3. Etappe: Bad Tölz-Aschau (Chiemgau)

Die technischen Probleme mit meinem Navi halten an. Deshalb sind wir auch heute nur nach Analog-Karte und der lokalen Beschilderung gefahren. Hinter Bad Tölz verließen wir bald die Bundesstraße und folgten den Radwegen. Das war kräftezehrend. Die Sonne war inzwischen schon wieder intensiv. Die Beschilderung „Achtung! Schwerer Streckenabschnitt“ – oder so ähnlich, war wörtlich zu nehmen. Steile Kieswege und viel auf und ab, ein Gelände für Mountainbiker, aber nicht für Radtourer wie uns. Es wurde der Tag, an dem wir unerwartet oft das Rad schieben mussten. Über Waakirchen und Gmund am Tegernsee erreichten wir mit viel Verkehr und Baustellenstress den Schliersee. Wir machten eine Trinkpause, bevor es nach Bayrischzell ging.

Schnaufen in der Landschaft, 10:34 Uhr auf dem Weg zum Tegernsee. Auf den Bildern sieht man immer nicht, wie steil die Wege sind…

Eine ältere Dame, der der Holzzaun gehörte, an dem unsere Räder lehnten, empfahl uns, ein Stück zurück zur Baustelle zu fahren und in einen Radweg nach Bayrischzell abzubiegen, statt die Hauptstraße zu nehmen. Gut, dass wir das nicht gemacht haben. Wir hätten viel Zeit im hügeligen Gelände verloren. Das ständige Auf und Ab kannten wir schon. Die wenig befahrene B 307 nach Bayrischzell erwies sich als Rennstrecke. Wir waren am Wendelstein im Mangfallgebirge angekommen. Wir rasteten im Café Huber bei einem Stück Kuchen, füllten unsere Wasserflaschen auf und brachen in der Mittagshitze zum über den Sudelpass zum Tatzelwurm auf. Der Tatzelwurm ist wohl in der Alpenregion ein Fabelwesen, hab ich gelernt. In unserem Fall bezeichnet der Tatzelwurm aber einen Wasserfall. Auf diesem Bild sieht man hinter Bayrischzell ganz gut die Passstraße: https://de.wikipedia.org/wiki/Bayrischzell#/media/Datei:Bayrischzell_wendelstein.jpg

Am Sudelfeldpass
Blick vom Sudelfeldpass

Die Kletterpartie hinauf zur Passhöhe (1.123 Meter) war ein gerüttelt Maß Arbeit, aber der Ausblick auf das Sudelfeld war fantastisch. Wir beschlossen, nicht zum Tetzelwurm zu fahren, da unklar war, wie weit wir es wieder talwärts, abseits unserer geplanten Route haben würden. Stattdessen nahmen wir die Abfahrt nach Norden hinunter nach Brannenburg ins Inntal. Wir wechselten auf die rechte Innseite und bogen hinter Nüßdorf rechts nach Rossholzen ab. Der Anstieg war teilweise so steil, dass wir wieder schieben mussten. Landschaftlich traumhaft, Berge und Weiden so weit das Auge reicht, weidende Kühe, idyllische Höfe – und wir kräftig am Schnaufen. Über Törwang erreichten wir mit hängender Zunge unser Ziel Aschau und buchten uns im Gasthof Kampenwand ein. Ich war mit meinem Proviant leergefahren, Wasser alle, Snacks keine mehr. – Ich hatte nicht gedacht, dass die letzte Strecke des Tages nochmal so kräftezehrend werden würde. Aber dafür sind wir ja aufgebrochen: uns auszupowern.

Das Skigebiet Sudelfeld
Übersichtskarte am Sudelfeldpass, unterhalb vom Schnauferl-Wirt
Blick von der Inn-Brücke bei Nußdorf. Wir haben wieder vermieden, auf die österreichische Seite zu fahren, da Tirol noch als Risikogebiet gilt. Deshalb sind wir vom Sudelfeld nach Norden abgebogen.
Residenz-Hotel in Aschau im Chiemgau mit Sterne-Restaurant. Da wir heute nur Spaghetti brauchten, sind wir dort nicht eingekehrt.
Auch die Schweinshaxn in unserer Herberge, dem Gasthof Kampenwand, haben wir ausgelassen. Der Grill an der Straße soll arglos vorbeiziehende Tourisen natürlich verführen…
Als ein kräftiger Gewitterregen einsetzte, holten wir unsere Wäsche vom Balkon wieder ein.
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2. Etappe: Füssen-Garmisch-Bad Tölz

Wir hatten erst überlegt, vom Sylvensteinspeicher aus über den Achenpass zum Tegernsee zu fahren. Aber dafür langte die Zeit nicht – die Tagestour wäre zu lang geworden. Also kehrten wir am Ende in Bad Tölz ein und genossen das leicht abfallende Gelände an der Isar.

