SR20-3 Aarau-Gorgier

Heute war wieder ein Tag mit Sonne pur und deutlich über 30 Grad am Nachmittag. Der Gegenwind aus Südwest bremste mich etwas aus und ich hatte schon Sorge mein Ziel Gorgier nicht rechtzeitig zu erreichen. Ich hatte im Hôtel Les Tilleuls ein Zimmer mit Gemeinschaftsdusche für 47 Euro reserviert. Anreise bis 19 Uhr. Der Gegenwind hat oft den Effekt, dass man sich langsamer fühlt als man wirklich ist. Ich gönnte mir erst nach 80 Kilometern kurz nach 15 Uhr am Bieler See eine Pause. Da war abzusehen, dass die restlichen 40 Kilometer bis zur Unterkunft kein Problem mehr sein würden.

Psychologisch finde ich die weit einsehbaren Straßen und Radwege nicht so günstig. Vor allem nicht bei Gegenwind. Man hat dann noch weniger das Gefühl voranzukommen. Von den Seen abgesehen gab es viele solcher Wildweststraßen, die schnurgerade durch die Landschaft führten. Typischerweise sind viele Wirtschaftswege in den Feldern auch asphaltiert, sodass das Radfahren am Ende deutlich leichter ist als etwa in Polen, wo es in der Fläche doch noch viele schlechte Straßen und Wege anzutreffen sind. Wobei ich von Polen insgesamt positiv überrascht war, z. B. von den Radwegen in den Städten und in Podlachien.

Aufgrund der Hitze trank ich heute jede Menge Wasser und Cola. Am Bieler See wollte ich noch etwas essen. Aber in einem Migros, einer hier verbreiteten Supermarktkette, gab es nur Getränke. Deshalb beschloss ich, nur mit dem Cola-Antrieb das letzte Stück, ca. 30 Kilometer, zu fahren. Der Ausblick auf den Bieler See war fantastisch: türkisfarbenes Wasser, die Berner Alpen am Horizont und Segelboote und Yachten, die im See kreuzten. An einem Gewässer gelangte an den Neuenburger See. Es gibt offenbar eine schiffbare Verbindung zwischen beiden Seen. Bei Neuenburg (Neuchâtel) folgte ein Hafen dem anderen und ein Strandbad wechselte sich mit dem nächsten ab.

Ich fuhr nicht sonderlich effektiv, blieb am Ufer auch mal im Kies stecken, weil ich den Weg, den das Navi vorgesehen hatte, wohl nicht richtig interpretierte. Durch Baustellen und Unachtsamkeit hatte ich schon unnötig Zeit verloren. Vor Gorgier war ich dann auch noch in eine blöde Sackgasse gefahren. Blöd, weil unnötig Höhenmeter. Ich stellte den Maßstab am Navi etwas kleiner ein und nahm den letzten Schluck Wasser, um den Steilen Berg bis Gorgier noch zu nehmen. Kurz vor dem Örtchen tauchte am Wegesrand, immer noch hoch oben über dem Neuburger See, eine wunderschöne Burg auf, Mitten im Wald und wohl noch kaum touristisch erschlossen. Im Ort machte ich Rast an einem kühlen Brunnen und fragte nach der Adresse der Unterkunft. Sie lag vis-à-vis des Brunnens, nur etwas von einem Baum verdeckt.

Ansonsten: on parle français, französischsprachige Schweiz. Mit dem Wirt hatte ich kurz geklärt, dass mein Velo in die Garage darf. Er meinte, es passiere eigentlich nichts. Aber man weiß ja nie. Im zweiten Obergeschoss bezog ich meine Kammer und öffnete die Fensterläden: Der weite Blick auf den See in der altmodischen Kammer entschädigten mich für die Mühsal des Tages. Ein Traum. Das Essen im Hotelrestaurant war sehr gut und auch dringend nötig nach meiner Cola-Diät. Am Nachbartisch haben sie sich noch eine Crème Brûlée reingezogen. Ich kann heute nichts Süßes mehr sehen.

Für morgen Vormittag ist Regen angesagt, der sich aber im Laufe des Tages verziehen soll. Deshalb habe ich mir in Genf schon einmal ein Zimmer besorgt. Das Auswärtige Amt hat für Frankreich die Reisewarnungen aktualisiert. Die Infektionszahlen in den Departements Bouche-du-Rhône und Alpes-Maritimes sind stark gestiegen. Mal schauen, wie sich es weiter entwickelt.

Ein paar Daten von heute: 127 Kilometer (ein paar Umwege eingeschlossen), nur 700 Höhenmeter (bergauf), dafür Gegenwind. Wie viel, das schlage ich heute nicht mehr nach. Das mit dem Synchronisieren zwischen Wahoo-Navi und Komoot funktioniert in den täglich wechselnden WLAN-Netzen nicht. Deshalb gibt es hier auch noch keine Komoot-Daten. Der Foto-Download vom Handy macht mich auch wahnsinnig. Mein MacBook Air will das nur über die Bilder-App machen und zeigt keine Vorschaubilder. Nur die aktuellen runterzuladen ging auch nicht: Alle 4000 Fotos oder nichts. Festplatte voll. Nerv.

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