SR21-04 Sufers-Lecco

Das war der Tag der Gegensätze, aber das war ja auch klar. Am Morgen frohlockte ich beim Frühstück ob des guten Wetters: Sonnenschein am Hinterrheinsee schien die Sonne. Als ich meine Sachen packte, schüttete es schon wieder. Ich schaute mir das Regenradar an und war beruhigt: Ein runder Wasserfleck über Splügen, der sich in Auflösung befand. Als ich Richtung Pass aufbrach waren die Straßen noch nass, aber der Regen hatte aufgehört. Ich entschied mich deshalb, mein neues langes, warmes Oberteil anzuziehen und die Regenjacke in der Radtasche griffbereit zu halten. Temperatur auf der Passhöhe: ca. 8 Grad.

Von Splügen geht es die Serpentinen hoch

Nach dem Frühstück fuhren sich die Serpentinen recht geschmeidig. Ich legte ein paar Trink- und Fotopausen ein und war in zwei Stunden oben. Radtourer waren nicht zu sehen, nur ein paar Rennradler ohne Gepäck und zwei Mountainbiker mit Strom. Oben hielt ich es nicht lange aus. Der Wind wehte heftig, sodass ich mir schnell die Regenjacke anzog, was ich für die Abfahrt ohnehin vorhatte. Unterwegs hatte ich schon Gelegenheit, das Bergpanorama zu genießen, sodass ich nicht viel verpasste.

Selfie auf der Passhöhe muss ja immer sein. Viel Andrang gab es heute nicht. Ich schaue wohl auch etwas angestrengt wegen des Windes und der Kälte.
Auf italienischer Seite kommt bald der Lago di Montespluga

Auf halber Strecke ins Tal dachte ich: Komplett irre, hier hochzufahren. Man hat auf der italienischen Seite des Passes einen weiten Blick ins Tal, und das kam mir krass tief vor, obwohl ich ja schon rund 1.000 Meter abgestiegen war. In Chiavenna, wo der Aufstieg beginnt, war es 25 Grad. Ich hielt an meinem Lieblingsbrunnen am Rande der Stadt und zog mich für den Hochsommer um.

Blick zurück: Da bin ich letztes Jahr hochgeklettert. Bergab kommt mir das etwas verrückt vor. Aber wenn man im Berg klettert, wirkt es nicht so steil.

Das Navi führte mich am Comer See durch ein Feuchtgebiet, das sonst sicher trockener ist, aber nicht bei dem Regen der vergangenen Wochen. Durch matschige Pfützen sammelte ich ordentlich Dreck ein. Es war windig, ideal für die Windsurfer, die auf dem Weg unterwegs waren. Mein Weg führte mich an Badenden vorbei, durch Fußgängerzonen mit Trödelmarkt und viele Tunnels. Am Ortseingang von Lecco, meinem Ziel, hatte ich einen Platten – wieder hinten.

Comer See: Die Windsurfer hatten heute ihren Spaß.
Das ist mehr als nur eine Pfütze. Lösung: Man wartet, bis jemand kommt und durchfährt und schaut, ob es außer nassen Füßen Widrigkeiten gibt.
In der Pause kam ein Pferd zu mir und wollte von meinem schweizer Dinkelbrötchen naschen. Die Reiterin sagte etwas von „Signore… mangare…“ und lenkte das Pferd Richtung große Pfütze.

Ich rief in der Villa Puccini an, in der ich mich einquartiert hatte, dass es später wird. Zudem musste ich meinem Navi noch die Adresse beibringen. In Sufers hatte es die Route nicht geladen. Deshalb hatte ich eine andere genommen, die über Lecco führt, aber nicht die Villa im Programm hatte. Das Sychronisieren funktionierte mit dem Handy-WLAN auch nicht, deshalb fuhr ich mit iPad zum Ziel. Es war schon Viertel nach acht. Vielleicht habe ich unterwegs auch ein paar Fotos zu viel gemacht. Fest steht, dass ich morgen zum Fahrradhändler muss. Der neue Reifen ist jetzt fällig.

