3. Etappe: Ingolstadt-Donaustauf

In der Nacht hatte es kräftige Gewitter gegeben. Am Morgen, beim Aufwachen, war es da: dieses vertraute Geräusch von Dauerregen. Kurz nach 7 Uhr waren wir die ersten Gäste am Frühstücksbüffet. Das Hotel wollte wissen, wann wir frühstücken, um die Gäste wegen der Corona-Kontakteinschränkungen zu entzerren. Alles war einzeln eingepackt: jedes Brötchen in einem Tütchen, Marmelade im Glastöpfchen mit Deckelchen, zwei Käsescheibchen auf einem Teller in Zellophan eingehüllt, das gleiche mit dem Schinken usw.

Die Räder hatten wir unter einem kleinen Dach im Hof des Hotels neben vielen anderen Rädern an Ständern zur Übernachtung angeschlossen. Nach dem Frühstück half mir Burkhard den Schlauch zu flicken. Ich hatte kein Flickzeug dabei, nur einen Ersatzschlauch. Der Regen hatte etwas nachgelassen. Trotz noch schmerzender rechter Hand war es ein gutes Gefühl, wieder losrollen zu können. Es tröpfelte kaum merklich – von Regen konnte keine Rede mehr sein. Geschwind fuhren wir an die Donau und folgten den Wegmarkierungen. Bis zum Kloster Weltenburg hatten wir viel asphaltiere Radwege, kleinere Landstraßen, aber auch Kiespiste auf dem Donau-Damm mit Pfützen und ein paar wenige schlechtere Wege durch den Wald. Immer wieder waren Hopfenfelder zu sehen, wenn uns die Strecke von der Donau ab durch schöne Dörfer führte, in denen kein Mensch auf der Straße war. Die Sonntagsruhe kam uns für die Tour zupass, da uns auch kaum Autos auf den Nebenstraßen begegneten.

Gegen 12 Uhr kamen wir im Kloster Weltenburg an. Wir kauften zwei Tickets für das Schiff in das rund sechs Kilometer entfernte Kelheim. Wir sparten uns dadurch schlechte, steile Wege über die Kalksteinfelsen. Die 100 Höhenmeter bereiten uns zwar keine Kopfschmerzen, aber Radtourer, denen wir am Kloster begegnet waren, hielten die Strecke mit unseren Rädern für ungeeignet. Also eher etwas für ein gutes Mountainbike. Im Kloster-Biergarten genehmigten wir uns eine Kartoffelsuppe, die etwas klein ausfiel, und natürlich das hausgemachte Hefeweizen – alkoholfrei, versteht sich. Der Rest der Speisekarte bestand aus Fleisch und Wurst und war nichts für unsere weiteren Radtourpläne.

Als wir wieder aufbrachen, setzte ein stärkerer Regen ein. Nebelschwaden hingen in den weißen Felsen an der Donau. Wir froren etwas. Im Schiff aßen wir unsere Brötchen, die wir uns im Altstadthotel in Ingolstadt noch schmieren durften. Währenddessen tönte das Erzählband aus den Lautsprechern. Die englische Stimme erzählte etwas von Piraten, die eine Höhle am Ufer genutzt hätten. Die deutsche Stimme wusste, dass sie schon in der Steinzeit bewohnt war, kannte aber keine Piraten.

In Kehlheim setzten wir bei Regen unsere Tour fort. Burkhards Schutzblech hält hinten deutlich mehr Dreck ab als mein Schmutzfänger. Da die Kieswege meist aus hellem Kalkstein gemacht sind und der Schlamm gräulich-weiß ist, waren meine Radtaschen, meine Schuhe, Beine, Strümpfe und große Teile des Rades entsprechend bespritzt. Der Regen ließ wieder nach und 10 Kilometer vor Regensburg kam sogar die Sonne durch. Gegen halbvier erreichten wir die Altstadt und machten am Dom an einer Eisdiele eine Pause. Ich esse das Eis normalerweise aus einer Tütchenwaffel. Die zwei Eiskugeln hatten aber irgendwie den Halt verloren und ich musste sie mit der linken Hand auffangen. Schleifspuren auf meinem Trikot und der Hose konnte ich noch schnell wegfingern und -lecken. Burkhard ging es ähnlich, was auf ein systemisches Problem der Eisdiele schließen lässt. Nachdem wir uns die klebrigen Hände gewaschen hatten, fuhren wir weiter nach Donaustauf, unserem heutigen Etappenziel.

