigen Bank. Neben mir hatten es sich zwei Senioren ebenfalls mit Klappstühlen und Weißwein aus der Kühlbox gut gehen lassen.

Nach Genf war viel Straße zu fahren. Allerdings habe ich die Schweiz bisher sehr radfreundlich erlebt. Man hat auch entlang großer Straßen immer eine gelb markierte Fahrradspur. So auch in den Städten und Ortschaften, wenn es nicht zu eng wird. Kurz vor Genf hielt ich an einer Bucht, um den Blick auf den See aufzusaugen. Ich lief eine Hafenmauer hinaus in den See, konnte aber Genf, das rechterhand lag, trotzdem nicht sehen. Jugendliche grillten Würstchen, sprangen abwechselnd ins Wasser und hörten Musik, bei der es mehr auf Lautstärke und Rhythmus ankam. Zum Glück keine Schlager.

Der Tag war geprägt durch immer wieder wechselnde Ausblicke auf die Seen und Berge auf der anderen Seite. War der Neuenburger See gestern noch türkis, so zeigte er sich heute morgen im dunklen blau-grau bei wolkenverhangenem Himmel. Der Genfersee war eher blau-grün. Ich war recht früh im Hotel, 19 Uhr. Ich spazierte 200 Meter die Rue des Alpes vom Hotel zum See hinunter, um das Abendlicht mit der Genfer Stadtkulisse auf mich wirken zu lassen. Das Beau Rivage war festlich erleuchtet. In meinem Zimmer gibt es aber keine Badewanne. Es kann also nichts passieren. – Ich besorgte im Spätverkauf am Eck noch Elektrolyte, da mein Durst seit gestern nicht verschwunden ist, obwohl ich an jedem Brunnen ordentlich trank. Ein Indiz dafür, dass mir immer noch Salz fehlt.

Fazit: 109 Kilometer, 800 Höhenmeter. Eine entspannte, wenig anspruchsvolle Etappe mit fast ganztägigem Seeblick.

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SR20-3 Aarau-Gorgier

Heute war wieder ein Tag mit Sonne pur und deutlich über 30 Grad am Nachmittag. Der Gegenwind aus Südwest bremste mich etwas aus und ich hatte schon Sorge mein Ziel Gorgier nicht rechtzeitig zu erreichen. Ich hatte im Hôtel Les Tilleuls ein Zimmer mit Gemeinschaftsdusche für 47 Euro reserviert. Anreise bis 19 Uhr. Der Gegenwind hat oft den Effekt, dass man sich langsamer fühlt als man wirklich ist. Ich gönnte mir erst nach 80 Kilometern kurz nach 15 Uhr am Bieler See eine Pause. Da war abzusehen, dass die restlichen 40 Kilometer bis zur Unterkunft kein Problem mehr sein würden.

Psychologisch finde ich die weit einsehbaren Straßen und Radwege nicht so günstig. Vor allem nicht bei Gegenwind. Man hat dann noch weniger das Gefühl voranzukommen. Von den Seen abgesehen gab es viele solcher Wildweststraßen, die schnurgerade durch die Landschaft führten. Typischerweise sind viele Wirtschaftswege in den Feldern auch asphaltiert, sodass das Radfahren am Ende deutlich leichter ist als etwa in Polen, wo es in der Fläche doch noch viele schlechte Straßen und Wege anzutreffen sind. Wobei ich von Polen insgesamt positiv überrascht war, z. B. von den Radwegen in den Städten und in Podlachien.

Aufgrund der Hitze trank ich heute jede Menge Wasser und Cola. Am Bieler See wollte ich noch etwas essen. Aber in einem Migros, einer hier verbreiteten Supermarktkette, gab es nur Getränke. Deshalb beschloss ich, nur mit dem Cola-Antrieb das letzte Stück, ca. 30 Kilometer, zu fahren. Der Ausblick auf den Bieler See war fantastisch: türkisfarbenes Wasser, die Berner Alpen am Horizont und Segelboote und Yachten, die im See kreuzten. An einem Gewässer gelangte an den Neuenburger See. Es gibt offenbar eine schiffbare Verbindung zwischen beiden Seen. Bei Neuenburg (Neuchâtel) folgte ein Hafen dem anderen und ein Strandbad wechselte sich mit dem nächsten ab.

