5. Etappe: Bad Reichenhall-Passau

Am Ende des Tages hatte ich 161 Kilometer auf dem Tacho. Die Tour nach Passau war nicht so intensiv wie die Bergetappen, aber dafür extensiv, d.h. weit. Was normal ist beim Radfahren: kein Sitzfleisch mehr zu haben, Durststecken – mental wie physisch, extreme Etappen und Unvorhergesehenes. Zum Sitzfleisch: Nach einer Woche wird das in der Regel besser, Sitzknochen, Haut und Bindegewebe haben sich dann geeinigt, wie sie es weiter machen wollen. Durststrecken: An Tagen, an denen man aus verschiedenen Gründen ein Fernziel ansteuert, das weiter entfernt liegt als normal, gönnt man sich weniger Pausen und versucht, möglichst viel Strecke zu machen und durchzuziehen. Es braucht dann entsprechende Willenskräfte, netto 7-8 Stunden auf dem Rad zu sitzen. So wie heute. Unvorhergesehenes: Meine Trinkflaschen stehen noch in Bad Reichenhall. Ich hatte sie zwar noch mit Wasser aufgefüllt, dann aber an der Hauswand, an der ich die Radtaschen an den Gepäckträger gehängt hatte, stehen lassen.

Frühstückssaal im Gasthof Bürgerbräu in Bad Reichenhall

In Tittmoning hab ich mir eine Flasche bei einem Radhändler gekauft. Der war auf mein Begehren aber nicht gut vorbereitet und musste etwas kramen und fand dann eine Flasche, von der ich zuversichtlich war, dass sie in meine Halterung passt. Eine Cola-Aluflasche mit einem Verschluss, der mit dem Radfahren nichts zu tun hat. 14 Euro – nach Ausspülen und Putzen. Es machte dann keinen Sinn, noch nach einer zweiten Flasche zu fragen, aber der Händler war zumindest nett.

Tittmoning
Der Radladen mit einer etwas ausgefallenen Trinkflasche: Kunst halt

Heute war etwas Kettenöl fällig.

Die Sonne begleitete uns über weite Strecken. Burkhard wollte angesichts der weiten Tagesetappe erst in Simbach am Inn rasten, was mir auch recht war. Doch die Mittagspause haben wir verpasst. Stattdessen wollten wir in einem Hotelrestaurant außerhalb der Stadt einkehren. Das Lokal machte aber erst um 16 Uhr auf. Wir teilten uns ein Körnerbrötchen aus meinem Proviant und Studentenfutter aus Burkhard’s Fundus. Wasser aufzufüllen ging auch nicht, also tranken wir aus unseren Reserven und ließen noch für eine Trinkpause Wasser im Tank. Wir brachen gleich wieder auf. 100 Kilometer lagen bereits hinter uns. Das Gelände war weitestgehend flach, die Nebenstraßen gut asphaltiert, sodass wir schnell vorankamen. In Egglfingen tranken wir in einem Lokal Bier, füllten unsere Flaschen auf und verloren keine Zeit weiter, um das letzte Stück bis Passau in Angriff zu nehmen.

Die Tafel oben verheißt nichts Gutes: DAs Restaurant ist noch geschlossen, die Mittagspause fällt aus. Wir haben eh keine Zeit…

Wir ahnten nicht, dass die letzten 16 Kilometer so anstrengend werden würden. Es setzte Regen ein und die Berge waren steil. An einem Anstieg verließen uns die Kräfte. Burkhard fand in seinem unergründlichen Fundus noch Schokolade – ein wichtiger Energieschub, der bis Passau ausreichte. Der Radweg führte uns an der Donau ans Hotel „Wilder Mann“. Dort quartierten wir uns nach einem Corona-Test ein. Da war es dann schon um sieben. Halbneun waren wir aufgebrochen. Ein langer Tag, wir spüren es vor allem in den Beinen und werden gut schlafen.

Letzte Pause 30 Kilometer vor Passau: Bier und Trinkflaschen auf dem Klo auffüllen.
Mal wieder technische Probleme: Mein Navi hatte hatte Nachts nicht geladen, vermutlich ein Fehler des Kabels. Deshalb war die Powerbank nötig, um das Teil bis Passau laufen zu lassen. Für die Tour-Statistik.

