Dritte Etappe: Ingolstadt-München

Heute bin ich erst spät aufgebrochen und trödelte etwas. Der Tag begann sehr sonnig. Zuerst kaufte ich einen USB-Adapter für die verschiedenen Anschlüsse (C, Mini und Mikro), um meine Powerbank aufladen zu können. Dann besorgte ich eine zweite Wasserflasche für’s Rad. Die notwendigen Läden waren in der Nähe des Hotels gelegen, sodass ich mich erst nach der Einkaufstour ausbuchte und in die City von Ingolstadt aufbrach. Da schlug die Uhr vom Liebfrauenmünster auch schon 12 Uhr.

Bin ich zufällig durchgefahren: Das Kreuztor ist das Wahrzeichen von Ingolstadt.

Ich fotografierte unterwegs viel und telefonierte. Die Wege führten mal näher an die Ilm heran, mal weiter weg. Eine Auenlandschaft mit Wäldern und Wiesen und Hopfenanbau. Auf einem Acker war die Kartoffelernte im Gange. – A Propos Hopfen. Die Preise für das Hefeweizen auf dem Lande sind schon faszinierend: 2,90 Euro in der Schlossgaststätte Bertoldsheim an der Donau. In Stuttgart sind dafür auch mal 4,50 Euro fällig.

Pfaffenhofen bot sich für die Mittagspause an, aber ich hatte noch keinen Hunger und machte nur Fotos von lustig bemalten Häusern. Ich rastete erst kurz nach drei Uhr in Hohenkammer. Ich musste mein Handy für die Navigation wieder aufladen. Ein Café in einem Supermarkt hatte keine Steckdosen. Eine Pizzeria hatte bereits geschlossen, aber eine Bäckerei mit Café hatte geöffnet und auch genug Steckdosen. Inzwischen war der Himmel zugezogen. Im Süden bauten sich Gewitterwolken auf.

An diesem Regenbogenhaus in Pfaffenhofen kam ich noch rechtzeitig zum Fotoshooting.

Über Unterschleißheim führten Schnellradwege nach München, schön asphaltierte Rennstrecken entlang der Ausfallstraßen. Im Olympiapark war mein Handy-Akku fast alle. Die gut 40 Prozent Ladung in der Bäckerei hatten nicht bis zum Ziel ausgereicht. Ich stöpselte die Powerbank an, die noch Strom hatte. Vom Olypiastadion tönte ein Konzert. Ein Rocker brüllte zu einem mächtigen Klangteppich aus E-Gitarren und Schlagzeugen, während Rikscha-Fahrer im Park umherkurvten. Die armen Gäste mussten sich dazu lästiges Geplärre aus mitgeführten Lautspechern anhören.

Begeistert war ich von den Radstraßen. Das sind genau die Rad-Highways, die in Stuttgart fehlen. Ganz normale Radwege fehlen natürlich auch. Kurz vor sieben Uhr erreichte ich mein Hotel in Laim. Nach dem Duschen ging ich zum Aldi um die Ecke, um drei leere Plastikflaschen abzugeben und Nachschub zu besorgen. Da rief mich mein Bruder an. Als ich fertig war, war der Laden zu. 20 Uhr. – Ich fuhr zum Hauptbahnhof, zum Marienplatz geht es wegen Bauarbeiten gerade nicht. Lidl zu. Rewe zu. Müller zu. In der ganzen City kein Spätverkauf. Die haben in München offenbar andere Ladenöffnungszeiten. Ich schlenderte etwas durch die Straßen und aß einen Döner. Immer noch mit meinen leeren Flaschen bewaffnet. Ich kam mir wie ein Flaschensammler vor, mit T-Shirt und Schlabberturnhose. Ein alkoholfreies Hefeweizen habe ich nicht bekommen, aber ein Frisör gegenüber von einem gut besuchten Puff hatte noch geöffnet und zahlreich Kundschaft.

Radstraße in München
Nachtleben im Bahnhofsviertel in München. Zwei Straßen weiter ist tote Hose.

Zurück im Hauptbahnhof fand ich einen Edeka. Auch da gab es kein alkoholfreies Hefeweizen, dafür wurde ich meine Flaschen los. Von außen sieht man den Bahnhof nicht, zumindest nicht vom Bahnhofsplatz. Es ist ein dunkles Gebäude mit ein paar Bauschildern. Eine große Baustelle, die sich offensichtlich auch nach den Ladenschlusszeiten richten muss. Hier bewegt sich kein Bagger mehr, kein Schild ist beleuchtet. Kaum zu glauben, dass irgendwelche Reisenden unterwegs sind. Innen ist dagegen alles normal, es herrscht Betriebssamkeit im abendlichen Neonlicht.