Ich fuhr nicht sonderlich effektiv, blieb am Ufer auch mal im Kies stecken, weil ich den Weg, den das Navi vorgesehen hatte, wohl nicht richtig interpretierte. Durch Baustellen und Unachtsamkeit hatte ich schon unnötig Zeit verloren. Vor Gorgier war ich dann auch noch in eine blöde Sackgasse gefahren. Blöd, weil unnötig Höhenmeter. Ich stellte den Maßstab am Navi etwas kleiner ein und nahm den letzten Schluck Wasser, um den Steilen Berg bis Gorgier noch zu nehmen. Kurz vor dem Örtchen tauchte am Wegesrand, immer noch hoch oben über dem Neuburger See, eine wunderschöne Burg auf, Mitten im Wald und wohl noch kaum touristisch erschlossen. Im Ort machte ich Rast an einem kühlen Brunnen und fragte nach der Adresse der Unterkunft. Sie lag vis-à-vis des Brunnens, nur etwas von einem Baum verdeckt.

Ansonsten: on parle français, französischsprachige Schweiz. Mit dem Wirt hatte ich kurz geklärt, dass mein Velo in die Garage darf. Er meinte, es passiere eigentlich nichts. Aber man weiß ja nie. Im zweiten Obergeschoss bezog ich meine Kammer und öffnete die Fensterläden: Der weite Blick auf den See in der altmodischen Kammer entschädigten mich für die Mühsal des Tages. Ein Traum. Das Essen im Hotelrestaurant war sehr gut und auch dringend nötig nach meiner Cola-Diät. Am Nachbartisch haben sie sich noch eine Crème Brûlée reingezogen. Ich kann heute nichts Süßes mehr sehen.

Für morgen Vormittag ist Regen angesagt, der sich aber im Laufe des Tages verziehen soll. Deshalb habe ich mir in Genf schon einmal ein Zimmer besorgt. Das Auswärtige Amt hat für Frankreich die Reisewarnungen aktualisiert. Die Infektionszahlen in den Departements Bouche-du-Rhône und Alpes-Maritimes sind stark gestiegen. Mal schauen, wie sich es weiter entwickelt.

Ein paar Daten von heute: 127 Kilometer (ein paar Umwege eingeschlossen), nur 700 Höhenmeter (bergauf), dafür Gegenwind. Wie viel, das schlage ich heute nicht mehr nach. Das mit dem Synchronisieren zwischen Wahoo-Navi und Komoot funktioniert in den täglich wechselnden WLAN-Netzen nicht. Deshalb gibt es hier auch noch keine Komoot-Daten. Der Foto-Download vom Handy macht mich auch wahnsinnig. Mein MacBook Air will das nur über die Bilder-App machen und zeigt keine Vorschaubilder. Nur die aktuellen runterzuladen ging auch nicht: Alle 4000 Fotos oder nichts. Festplatte voll. Nerv.

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SR20-2 Trossingen-Aarau

Die letzten Regenschauern waren bereits vorbeigezogen, als ich gegen 11 Uhr aufbrach. Das Gelände im Südschwarzwald war deutlich hügeliger als ich von der Karte her vermutet hätte. Dazu Sonne pur, um die 30 Grad im Schatten. Da freut man sich über eine kühle Quelle, um die Wasservorräte aufzufüllen und das kühle Nass zu genießen. Am Naturpark Schaffhausen, der zugleich die Grenze zur Schweiz bildet, fand ich in einem kleinen Ort die herrliche Quelle, von denen es ruhig mehr geben könnte. An der Donau war ich auch vorbeigekommen, ließ aber Donaueschingen links liegen.

