SR20-17 Ruggell – Lindau (letzter Tag)

Die Quarantäne-Regeln für Rückkehrer aus Risikogebieten sind eindeutig: nach Einreise direkt nach Hause. Ich hatte noch bis Stuttgart per Rad geplant, aber es ist wie es ist. Ich habe mich in der Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur aufgehalten, als die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes per Newsletter kam. Also war in Lindau heute für mich das Ende der Sommer-Radtour 2020. Ich hätte es fast bis Stuttgart geschafft. Morgen. Aber es ist sowieso Regen angesagt und ich hatte auf der ganzen Reise Glück mit dem Wetter. Außerdem ist mein Schnupfen nicht besser geworden.

So richtig wahrhaben wollte ich gestern Abend noch nicht, dass meine Tour heute zu Ende ist. Ich hatte noch Handwäsche gemacht und erst nach dem Essen im Restaurant des Landgasthofs in Ruggell mich noch einmal näher mit den Corona-Bestimmungen befasst. Also Endstation in Lindau am Bahnhof. Ich frühstückte spät, erst um 9 Uhr. Ich war der einzige Übernachtungsgast und die Hotel-Inhaberin war froh, dass ich nicht früh aufbrechen wollte. Das Frühstück war hervorragend. Das einzige, das dem ich auf der ganzen Reise dieses Prädikat ausstellen kann.

Blick zurück: der Rheintalradweg bei Liechtenstein

Meine letzte Etappe war einfach: Am Rheinradweg entlang bis Bregenz und dann rüber auf die deutsche Seite nach Lindau. So machte es nichts, dass das Navi beim Start einen Hänger hatte. Ich fuhr auf Sicht, blieb auf der österreichischen Seite und folgte der Beschilderung. Es war warm, 25, 26 Grad. Am Bodensee hielt ich inne. Von deutscher Seite ist die Sicht natürlich interessanter, da man die Alpenkulisse im Hintergrund sieht. Den Grenzübergang habe ich nicht wahrgenommen. Es gab keine Hinweise. Lindau war mit Touristen überfüllt. Ich bekam einen durchgehenden Regionalexpress um 15:05 Uhr nach Stuttgart und ging nach Ankunft um 18 Uhr zur Corona-Teststation am Bahnhof. In 48 Stunden kann ich das Ergebnis abrufen.

Zeppelin über dem Bodensee
Bregenz
Zollstation auf österreichischer Seite mit Blick zur Schweiz
Bodensee
Rathaus Lindau
Hauptbahnhof Stuttgart: an der Teststation war heute kein großer Andrang

Tagesfazit: 48 Kilometer „Ausrollen“ am letzten Tag der Reise auf sehr guten Radwegen ins Rheindelta am Bodensee. Ein schöner Sommertag, wobei ich in Stuttgart bei starker Bewölkung die Sonnenbrille abnehmen musste.

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SR20-16 Campodolcino – Ruggell (Liechtenstein)

Grüßen am Berg hebt die Stimmung. In Italien in der Regel „Ciao“, seltener „Buon Giorno“, in Frankreich schlicht „Bonjour“, in der Schweiz „Servus“. Heute waren wieder viele Rennradler unterwegs. Am Splügenpass wird sicher regelmäßig gefahren. Während des Giro d’Italia aber umso mehr. Es sind Fans und Unterstützer unterwegs. Man grüßt sich und trifft sich auch mal in einer Kehre zu einer Verschnaufpause.

Gut gefrühstückt kam ich bis zum Pass sehr gut hoch. Auch die steileren Passagen ließen sich fahren. Ich denke, ich war gestern beim Klettern schon zu leergefahren. Als ich die Passstraße hinter Chiavenna in Angriff nahm, war ich schon 75 Kilometer gefahren. Ein paar Kekse waren für die 1.000 Höhenmeter dann wohl nicht ganz ausreichend. Zumindest ging mir die Bergtour heute deutlich leichter von den Beinen. Ich hatte mehr Kraft.

Splügenpass (2.114 Meter) mit Blick in das schweizerische Graubünden
Erstes Tor zur Zieleinfahrt des Giro d’Italia U23 vor Montesplugo

Der Verkehr auf der Passstraße hielt sich in Grenzen. Man sah viele italienische und schweizer Autos, aber auch deutsche aus Stuttgart, Leonberg, Esslingen. In Montespluga, einem Ort unterhalb des Passes, war alles für die Zieleinfahrt der U23 vorbereitet. Ich genoss die Zieleinfahrt mit der Bandenwerbung, einiges Volk war versammelt, die Musik tönte auch schon. Danach waren es noch gut 200 Höhenmeter. Oben angekommen machte ich von zwei italienischen Rennradlern Fotos am Passschild. Eine Frau aus Minden machte eines von mir. Das Wetter war schön, Sonne pur und angesichts der Höhe natürlich etwas Wind. Ich zog mein langärmliges Neon-Oberteil an und machte mich an die Abfahrt. Die Landschaft auf Schweizer Seite sieht völlig anders aus. Bei den Ortschaften wie Splügen ist das klar, es ist auch ein anderes Land. Aber die engen dicht bewaldeten Täler wie die Viamala haben einen ganz anderen Charakter.

Passstraße hinunter in das Schweizer Dorf und Namensgeber Splügen
Enges Tal zwischen Splügen und Viamala

Ich hatte ursprünglich geplant, nur bis Chur zu fahren, ca. 77 Kilometer weit, da ja der Splügenpass Zeit und Kräfte kostet. Gestern war mir das aber zu wenig. Wenn ich etwas mehr fahren würde, verteilten sich die Kilometer der restlichen Etappen bis Stuttgart besser. Außerdem geht es ja bergab. Also buchte ich im liechtensteinischen Ruggell am Rhein ein Zimmer in einem Landgasthof. Vor Chur hatte ich aber einen Hänger und überlegte, die Buchung zu stornieren und in Chur zu bleiben. Es ging gerade wieder in den Berg, auf einer Kiespiste. Ich kam langsamer voran als gedacht, hatte erst 53 Kilometer Strecke gemacht und es war schon halbvier. Dann kam ich aber wieder ins Fahren hinein und beschloss, die geplante Tour zu fahren. Am Rhein gab es gute Radwege. Ich rastete an einer Radlertränke und aß die letzten Kekse. Bald kam ich auf eine wahre Rennstrecke, den Alpen-Rhein-Radweg auf dem Rheindamm, gut asphaltiert. Ohne Mittagspause war ich etwas auf Reserve gefahren, aber die Muskeln waren noch locker. Viertelacht kam ich in meinem Quartier an, mit den letzten Sonnenstrahlen am Rhein.

Fazit: 129 Kilometer, 1329 Meter Aufstieg, 2058 Meter Abstieg. Der Splügenpass war ein besonderer Höhepunkt der Tour. Ich bin froh, dass das Wetter mitgespielt hat. Und die Viamala – einfach eine geniale Landschaft.

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