Nach 675 Kilometern, auf halber Strecke nach Rom, habe ich einen Ruhetag eingelegt. Cremona schien mir dafür ganz gut zu sein. Zum einen ist die Stadt groß genug, dass ich Fahrradzubehör einkaufen kann. Zum anderen eignet sich die Altstadt zum Flanieren ganz hervorragend.
Piazza Lodi mit Stradivari-Denkmal, wie auf vielen Plätzen in Cremona
Den ersten Fahrradladen hab ich gar nicht gefunden. An dieser Adresse war schlicht nichts mehr. Bei der zweiten Adresse hatte der Chef ein Schild hängen, dass wegen Urlaubs geschlossen sei. Ich fuhr schließlich zum Decathlon: kein einziger Reifen in meiner Größe. Immerhin habe ich den letzten Schlauch bekommen und eine gescheite Handluftpumpe. Meine alte Pumpe hat sich als untauglich erwiesen.
„Vom 4. bis 21. August geschlossen“: Die Übernachtungspreise am Mittelmeer und die Ferien der Ladenbesitzer sprechen dafür, das nächste Mal wieder später aufzubrechen. Hurra, ein Fachgeschäft, das geöffnet und meinen lang ersehnten Reifen hat…… ein Faltreifen, sodass die nächste Panne fernab von größeren Städten, kommen kann. Der Verschleiß vom Hinterrad macht mir ja etwas Sorgen. Jetzt kann ich auch wieder Luft aufpumpen: „La pompa“ hat ein Innengewinde für das Presta-Ventil, kann bis 6 Bar – 5 ist aber bei mir das Maximum, sonst fliegt mir der Reifen um die Ohren.
Bei den Besorgungen erkundete ich die Altstadt mit ihren vielen Gassen, dem Museo del Violino, den vielen Stradivari-Denkmälern und Geigengeschäften und machte auf der Piazza Lodi Mittagspause. Dann bezog ich Quartier, um Siesta zu halten. Mein Hotel befindet sich in der Nähe des Doms, an der Piazza della Pace. Nun bleibt für heute noch Zeit, etwas Tourplanung zu machen, Wetterberichte zu lesen und die Faszien auf den Tag morgen vorzubereiten.
Violinen-Museum…… eine Violine undViolinenwerkzeug vom Meister selbst.
Ich habe noch nie so durstige Tauben gesehen. Am späten Nachmittag hatte es 33 Grad im Schatten. Kein Grund das Bild zu kippen – werde ich WordPress mal sagen.
Nebenstraße in der Altstadt: So leer war es fast überall am Nachmittag. Erst am Abend kehrt wieder etwas Leben ein. Von Tourismus ist aber nicht viel zu sehen. Es gibt im August nur noch zwei Konzerte, was man so lesen konnte, aber es sind ja auch Ferien.
Ich musste heute kurzfristig umplanen. In Genua und auch sonst in der Nähe gibt es praktisch keine bezahlbaren Zimmer mehr. Hochsaison. Vor einigen Wochen hatte ich mich natürlich informiert. Aber es gibt offensichtlich zu viele Kurzentschlossene. Es hatte eine Weile gedauert, meinen schönen Plan zu verwerfen und umzudenken. Ich nehme jetzt den „Weg durch die Mitte“ über die Toscana. Deshalb bin ich heute in Cremona rausgekommen.
In Pavia war ich bei „meiner Radwerkstatt“ vom vergangenen Jahr pünktlich zehn nach 12 Uhr, dem Beginn der dreistündigen Mittagspause. Hab ich im Internet zwar gesehen, aber ich hatte gehofft, dass die Daten nicht mehr aktuell sind. Ponte Coperto in Pavia: Über den Fluss bin ich gestern in der anderen Richtung gefahren, der Tessin.Musste ich in der Altstadt von Pavia einfach fotografieren: Signore mit den Lederradtaschen von vor dem Kriege. Leider saufen die Bilder mit der Smartphone-Kamera in dunkleren Bereichen immer ab und es gibt Artefakte. Aber es sind wirklich braune Ledertaschen, wahrscheinlich vom englischen Picknick-Ausstatter.
Die Landschaft hier in der Po-Ebene ist unspektakulär. Die Komoot-Route wollte mich immer im Zick-Zack durch die Landschaft führen. Ich habe aber die gerade Straße bevorzugt, zumal ich schon Zeit durch die Umstellung der Reise verloren hatte und nicht zu spät im Quartier sein wollte. In der Mittagspause buchte ich mir ein Hotel. Eine Signora rief an und meine, dass das Hotel geschlossen sei, sie aber eine Alternativadresse sendet. Die Info kam dann später am Abend per WhatsApp, als ich mit der Albergo Visconti schon eine Alternative hatte. Wahrscheinlich war meine Internetverbindung zwischendurch nicht gut. – Das Angebot ist verlockend: Ein Upgrade auf vier Sterne. Ich wollte ja sowieso einen Ruhetag einlegen und mal Materialpflege betreiben. Denn beim Radhändler war ich ja immer noch nicht, obwohl ich das schon seit Tagen auf dem Zettel habe. Und meine Badehose habe ich vergessen…
Wasser gibt es in der Ebene genug, aber keinen Druck. Türmchen wie dieser helfen ab.Scotti war ein berühmter Reis-Unternehmer und wird am Firmenstandort geehrt.
Ich bin also doch nicht am Mittelmeer. Vorerst. Nach Rom komme ich auch so. Weiter im Süden waren noch Zimmer an der Küste zu bekommen. So hoffe ich, das mich die Rückreise zumindest zum Teil am Meer entlang führt.
War abends noch kurz beim Lidl: Der Tiefkühler sieht hier etwas anders aus als bei uns. Deshalb geht man ja auf Reisen (unter anderem): um zu sehen, was man auch anders machen kann. Dom in Cremona mit Baptisterium (rechts).Cremona weiß, was Radfahrer wollen: Als ich halbsechs an dem Wasserhahn vorbeikam, hatte es 32 Grad im Schatten.Stradivari vor seinem Haus
Ich habe heute etwas Probleme mit dem Synchronisieren zwischen Wahoo-App auf dem iPad, dem Navi und Komoot und Strava – warum auch immer. Die Komoot-Radtour von heute liefere ich an dieser Stelle noch nach. Die 3,5 Kilometer vom Stadtzentrum in Cremona bis zum Hotel hat „er“ brav verarbeitet. Das, was man nicht braucht…