Der Tag begann mit kräftigem Regen, aber schon bald kam die Sonne durch. Das Wetter war deutlich besser als gestern, mit viel Sonne. Fernradfahrer waren kaum unterwegs, am Bodensee die üblichen Tagesausflügler und langsame Gruppen, die mühsam zu überholen waren. Ich hätte allerdings mehr Verkehr erwartet. Am See gab es viel Treibgut, Holz – wahrscheinlich von den Unwettern der vergangenen Wochen.
Bald hinter Bregenz fuhr ich auf den Rheindamm, die Rad-Rennstrecke, die ich schon vom vergangenen Jahr kenne. Dieses Mal bin ich allerdings deutlich fitter, ohne Erkältung. Stunde um Stunde rückten die Berge näher, die Vorfreude auf die Hochalpen steigt. Eine Stunde vor meinem Ziel machte ich eine letzte Trinkpause und trocknete meine Wäsche in der Abendsonne. Sie war über Nacht im Hotel in Bad Buchau nicht trocken geworden.
Ich bin heute mindestens viermal über die Grenze, ohne Kontrollen. Die Grenze zwischen Deutschland und Österreich konnte ich nicht erkennen. – Morgen soll das Wetter wieder schlechter werden. Es sind Sturmböen und Gewitter angesagt. In Splügen lässt sich gerade ein Hotelzimmer erst ab 130 Euro bekommen. Ich weiß also noch nicht, wie es wird.
Bad BuchauRavensburgJustizia am Landgericht RavensburgBregenzBlick auf den Bodensee in BregenzHier nicht einfach über die Brücke galoppieren.Bregenzer Ache: kommt alles in den SeeVerschiedene KreuzeHier geht es von der Schweiz wieder nach Österreich, auf die rechte Seite des Rheins. Radfernweg auf dem Rheindamm Richtung BergeAbendsonne als WäschetrocknerFürstentum Liechtenstein: Ich übernachte in Triesen, einem Nachbarort von VaduzAbend-Training des FC Vaduz. Herren in Anzügen verfolgten die Szenerie vom Radweg aus.Firmengebäude in TriesenMeine Herberge glänzt mit modernem Self-Check-in.
Die Idee dieses Jahr ist, nach Rom zu fahren. Ich habe etwas mehr Zeit als im vergangenen Jahr (5.-31. August) und das müsste von der Strecke etwa hinkommen, wenn Wetter, Rad und Gesundheit mitmachen. Rom eignet sich als Wendepunkt. Besondere kulturelle oder sonstige tiefsinnige Vorstellungen habe ich nicht. Die Priorität liegt wieder auf dem Sportlichen und den Sommer im Süden zu genießen.
Die erste Phase der Reise wird mich über den Splügenpass nach Genua führen. Die Strecke kenne ich schon vom vergangenen Jahr, aber in umgekehrter Richtung (bis zum Bodensee). Ich will die ligurische Küste weiterfahren, über die Toscana immer weiter in den Süden und dann nach Rom abbiegen und über den Appenin an die Adria und schließlich über das Timmelsjoch wieder zurück. Soweit die Grobplanung.
Gestern hatte ich einen Packtag eingeplant, war aber nicht mit allen Vorbereitungen fertig geworden. Ich hatte noch einen neuen Helm besorgt, der mir viel besser passt, ein langes Oberteil für die Berge und Kleinkram. Das Packen ist nicht so wild, wenn man Erfahrungen hat, aber die Abwesenheit für gut drei Wochen will auch organisiert sein. Und manche Terminsachen können nicht so lange warten. Nachdem ich in der Bibliothek noch zwei Sachen erledigt hatte, fuhr ich mit der U-Bahn nach Degerloch hoch, um Zeit zu gewinnen. So war ich schon einmal aus dem Kessel heraus.
Start in der Unibibliothek Stadtmitte
13:12 Uhr saß ich im Sattel. Das Navi fand meine Route nicht. Ich hatte sie ja von zu Hause geplant. Wahoo berechnet nicht den Weg auf die geplante Route, wenn man weiter entfernt ist. Mehr als 1,5 Kilometer können es aber nicht gewesen sein. Ein Manko. Ich fuhr nach Himmelsrichtung und meinen vorhandenen Geografiekenntnissen und traf bei Hohenheim auf meine Komoot-Route. Ab hier führte mich also mein Wahoo-Navi. Es begann verbotenerweise mit einem Tunnel unter der Autobahn am Flughafen, für den Räder nicht erlaubt sind. In einer verkehrsberuhigten Phase schlüpfte ich weitestgehend unbemerkt hindurch. An einer Keuzung faselte eine Mini-Fahrerin etwas von Radweg. Schwäbisch. Deshalb konnte ich Verben und andere Bestandteile von Sätzen nicht verstehen. Das Schwäbische ist mir nicht unsympathisch, aber in Stuttgart lernt man es net.
