SR21-01 Stuttgart-Bad Buchau

Die Idee dieses Jahr ist, nach Rom zu fahren. Ich habe etwas mehr Zeit als im vergangenen Jahr (5.-31. August) und das müsste von der Strecke etwa hinkommen, wenn Wetter, Rad und Gesundheit mitmachen. Rom eignet sich als Wendepunkt. Besondere kulturelle oder sonstige tiefsinnige Vorstellungen habe ich nicht. Die Priorität liegt wieder auf dem Sportlichen und den Sommer im Süden zu genießen.

Die erste Phase der Reise wird mich über den Splügenpass nach Genua führen. Die Strecke kenne ich schon vom vergangenen Jahr, aber in umgekehrter Richtung (bis zum Bodensee). Ich will die ligurische Küste weiterfahren, über die Toscana immer weiter in den Süden und dann nach Rom abbiegen und über den Appenin an die Adria und schließlich über das Timmelsjoch wieder zurück. Soweit die Grobplanung.

Gestern hatte ich einen Packtag eingeplant, war aber nicht mit allen Vorbereitungen fertig geworden. Ich hatte noch einen neuen Helm besorgt, der mir viel besser passt, ein langes Oberteil für die Berge und Kleinkram. Das Packen ist nicht so wild, wenn man Erfahrungen hat, aber die Abwesenheit für gut drei Wochen will auch organisiert sein. Und manche Terminsachen können nicht so lange warten. Nachdem ich in der Bibliothek noch zwei Sachen erledigt hatte, fuhr ich mit der U-Bahn nach Degerloch hoch, um Zeit zu gewinnen. So war ich schon einmal aus dem Kessel heraus.

Start in der Unibibliothek Stadtmitte

13:12 Uhr saß ich im Sattel. Das Navi fand meine Route nicht. Ich hatte sie ja von zu Hause geplant. Wahoo berechnet nicht den Weg auf die geplante Route, wenn man weiter entfernt ist. Mehr als 1,5 Kilometer können es aber nicht gewesen sein. Ein Manko. Ich fuhr nach Himmelsrichtung und meinen vorhandenen Geografiekenntnissen und traf bei Hohenheim auf meine Komoot-Route. Ab hier führte mich also mein Wahoo-Navi. Es begann verbotenerweise mit einem Tunnel unter der Autobahn am Flughafen, für den Räder nicht erlaubt sind. In einer verkehrsberuhigten Phase schlüpfte ich weitestgehend unbemerkt hindurch. An einer Keuzung faselte eine Mini-Fahrerin etwas von Radweg. Schwäbisch. Deshalb konnte ich Verben und andere Bestandteile von Sätzen nicht verstehen. Das Schwäbische ist mir nicht unsympathisch, aber in Stuttgart lernt man es net.

Erste Panne schon in Reutlingen
Gewitterregen
Luftpumpe bei Edeka – ein Traum. Mit meiner kleinen Pumpe hatte ich so meine Mühe.

Ich hatte neulich noch über die Radwege in Baden-Württemberg gewettert. In Bayern sei alles besser. Heute muss ich diese Aussage widerrufen. Ich bin positiv von der Schwäbischen Alb überrascht. Asphaltierte Wirtschaftswege, Radwege an den Straßen, In Reutlingen ein Radschnellweg. So lässt es sich fahren – wenn man Luft im Reifen hat. Als ich nach Reutlingen hinuntersausen wollte, spürte ich mein Rad hinten schwimmen. Ein Plattfuß. Ich wechselte den Schlauch (drei hab ich dabei), während die Gewitterwolken die ersten Tropfen von sich gaben. Und Donner. Mein Reifen hinten zeigte schon wieder spürbare Verschleißerscheinungen. Dabei hat er als größere Tour nur die Bayrischen Alpen und die Donau von Passau bis Ingolstadt hinter sich. Zwei Stellen sind leicht perforiert. Ich werde demnächst noch einen Reifen kaufen. In den Alpen sind die Radläden dünner gesät.

Kohlfeld bei Filderstadt
Albaufstieg: geniale Radwege, die einen vor den Autoabgasen schützen

In Pfullingen holte mich das Gwitter mit Macht ein. Ich floh vor dem Starkregen unter das Dach eines Hauseingangs und machte mir Gedanken, wie es weitergeht. Es war schon 17 Uhr. Ich überlegte, schon Station zu machen und morgen früher weiterzufahren. Andererseits hatte ich noch nicht das Gefühl, Sport gemacht zu haben. Als der Regen aufhörte, fuhr ich weiter und rief später meinen Wirt in Bad Buchau an, ob er mich auch nach 20 Uhr noch reinlässt. Die Rezeption hat zu dieser Zeit nämlich schon geschlossen. Das war kein Problem und ich fuhr weiter. Ab der Gegend um Riedlingen brauchte ich Licht. An der Donau traf ich einen Schweizer mit Rennrad und Profikluft. Er fragte etwas. Ich identifizierte es als Schweizerdeutsch, verstand nichts und antwortete mit „Bad Buchau“, wo ich hinwollte. „Das ist ja ganz woanders“, meinte er und fragte, ob ich da hinfände. Das verstand ich also und verwies auf mein Navi. „Dann einen Guten!“, sagte er. Ich rief ein norddeutsches „Ebenso“ hinterher.

