SR20-11 Ventimiglia – Savona

In der Nacht hatte es weiter geregnet, Donnergrollen war zu hören. Doch heute gab es den ganzen Tag Sonne pur. Ich hatte eigentlich mit weiteren Schauern gerechnet. Der Wind war deutlich aufgefrischt und kam aus südlichen Richtungen. Das Meer hatte kräftigen Wellengang. Es waren kaum Boote draußen. Die Badenden wagten sich ebenfalls kaum ins Wasser.

Mittelmeer in Ventimiglia

Mit dem Rückenwind sauste ich die ersten 20, 30 Kilometer an der Riviera entlang, durch Sanremo, San Stefano, San Lorenzo. Der außerordentlich gut ausgebaute Radweg, eine Rennstrecke, führte an den Bahnhöfen entlang, sodass ich die Namen der Orte sehen konnte, durch die ich fuhr. Wenn man nicht auf größeren Straßen unterwegs ist, fehlen einem oft die Ortsnamen. Mit außerordentlich gut ausgebaut meine ich die Rad- und Fußgängertunnel, die in der Mittagshitze eine willkommene Abkühlung darstellen. In einigen plätschert an den Wänden Wasser herunter. Der Streckenabschnitt war auch deshalb sehr gut zu fahren, weil man ihn sich nicht mit den Autos teilen musste. Lediglich die Sonntagsausflügler, Badegäste und Sonntagsrennfahrer musste man mit entsprechender Voraussicht begegnen.

Rad- und Fußgängertunnel machen die Etappe zwischen Ventimiglia und San Lorenzo zur Rennstrecke

Ich kam immer wieder dicht am Meer vorbei. Ich spürte die Gischt im Gesicht und die Brille beschlug mit einem mineralischem Film. Hinter den kleinen Hafenstädten ging es auf den Küstenstraßen bergauf. An den felsigen Steilküsten brachen sich die Wellen. Dann folgte immer eine angenehme Abfahrt bis an die Häfen und Strände. Das wiederholte sich bis Savona. Von weiter oben hatte ich immer eine gute Sicht auf die Buchten und Häfen. Ich hielt immer mal inne, um Fotos zu machen. Im Meer wechselten sich Flächen von Azurblau bis Tiefblau ab.

Riesiger Blütenstand einer Agave

Ich ernährte mich von Eis und Weintrauben. Obwohl es nur bis 28 Grad warm wurde, war ich etwas müde. Ich hatte in der Gewitternacht nicht so gut geschlafen und legte deshalb zwei, drei Pausen auf der Strecke ein. Ich fand immer wieder Brunnen. An der letzten Wasserstelle hab ich wohl meinen Helm liegenlassen. Ich hatte nicht den Ehrgeiz zurückzufahren, zumal das Teil ein Billigfehlkauf war. In Genua oder Mailand werde ich mir einen neuen besorgen.

Frischer Fisch: gut, wenn man eine Bratpfanne dabei hat
Interessante Bierpreise in Borgo Marina (Imperia): 0,33 ist klar, 0,66 konsequent – der Mengenrabatt prima
Yachthafen Imperia

Als ich um sieben im Hotel in Savona ankam, zogen von den Bergen her Gewitterwolken auf. Ich war froh, nicht bis Genua geplant zu haben. Gewitter und Regen blieben aber aus. Ich werde morgen einen Badetag einlegen, um etwas Kräfte für die Rückfahrt zu sammeln.

Azur-Radweg: schön, aber nur 200 Meter lang

Fazit: 114 Kilometer mit Rückenwind an der itailenischen Riviera. Den ganzen Tag am Meer, der weite Blick zum Horizont und zu den nahen Inseln. Ich habe noch das Rauschen der Wellen im Ohr.

Brunnen am Strand von Alassio
Brunnen bei Noli oder Spotorno: trotzdem musste ich am Abend weiter nachfüllen, es war doch recht warm heute
Gutes Frühstück gab’s während der Tour noch in keinem Hotel. Der Kaffee in Fréjus war super (Ibis), man konnte ihn am Automaten nach belieben ziehen. Das mit dem Klappgitter und dem Toast war heute etwas mühsam. Ich musste nach Röstung das Teil mühsam herauskratzen.

Bei der Komoot-Aufzeichnung fehlt das Stück am Anfang von Ventimiglia bis Ospedaletti. Das Navi hatte sich immer abgeschaltet.

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SR20-10 Fréjus-Ventimiglia

Es ist heute etwas später geworden. Mir war nicht klar, dass ich genau dann durch Nizza fahre, wenn die Tour de France ins Etappenziel läuft. Witzig. Ich bin dann in die Dunkelheit gekommen und war erst halbzehn im Hotel in Ventimiglia. Verspätungsfaktoren neben der Tour de France: viel fotografiert, Gewitterregen mit zwei Pausen und in Monaco am Abend im Straßengewirr noch etwas verheddert. Ich dachte ich kürze weiter unten an der Küste etwas ab. Aber in Monte Carlo hatten sie einen Club am Wasser – kein Durchkommen.