Doch von vorne: In der Nacht hatte es kräftig geregnet. Das Frühstück holten wir uns von einer Bäckerei am Bahnhof. Die Verkäuferin ließ uns noch Butter auf die Brötchen schmieren, sodass wir die Marmelade, die es auch zu kaufen gab, etwas geschmeidiger vertilgen konnten. Kaffee gab es im Frühstücksraum des Hotels. Ich hatte etwas technische Probleme mit der Synchronisation zwischen Komoot, meinem iPad und der Wahoo-App. Die aktuelle Route war auf dem Navi nicht zu sehen, was uns heute etwas Zeit gekostet hat. Burkhard navigierte traditionell mit Landkarten, eine 1:50.000 im Maßstab und eine mit größerem Überblick.

Schloss Neuschwanstein

Für den Weg nach Garmisch-Partenkirchen hatte ich mir eine Abkürzung durch das Ammergebirge überlegt, damit wir nicht zu weit nördlich ins Alpenvorland fahren mussten. Der Weg war beschwerlich, aber sehr schön. Wir erreichten am späteren Vormittag Oberammergau und das Kloster Ettal, wo der Touristenbetrieb florierte. Nach dem wolkenverhangenen Morgen hatte uns inzwischen viel Sonne begleitet. In einer Pause cremten wir uns mit Sonnenschutz ein. Meine Arme waren aber schon kräftig angebrutzelt, auch von gestern.

„Abkürzung“ Ammergebirge: Burkhard zerrt das Rad über die Furt eines Gebirgsflusses.

Vom Kloster Ettal führte uns eine rasante Abfahrt auf das Talniveau von Garmisch, wo wir mit viel Verkehr und Baustellen konfrontiert wurden. Uns war klar, dass wir hinter Garmisch auf dem Weg ins Karwendelgebirge die Höhenmeter wieder klettern mussten, die wir von Ettal herabgefahren waren. Ich musste nach dem Mittagessen in Garmisch kräftig schnaufen, hatte aber auch genug Süßes eingeworfen. Die Methode Eis und Kuchen, die ich von Kollege Jens übernommen habe, wandelte ich etwas ab in Bio-Nussecke und alte Brötchen aus Stuttgart mit Frischkäse – Sachen, die der Bioladen, an dem wir Pause machten, hergab.

Mittagspause in Bad Tölz bei kräftigem Sonnenschein
Regen in Krün am Karwendelgebirge. Das Gebäude im Bild gehört zum Rathaus und zur Touristinformation und beherbergt die Gemeindebibliothek

In Krün rästselten wir etwas über den richtigen Weg ins Isar-Tal zwischen Karwendelgebirge und Schliersee. Es regnete stark. Ich lud eine früher geplante Strecke, die noch im Navi gespeichert war, aber Burkhard war mit dem Kartenstudium auch schon entschlossen losgedüst. – Das Tal der Isar, das wir bis zum Sylvensteinspeicher fuhren, ist ein Traum. Es gibt wenig Verkehr, hohe Berge und einen türkisgrünblauen Fluss, der sich über viele Kiesbänke in den Stausee ergießt. Das Gefühl von Abgeschiedenheit und Rennstrecke für das Rad waren die Belohnung für die Kletterstrapazen des Tages. Zumal der Regen längst aufgehört hatte.

Die Isar am Karwendelgebirge
Sylvensteinspeicher am späten Nachmittag

Spätenstens in Lenggries waren wir leergefahren. Viel Kraft brauchten wir bis Bad Tölz auch nicht. Die Kieswege an der Isar waren leicht zu fahren und in Tölz erholten wir uns beim Eis. Die Hotel-Pension Marienhof nahm uns auf. Morgen wollen wir den Chiemsee ansteuern.

Bad Tölz
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