Tag 11: Żerdziny-Angerburg (Green Velo)

Tag der schönen Wege. Ich war zuerst skeptisch, dass 60 Kilometer auf unbefestigten Wegen verlaufen sollten. So jedenfalls die Planung, die sich aus dem Green-Velo-Verlauf ergibt. Ich habe deshalb vorsichtshalber ein Stück des Wegs nach Goldap über die Landstraße abgekürzt. Danach bin ich wieder dem Routenverlauf gefolgt und war positiv überrascht. Die Sand-Kies-Wege waren meist sehr gut und schnell zu fahren und führten kaum durch Orte. Auch Autos waren kaum anzutreffen, dafür aber einige polnische Radtourer. – Woher ich das weiß, dass es polnische waren? Zum einen an der Begrüßung „Dzien dobry – Tach auch“ – und an Fragen, die ich natürlich nicht verstand. Streckenweise kam mir der Weg wie eine alte Bahntrasse vor – mal führte er über einen Damm, dann waren bahnstationsähnliche Häuser am Wegesrand zu sehen – und immer rechts schnurstracks durch die Landschaft.

Im letzten Haus Polens vor der russisch-litauischen Grenze habe ich übernachtet.

Links ist Russland (Oblast Kaliningrad), rechts ist Litauen. An der Säule laufen die Grenzen zusammen, auf dem Sockel durch Linien markiert.

Bevor ich mich auf die Tour begab, suchte ich den Grenzstein am Dreiländereck auf. Die angrenzenden Regionen haben sich mit Unterstützung der EU zusammengetan und die Ecke touristisch erschlossen (Green Velo). Eine Säule mit breitem Sockel macht den Verlauf der Grenzen, die an dem Punkt zusammentreffen, deutlich. Die Grenzen sind mit Linien markiert, die man gedanklich dann in die Landschaft verlängern kann. Zäune machen deutlich, dass es um eine EU-Außengrenze geht. Es wird natürlich davor gewarnt, mal auf die russische Seite zu spazieren. Und an Überwachungskameras fehlt es auch nicht. Wie angenehm war es doch, dann mal kurz auf die litauische Seite zu fahren.

Auf dem Wege ein Viadukt.

Auf dem Weg nach Goldap machte ich bei einem „ABC“-Lebensmittelladen halt, um Proviant aufzunehmen, vor allem Wasser. Am Lädchen gab es hübsch hergerichtete Sitzmöglichkeiten, Tische und Bänke. An einem überdachten Tisch saßen ältere Herren beim Bier. Es war kurz nach zwölf. Alkohlkonsum ist in Polen in der Öffentlichkeit nicht erlaubt, wird aber offensichtlich locker gehandhabt.

Brücke in Goldap am Green Velo.

Das Zentrum von Goldap ist, wie Augustów und Suwalken, um einen rechteckig angelegten Park gestaltet. Die Häuser, die an den Park grenzen, beherbergen Läden, Restaurants oder Hotels. Abends war zum Beispiel in Augustów dann auch noch Leben auf der Straße, was in der dünn besiedelten Region sonst zu fortgeschrittener Stunde nicht der Fall ist, wenn selbst die Hunde schlafen. In Goldap machte ich um zwei Uhr Mittagspause, vertilgte auf einer Bank im zentralen Park des Städtchens meine restliche Pizza, trocknete meine Handwäsche, die nach der Nacht noch feucht war (Radlerhose, Radlershirt, gelbneonleuchtende Socken) und machte ein Nickerchen.

Durch stille Landschaften, meist Weideland und Wälder, erreichte ich nach 96 Kilometern um halbsieben planmäßig Angerburg (Węgorzewo). Jetzt bin ich an der Masurischen Seenplatte angekommen. Morgen früh soll es regnen. Die Wettervorhersagen der vergangenen Tage waren für die Region unterschiedlich. Donnerstag und Freitag sollten Regentage werden, dann nur Freitag, jetzt soll der Regen auf den Freitagmorgen begrenzt bleiben. Bisher hatte ich mit dem Wetter Glück. So, wie es aussieht, kann ich morgen planmäßig weiter nach Gorowo Ilawiecki.

Angerburg

Niecierpek gruczołowaty (Drüsiges Springkraut), hat Ariane herausgefunden.

Dieser Beitrag wurde unter Polen, Radtour, Reisetagebuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.