Jarvo fragte, ob ich Hilfe brauchte: Er pumpte mir das Hinterrad auf, da meine Luftpumpe Mist ist. Sehr freundlich. – Ich fragte, ob ich ein Foto für meinen Blog machen darf und gab ihm die Internetadresse.
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SR21-03 Triesen-Sufers

Ich hatte eine Matratze vom Typ Hängematte. Deshalb schlief ich nicht so gut und wälzte mich in dem Einzelbett hin und her. Erfreulicherweise hielt sich das Wetter bis Thusis ganz gut, die Sonne kam durch. Ich erkannte die Wasserstellen vom vergangenen Jahr wieder. Daran erinnere ich mich gut, da ich öfters mal leergefahren war und dringend trinken musste. Der Weg führte mich wieder um Chur herum, an einem Schießgelände des Schweizer Militärs und dann auf einen schönen Höhenweg am Rhein entlang – mit Blick in die Schluchten, die sich der Fluss gegraben hat.

So begann der Tag: Blick vom Hotel in Liechtenstein.
Hotelfrühstück: Kühlschrank als Schublade – merke ich mir für zu Hause. Dazu die Morgenlektüre: „Mein Vaterland“.

Vor Thusis hatte ich mit dem aufkommenden Wind zu kämpfen. Mir ging der Wetterbericht durch den Kopf und ich hoffte, dass sich die Lage nicht verschlechterte. In Thusis, am Beginn der Via Mala, dem Aufstieg zum Splügenpass, setzte starker Regen ein. Ich machte Rast in einem Lokal. Es schüttete so, dass es auf der Terrasse unter den Schirmen auch ungemütlich wurde. Ich überlegte, ob ich im Ort schon ein Quartier suchen sollte. In einer Regenpause schaute ich mir den Himmel an und fuhr los. Ich wollte noch Höhenmeter machen. Schließlich waren es bis Sufers nur noch 22 Kilometer.

Möhrchenfeld bei Chur

Es wurde dunkler und fing leicht an zu regnen. Ich schaltete mein Rücklicht an, damit ich vor allem in den Tunnels besser zu sehen war. Der Regen wurde heftiger. Ein Gasthaus machte Werbung mit einem Zimmer für nur 47 Schweizer Franken. Der Grill dampfte und ich wurde fast schwach. Nur noch ca. 8 Kilometer bis zum Ziel in Sufers. Dafür lagen vor mir aber noch noch etliche Höhenmeter. Nach einer ersten Etappe mit Serpentinen musste ich süße Früchteriegel essen. Ich war schon wieder leergefahren und zittrig. Es kamen zwei Brücken, unter denen ich Trinkpausen einlegte und Regenschutz hatte. Trotzdem war alles nass und die Regenjacke klebte mir kalt auf den Armen. Das Navi ist zum Glück wasserdicht. Ich fuhr schnell weiter um warm zu bleiben. Solange man warm ist, macht der Regen nichts.

Die letzten drei, vier Kilometer waren schnell genommen. Inzwischen waren die Straßen so nass, dass mir Bäche entgegenkamen, die ins Tal wollten. Meine Schuhe wurden beim Hindurchfahren geduscht. Das Wasser fand bei den Laufschuhen leichtes Spiel. Mein Regenschutz für den Helm hielt aber dicht. Im Hotel mit Seeblick in Sufers (1.400 Meter Höhe) fand ich noch ein Einzelzimmer. Ich hatte es am Morgen noch gesehen, konnte es aber unterwegs nicht buchen, da der Internetzugang zu schlecht war (3G). Also Glück gehabt. Im Zimmer musste ich auch mein Portmonnaie und die Geldscheine zum Trocknen auslegen, nicht nur die Regenjacke und die Funktionskleidung, die ich jeden Tag wasche. Die Schuhe haben ihren Platz auf der Heizung gefunden.

Morgen sollte das Wetter wieder besser sein. Ich füllte am Abend noch das umfangreiche elektronische Formular aus, das die italienischen Behörden für die Einreise haben wollen. Nur noch rund 750 Höhenmeter bis zum Pass. Dann bin ich endlich im Süden.

Stärkung im Café Marchesa bei Chur
Der Rhein in seinem Canyon
Solche Tränken sind besonders bei Hitze goldwert.
Der Hinweis, dass der Pass geöffnet hat, ist auch immer sehr hilfreich.
Im Tunnel kann es tierisch laut werden, vor allem bei grobem Belag.
Andeer, letzter Ort vor Sufers
Regen, Dunkelheit, Gewitter – alles, was man in den Bergen nicht haben möchte.
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