In meinem Hotel in Fréjus haben auch Tour-Leute übernachtet.
Die Tour in Nizza: passt farblich zu meinem Rad.

Von vorne. Der Tag in Fréjus begann wolkenverhangen, aber es kam immer wieder die Sonne durch. Ich hielt immer wieder, um die wechselnden Ausblicke auf Buchten, Inseln, Häfen und Berge auf mich wirken zu lassen und Fotos zu machen. Ab und zu arbeitete ich mich eine Küstenstraße weiter hinauf, dann ging es in Serpentinen wieder ans Wasser. Komoot wollte mich weiter im Landesinneren über die Berge schicken, was den Weg auch abkürzt. Die Küstenstraßen waren heute zudem weniger befahren, da wir im Rückreisewochenende sind. Die französischen Ferien gehen zu Ende. Außerdem sind auch weniger ausländische Gäste an der Côte d’Azur. Ich hatte erst ab dem späteren Nachmittag mehr Verkehr an der Küste.

Mittelmeerküste zwischen Fréjus und Cannes

In Antibes wollte ich Pasta essen. Hunger. Der Wirt wies mich darauf hin, dass er um 14 Uhr schließt. Es war schon kurz nach drei. Ich kehrte am Bahnhof in einer Boulangerie mit überdachter Außenterrasse ein. Das war wegen des heftigen Gewitterregens, der eingesetzt hatte, auch nötig. Kurz vor Nizza musste ich eine weitere Pause einlegen. Wieder eine Boulangerie. Wieder aß ich etwas, um die Zeit sinnvoll zu nutzen und für die abendliche Tour gerüstet zu sein. Auf der Pissaladière (Zwiebelkuchen) hatten sich noch zwei Sardellen gezeigt, was für meinen Salzaushalt ideal war.

Ein Stück Pissaladière vertreibt Gewitter.

In Nizza war eine Brücke gesperrt. Ich folgte einem anderen Radfahrer und fand einen Weg. Dann wurde mir klar, dass hier die Tour-de-France-Fahrer erwartet werden. Ich wusste, dass sie in Nizza starten, war mir aber über den Tag nicht mehr sicher. Außerdem war mir nicht klar, dass sie im Kreis waren und abends wieder am gleichen Ort sind. Völlig sinnfrei. – Die Zieletappe ging am Flughafen vorbei, der ja sehr dicht am Stadtzentrum gelegen ist. Als ein Sprecher durchgab, wie viele Kilometer das Peloton noch entfernt ist, beschloss ich doch noch zu warten und in der Zwischenzeit mein Hinterrad aufzupumpen. „12 Kilometer, 10 Kilometer, noch 8 Kilometer, die Spannung steigt“, sagte der Sprecher. Links und rechts der Absperrungen standen die Fans und klatschten, als die ersten vorbeisausten. Ich versuchte Fotos und Videos zu machen.

Kurz vor dem Zieleinlauf habe ich auf die Tour gewartet und mein Rad aufgepumpt.
Medien bei der Tour: alle sind da.
Nizza mit Absperrungen für die Zieleinfahrt der Tour de France

Als ich wieder aufbrach, begann es zu regnen. Ich musste trotzdem noch ein paar Fotos machen, was kaum gelang, da alles schon sehr nass war, einschließlich das Smartfon. Da es noch recht warm war, machte mir der Regen nichts aus. Bis Monaco war ich wieder trocken. Erst in dem Fürstentum setzte wieder Regen ein. Die Dämmerung ging in die Nacht über. Monaco und Monte Carlo sind schon eine Welt für sich. Irrsinnig noble Hotels, dann aber auch scheußliche Bettenburgen, riesige Hochhäuser. Überall Kräne, es wird gebaut und weiter in Beton investiert.

Monaco
Monaco
Flughafen in Nizza

Ich musste die Berge wieder hoch und runter, erreichte aber bald die italienische Grenze. Lustig, dass der erste Ort in Italien Latte heißt. Ganz klar, dass ich hier noch nicht Station mache, sondern eins weiter, in Ventimiglia, dass ich nach einigen Tunneln erreichte. Im Ort war noch Leben auf den Straßen, ein Supermarkt war geöffnet. Als ich die Serpentinen in den Ort hinunterfuhr tat es bei 40-50 km/h einen ziemlichen Schlag – ein Schlagloch, schmal und quer, aber tief Mitten auf der Straße. Das Rad scheint’s verkraftet zu haben. Ich schaue es mir bei Tageslicht an. Der Rezeptionist im Hotel sprach Deutsch und zeigte mir gleich den Fahrradkeller.

Monte Carlo

Fazit: 126 Kilometer, 981 Meter Anstieg, 1045 Meter Abstieg. Trotz des Regens war die Côte d’Azur Azur. Ich habe mich an den Steilküsten, den Palmen, Villen und Promenaden satt gesehen. Ein Traum. Mein Favorit: Nizza. Nicht wegen der Tour de France, aber das war auch speziell heute.

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