Sechste Etappe: Saalfeld-Bad Dürrenberg

Ich mag das Fahren in den Abendstunden, in die Dämmerung hinein, wenn es im Hochsommer noch sehr warm ist. Als ich heute um halbneun in Bad Dürrenberg ankam, war es noch 26 Grad. Ideales Radfahrwetter. Schon bald nach Weißenfels war in der Ferne ein Schonstein mit leuchtender Gichtgasflamme der Raffinerie in Leuna zu sehen.

Die letzten 50 Kilometer ab Bad Kösen waren eine sehr gut zu fahrene Rennstrecke. Asphaltierte Radwege in der Saaleaue, kaum Anstiege. Ab Kösen wurde auch die Versorgungsinfrastruktur besser: Ein Supermarkt mit Bäckerei, Gasthöfe an der Saale, oft in Verbindung mit Bootshäusern von Sportvereinen. Saaleaufwärts muss man deutlich besser planen, wenn der Proviant knapp ist. Während in Polen auch überall kleine Läden in den Dörfern zu finden sind, ist mir zwischen Hof und Kösen nichts Vergleichbares an der Radroute begegnet. Bäckereien, Kioske und Lebensmittelläden – alle haben dicht gemacht.

Saaleck mit der gleichnamigen Burg

Dieses mittlere Saalestück besticht durch viele Burgen und kleine Weingüter. Kalksteinfelsen und Buntseinstein wechseln sich in dieser Landschaft ab. Die Steillagen ähneln denen am Neckar. Mit Kalkstein terrassierte Weinberge und Weindörfer. Alles aber sehr viel kleiner als in Württemberg. Das Landesweingut Kloster Schulpforta wirbt mit Silvaner, Portugieser und Lagenweinen. Die heute wieder gut ausgeschilderten Radwege zeigen einen Abzweig nach Freyburg an, nur 7 Kilometer von der Saale an der Unstrut gelegen, ebenfalls durch den Weinanbau bekannt.

Weinberg am Kloster Pforta

Zur Mittagspause kehrte ich auf dem Marktplatz in Jena in einem italienischen Restaurant ein. An einem Brunnen hatte sich eine Gruppe von Hobbyfotografen versammelt. Ein Volkshochschul-Referent, so stellte ich mir es vor, dozierte über die Brennweite und andere nützliche Dinge. Als ich meine Sachen zum Aufbruch richtete, gab es einen Kall. Mein Blick fiel unwillkürlich auf eine Frau und ihr Rad. Sie warf, noch fahrend, einen Blick auf ihr Hinterrad: platt. Den Schlauch hatte bei 33 Grad im Schatten die Hitze nicht vertragen. Oder war marode. Oder beides.

Marktplatz Jena

Auf der Strecke zwischen Saalfeld und Jena ist mir Schwarza bei Rudolstadt in besonderer Erinnerung. Kilometerlang erstrecken sich Rohrleitungen zwischen dem Heizkraftwerk, Fabrikanlagen und Wohngebieten. Fernwärme. Es gibt eine Papierfabrik und Chemieindustrie. BASF ist präsent und kleinere Firmen. Die Wohnhäuser wirken wie kleine Anhängsel zu diesem großen Industriepark.

Die berühmte Jenaer „Keksrolle“

Neben dem Weinbau prägten heute Pferde und auch mal frei weidende Kühe und Schafe das Landschaftsbild. Das Getreide ist längst abgeerntet. Der Mais steht vielerorts nur hüfthoch, weiter nördlich war er ganz verdorrt. Das habe ich noch nie gesehen. Kein Vergleich zum Süden. An der Donau war der Mais doppelt Mannshoch. Von Trockenheit keine Spur.

Pferdekoppel an einem Landhotel mit Blick auf Rudolstadt
Dorndorf
Felsenkeller am Wegesrand
Saalfeld, Lagen an der Saale
Weinberg bei Naumburg
Jena-Lobeda

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Fünfte Etappe: Hof-Saalfeld

Die Tour heute war anstrengend. Viele Berge waren zu nehmen, auch so steile Passagen, dass ich schieben musste. Das heiße Sommerwetter war ideal, sodass auch die Abendstunden nicht unangenehm kühl wurden. Zum Glück bin ich vom Gewitter, das angesagt war, verschont geblieben.

