SR20-09 Ginasservis – Fréjus

Ich hätte den Tag auch gut in meinem abgedunkelten Zimmer verschlafen können. Raus in die provençalische Hitze? Den ganzen Tag Radfahren? – Ach nö. So war meine Stimmung. Aber den Ruhetag hatte ich ja gestern schon. Mir war klar, dass ich, sobald ich auf dem Rad ein paar Kilometer gefahren bin, wieder ganz drin bin und mir nicht vorstellen kann, dass es jemals anders sein würde.

Nach ein paar Telefonaten und der Verabschiedung von der Wirtin brach ich relativ spät auf. Ich hinterließ wegen der Hilfe bei der Rad-Panne noch einen Obolus. Es war halbzwölf geworden. Aber dadurch, dass die Entfernung nach Fréjus überschaubar ist und es ans Mittelmeer ja bergab geht, machte ich mir keine weiteren Gedanken.

Luberon

Die Trockenheit im Luberon ist in dieser Jahreszeit normal, aber es ist wohl noch trockener als sonst. Bei unserem Ausflug nach Saint-Maximin machte mich Monsieur (der Wirt der Bergerie) auf die vertrocketen Felder aufmerksam. Die Sonnenblumen waren deutlich kleiner als in den bewässerten Flächen an der Durance. Und sie waren ziemlich braun. Überall stehen Schilder, die auf die Waldbrandgefahr hinweisen. Schäden an den Bäumen habe ich nicht wahrgenommen. Ich kam durch Eichenwälder, die ich gar nicht erwartet hätte. Die Region ist ansonsten durch Nadelgehölze, Kiefern und Pinien, geprägt. Und natürlich durch Feigen- und Olivenbäume.

Geschichte I in Régusse (ein Brunnen mit Trinkwasser) und…
Geschichte II in Apt: Es gibt in der Gegend immer wieder Hinweise auf die Résistance. Die Bildkomposition lässt zu wünschen übrig. Ich habe aber bei dem Gegenlicht nüscht gesehen.

Ich hatte bei 30 Grad einige Höhenmeter zu fahren, aber bei Aups ging es immer stärker bergab. In Lorgues machte ich eine Melonenpause. In dieser Gegend gibt es viele Obst- und Gemüsestände direkt von Produzenten an der Straße, wobei die Melonen wohl auch importiert werden. Wassermelonenfelder habe ich jedenfalls nicht gesehen. Noble Weingüter sind mir aufgefallen: ein Château wechselte das nächste ab. Verkostung natürlich und Weinhandlungen, um das zahlungskräftige Publikum von der Côte d’Azur zu bedienen, aber auch für normale Leute.

Lorgues
Weingut I
Weingut II

In Fréjus entschied ich mich nicht zuerst ins Hotel zu fahren, sondern gleich runter ans Meer zu rollen. Die Strecke Stuttgart-Côte d’Azur ist damit geschafft. Ein gutes Gefühl. Das Wasser war im ersten Moment eine schöne Abkühlung. Dann merkte ich nach einer Weile, dass es doch ziemlich warm und etwas verdreckt ist. Der Strand in Hafennähe war noch ganz gut besucht. Zwei Boote zogen fallschirmartige Teile mit jeweils zwei Leuten im Gehänge durch die Bucht.

Sieht aus wie ein Gebäude in Mali und ist Übungsgelände für’s Militär
Am Strand in Fréjus, in der Nähe des alten römischen Hafens.
Das Wetter wird schlechter, aber es wird wohl vor allem die Schweiz und Norditalien mit viel Regen treffen. Vermutlich komme ich mit ein paar Schauern davon.
Zweisprachige Ortsschilder sind hier üblich.

Auf dem Weg in mein Hotel besorgte ich Proviant für’s Abendessen. Als ich gerade zahlte, kam eine Frau herein und fragte lautstark mit tiefer Stimme nach „Päng!“. Antwort der Kassiererin, die auf ein Regal gleich rechts am Eingang zeigte: „Da ist doch Päng!“. Das Provençalische ist schon sehr lustig.

Fazit: 109 Kilometer (ohne den Umweg an den Strand wären es 95 gewesen); 990 Meter Anstieg, 1.427 Meter Abstieg. Der Luberon hat wunderschöne einsame Gegenden, bei denen man sich Gedanken um Wasservorräte und Reparaturzeug machen muss. Heute kam ich durch eine Landschaft mit mehr Infrastruktur, aber auch mehr Verkehr, je näher es an die Küste ging.

Corona-Hinweisschild in Lorgues
Der Wein vertrocknet hier.
Muss noch rausfinden, wie dieses haushohe Zuckerrohrschilf wirklich heißt. Es wächst hier überall an den Straßenrändern.
Nach einer Melonenpause kommt man wieder gut den Berg hinauf.
Gibt’s also nicht nur in Belgien – ich hab’s aber bei der Melone belassen.
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SR20-08: Ruhetag im Luberon

Heute morgen merkte ich die Anstrengungen der vergangenen Tage. Die viele Bewegung, die ungewohnte Hitze, Muskelkater, 964 Kilometer seit Stuttgart… Ich hatte nach dem Platten gestern schon beschlossen, heute eine Pause einzulegen und mich in Ruhe um die Reparatur zu kümmern. Ich hatte mich erst für 9 Uhr zum Frühstück angemeldet. Ich war auf der Terrasse der Bergerie Provençale der einzige Gast. Die anderen hatten schon das Weite gesucht.

Schlauchwechsel: Das Bild ist etwas verschoben, weil die Software für die Smartphone-Kamera so langsam ist. Deshalb habe ich auch viele Bilder von Händen und Hosentaschen. 🙁

Ich fragte die Wirtin nach einem Bus nach Manosque, um mich um Schläuche für’s Rad zu kümmern. Sie meinte, dass die Busverbindungen schlecht seien und ihr Mann mich mitnehmen würde. Er kam dann auch und sagte, dass es in Saint-Maximin einen Fahrradladen gäbe, der Scott-Räder handle. Wir fuhren gleich los, ca. 25 Kilometer eine Tour. Er machte das nur für mich und hatte nicht etwa noch anderes zu erledigen. Von wegen „mitnehmen“. Der Händler meinte, bis heute Abend sei das Rad repariert. Das war natürlich nicht nötig, denn ich hatte ja für den Schlauchwechsel alles da. Das Ventil schien mir etwas kurz zu sein, aber das Rad ließ sich gut aufpumpen.

Nach einer Mittagspause kümmerte ich mich um die weitere Tourplanung. Ich entschied mich, wie ursprünglich geplant, morgen nach Fréjus zu fahren. Das Mittelmeer ist das Fernziel schlechthin für die Tour, wobei jeder Tag bisher seine besonderen Reize hatte. Es heißt auch wieder die aktuellen Reisewarnungen zu lesen. Lässt mich Italien noch rein? Mal schauen.

Feigen am Wegesrand: Einige sind schon reif.

Im Restaurant der Bergerie gönnte ich mir ein Menü mit Fromage als Abgang. Herrlich.

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