6. Etappe: Prag – Děčín

Mittwoch, 17. Juni. Bis nach Děčín waren es heute 137 Kilometer. Unterwegs hatte sich das Smartphone abgeschaltet, weil der Akku alle war. Komoot hat wie wild nach der Strecke gesucht und mehr Strom verbraucht als sonst. Um nicht aus dem Rhythmus zu kommen, hab ich das Mobile bis zum nächsten Stopp ausgelassen, sodass Komoot nicht alles tracken konnte.

Beim Frühstück waren wir heute die einzigen. Wir saßen im geschlossenen Innenhof des Hotels in einem überdachten Wintergarten. Plötzlich tröpfelte Regen auf’s Dach. Das war aber auch das einzige Wasser, das wir heute von oben sahen. Zunächst begann der Tag bedeckt, die Sonne kam aber immer mehr zur Geltung, sodass wir die letzten Abschnitte nach Usti und Děčín ordentlich ins Schwitzen kamen.

In Prag hatten wir nach dem Start um halbneun viel Zeit verloren, um aus der Stadt hinaus zu finden. Nüscht beschildert. Für die Fahrradrouten gibt es ansonsten kleine, gelbe rechteckige Schilder, die die Nummer des Radwegs und den nächsten größeren Ort verraten. In Prag verließen uns aber diese Helferlein und auch die Wegweiser für die Autos halfen nicht. In Troja funktionierte mein Navi wieder, sodass wir schnell auf passable Radwege an der Moldau fanden.

Bei Rez überquerten wir die Moldau und mussten uns aus dem Tal auf ein Hochplateau arbeiten. Ein Traktor scheuchte uns den Berg hinauf und bog dann glücklicherweise auf ein Feld ab. Das Plateau ließ sich energiesparend fahren, es flachte zur Moldau hin gleichmäßig ab. Wir sparten uns dadurch eine Flussschleife und kürzten die Strecke ab. In Nová Ves u Nelahozevsi wiederholen wir die Strategie der Abkürzung, verpassten aber auch den Zusammenfluss von Moldau und Labe (Elbe) in Melnik. Halbeins kehrten wir in Roudnice zum Mittagessen ein. Wir gönnten uns nur eine Stunde Pause, was auch reichte.

Bis nach Usti nad Labem kletterten wir noch einen Berg hinauf, der kein Ende zu nehmen schien. Hinter jeder Kurve ging es nur noch steiler nach oben. Ein Schild verriet 12 Prozent Steigung, wobei sich das nicht so gleichmäßig verteilte. Mit den Bergen hatten wir ja inzwischen Erfahrungen gesammelt und waren gut motiviert hinaufgekommen. Halbfünf erreichten wir Usti und legten eine Verpflegungspause ein: Cola, Sprite und Kuchen mit Waldbeeren. Auch die vom Frühstück noch als Proviant mitgeführten Bananen waren schnell aufgefuttert. Auf dem Weg über die Labe-Brücke sprang mir die Kette vom vorderen kleinen Ritzel. Ich fädelte sie mit dem Mantelheber wieder ein. Der Sound der Kette hatte sich von Quietschen (nach dem Regen an der Donau) nach der gestrigen Ölung heute zu einem fetten Schmatzen verändert. Sie hat viel Dreck von der Straße aufgenommen.

Während in Tschechien bis jetzt gute Radwege Mangelware waren, wurden wir ab Usti für die letzte Tagesetappe mit einer glatt asphaltierten Rennstrecke entlang des Flusses belohnt. In Děčín, unserem Zielort für heute, kehrten wir gegen halbsieben im Kronenhotel ein. Es ist auf Radtourer eingestellt.

Übrigens sind wir in den vergangenen beiden Tagen kaum Radfahrern begegnet, die wie wir mit Gepäck über’s Land ziehen. Während die Tschechen oft mit modernen Rennrädern oder ähnlichen Radsportmitteln und Funktionskleidung unterwegs sind, gibt es jedoch kaum Fernreisende. Das wird sich in den Ferien sicher noch ändern.

Fotografiert habe ich heute nur einen Bunker an der Elbe vor Děčín. Wir sind die Tagestour ziemlich durchgezogen und ich fotografiere nicht mehr beim Fahren. Ich hasse es ja auch, wenn sich der Bildschirm abschaltet beim Navigieren und man die sechsstellige PIN eingegeben muss, um wieder etwas zu sehen. Komoot läuft halt nicht rund. Hatte ich ja schon gesagt. Mit Burkhards Straßenkarte verlieren wir das Ziel nicht aus den Augen.

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