Ich genoss Blick auf die dichten Wälder des Naturparks und machte an der Wutach in Ofteringen auf einer Bank im Schatten Mittagspause. Nach Küssaberg ging es ziemlich steil den Berg hinunter an den Rhein. Ich besorgte bei Edeka Getränke. Die Route sah eine Fähre auf die Schweizer Seite vor, die es aber wohl schon länger nicht mehr gibt. Ich fuhr deshalb den Rhein hinauf bis zur nächsten Brücke von Rheinheim nach Bad Zurzach. Grenzkontrollen gab es keine. Die Straße durch den Ort war wegen Bauarbeiten gesperrt, sodass ich etwas umherirrte, um meine Route über einen Umweg wiederzufinden. Im Ort lief ein Ritter oder etwas in der Richtung umher. Zumindest hatte er einen Degen, den er als Spazierstock benützte.

Der Weg vom Rhein an die Aare führte über eine vielbefahrene Straße über einen ziemlich fiesen Berg, den ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Von der Regionalen Schießanlage Grüt tönten Schüsse. Auf Passhöhe des Zurzibergs, so der Name, führte ein Weg von der Straße weg durch den Wald nach Döttingen an die Aare. Ich folgte dem Fluss bis zu meinem Quartier, dass etwas hinter Aargau liegt. Die letzten 30 Kilometer war ich etwas unterzuckert, sodass ich vor Aarau noch einmal Cola besorgen musste. Mit Käsebrot allein waren die Berge heute nicht gut zu machen. Mir fehlte ein Eis, aber bei der ländlichen Infrastruktur waren kaum Läden zu sehen. Ausnahme: Blumberg im Südschwarzwald. Da hatte ich für Gerhard eine alte Dampflok fotografiert. Die war gerade mit Wasser befüllt worden und dampfte vor sich hin, war aber noch nicht an die alten Waggons angekoppelt, die im Bahnhof auf ihren Einsatz warteten. Es war entsprechend Publikum am Gleis, mit Kameras und Palaver. An einem Imbiss gab es fettige Sachen und wohl auch Eis aus der Box. Aber das war mir nichts, ich suchte das Weite.

In Aarau fuhr ich an der Aare entlang, in der viele Leute badeten und in Lokalen den Abend ausklingen ließen. Kurz vor acht Uhr erreichte ich mein Ziel, das Hotel Storchen in Schönenwerd. Am Check-in konnte man alles am Computer selbst erledigen. Theoretisch. Nach Abschluss kam nur der Hinweis, dass ich mich um 15 Uhr noch einmal melden sollte. Das konnte ja nicht so ganz hinkommen. Eine Rezeptionistin löste die Technikfalle und verriet mir auch, wie ich den Velo-Raum finde.

Ich habe bisher vergessen, das Ziel der Reise zu erwähnen: Ich nenne es die „Südschleife“. Ich will über Genf und Chambéry ins Rhônetal und weiter in die Provence. An der Côte d’Azur soll mich die Reise an die italienische Küste führen. In Genua will ich dann wieder die Heimreise antreten: Mailand, Comer See und über den Splügenpass nach Chur und weiter am Bodensee vorbei nach Stuttgart.

Fazit von heute: 122 Kilometer, 1027 Höhenmeter Steigung, 1378 Meter Abstieg (laut Wahoo-Navi). Seeehr viel Sonne von vorne. Ich muss morgen noch ein paar Stellen mehr eincremen.

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SR20-1 Stuttgart-Trossingen

Ich war von mir selbst angenervt, dass ich erst kurz vor 13 Uhr zur diesjährigen großen Sommer-Radtour aufgebrochen bin. Ich habe die Gewittertage seit Sonntag genutzt, um Vorbereitungen zu treffen. Angefangen vom zweiten Ersatzschlauch, Routenplanung einschließlich Corona-Infos bis hin zum Putzen des Rads – es hat alles nichts geholfen, mal früher aufzubrechen. Kleinkram in der Wohnung wie Müll entsorgen, Abwasch machen, die Blumenbewässerungsanlage installieren: Es gab einfach noch zu viel Zeugs, einschließlich eines Projektberichts für’s Ministerium, der noch in die Post musste. Also wie immer.

Jetzt, in der Unterkunft, fühlt es sich schon fast wie Urlaub an. In den nächsten Tagen, mit mehr Abstand vom Alltag, wird sich der Erholungseffekt noch weiter einstellen. Dazu kommt die körperliche Fitness, die von Etappe zu Etappe zunimmt, wenn nicht eine unerwartete Malaisse mir einen Strich durch die Rechnung macht. Corona lauert natürlich auch überall. Also ist weiter Vorsicht geboten.

