Der Wind hat sich mit unserer Fahrtrichtung nach Norden mitgedreht. Auf dem letzten Stück nach Semur kam er böig von der Seite. Auf unserem Programm stand heute die Basilika Ste. Marie-Madeleine in Vézelay mit den vielen figürlichen Darstellungen an den Kapitellen. Das bedeutete aber auch Bergarbeit, denn Vézelay liegt auf einer Anhöhe. Zur Basilika führt eine Gasse hoch. Wir schoben die Räder das letzte Stück. Es war 10 Uhr, aber keine Pilger zu sehen. Vézelay ist nämlich ein Wallfahrtsort.


In der Basilika gibt es ein spezielles Kapitell, nämlich die Darstellung von Eugène-Eugénie, die heilige Eugenia, einer Frau und Transgender, die im Okzident wie im Orient als Heilige verehrt wurde. Ariane gab mir den Lesetipp: Chloé Maillet, Des seins de moine à Vézelay. Eugène-Eugénie, nouvelle image transgenre au xiie siècle, https://doi.org/10.4000/gradhiva.3897.
In Avallon hielten wir Siesta und legten uns im Park bei einer Vauban-Statue schlafen. Gegenüber redete ein Mann unaufhörlich auf sein Telefon ein. Ich hörte mich nur kurz selbst schnarchen und war für eine halbe Stunde weggetreten. Burkhard spendete nach der Pause noch eine Feige, dann kurbelten wir in der Nachmittagshitze über kleine Landstraßen zu unserem Ziel Semur-en-Auxois.


Am Chateau d‘Époisse rasteten wir ein letztes Mal. An der Toreinfahrt hatte sich eine Gruppe Mädchen niedergelassen, die mit Rucksack und Wanderstöcken unterwegs waren, vielleicht Pfadfinderinnen. Ich grüßte „Bonjour!“, es ertönte die gedehnte Antwort im Chor „Bonjour, Monsieur!“ – Dann auf dem Rückweg: „Bon après-midi!“ und der Chor „Mer-ci-e, Mon-si-eur!“ Ich fühlte mich wie der Klassenlehrer.

Ein paar Kilometer vor Semur wurde ich zittrig, Unterzuckerung. Burkhard spendierte einen Riegel, der schnell wirkte. Die Anstiege und der Wind kosteten doch ein paar Körner mehr heute. Am Ende auch noch das wilde Kopfsteinpflaster in der Altstadt, das uns durchschüttelte. Unser Wirt hatte Mitleid mit uns und spendierte kaltes Wasser. Ob wir bei der Hitze Lust hätten auf ein kaltes Bier. Ich fragte, ob er auch Alkoholfreies hätte. Das nicht, aber vielleicht wäre ein Blondes auch ok. Bisschen wie Fisch für Vegetarier…