Erste Panne schon in ReutlingenGewitterregenLuftpumpe bei Edeka – ein Traum. Mit meiner kleinen Pumpe hatte ich so meine Mühe.
Ich hatte neulich noch über die Radwege in Baden-Württemberg gewettert. In Bayern sei alles besser. Heute muss ich diese Aussage widerrufen. Ich bin positiv von der Schwäbischen Alb überrascht. Asphaltierte Wirtschaftswege, Radwege an den Straßen, In Reutlingen ein Radschnellweg. So lässt es sich fahren – wenn man Luft im Reifen hat. Als ich nach Reutlingen hinuntersausen wollte, spürte ich mein Rad hinten schwimmen. Ein Plattfuß. Ich wechselte den Schlauch (drei hab ich dabei), während die Gewitterwolken die ersten Tropfen von sich gaben. Und Donner. Mein Reifen hinten zeigte schon wieder spürbare Verschleißerscheinungen. Dabei hat er als größere Tour nur die Bayrischen Alpen und die Donau von Passau bis Ingolstadt hinter sich. Zwei Stellen sind leicht perforiert. Ich werde demnächst noch einen Reifen kaufen. In den Alpen sind die Radläden dünner gesät.
Kohlfeld bei FilderstadtAlbaufstieg: geniale Radwege, die einen vor den Autoabgasen schützen
In Pfullingen holte mich das Gwitter mit Macht ein. Ich floh vor dem Starkregen unter das Dach eines Hauseingangs und machte mir Gedanken, wie es weitergeht. Es war schon 17 Uhr. Ich überlegte, schon Station zu machen und morgen früher weiterzufahren. Andererseits hatte ich noch nicht das Gefühl, Sport gemacht zu haben. Als der Regen aufhörte, fuhr ich weiter und rief später meinen Wirt in Bad Buchau an, ob er mich auch nach 20 Uhr noch reinlässt. Die Rezeption hat zu dieser Zeit nämlich schon geschlossen. Das war kein Problem und ich fuhr weiter. Ab der Gegend um Riedlingen brauchte ich Licht. An der Donau traf ich einen Schweizer mit Rennrad und Profikluft. Er fragte etwas. Ich identifizierte es als Schweizerdeutsch, verstand nichts und antwortete mit „Bad Buchau“, wo ich hinwollte. „Das ist ja ganz woanders“, meinte er und fragte, ob ich da hinfände. Das verstand ich also und verwies auf mein Navi. „Dann einen Guten!“, sagte er. Ich rief ein norddeutsches „Ebenso“ hinterher.
Zwiefalten
In der Dämmerung sah ich einen Storch. Der wusste die Abendstunde auch zu nutzen und sammelte auf einer Wiese Frösche oder sonstiges Futter. Vor Bad Buchau gab es eine Umleitung, gleichzeitig fuhren die Autos geradeaus weiter. Mein Navi wies mir einen Weg am Federsee entlang. Ab Abzweig von der Straße stand eine Sperre, aber so, dass ein Rad noch vorbeifahren konnte. Meistens kann man Baustellen ja als Radler passieren. Aber von Baustelle war nicht die Rede. Ich ließ es drauf ankommen und fuhr die Holzstege durch das Schilf. Es war stockdunkel, die Enten schnatterten leise. Dann musste ich plötzlich bremsen: Stockenten flogen schimpfend weg. Sie hatten sich in das Wasser gekuschelt, das auf dem Weg stand. Auf der anderen Seite Stand eine Bank halb im Wasser. Dazwischen das stehende Gewässer des Federsees. Ich überlegte, wie tief das wohl sein mochte, wollte aber auch keine nassen Füße bekommen oder sonstige Überraschungen so kurz vor dem Ziel erleben.
Donau bei Riedlingen in der Dämmerung
Ich fuhr zurück auf eine Straße, die laut Navi nach wenigen hundert Metern abrupt endete. Zum Glück endete sie nur auf dem Navi und ich kam endlich an mein Ziel. Der Wirt war im Lokal noch am Schaffen, ein Italiener aus Esslingen. In der Pizzeria gegenüber gab es noch etwas zu essen. Ich war ausgehungert und dankbar über die hervorragende Pizza mit scharfer Soße und Knoblauch mit Öl. Ein wilder 1. Tag geht zu Ende.