SR21-06 Sennazzaro-Cremona

Ich musste heute kurzfristig umplanen. In Genua und auch sonst in der Nähe gibt es praktisch keine bezahlbaren Zimmer mehr. Hochsaison. Vor einigen Wochen hatte ich mich natürlich informiert. Aber es gibt offensichtlich zu viele Kurzentschlossene. Es hatte eine Weile gedauert, meinen schönen Plan zu verwerfen und umzudenken. Ich nehme jetzt den „Weg durch die Mitte“ über die Toscana. Deshalb bin ich heute in Cremona rausgekommen.

In Pavia war ich bei „meiner Radwerkstatt“ vom vergangenen Jahr pünktlich zehn nach 12 Uhr, dem Beginn der dreistündigen Mittagspause. Hab ich im Internet zwar gesehen, aber ich hatte gehofft, dass die Daten nicht mehr aktuell sind.
Ponte Coperto in Pavia: Über den Fluss bin ich gestern in der anderen Richtung gefahren, der Tessin.
Musste ich in der Altstadt von Pavia einfach fotografieren: Signore mit den Lederradtaschen von vor dem Kriege. Leider saufen die Bilder mit der Smartphone-Kamera in dunkleren Bereichen immer ab und es gibt Artefakte. Aber es sind wirklich braune Ledertaschen, wahrscheinlich vom englischen Picknick-Ausstatter.

Die Landschaft hier in der Po-Ebene ist unspektakulär. Die Komoot-Route wollte mich immer im Zick-Zack durch die Landschaft führen. Ich habe aber die gerade Straße bevorzugt, zumal ich schon Zeit durch die Umstellung der Reise verloren hatte und nicht zu spät im Quartier sein wollte. In der Mittagspause buchte ich mir ein Hotel. Eine Signora rief an und meine, dass das Hotel geschlossen sei, sie aber eine Alternativadresse sendet. Die Info kam dann später am Abend per WhatsApp, als ich mit der Albergo Visconti schon eine Alternative hatte. Wahrscheinlich war meine Internetverbindung zwischendurch nicht gut. – Das Angebot ist verlockend: Ein Upgrade auf vier Sterne. Ich wollte ja sowieso einen Ruhetag einlegen und mal Materialpflege betreiben. Denn beim Radhändler war ich ja immer noch nicht, obwohl ich das schon seit Tagen auf dem Zettel habe. Und meine Badehose habe ich vergessen…

Wasser gibt es in der Ebene genug, aber keinen Druck. Türmchen wie dieser helfen ab.
Scotti war ein berühmter Reis-Unternehmer und wird am Firmenstandort geehrt.

Ich bin also doch nicht am Mittelmeer. Vorerst. Nach Rom komme ich auch so. Weiter im Süden waren noch Zimmer an der Küste zu bekommen. So hoffe ich, das mich die Rückreise zumindest zum Teil am Meer entlang führt.

War abends noch kurz beim Lidl: Der Tiefkühler sieht hier etwas anders aus als bei uns. Deshalb geht man ja auf Reisen (unter anderem): um zu sehen, was man auch anders machen kann.
Dom in Cremona mit Baptisterium (rechts).
Cremona weiß, was Radfahrer wollen: Als ich halbsechs an dem Wasserhahn vorbeikam, hatte es 32 Grad im Schatten.
Stradivari vor seinem Haus

Ich habe heute etwas Probleme mit dem Synchronisieren zwischen Wahoo-App auf dem iPad, dem Navi und Komoot und Strava – warum auch immer. Die Komoot-Radtour von heute liefere ich an dieser Stelle noch nach. Die 3,5 Kilometer vom Stadtzentrum in Cremona bis zum Hotel hat „er“ brav verarbeitet. Das, was man nicht braucht…

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SR21-05 Lecco-Sannazzaro de‘ Burgondi

Die Temperaturen steigen. Am Abend waren es in Sannazzaro noch um die 30 Grad. So muss der Hochsommer sein. – Cristina wartete heute morgen in der Villa Puccini mit dem üblichen Frühstück auf, das sie komplett am Tisch serviert. Man speist in einem klassizistisch eingerichteten Salon mit Kronleuchter, Plüschsesseln, Kamin und Marmorbüsten. Die Balkontüren stehen offen mit Blick zum See und in die Berge. Stilvoller geht es nicht. Punktabzug gibt es an der Szenerie nur durch mich selbst: Ich habe praktisch nur Funktionskleidung dabei.