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4. Etappe: Aschau-Berchtesgaden-Bad Reichenhall

Was nervt beim Radfahren: Nasse Straßen, mit oder ohne Regen, und es kommt ein Lkw frontal im Gegenverkehr und bringt die Dusche mit. Platsch, alles ins Gesicht und überallhin – vermischt mit Straßendreck. Oder: Man schnauft am Berg und die weniger gut mit Abgasreinigung bestückten Autos geben ordentlich Vollgas. Auch lecker: Ein Stinker in Form eines Zweitakters. Das Ganze garniert mit Windstille. – Ich bin nicht sicher, wie gesund Radfahren wirklich ist.

Nun zur Tagesetappe heute: Unser Ziel war so Pi mal Daumen Berchtesgaden. In Aichau starteten wir bei wolkenverhangenem Himmel dreiviertelneun Richtung Chiemsee und warfen einen Blick rechterhand auf die Kampenwand. In Bernau bogen wir ein auf die B 305 und waren am späten Vormittag in Reit am Winkl. Auf der Strecke nach Ruhpolding setzte ein leichter Regen ein. In dem etwas abgeschiedenen Tal mit dem Weitsee gab es wenig verkehrt. Uns sprachen zwei bajuwarische Mountainbiker an. Wir fuhren in Zweierreihe. Ich konnte die Frage meines Nebenmanns gut verstehen, akustisch, aber mein bayerisch war nicht gut genug. Ich antwortete aus dem Kontext heraus woher wir kamen und wohin wir wollten. Dann die Frage, wie wir es mit den Unterkünften machen würden. Antwort: Hotel, wir sind auf Wellnessurlaub… Die beiden netten Radler bogen bald schon in einen Nebenweg ab. während wir auf der Straße weiter unsere Bahn zogen. Lustig fand ich das Hinweisschild, das auf die Furt eines Wildbachs aufmerksam machte. Tatsächlich kam die Furt. Das beachtliche Kiesbett (nicht der kleinkörnige Kies, größere runde Brocken) war ausgetrocknet und wurde nur durch die Straße unterbrochen.

Baustelle, mal wieder: Reit im Winkl wurde für uns dadurch noch winkeliger.
Gebirgsfluss auf dem Weg nach Reit im Winkl
Das Flüsschen hat seinen eigenen Pegel – und der ist gerade niedrig.

Nach Ruhpolding fuhren wir nicht hinein, um nicht unnötig Höhenmeter zu verlieren. Es folgte eine lange Strecke nach Bad Reichenhall. Eigentlich wollten wir unterwegs rasten, aber das Restaurant, an dem wir hielten, öffnete erst um fünf. Als wir in Bad Reichenhall ankamen, war es schon halbzwei. In einer Bäckerei kehrten wir draußen unter einem Vordach ein, als auch schon ein kräftiges Gewitter mit Platzregen einsetzte. Besser hätte man die Pause nicht planen können. Als der Regen aufhörte, kletterten wir hoch nach Berchtesgaden, ans Ende der Republik. Bald sah man schon das Watzmann-Massiv im Sonnenschein mit Bilderbuchwolken am Himmel – bayrisches blau-weißes Wetter. Nach Berchtesgaden ging es steil hinab. Wir kamen am viel zu großen Bahnhof heraus. Viel zu groß, weil ja Hitler am nahe gelegenen Obersalzberg seinen Hofstaat hatte.

Blick auf Ruhpolding

Burkhard erkundigte sich im Ort bei Radlern nach den Corona-Einreisebedingungen, um nach Salzburg zu kommen. Wir lasen dann beim Auswärtigen Amt noch einmal nach und verwarfen das Ziel Salzburg (gültiger PCR-Test, elektronische Anmeldung). Uns blieb also nur der Rückweg nach Bad Reichenhall, das wir gegen sechs Uhr erreichten. Wir folgten der „Hotelroute“, sahen aber erst am Rathaus eine Unterkunft, den Gasthof Bürgerbräu, ein großes Gemäuer. Die Rezeptionistin war gerade am Gehen. Mein Navi zeigt 128 Kilometer und 1.200 Höhenmeter an. Das reicht für heute.

Blick auf den Watzmann auf dem Weg nach Berchtesgaden
Der Watzmann in Berchtesgaden: links die Frau, rechts der Mann, in der Mitte die Kinder. Man muss diese Phantasie aber auch nicht haben.
Blick aus unserem Bürgerbräu-Fenster: Wandgemälde im Stil des sozialistischen Realismus
Am Marktplatz in Bad Reichenhall
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