Tag 14: Elbing-Marienburg-Danzig

Die Ostsee, endlich. Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man nach so langer Reise, staubigen Wegen, weiten Landschaften und Großstädten am Ende einer schmalen Kopfsteinpflasterstraße dann plötzlich das Meer sieht. 

Der Tag begann in Elblag sonnig. Für die Tour nach Danzig hatte ich keine direkte Strecke gewählt, sondern einen Weg über Marienburg (Malborg), das Zentrum des Deutschen Ordens und Sitz des „Hochmeisters“. Die Landschaft war flach wie Flunder und die Wege gut asphaltiert, sodass ich mit einem Schnitt von gut 20 Kilometer pro Stunde in Marienburg ankam. So schnell war ich bisher noch nie. Die Sonne schien wieder kräftiger, bestes Fahrradwetter. 

In den Masuren sah ich, wie in den Dörfern die Leute in ihren Gärten Kartoffeln ernteten. Auch auf den Feldern wurden Kartoffeln eingeholt, große LKW-Ladungen auf dem Weg zur Kartoffelsortiermaschine. Im Straßenverkauf sah ich heute ein Angebot: 15 Kilo Kartoffeln für 15 Zloty (3,57 Euro). Cooler Preis. 

Die letzten Kilometer nach Danzig waren recht mühsam. Fies sind die Betonplattenwege mit den Querrillen. Da wird man ordentlich durchgeschüttelt. Ähnlich übel sind die hier verbreiteten sechseckigen Pflastersteine. Oder Nebenstraßen, die mit Schlaglöchern übersät sind und überall notdürftig ausgebessert sind. Man fährt dann Slalom. Was alles toppt: Kies-Sandpisten mit festem Untergrund und regelmäßigen Querrillen, wie sie Kettenfahrzeuge hinterlassen. Das ganze Rad vibriert irre und das Kribbeln in den Händen klingt lange nach. Der Weg nach Danzig führte durch Sumpfgebiete mit üppiger Vegetation. Nach den großen Betonplattenwegen folgten schmale Wege mit Betonsteinen, die regelmäßig angeordnete Löcher hatten, aus denen das Gras wuchs. Diese Dinger ließen sich noch ganz gut fahren, aber die Wege waren teilweise ganz ordentlich zugewachsen, Brennesseln ragten weit hinein, auch mal eine Weide. Ich kam dann an einer Stelle raus, an der es kein Ortseingangsschild gab. Dafür wurde ich mit alten, mit rotem Backstein gemauerten Befestigungsanlagen belohnt, die in der Abendsonne leuchteten.

Ich fuhr an der Altstadt mit ihren Kirchtürmen, den Hochhäusern, den Kränen im Hafen und dem Hauptbahnhof vorbei, um Viertelacht nach 102 Kilometer Tagesetappe mein Hotel am Ostseestrand zu erreichen. 

Im Waschsalon, nur drei Kilometer entfernt, ist mir ein Paar gleich behilflich, vermutlich die Besitzer. Schnell ist der richtige Waschgang und der richtige Trockner gefunden. Die Dame spricht Englisch. Dank gutem WLAN lädt mein Handy in einer rasanten Geschwindigkeit Fotos in meine Nextcloud hoch. 

Mein Zimmer liegt auf der Meerseite, dritte Etage. Die Brandung rauscht. Der Halbmond steht tief am Himmel, im Osten. Wunderbar. 

Marienburg wird, wie viele Städte in Polen, videoüberwacht. Wohl nur die City, denke ich.
Zu diesem Bier wird eine Legende erzählt, an einer Hauswand, passend zur Stadt.

Ein Mädchen probiert die Touri-Dusche gegen die Hitze an der Burganlage. Heiß ist es heute nicht, macht aber Spaß.
Am Ufer der Weichsel legte ich eine Mittagspause ein.
Was wollte der Künstler uns damit sagen?
Die haben nach der letzten Party im Dorf schlapp gemacht.
In Zaprasza hat jemand Humor.
Und hier ist die Zeit stehengeblieben. Für das Bild bin ich nochmal zurückgefahren. Schöner alter Mercedes aus Stuttgart.
In dem Sümpfen vor Danzig war meine Stimmung auf dem Nullpunkt angekommen.
Danzig.

