SR20-10 Fréjus-Ventimiglia

Es ist heute etwas später geworden. Mir war nicht klar, dass ich genau dann durch Nizza fahre, wenn die Tour de France ins Etappenziel läuft. Witzig. Ich bin dann in die Dunkelheit gekommen und war erst halbzehn im Hotel in Ventimiglia. Verspätungsfaktoren neben der Tour de France: viel fotografiert, Gewitterregen mit zwei Pausen und in Monaco am Abend im Straßengewirr noch etwas verheddert. Ich dachte ich kürze weiter unten an der Küste etwas ab. Aber in Monte Carlo hatten sie einen Club am Wasser – kein Durchkommen.

In meinem Hotel in Fréjus haben auch Tour-Leute übernachtet.
Die Tour in Nizza: passt farblich zu meinem Rad.

Von vorne. Der Tag in Fréjus begann wolkenverhangen, aber es kam immer wieder die Sonne durch. Ich hielt immer wieder, um die wechselnden Ausblicke auf Buchten, Inseln, Häfen und Berge auf mich wirken zu lassen und Fotos zu machen. Ab und zu arbeitete ich mich eine Küstenstraße weiter hinauf, dann ging es in Serpentinen wieder ans Wasser. Komoot wollte mich weiter im Landesinneren über die Berge schicken, was den Weg auch abkürzt. Die Küstenstraßen waren heute zudem weniger befahren, da wir im Rückreisewochenende sind. Die französischen Ferien gehen zu Ende. Außerdem sind auch weniger ausländische Gäste an der Côte d’Azur. Ich hatte erst ab dem späteren Nachmittag mehr Verkehr an der Küste.

Mittelmeerküste zwischen Fréjus und Cannes

In Antibes wollte ich Pasta essen. Hunger. Der Wirt wies mich darauf hin, dass er um 14 Uhr schließt. Es war schon kurz nach drei. Ich kehrte am Bahnhof in einer Boulangerie mit überdachter Außenterrasse ein. Das war wegen des heftigen Gewitterregens, der eingesetzt hatte, auch nötig. Kurz vor Nizza musste ich eine weitere Pause einlegen. Wieder eine Boulangerie. Wieder aß ich etwas, um die Zeit sinnvoll zu nutzen und für die abendliche Tour gerüstet zu sein. Auf der Pissaladière (Zwiebelkuchen) hatten sich noch zwei Sardellen gezeigt, was für meinen Salzaushalt ideal war.

Ein Stück Pissaladière vertreibt Gewitter.

In Nizza war eine Brücke gesperrt. Ich folgte einem anderen Radfahrer und fand einen Weg. Dann wurde mir klar, dass hier die Tour-de-France-Fahrer erwartet werden. Ich wusste, dass sie in Nizza starten, war mir aber über den Tag nicht mehr sicher. Außerdem war mir nicht klar, dass sie im Kreis waren und abends wieder am gleichen Ort sind. Völlig sinnfrei. – Die Zieletappe ging am Flughafen vorbei, der ja sehr dicht am Stadtzentrum gelegen ist. Als ein Sprecher durchgab, wie viele Kilometer das Peloton noch entfernt ist, beschloss ich doch noch zu warten und in der Zwischenzeit mein Hinterrad aufzupumpen. „12 Kilometer, 10 Kilometer, noch 8 Kilometer, die Spannung steigt“, sagte der Sprecher. Links und rechts der Absperrungen standen die Fans und klatschten, als die ersten vorbeisausten. Ich versuchte Fotos und Videos zu machen.

Kurz vor dem Zieleinlauf habe ich auf die Tour gewartet und mein Rad aufgepumpt.
Medien bei der Tour: alle sind da.
Nizza mit Absperrungen für die Zieleinfahrt der Tour de France

Als ich wieder aufbrach, begann es zu regnen. Ich musste trotzdem noch ein paar Fotos machen, was kaum gelang, da alles schon sehr nass war, einschließlich das Smartfon. Da es noch recht warm war, machte mir der Regen nichts aus. Bis Monaco war ich wieder trocken. Erst in dem Fürstentum setzte wieder Regen ein. Die Dämmerung ging in die Nacht über. Monaco und Monte Carlo sind schon eine Welt für sich. Irrsinnig noble Hotels, dann aber auch scheußliche Bettenburgen, riesige Hochhäuser. Überall Kräne, es wird gebaut und weiter in Beton investiert.

Monaco
Monaco
Flughafen in Nizza

Ich musste die Berge wieder hoch und runter, erreichte aber bald die italienische Grenze. Lustig, dass der erste Ort in Italien Latte heißt. Ganz klar, dass ich hier noch nicht Station mache, sondern eins weiter, in Ventimiglia, dass ich nach einigen Tunneln erreichte. Im Ort war noch Leben auf den Straßen, ein Supermarkt war geöffnet. Als ich die Serpentinen in den Ort hinunterfuhr tat es bei 40-50 km/h einen ziemlichen Schlag – ein Schlagloch, schmal und quer, aber tief Mitten auf der Straße. Das Rad scheint’s verkraftet zu haben. Ich schaue es mir bei Tageslicht an. Der Rezeptionist im Hotel sprach Deutsch und zeigte mir gleich den Fahrradkeller.