Hof wirkt irgendwie leer. Vielleicht lag es auch am Sonntagvormittag. Ich fuhr zuerst nach Oberkotzau. Die Tour verkehrt herum sozusagen. Als ich die Saale sah, war mir klar, dass etwas mit der Fließrichtung nicht stimmte. Ich hatte mich auch nicht sehr gut auf die Tour vorbereitet und zu viel dem Navi überlassen. Ich drehte um und fuhr ein zweites Mal durch Hof, dieses Mal am Saaleradweg, der sehr gut ausgeschildert ist.

Bald kam ich in dichten Wald. Irgendwo in der Nähe der Saalebrücke muss die innerdeutsche Grenze gewesen sein. Ich habe den Übergang nicht bemerkt und auch keinen Unterschied zwischen den Dörfern feststellen können. Die Wege an der Bleilochtalsperre führten in weiten Bögen um die gestauten Arme der Saale und ihrer Zuflüsse. Von den Uferstraßen und aus den Fichtenwäldern gab immer wieder schöne Ausblicke Angler, Segelboote, kleine Motorboote und auch ein Passagierdampfer waren zu sehen.

Saalebrücke

Ich begegnete ab und zu Radtourern und Sonntagsausflüglern auf dem Rad. Insgesamt war aber wenig Verkehr. Auf den oft gut ausgebauten Nebenstraßen, die durch die grüne Berglandschaft führten, begegnete ich kaum Autoverkehr. Viel frische Luft und nur die Rollgeräusche meines Rades und das Rauschen des Windes in meinen Ohren begleiteten mich.

Sparnberg

In Saalburg rastete ich kurz, um auf einem Campingplatz an der Bleilochtalsperre Wasser nachzufüllen und zwei Müsli-Riegel zu essen. In Ziegenrück, am Hohenwarte-Stausee kehrte ich in einem großen Lokal mit vielleicht 200 Plätzen auf der Außenterrasse und im Inneren ein. Es war niemand zu sehen, obwohl Getränke- und Eiskarten auf den Tischen lagen. An der Theke fand ich die Bedienung. Nach einem Schwarzwälderkirsch-Eis und einem alkoholfreien Hefeweizen war ein längeres Stück Bergarbeit dran, aber nur mit durchschnittlich 6 Prozent Steigung. Ich musste noch durch zwei, drei Bergdörfer klettern und wurde dann von einer langen kurvigen Abfahrt belohnt.

Ziegenrück

In Linkenmühle nahm ich für zwei Euro die Mühlenfähre. Gut, dass sie noch geöffnet hatte. Ich hatte mich, wie gesagt, nicht sehr genau mit der Strecke beschäftigt. Danach war wieder längeres Klettern dran. Die Abfahrt war etwas ruckelig, die Straße war nicht eben. Bis zu meinem Ziel, Saalfeld, waren Schotterpisten mit vielen Schlaglöchern zu fahren, was bei den steilen Abfahrten das Material ziemlich beanspruchte. Auf der ganzen Strecke gab es in den Wäldern mit Granitsteinen eingefasste Querrinnen als Straßenentwässerung. Diese vertieften Rinnen haben meinem Rad auch immer einen ziemlichen Schlag versetzt. Aber es ist alles gut gegangen.

Die Mühlenfähre im Einsatz.

Kurz nach halbneun erreichte ich mein Tagesziel Saalfeld. Rechterhand vom Ortseingang befindet sich die Schokoladenfabrik. In der Nähe kam ich in einer Pension unter. Ich hätte noch einen Döner gegessen, aber ich habe auf der ganzen Strecke nur einen gesehen. Und auch sonst ist die Gastronomie dünn gesät. Ich gab mich mit meinem Proviant zufrieden: Müsliriegel und Körnerbrötchen.

Brücke mit Fahrradsteg.
Sägespäneberge für die Papierfabrik in Blankenstein: Was ist, wenn’s stürmisch wird?
Abenddämmerung, ein paar Kilometer vor Saalfeld.

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