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Tag 13: Heilsberg-Elbing

Pünktlich um 10 blies der Türmer – oder wer auch immer – und leitete damit den Einkaufssamstag in Heilsberg ein. Zumindest machten da die meisten Läden auf und ich griff bei der Unterwäsche zu. Bis zum Waschsalon sind es nämlich noch 200 Kilometer zu fahren. Der Schnupfen, den ich seit Bialystok hatte, verschwand heute ganz. Die Sonne zeigte sich wieder von der besten Seite. Ich habe rausgefunden, dass das Schnupfenrisiko ab unter 24 Grad stark ansteigt. Es gibt den Fahrtschnupfen, der verschwindet, wenn man wieder zum Stehen kommt. Dann gibt es den Verkühlungsschnupfen, je nach Windsituation schon ab 22 Grad, vor allem wenn es am Abend oder späten Nachmittag schnell abkühlt. – Wie gesagt, mit steigenden Temperaturen war heute wieder alles in Butter.

Bis 17 Kilometer vor Elbing (polnisch Elblag – sprich Elblongk) bin ich durchgefahren. Bei der vielen Landschaft brauchte es eine Weile, bis mir ein Rastplatz gefiel. Eine Bank reichte. Kurz vor sieben war ich am Hotel und mitten im Elbinger Brotfest. Tagesbilanz: 97 Kilometer.

Hier spielt nun eine Band, während viel Volk unterwegs ist, um an den Ständen Bier und Leckereien zu holen. Auf der anderen Seite des Flusses Elblag ist der Rummel noch voll zu Gange. Die Buden und Stände sind in mehreren Straßen aufgebaut. Es gibt die unterschiedlichsten Brotsorten, die feilgeboten werden. Und da ist es wieder, das gute alte Fettbrot, Schweineschmalz, gesalzen, belegt mit längsgeschnittenen Gurkenscheibchen. Das Fett ist etwas aus der Mode gekommen und hat auch keinen so guten Ruf mehr.

Es gibt beim Brotfest sicher genauso viele Wurststände wie Brotstände. Buden mit Süßigkeiten dürfen nicht fehlen, dann gibt es Bier aus allen Himmelsrichtungen, Kunstgewerbliches und auch Tand und Tinnef. Die Menschenmassen schieben sich an den Buden vorbei, während die Band den Takt vorgibt. – Ich kehre unterdessen noch bei der Chinafrau ein, die den notwendigen Teller gebratene Nudeln serviert, nicht ohne eine polnische Note, einem Häuflein Krautsalat mit einem Hauch Karottenraspel.

Noch ein Wort zum polnischen Fernsehen. Es gibt die üblichen Formate, Nachrichtensendungen, Unterhaltungssendungen, Wissensmagazine, Spielfilme und Seifenopern. Vieles ist importiert nach dem Schema „Polen sucht den Superstar“. Seichte Filme werden mit Seitengezupfe unterlegt, um die Komik zu unterstreichen, wie bei uns. Die Nachrichtensprecherinnen haben die übliche die Mimik und Gestik drauf. Es gibt gute eigene Produktionen zu historischen Themen. Woran ich mich aber nicht gewöhnen kann, sind die schlecht synchronisierten Spielfilme. Während Tony Curtis, Jack Lemmon und Marilyn Monroe die Handlung vorantreiben, spricht eine polnische Stimme alle Rollen. Der Originalton ist im Hintergrund noch zu hören. Das irgendwie umzuschalten auf Untertitel oder nur Originalton ist mir noch nicht gelungen.

Morgen Danzig.

Elbing am Abend.
Idyllischer Weg, ich vermute eine alte Bahntrasse.
Futtersilos, eine Lagerhalle und Säcke mit irgendwas, vielleicht Dünger.
Verlockende Beeren, sehen größer aus, als sie sind.
Ein Bauer versucht sich in Flurbereinigung.

Bibliothek am Wegesrand.

 

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