Monte Carlo

Fazit: 126 Kilometer, 981 Meter Anstieg, 1045 Meter Abstieg. Trotz des Regens war die Côte d’Azur Azur. Ich habe mich an den Steilküsten, den Palmen, Villen und Promenaden satt gesehen. Ein Traum. Mein Favorit: Nizza. Nicht wegen der Tour de France, aber das war auch speziell heute.

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SR20-09 Ginasservis – Fréjus

Ich hätte den Tag auch gut in meinem abgedunkelten Zimmer verschlafen können. Raus in die provençalische Hitze? Den ganzen Tag Radfahren? – Ach nö. So war meine Stimmung. Aber den Ruhetag hatte ich ja gestern schon. Mir war klar, dass ich, sobald ich auf dem Rad ein paar Kilometer gefahren bin, wieder ganz drin bin und mir nicht vorstellen kann, dass es jemals anders sein würde.

Nach ein paar Telefonaten und der Verabschiedung von der Wirtin brach ich relativ spät auf. Ich hinterließ wegen der Hilfe bei der Rad-Panne noch einen Obolus. Es war halbzwölf geworden. Aber dadurch, dass die Entfernung nach Fréjus überschaubar ist und es ans Mittelmeer ja bergab geht, machte ich mir keine weiteren Gedanken.

Luberon

Die Trockenheit im Luberon ist in dieser Jahreszeit normal, aber es ist wohl noch trockener als sonst. Bei unserem Ausflug nach Saint-Maximin machte mich Monsieur (der Wirt der Bergerie) auf die vertrocketen Felder aufmerksam. Die Sonnenblumen waren deutlich kleiner als in den bewässerten Flächen an der Durance. Und sie waren ziemlich braun. Überall stehen Schilder, die auf die Waldbrandgefahr hinweisen. Schäden an den Bäumen habe ich nicht wahrgenommen. Ich kam durch Eichenwälder, die ich gar nicht erwartet hätte. Die Region ist ansonsten durch Nadelgehölze, Kiefern und Pinien, geprägt. Und natürlich durch Feigen- und Olivenbäume.

Geschichte I in Régusse (ein Brunnen mit Trinkwasser) und…
Geschichte II in Apt: Es gibt in der Gegend immer wieder Hinweise auf die Résistance. Die Bildkomposition lässt zu wünschen übrig. Ich habe aber bei dem Gegenlicht nüscht gesehen.

Ich hatte bei 30 Grad einige Höhenmeter zu fahren, aber bei Aups ging es immer stärker bergab. In Lorgues machte ich eine Melonenpause. In dieser Gegend gibt es viele Obst- und Gemüsestände direkt von Produzenten an der Straße, wobei die Melonen wohl auch importiert werden. Wassermelonenfelder habe ich jedenfalls nicht gesehen. Noble Weingüter sind mir aufgefallen: ein Château wechselte das nächste ab. Verkostung natürlich und Weinhandlungen, um das zahlungskräftige Publikum von der Côte d’Azur zu bedienen, aber auch für normale Leute.

Lorgues
Weingut I
Weingut II

In Fréjus entschied ich mich nicht zuerst ins Hotel zu fahren, sondern gleich runter ans Meer zu rollen. Die Strecke Stuttgart-Côte d’Azur ist damit geschafft. Ein gutes Gefühl. Das Wasser war im ersten Moment eine schöne Abkühlung. Dann merkte ich nach einer Weile, dass es doch ziemlich warm und etwas verdreckt ist. Der Strand in Hafennähe war noch ganz gut besucht. Zwei Boote zogen fallschirmartige Teile mit jeweils zwei Leuten im Gehänge durch die Bucht.

Sieht aus wie ein Gebäude in Mali und ist Übungsgelände für’s Militär
Am Strand in Fréjus, in der Nähe des alten römischen Hafens.
Das Wetter wird schlechter, aber es wird wohl vor allem die Schweiz und Norditalien mit viel Regen treffen. Vermutlich komme ich mit ein paar Schauern davon.
Zweisprachige Ortsschilder sind hier üblich.

Auf dem Weg in mein Hotel besorgte ich Proviant für’s Abendessen. Als ich gerade zahlte, kam eine Frau herein und fragte lautstark mit tiefer Stimme nach „Päng!“. Antwort der Kassiererin, die auf ein Regal gleich rechts am Eingang zeigte: „Da ist doch Päng!“. Das Provençalische ist schon sehr lustig.

Fazit: 109 Kilometer (ohne den Umweg an den Strand wären es 95 gewesen); 990 Meter Anstieg, 1.427 Meter Abstieg. Der Luberon hat wunderschöne einsame Gegenden, bei denen man sich Gedanken um Wasservorräte und Reparaturzeug machen muss. Heute kam ich durch eine Landschaft mit mehr Infrastruktur, aber auch mehr Verkehr, je näher es an die Küste ging.

Corona-Hinweisschild in Lorgues
Der Wein vertrocknet hier.
Muss noch rausfinden, wie dieses haushohe Zuckerrohrschilf wirklich heißt. Es wächst hier überall an den Straßenrändern.
Nach einer Melonenpause kommt man wieder gut den Berg hinauf.
Gibt’s also nicht nur in Belgien – ich hab’s aber bei der Melone belassen.
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