Weil ich schon etwas unter Zeitdruck war, nahm ich heute Mittag die S-Bahn nach Vaihingen. Auf diese Weise hatte ich die Höhenmeter vom Kessel schon hinter mir. Die Temperaturen lagen heute bei 26 Grad auf der Schwäbischen Alb, in Stuttgart vielleicht noch etwas höher. Ideales Radtourwetter. – Von meinem neuen Navi (Wahoo Elemnt Room) hätte ich erwartet, dass die kürzeste Wegstrecke zur ursprünglichen Streckenplanung berechnet wird. Die Software bot aber nur an zum Start zu navigieren. Da wollte ich natürlich nicht mehr hin. Also fuhr ich erst einmal auf Sicht rüber nach Möhringen in der Hoffnung, dass das Navi dann in der Nähe die Route wittern würde. So war es dann auch. Den ersten Tourtest hat das Wahoo sehr gut bestanden. Die Navigation ist sehr zuverlässig, lässt sich gut lesen und hat mir viel Zeit gespart. Genau das war ja wichtig, da ich spät dran war. Kleinere Abweichungen von der Strecke wurden dann auch brav mit den notwendigen Berechnungen zurück zur Route erledigt. Deshalb an dieser Stelle also nur einen kleinen Punktabzug. 65 Prozent des Akkus waren noch geladen. Das macht Freude und lässt auch größere Gewalttouren ohne Powerbank zu.

Mit der Komoot-Wegeplanung war ich heute zufrieden. Es gab vor Tübingen eine längere Abfahrt durch den Wald, mit Schotter- und Kieswegen. Das letzte Mal war ich an der Straße bis nach Tübingen runtergedüst. Das geht schneller, aber der Weg durch den Wald war im kühlen Schatten und ohne Verkehrslärm ganz schön. Man musste am Anfang des Waldgebiets und am Ende nur ein Wildgatter öffnen und schließen. In Tübingen machte ich nur eines der Touri-Fotos, die man haben muss. Statt Selfies bevorzuge ich Porträts von meinem Rad. Eine Trinkpause machte ich unterwegs nur in einem kleinen Ort, da die Bäckerei kalte Cola hatte und ich bei dem doch recht hügeligen Höhenprofil eine Zuckerdosis gebrauchen konnte. Auch die nächste Pause gönnte ich mir nur so lange wie es braucht, drei Kugeln Eis bei Hochsommertemperaturen wegzuschlecken. Das war in Hechingen. In Balingen gönnte ich mir mit Glockenschlag 18 Uhr die zwei Brötchen als Abendessen, die ich mir als Proviant eingepackt hatte. Das dürfte auch nicht mehr als 15 Minuten gedauert haben.

Ich genoss die Aussicht: Blick auf den Albtrauf und die Burg Hohenzollern bei Hechingen und den Blick auf den Plettenberg (1001,7 Meter hoch) mit dem Funkturm. In Schömberg (676 Meter hoch) kam ich an einem Stausee vorbei. Das Wasser war mir ausgegangen. Ich eierte etwas im Ort herum, aber es waren schon alle Bürgersteige hochgeklappt. Auch in den nächsten Orten waren kaum noch Leute draußen, die ich hätte ansprechen können, um meine Wasserflaschen zu füllen. In Frittlingen hatte ein Lokal noch geöffnet. Ich zischte ein Hefeweizen und war dann recht fix halbneun in Trossingen (700 Meter hoch). Ich habe mich für heute für 47 Euro in der Pension BeOne einquartiert, mit Gemeinschaftsbad und Küche zur gemeinsamen Benutzung. Den Schlüssel gab es in einer Box, die mit einem Zahlenschloss gesichert war. Der Code kam per SMS. Als ich ankam standen zwei Ukrainer und rätselten über das System. Ich verstand teilweise ihre Russischen Zahlen und erklärte es auf Englisch, was sie wiederum verstanden. Sicher Arbeiter, die morgen früh raus müssen.