Ich bin nicht sicher, ob ich hier wirklich regelkonform eingekauft habe.

Fazit für heute: Sehr gut ausgebaute Radwege bis nach München hinein, eine schöne Landschaft entlang der Ilm. Und etwas Muskelkater.

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Zweite Etappe: Neu-Ulm-Ingolstadt

137 Kilometer :: 6:50 Stunden :: 1.170 Höhenmeter

Mit den beiden großen Gepäcktaschen führe ich 10,2 Kilo Gepäck mit. Es kommen noch zwei kleine Plastikwasserflaschen dazu. Also plus ein Kilo. Ich habe nämlich meine zweite Rad-Wasserflasche, die in die Halterung am Rahmen passt, nicht dabei. Ich muss sie irgendwo liegen lassen haben. Zweites Manko: Mein Mikro-USB-Ladekabel für die Powerbank hat es auch nicht ins Reisegepäck geschafft – oder ich habe es aus Versehen abgeworfen. Dumm auch, dass man die Powerbank mit Mikro-USB aufladen muss, während das Mobiltelefon Mini oder jedenfalls was anderes haben will. Da ich das Handy als Navi nutze, brauche ich nach ein paar Stunden Strom, wenn der Akku zur Neige geht. Mit anderen Worten: Ich muss das Handy in der Mittagspause aufladen, was Zeit kostet. Und morgen in Ingolstadt mal einkaufen.

Der Tag begann sonnig, aber mit Gegenwind aus Nordost, der mich etwas nervte. Mein Lieblingsschild an der Donau warnte vor „kopflosen Kanufahrern“. Auf dem dreieckigen Schild mit breitem roten Rad war ein Männlein zu sehen, dessen Kopf in einem Kanu steckte, dass er mit beiden Händen über sich trug. Die Wege an der Donau waren schön, sind aber keine Rennstrecken. Der Belag bestand in der Regel aus weißem Kalkstein-Kies. An der Donau sind bis nach Ingolstadt keine Wege durchgängig zu fahren, sei es, weil es die Auenlandschaft mit den verzweigten Donauarmen es nicht zulässt, sei es, weil größere Umwege zu nehmen wären, die ich mir sparen wollte.

Über Günzburg, vorbei am Atomkraftwerk Grundremmingen, Gundelfingen und Dillingen erreichte ich am Mittag Höchstädt, wo ich bei der Bäckereikette Ihl einkehrte, um mein Handy zu laden und Erdbeerkuchen zu essen. Das mit dem Kuchen in der Radlerpause habe ich von Kollege Jens. Die Kohlehydrate stehen für die weitere Radtour dann schnell zur Verfügung. Wirkt. – Zwischendurch war es etwas kühl geworden, aber die Wolken hatten sich zum Glück wieder verzogen. Leider gab die Steckdose nicht genug Strom her, jedenfalls dauerte es gefühlt eine Ewigkeit, bis ich mal 70 Prozent geladen hatte.

In Donauwörth haben sie Hubschrauber im Kreisverkehr. Grund: Hier ist Airbus Helicopters angesiedelt. Ich hatte mich schon gewundert, warum es in der Gegend ständig größere Flughäfen gibt. Strauß hat mit seiner Industriepolitik Bayern bis heute nachhaltig geprägt. Großindustrie plus Konservatismus. – Und so fährt man durch idyllische Städtchen und Dörfer, in denen es nach Mist stinkt, während sich Airbus-Helicopter und Bundeswehr-Kampfbomber am Himmel abwechseln. Airbus Helicopters wirkt beeindruckend modern und groß. Das Türschild verrät, dass auch die Bundeswehr in der Firma ihren Platz hat. Sehr praktisch. Man nennt es den militärisch-industriellen Komplex.

Nach Neuburg führten die gut asphaltierten Wege über ein paar steilere Anstiege. Am Ortseingang gab es einen schönen Blick auf das Schloss. Ich wollte ein Foto machen, was auch klappte. Aber Komoot machte wegen des niedrigen Akkustandes schluss und ich musste die Tagesetappe vorzeitig speichern. Am Schloss gab es eine kleine Pizzeria mit Steckdose, sodass ich für das letzte Stück das Handy nochmal laden konnte. Ich trank eine Apfelsinenbrause und fuhr die letzten 20 Kilometer in der untergehenden Sonne nach Ingolstadt. Mein linkes Bein zwickt etwas. Fühlt sich an wie eine Mischung aus Krampf und blauer Fleck. Das Abendessen: 1,25 alte Brötchen, 120 Gramm Schwarzwälder Landjäger (gut für die Elektrolyte) und eine Cola (gut für den Zuckerhaushalt).

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