Zwiefalten

In der Dämmerung sah ich einen Storch. Der wusste die Abendstunde auch zu nutzen und sammelte auf einer Wiese Frösche oder sonstiges Futter. Vor Bad Buchau gab es eine Umleitung, gleichzeitig fuhren die Autos geradeaus weiter. Mein Navi wies mir einen Weg am Federsee entlang. Ab Abzweig von der Straße stand eine Sperre, aber so, dass ein Rad noch vorbeifahren konnte. Meistens kann man Baustellen ja als Radler passieren. Aber von Baustelle war nicht die Rede. Ich ließ es drauf ankommen und fuhr die Holzstege durch das Schilf. Es war stockdunkel, die Enten schnatterten leise. Dann musste ich plötzlich bremsen: Stockenten flogen schimpfend weg. Sie hatten sich in das Wasser gekuschelt, das auf dem Weg stand. Auf der anderen Seite Stand eine Bank halb im Wasser. Dazwischen das stehende Gewässer des Federsees. Ich überlegte, wie tief das wohl sein mochte, wollte aber auch keine nassen Füße bekommen oder sonstige Überraschungen so kurz vor dem Ziel erleben.

Donau bei Riedlingen in der Dämmerung

Ich fuhr zurück auf eine Straße, die laut Navi nach wenigen hundert Metern abrupt endete. Zum Glück endete sie nur auf dem Navi und ich kam endlich an mein Ziel. Der Wirt war im Lokal noch am Schaffen, ein Italiener aus Esslingen. In der Pizzeria gegenüber gab es noch etwas zu essen. Ich war ausgehungert und dankbar über die hervorragende Pizza mit scharfer Soße und Knoblauch mit Öl. Ein wilder 1. Tag geht zu Ende.

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7. Etappe: Regensburg-Ingolstadt (Ziel)

Im Hotel Weidenhof waren wir die ersten beim Frühstück. Das Buffet wartete auch mit gut gekühltem Prosecco (Valdo) auf. Wir ließen uns heute mit dem Start auf dem Rad etwas Zeit, da Ingolstadt weniger als 100 Kilometer von Regensburg entfernt ist. Ich machte einen letzten Versuch, die Wahoo-App auf meinem iPad mit dem Navi über mein eigenes Smartphone-WLAN und Bluetooth zu verbinden. Ein Teil der mit Komoot geplanten Routen wurde synchronisiert, die Route für heute mal wieder nicht. Ich muss mir das zu Hause näher anschauen.

Regensburg am Sonntagmorgen

Burkhard übernahm wieder mit den Analog-Karten die Führung. An der Donau waren viele Joggerinnen unterwegs, Radfahrer natürlich auch. Burkhard hängte sich an einen Mountainbiker dran, der uns überholt hatte. Er kurbelte auf dem letzten Ritzel – viel schneller konnte er also nicht werden. Nach etlichen Kilometern verloren wir ihn, als wir über eine Straße abkürzten, um den schnellen Asphalt vor den Kieswegen auf den Donau-Deichen vorzuziehen. Kurz vor Kelheim trafen wir ihn wieder, aber unsere Wege trennten sich schnell wieder.

In Kelheim kamen wir gerade recht, um das Schiff zum Kloster Weltenburg zu nehmen. Die Fahrt dauerte eine Stunde, wir sparten uns aber schlecht passierbare steile Wege mit viel Geröll, vor denen uns Mountainbiker im vergangenen Jahr schon gewarnt hatten. Letztes Jahr wollten wir an der Donau nach Wien fahren und kannten den Weg zwischen Ingolstadt und Donaustauf schon. Damals waren wir dann wegen eines Regenbandes, das auch nach Wien unterwegs war, nach Tschechien abgebogen.

Ablegestelle in Kelheim für die Schiffe durch den Donau-Durchbruch
Auf dem Schiffsdeck: Ups, ein Hundchen unterm Tisch…
Der Donau-Durchbruch: an dieser Stelle ist der Fluss 20 Meter tief, die Fließgeschwindigkeit 2,5 Meter pro Sekunde.
Kloster Weltenburg

In Vohburg orientierten wir uns in der Ortsmitte, da wir die Radwegebeschilderung verloren hatten. Ich fragte eine ältere Dame nach dem Weg. Die antworte in breitem Sächsisch: „Nu, das wess ich ooch nich. Vielleicht fahrense mal in der Richtung ein Stück weider und guggn vorne nochmol.“ Auf dem Rathausdach klapperten unterdessen die Störche. Ein weiterer Einwohner wusste von früher, dass er mal mit dem Rad an der Donau nach Ingolstadt gekommen war. Und wusste den Weg dahin. Schnell fanden wir wieder auf den Donauradweg, der uns zuverlässig in die Altstadt von Ingolstadt führte. Es war kurz nach drei. Das Ziel unserer diesjährigen Tour ist erreicht – nach 900 Kilometern und 7 Tagen. Der Kreis zum vergangenen Jahr schließt sich, als wir uns in Ingolstadt für die Donauradtour trafen. Heute war ein Tag zum „Ausrollen“ mit nur 90 Kilometern und kaum Höhenmetern.

In Voburg klappert auf dem Rathausdach die Storchenfamilie (links oben).
Am Ziel in Ingoldstadt genehmigen wir uns unter roten Sonnenschirmen erst einmal ein Erdbeereis.
Beim Abendessen klären wir noch die Reisekasse.

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