Zwischen Kehlheim und Regensburg gab es schon einige Rennstrecken: gut asphaltierte breite Radwege. Auch nach Donaustauf ließ sich noch einmal ordentlich durchziehen, wobei ich bei Burkhard im Windschatten fuhr und das leichte, schnelle Vorankommen genoss. In Donaustauf quartierten wir uns um fünf Uhr für 99 Euro mit Frühstück in Forsters Posthotel ein, Fahrradabstellplatz und Upgrade auf ein Comfort-Zimmer inklusive. Ich hatte etwas Muskelkater und nahm von meinen Magnesium-Brausetabletten.

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2. Etappe: Neu-Ulm-Neuburg

Der zweite Tag der Donauradtour war etwas mühsam. Bis Donauwörth bin ich ganz gut vorangekommen – bei hochsommerlichen Temperaturen. Dann hatte ich einen Platten. Dazu später mehr.

Da im Hotel kein Frühstück angeboten wurde, kehrte ich beim Bäcker am Marktplatz ein. Der Mohnzopf wurde zu meinem Hauptantriebsmittel für die Tagesstrecke. In der Mittagspause war noch genug übrig. Gegen 10 Uhr startete ich und holte in einer Fahrradreparaturwerkstatt noch einen Ersatzschlauch.

Bedingt durch das Wochenende waren viele Radtourer an der Donau unterwegs. Irgendwie hatte ich den Anschluss nach Thalfingen verpasst. Überhaupt ist der Donau-Radweg streckenweise nur dürftig beschildert. An einer Brücke bei Günzburg gab es ein handgemachtes Schild für eine scharfe Rechtsbiegung. Wahrscheinlich, weil im nächsten Ort immer lauter verwirrte Radler umhergeisterten. Man kann sich aber insgesamt schon an den nächsten Orten orientieren, die, unabhängig vom Donau-Radweg, immer ganz gut beschildert sind.

Vor Lauingen war ich bei der Unterquerung einer Brücke gestürzt. Die Wegbiegung nach links war zu eng für die Geschwindigkeit, die ich hatte. Mein Vorderrad hatte zudem zu wenig Luft, sodass ich erst ins Schwimmen geriet und das Rad dann blockierte. Wenn der Weg steil hinauf geht, wird das Vorderrad sowieso stärker belastet. Eine Wasserflasche war ins Gebüsch geschleudert worden und am linken Oberschenkel gab’s eine kleine Läsion. Sonst war nichts passiert. Zum Glück war auch sonst kein Verkehr. Ich pumpte das Rad wieder auf und fuhr weiter Richtung Mittagspause in Dilligen, das ich gegen 13 Uhr erreichte.

Nach Donauwörth konnte ich ganz gut durchziehen. Hier waren mehr asphaltierte Wege zu fahren, auch größere Abschnitte auf kleinen, wenig befahrenen Landstraßen. In der heißen Nachmittagssonne musste ich öfters zur Trinkflasche greifen. In Donauwörth kam ich zunächst am großen Firmengelände von Airbus Helicopters vorbei, was mir noch vom vergangenen Jahr vertraut war und erreichte dann die deutlich kleinere idyllische Altstadt. Die Schattenplätze waren zumeist schon vergeben. Ich aß ein Eis, um die Energie für den Rest der Tour zu tanken. Hinter Donauwörth wurde das Gelände deutlich hügeliger und es waren einige fiese Anstiege zu bewältigen. Ich musste wieder Luft aufpumpen, wieder das Vorderrad.

In Bertoldsheim kehrte ich um 18 Uhr im Schlossgasthof ein, um Salz zu mir zu nehmen und zu trinken. Ich war schon wieder ziemlich ausgetrocknet. Wenn Wasser den Durst nicht mehr löscht, fehlt Salz. Ich aß eine Brätspätzlesuppe, trank viel und machte mich wieder auf den Weg. Kurz vor Neuburg ließ die Luft immer weiter nach, sodass ich entschied, die letzten 27 Kilometer nach Ingolstadt mit dem Zug zu fahren. Burkhard war schon längst im Altstadthotel, unserem Treffpunkt, angekommen. Rückblickend wäre ich wahrscheinlich genauso schnell gewesen, wenn ich den Schlauch gewechselt hätte und weitergefahren wäre.

Die Zugtickets waren schnell gekauft (2,75 Euro für BahnComfort nach Ingolstadt Hauptbahnhof und 2,75 Euro Fahrradkurzstrecke Bayern). Der Zug hatte aber Verspätung wegen eines Polizeieinsatzes. In Ingolstadt musste ich dann nochmal umsteigen zum Nordbahnhof. Gegen 22 Uhr war ich im Hotel. Da merkte ich, dass meine rechte Hand schmerzte. Beim Sturz hatte ich mich eigentlich links abgestützt. Wie wichtig doch so ein Daumen ist: Wäsche auswringen, Tür aufziehen und Zähneputzen waren etwas schwierig. In der Nacht krachten die Gewitter ganz ordentlich. Irgendwann ließ der Schmerz nach.

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