Villa Puccini (ganz links)
Blick vom Frühstückssalon
Meine Cerealien hab ich schon gegessen.
Der Hund gehört zum Haus, ein älterer Herr.

Für die Tagesetappe habe ich mir heute nicht viel vorgenommen, um mich vor dem Apenin morgen noch etwas zu entspannen. Außerdem suchte ich ja noch einen Fahrradhändler. Der Weg nach Mailand war mir weitestgehend vertraut. Ich fuhr an der Hauptstraße entlang über Merate, um dem Fluss Adda auszuweichen. Am Ufer war ein Radweg überschwemmt. Das Navi verstand bis Vimercate nicht so recht, was ich wollte, bekam aber „die Kurve“. Monza tangierte ich kurz, dann ging es schnurstracks nach Mailand hinein. Alle Radläden, die ich sah, hatten geschlossen. Vielleicht ist es an Montagen so wie bei uns mit den Frisören, wer weiß. Überhaupt kamen mir viele kleine Orte arg still vor für einen Wochentag. Einige Läden und Lokale haben die Corona-Krise vielleicht nicht überlebt.

Dieser Weg säuft gründlich ab: Da hilft nur noch der Rückzug. Die Feuerwehr ist vor uns mit einem Geländewagen durchgefahren und wieder umgekehrt, hat aber nichts weiter gesagt.
Ich mag die Kanal-Radwege in Mailand.
Der Mailänder Dom mal von hinten.

Im Süden ist man schnell wieder aus Mailand heraus im Grünen und fährt etliche Kilometer hervorragend asphaltierte Radwege an einem Kanal entlang. Vor Pavia bog ich ab Richtung Sannazzaro. Durch die Mittagshitze war ich inzwischen etwas ausgetrocknet und meine Wasservorräte gingen zur Neige. Ich brauchte auch etwas Salziges, damit der Körper das Wasser aufnimmt. Gegen 16 Uhr rastete ich in Bereguardo, nicht weit vom Ticino. Die Gegend ist flach und von vielen kleinen Kanälen und Schleusen durchzogen. Das Wasser auf den Reisfeldern steht knöcheltief, mindestens. Die Flüsse aus den Alpen machen diese Art von Landwirtschaft seit Jahrhunderten möglich.

Reisfeld in der Gegend um Pavia: Das Foto ist noch nicht gut, man sieht das Wasser nicht. Hole ich morgen, wenn möglich, nach.
Rad-Rennstrecke von Mailand nach Pavia

Neben der Raffinerie ist in Sannazzaro von weitem bereits der Apennin sichtbar. Man hat weiter westlich einen Gipfel als den letzten dieses Gebirges definiert. Danach sind es wieder die Alpen. – Das Hotel kam mir merkwürdig still vor, keine Gäste zu sehen, kein Licht an der Rezeption. Die Rezeptionistin erklärte, dass wegen der Ferien das Hotelrestaurant geschlossen habe. Sie schien das einzige Personal zu sein. Für das Rad hatte sie einen abschließbaren Raum, den ich gerne annahm. Da der Carrefour noch geöffnet hatte, verproviantierte ich mich heute für das Abendessen im Einzelhandel und sparsamer als die vergangenen Tage. Die Schweiz hat ganz ordentlich auf die Reisekasse geschlagen.

Und wieder Wasser: Ein Kanal kurz vor Sannazzaro.
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