Tag 13: Heilsberg-Elbing

Pünktlich um 10 blies der Türmer – oder wer auch immer – und leitete damit den Einkaufssamstag in Heilsberg ein. Zumindest machten da die meisten Läden auf und ich griff bei der Unterwäsche zu. Bis zum Waschsalon sind es nämlich noch 200 Kilometer zu fahren. Der Schnupfen, den ich seit Bialystok hatte, verschwand heute ganz. Die Sonne zeigte sich wieder von der besten Seite. Ich habe rausgefunden, dass das Schnupfenrisiko ab unter 24 Grad stark ansteigt. Es gibt den Fahrtschnupfen, der verschwindet, wenn man wieder zum Stehen kommt. Dann gibt es den Verkühlungsschnupfen, je nach Windsituation schon ab 22 Grad, vor allem wenn es am Abend oder späten Nachmittag schnell abkühlt. – Wie gesagt, mit steigenden Temperaturen war heute wieder alles in Butter.

Bis 17 Kilometer vor Elbing (polnisch Elblag – sprich Elblongk) bin ich durchgefahren. Bei der vielen Landschaft brauchte es eine Weile, bis mir ein Rastplatz gefiel. Eine Bank reichte. Kurz vor sieben war ich am Hotel und mitten im Elbinger Brotfest. Tagesbilanz: 97 Kilometer.

Hier spielt nun eine Band, während viel Volk unterwegs ist, um an den Ständen Bier und Leckereien zu holen. Auf der anderen Seite des Flusses Elblag ist der Rummel noch voll zu Gange. Die Buden und Stände sind in mehreren Straßen aufgebaut. Es gibt die unterschiedlichsten Brotsorten, die feilgeboten werden. Und da ist es wieder, das gute alte Fettbrot, Schweineschmalz, gesalzen, belegt mit längsgeschnittenen Gurkenscheibchen. Das Fett ist etwas aus der Mode gekommen und hat auch keinen so guten Ruf mehr.

Es gibt beim Brotfest sicher genauso viele Wurststände wie Brotstände. Buden mit Süßigkeiten dürfen nicht fehlen, dann gibt es Bier aus allen Himmelsrichtungen, Kunstgewerbliches und auch Tand und Tinnef. Die Menschenmassen schieben sich an den Buden vorbei, während die Band den Takt vorgibt. – Ich kehre unterdessen noch bei der Chinafrau ein, die den notwendigen Teller gebratene Nudeln serviert, nicht ohne eine polnische Note, einem Häuflein Krautsalat mit einem Hauch Karottenraspel.

Noch ein Wort zum polnischen Fernsehen. Es gibt die üblichen Formate, Nachrichtensendungen, Unterhaltungssendungen, Wissensmagazine, Spielfilme und Seifenopern. Vieles ist importiert nach dem Schema „Polen sucht den Superstar“. Seichte Filme werden mit Seitengezupfe unterlegt, um die Komik zu unterstreichen, wie bei uns. Die Nachrichtensprecherinnen haben die übliche die Mimik und Gestik drauf. Es gibt gute eigene Produktionen zu historischen Themen. Woran ich mich aber nicht gewöhnen kann, sind die schlecht synchronisierten Spielfilme. Während Tony Curtis, Jack Lemmon und Marilyn Monroe die Handlung vorantreiben, spricht eine polnische Stimme alle Rollen. Der Originalton ist im Hintergrund noch zu hören. Das irgendwie umzuschalten auf Untertitel oder nur Originalton ist mir noch nicht gelungen.

Morgen Danzig.

Elbing am Abend.

Idyllischer Weg, ich vermute eine alte Bahntrasse.

Futtersilos, eine Lagerhalle und Säcke mit irgendwas, vielleicht Dünger.

Verlockende Beeren, sehen größer aus, als sie sind.

Ein Bauer versucht sich in Flurbereinigung.

Bibliothek am Wegesrand.

 

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