Fazit der ersten Etappe: 101 Kilometer mit einigen Kletterphasen, gut asphaltierte Radwege, das Rad läuft wie am Schnürchen. Nur an das Gepäck muss ich mich erst wieder gewöhnen. Man muss es etwas ausbalancieren und es zieht am Berg natürlich. Aber dafür lief heute auch bei den Kletterphasen alles geschmeidig.

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9. Etappe (Ziel): Wittenberg-Magdeburg

Samstag, 20. Juni. Nach Magdeburg, unserem Ziel für diese Reise, wurden es 101 Kilometer, weil wir am Anfang in Wittenberg erst einmal ganz ordentlich im Kreis gefahren sind. Mein Navi behauptete mal wieder, keinen GPS-Empfang zu haben. Das alles war aber nicht weiter wild. Wir hatten es heute ja mit keiner anspruchsvollen Strecke zu tun und lagen gut in der Zeit. Um 9 Uhr saßen wir im Sattel – vor uns nur flaches Land. Der Wind begleitete uns auch heute, aber es gab deutlich mehr Sonne, was das Fahren im kurzärmeligen Trikot angenehm machte.

Bis Coswig fuhren wir durch dichte Auenwälder auf großzügigen glatt asphaltierten Straßen oder Radwegen. Dessau links der Elbe ließen wir aus und bogen in Roßlau rechts nach Zerbst ab. Wir kürzten damit die Rechtsbiegung der Elbe nach Magdeburg etwas ab. In Zerbst, der Hälfte der Tagesetappe, brauchten wir wieder etwas Energienachschub und aßen in einem Café ein Stück Kirsch-Baisé-Kuchen. Das Teil half uns wieder auf die Sprünge. Schließlich galt es, weiter gegen den Wind zu arbeiten.

Wir gedachten kurz Katharina der Großen, die aus Zerbst kam, und schlugen uns über Nebenstraßen bis zur Fähre nach Barby durch. Wir wunderten uns beide, dass die Elbe inzwischen nicht breiter als in Usti nad Labem oder Decin war. Wir folgten meinem Navi, das inzwischen ganz gut funktionierte und machten Station am Ringheiligtum in Pömmelte. Der Bedeutung nach kommt es wohl Stonehenge gleich und ist 4.000 Jahre alt. Hunger und Durst trieben uns weiter. In einem kleinen Lokal am Rathaus von Schönebeck machten wir Rast.

Das letzte Stück war geprägt von einem Platten 200 Meter vor dem Ortseingangsschild. Dieses Mal hatte es mein Hinterrad erwischt. Ein nur kleines Loch, das wir in geübter Manier flickten. Die Jugendherberge in Magdeburg erreichten wir gegen 17 Uhr. Ein Zimmer für uns war schnell gefunden. Damit endet diese Frühsommerreise nach 927 Kilometern und 9 Tagen. Ok, morgen noch die Zugfahrt nach Hause…

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8. Etappe: Riesa-Wittenberg

Freitag, 19. Juni. Die 96 Kilometer nach Wittenberg sind wir heute weitestgehend auf den Straßen gefahren. Der Elberadweg hätte die Reise verlängert, worauf wir heute bei dem Wind keine Lust hatten. Nach dem Mittagessen in Schmidtalia in Dommitzsch hatten wir eine Regenphase. Zuerst waren nur ein paar Tropfen zu spüren, dann leichter Nieselregen, der im Verlauf etwas stärker wurde. Dazu kam der Westwind. Der Vorteil, wenn man zu zweit ist: Einer kann vorne die Windarbeit machen, während der andere im Windschatten fährt und Kraft spart. Ich habe mich meistens ziehen lassen.

Ein paar Kilometer vor Wittenberg hörte der Regen auf. Mein Trikot trocknete durch die Körperwärme und den Wind ganz gut wieder ab. Im Bahnhof besorgten wir uns Tickets für die Rückreise am Sonntag ab Magdeburg und checkten im Hotel Brauhaus Wittenberg am Marktplatz ein.

Trotz der relativ kurzen flachen Strecke war ich heute etwas geschafft. Der Wind und der Regen kosteten Kraft.

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